Mit Spaß zum Ballorientierten Spiel

September 29th, 2009 by Martin Hasenpflug

Zugegeben die Methodik zum Ballorientierten Spiel, bzw. Ballorientierten Verteidigen ist für Jugendliche nicht unbedingt die Attraktivste. Es ist schon einiges an Motivation nötig die Spieler soweit zu bringen, dass sie auch bei diesen Übungen mit voller Elan dabei sind. Als Spieler muss man hier viel zuhören, nachdenken und bei den ersten Umsetzungsversuchen kann man auch noch nicht intuitiv agieren.

Die Spieler wollen den Ball am Fuß und dann Tore schießen und Gegenspieler ausfummeln. Beim Erlernen des Ballorientierten Spiels muss man jedoch erst die Theorie begreifen, seine Laufwege bei den verschiedenen Spielsituationen erlernen und diszipliniert im Mannschaftsverbund sich einbringen. Alles Sachen die für die Spieler nicht unbedingt zu den Lieblingstrainingsinhalten zählen. Doch wie kann man jetzt das Ballorientierte Spiel mit Spaß vermitteln?

Man betrachte mal kurz eine Trainingseinheit als Ganzes. Man bringt seinen Körper durchs Aufwärmen in die nötige Verfassung und nebenher wird der Kopf für die folgenden Aufgaben in Stimmung gebracht. Dann kommen die Übungen, indem der Trainer durch korrekte Anweisungen, organisieren von vielen Ballkontakten und dem Vermitteln von vielen Erfolgserlebnissen die Spieler dazu bringt, sich in einem speziellen fußballerischen Element zu verbessern. Mit jeder weiteren Übung fiebern die Spieler immer mehr danach das Erlernte in Spiel umzusetzen. Aus diesem Grund sollte das Trainingsspiel im letzten Teil des Trainings nicht fehlen. Dies ist auch eine hervorragende Möglichkeit für die Spieler sich nochmal richtig auszutoben.

Mit einem kleinen Trick kann der Trainer nun jedes Abschlussspiel dazu nutzen, das Ballorientierte Spiel seiner Mannschaft per Huckepack zu fördern. Dies kann man umzusetzen, ohne dass man die Spieler mit speziellen Regeln in ihrem Wunsch nach freier fußballerischen Entfaltung limitieren muss. Dazu schaut man erstmal wieviele Spieler sind anwesend? Das Ballorientierte Spiel verlangt mindestens eine 3-2-System pro Mannschaft. Also eine Dreierkette mit zwei Mittelfeldspielern die sich jedoch bei dieser geringen Spieleranzahl extrem viel verschieben müssen. Aus diesem Grund macht ein Spiel 5 gegen 5 oder 6 gegen 6 am meisten in einem in der Breite verengten Spielfeld Sinn. Durch diese Verkleinerung bringt man mehr Aktionen ins Abschlussspiel.

Für höhere Spielerzahlen würde man mit folgenden Systemen spielen: 3-3, 3-3-1, 3-3-2, 3-3-3, 4-4-2. Im Abschlussspiel fordert man dann von seinen Spielern alle Facetten des Ballorientierten Spiels. Durch die klare Gliederung der einzelnen Mannschaftsteile lernen die Spieler nebenbei die idealen Abstände zueinander und den damit verbunden Vorteil mittels kompakter Präsenz im Zentrum den Gegner kaum gefährliche Spielzüge zu ermöglichen. Durch die vorgegebenen Dreierketten fällt es den Mannschaften leichter auf den Ball druck auszuüben, bzw. den druckausübenden Nebenspieler zu unterstützen.

Durch aggressives Verteidigen von mehrere Mannschaftsteile ist die Wahrscheinlichkeit einer Balleroberung am größten. Nur mit einer Spielerüberzahl in Ballnähe hat man gute Möglichkeiten mittels unkomplizierten Kombinationsspiel den Ball zügig in die Spitze zu bringen.

Der Ballführende muss dabei mindestens eine Anspielstation in Breite und Tiefe haben. Deswegen dürfen sich bei einer Balleroberung auch nicht gleich alle Spieler vom Ball weg bewegen. Nun ist die Mannschaft gefragt durch kreatives Zusammenführen von Doppelpass, Direktspiel, Hinterlaufen, Alleingängen und Pass in die Tiefe den Ball möglichst gefährlich vor dem gegnerischen Tor zu bringen. Sollte kein direktes Spiel in die Spitze möglich sein, so spielt man über die Flügel, sollte dies auch nicht möglich sein, spielt man hintenrum und wechselt auf die Seite wo Räume für den Spielaufbau vorhanden sind.

Ein Abschlussspiel nach diesem Schema ermöglicht das Lernen des Ballorientierten Spiels nebenbei, ohne dass man Abstriche beim Erlernen anderer fußballerischen Elemente machen muss. Zum Anderen gibt es keine bessere Methode das Ballorientierte Spiel zu lernen, als in Wettkampfsituationen und diese hat man im Abschlussspiel allemal.

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Der Trainer-Newcomer der Bundesliga Thomas Tuchel

September 22nd, 2009 by Martin Hasenpflug

Als der 1973 geborene Thomas Tuchel am 3. August 2009 zum Cheftrainer beim FSV Mainz 05 für den entlassenen Jörn Andersen ernannt wurde, fragte sich ganz Fußballdeutschland wer dieser Tuchel ist? Wie kommt Mainz dazu einen so unbekannten Trainer die Führung seiner Bundesligamannschaft zu übergeben? Selbst als Spieler war Tuchel lediglich für acht Spiele Profi in der zweiten Liga bei den Stuttgartern Kickers.

Thomas Tuchel musste schon recht früh mit 24 Jahren seine Fußballkarriere aufgrund einer Verletzung beenden und studierte daraufhin BWL. Im Jahr 2000 kam er über seinen ehemaligen Trainer vom SSV Ulm Ralf Rangnick zum VFB Stuttgart, wo er dann bis 2004 die U14 und U15 trainierte. Die Saison darauf wurde er als Co-Trainer der Stuttgarter A-Jugend Deutscher Meister. Für drei Jahre wechselte er nun zum FC Augsburg wo er die U19 und U23 trainierte und 2007 beim DFB die Ausbildung zum Fußball-Lehrer absolvierte. 2008 kam er dann zu Mainz 05 wo er gleich im ersten Jahr als Trainer der A-Jugend Deutscher Meister wurde.

Nur fünf Tage vor dem ersten Bundesligaspiel übernahm er das Amt als Cheftrainer und jetzt nach sechs Spieltagen steht er mit Mainz auf dem fünften Tabellenplatz und ist punktgleich mit dem Tabellendrritten Bayern München. Gegen Bayern München gewannen die Mainzer am dritten Spieltag unter Tuchel sogar zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Das Fachmagazin Kicker sprach nach diesem Spiel von den taktisch genialen Schachzügen Tuchels. So setzte er den langzeitverletzten Bo Svensson zur Absicherung vor der Abwehr ein und spielte mit zwei defensiven Mittelfeldspielern die immer wieder auf die Zehnerpositionen vorrückten und die Bayern so unter Druck setzen.

Seinen Umgangsstil mit den Spielern bezeichnet Tuchel als kommunikativ. Er habe klare Vorstellungen vom Training und Spiel und würde diese pedantisch und konsequent durchsetzen. Tuchel sieht sein Vorbild in seinem ehemaligen Trainer Ralf Rangnick und ist gewillt die u.a. von Rangnick geprägte baden-württembergische Schule des Fußballs in Mainz weiter umzusetzen. Im Detail bedeutet dies, dass er von seinen Spielern viel Laufbereitschaft erwartet, dass sie aus einer hervorragenden Ordnung aggressiv nach Vorne verteidigen und bei Balleroberung schnell und flach in die Spitze spielen. Außerdem sei ihm das Umschalten in beide Richtungen sehr wichtig.

In einem Interview mit Spox.com sprach Tuchel über seine Bewunderung für den FC Barcelona. Die herausragende Leistung des FC Barcelonas sei nur durch eine Art Demut möglich. Die Spieler des FC Barcelonas treten als kollektiv auf. Bei Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ist sich kein Star zu schade direkt wieder aggressiv gegen den Ball zu verteidigen. Es sei nicht selbstverständlich, dass auf so hohem Niveau kein Spieler die harte Defensivarbeit scheut.

In der Bescheidenheit sieht Tuchel den Weg um im Fußball erfolgreich zu sein. Durch die Bescheidenheit entsteht ein gewisser Anspruch gegenüber sich selbst. Das Erkennen seines außergewöhnlichen Talents und die Bereitschaft alles für seine Entwicklung zu tun. Nur so könne man das Höchstmögliche erreichen.

Tuchel nennt den 2009 verstorbenen Hermann Badstuber als einen seiner größten Vorbilder in Sachen Fußball. Selten habe er jemanden gesehen der soviel Fachwissen in sich vereinte und dennoch soviel Querdenken zuließ. Er war fleißig, hat sich selbst hinterfragt und blieb dabei stets bescheiden. Hermann Badstuber ist Vater des Bayern-Verteidigers Holger Badstuber.

Neben Ralf Racknick, Peter Zeidler, Jogi Löw, Wolfgang Geiger, Helmut Groß ist nun mit Thomas Tuchel ein weiterer erfolgreicher Trainer aus der baden-württembergischen Schule hervorgegangen. In unserem Artikel 1981: Die Fußballrevolution in Deutschland ist nachzulesen wie aus der baden-württembergischen Schule das ballorientierte Verteidigen und die Viererkette hervorging.

© Martin Hasenpflug

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Felix Magath mit drei Innenverteidigern zum Erfolg

September 14th, 2009 by Martin Hasenpflug

In unserem Artikel DFB-Chefscout und die Zukunft des Fußballs ist nachzulesen, wie Urs Siegenthaler die deutschen Trainer aufmuntert über den eignen Tellerrand zu schauen. Sie sollen das vorhandene nicht als unumstößliche Wahrheit sehen, sondern mit dem Zeitgeist gehen und für bestehende Probleme neue und kreative Lösungen finden. So verwies er z.B. darauf, dass der FC Barcelona anfing mit drei Stürmern zu spielen und dabei große Erfolge erzielte und plötzlich war die Dritte Spitze in aller Munde.

Gestern spielte Schalke 04 beim 1. FC Köln. Der 1. FC Köln hat gegen keine andere Mannschaft in der Liga soviele Heimsiege verbucht wie gegen Schalke 04. Und Schalke war wirklich in keiner guten Ausgangssituation. So mussten sie kurzfristig die Ausfälle von Rafinha, Kuranyi und Mineiro kompensieren. Hinzu kommt der langzeitverletzte Jones, der eigentlich in dem sowieso arg begrenzten Schalker Kader die Fäden ziehen sollte. Diese Dezimierung an Leistungsträgern war es aber nicht allein die auf Schalke lastete. So kamen in den letzten Tagen öffentliche Diskussionen auf, dass Schalke mit der Zahlung der Spielergehälter rund vier Wochen in Verzug sei und dass man noch rund 20-25 Millionen bis zum Jahresende auftreiben muss, um für diese Saison zahlungsfähig zu bleiben.

Das Interessante für uns an diesem Spiel war aber, dass Felix Magath nach rund 20 Minuten auf das 3-4-3 umstellte. Schalke agierte nun mit drei Innenverteidigern, die bei einem Kölner Angriff zu einer Fünferkette wurde. Die beiden Mittelfeldspieler außen ließen sich in die Abwehrkette fallen und die beiden zentralen Mittelfeldspieler sorgten dafür, dass Schalke in zentraler Position vor dem eigenen Tor sehr kompakt standen.

Letztlich gewannen die Schalker mit drei Innenverteidigern 2:1 in Köln und belegen nun nach fünf Spieltagen überraschend den dritten Tabellenplatz. Felix Magath ging volles Risiko und wurde belohnt. Nicht umsonst sagt man, dass den Mutigen die Welt gehört. Oft scheitern innovative Ideen nur daran, dass man nicht den Mut hat sie mit der letzten Konsequenz durchzusetzen. Man mischt sie noch mit althergebrachten und sie funktioniert nicht. Die grundsätzlich gute Idee wird nun wieder verworfen und man setzt aufs altbewährte.

Ob es nun die vier Stürmer sind oder die drei Innenverteidiger von Felix Magath ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass man sich und sein System immer wieder in Frage stellt, sich dem Fortschritt nicht verschließt, die eigene Situation erkennt, kreativ nach alternative Wege sucht und diese dann mutig bis zur letzten Konsequenz umsetzt.

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Trainertagebuch: Einführung der Vierer-Abwehrkette

September 8th, 2009 by Martin Hasenpflug

Hier auf der Seite findet man mittlerweile viele Informationen zum Umstellen von Manndeckung auf das Ballorientierte Spiel. Doch funktioniert das wirklich wie beschrieben? Theorie und Praxis liegen ja oft weit auseinander.

Deshalb gibt es heute ein Bericht aus der Praxis, wie ich bei einer C-Jugend die 4er-Kette nach dem hier dargestellten Schema eingeführt habe. Außerdem erwähne ich hier im Trainertagebuch wie ich weiteren Schwerpunkte nach dem Buch Fußballtraining mit Kids ergänzend zum neuen System trainieren ließ und welche Früchte die Sache in den darauffolgenden Spielen trug.

Ausgangspunkt war eine Mannschaft mit 18 Spielern. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

  • Zwei Spieler haben in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang in der Leistungsklasse (zweitniedrigste Liga) gespielt
  • Zwei gute Spieler wechselten von fremden Vereinen
  • Vier Spieler des jüngeren Jahrgangs wurde hochgezogen, die in der Vorsaison in der D-Jugend-Leistungsklasse spielten
  • Der Kern der Mannschaft landete in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang auf dem vorletzten Platz in der Kreisklasse (niedrigste Liga)

Keiner der 18 Spieler war zuvor mit der Viererkette oder dem Ballorientiertem Spiel vertraut. Fast genau vier Wochen vor dem ersten Meisterschaftsspiel habe ich zum ersten Mal mit der mir unbekannten Mannschaft auf dem Trainingsplatz gestanden.

Woche 1: In der ersten Woche (Sommerferien) trainierte ich von Montags bis Donnerstags und Freitag hatten wir ein Testspiel. In den ersten drei Trainingseinheiten wurden 1-gegen-1-Situationen trainiert und am vierten Tag haben wir den 1-Tag-Crashkurs Viererkette gemacht. Freitags im Testspiel gegen eine gute Leistungsklasse-Mannschaft kassierten wir ein Gegentor, wobei die Abwehr doch noch sehr wacklig war.

Woche 2: Die drei Trainingseinheiten die wir in der zweiten Woche absolvierten galten der Ballan- & Ballmitnahme. In dieser Woche erhielt jeder Spieler ein Merkblatt wie er sich im Ballorientiertem Spiel zu verhalten hat. Das am Wochenende gespielte Turnier mit vier Mannschaften aus der Leistungsklasse und vier Mannschaften aus der Kreisklasse konnten wir ohne Gegentor gewinnen.

Woche 3: Man absolvierte nun 2,5 Trainingseinheiten mit dem Schwerpunkte Flugball. 0,5 Trainingseinheiten weil man am dritten Trainingstag nur mit einem Teil der Mannschaft und dann auch nur eine Stunde ein kleines Spielchen machen konnte. Am Wochenende hatte man wieder gegen eine gute Mannschaft aus der Leistungsklasse ein Testspiel, wo man wieder nur ein Gegentreffer hinnehmen musste.

Woche 4: Der Schwerpunkte bei den nun anstehenden 2,5 Trainingseinheiten war das Doppelpass-Spiel. Dadurch wollte ich mehr offensive Aspekte ins Spiel bringen. Es folgte das erste Meisterschaftsspiel in der Leistungsklasse ohne Gegentor.

Woche 5: Man hatte in dieser Woche zwei Trainingseinheiten zur Verfügung, die man nutzte um den Schwerpunkt Doppelpass der Vorwoche fortzusetzen. Das zweite Meisterschaftsspiel war gegen den Jungjahrgang eines Zweitligisten, die ihr erstes Meisterschaftsspiel 7:0 gewannen. In diesem Spiel gab es für die neue Viererkette wieder nur ein Gegentreffer.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man lediglich mit dem 1-Tag-Crashkurs Viererkette, der Merkblatt-Aktion und dass man in jedem Abschlussspiel das Ballorientierte Spiel gefördert und gefordert hat eine stabile 4er-Abwehrkette in der C-Jugend geschaffen hat. Man spielte jedes Spiel im 4-4-2 (flache Vier), so dass das Mittelfeld ebenfalls als 4er-Kette agieren konnte.

Besonders im letzten Spiel gegen eine spielstarke Mannschaft, die mit vielen Pässen im Rücken der Abwehr arbeitete, hat sich das Ballorientierte Verteidigen ausgezahlt. Nur mit dem Ballorientiertem Spiel schafft man so enge Räume zentral vor dem Tor, nur so kann der in den Zweikampf gehende Spieler stets abgesichert werden und auch nur so kann der ballführende Gegner mit minimalem Aufwand gedoppelt werden.

Mein Appell an alle Trainer die noch auf die Manndeckung setzen: Spielt modernen Fußball! Wenn man sich etwas mit der Materie auseinandersetzt (diese Webseite reicht vorerst) ist es viel leichter auf das neue System umzustellen als man denkt.

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