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Sep 21 2013

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Die Aufgaben eines modernen Sechsers

Je nachdem ob man mit einem oder mit zwei Sechsern spielt unterscheiden sich deren Aufgaben. Bei zwei Sechsern kann defensiv gesehen ein Sechser ständig zusammen mit dem Außenverteidiger am Flügel doppeln. Der zweite Sechser bleibt dann im Zentrum und sorgt dort für Kompaktheit. Bei zentraler Ballposition agieren zwei Sechser leicht versetzt zueinander. Der ballnahe Sechser übt druck auf den Ball aus und verstellt somit Passwege in die Tiefe. Der ballferne Sechser steht etwas tiefer und stabilisiert so die Abwehrkette. Aufgrund dieser Tiefenstaffelung ist es zusätzlich möglich, dass die beiden Sechser den Gegner doppeln. Dazu steuert der vordere Sechser den Gegner durch eine seitliche Stellung zum tieferen Sechser. In dem Moment wo der Gegner das Angebot annimmt und sich den Ball am vorderen Spieler Richtung zweiten Sechser vorlegt, tritt der tiefere Sechser aus seiner Position heraus und erobert den Ball.

Der Sechser in einer 4-4-2-Raute-Grundformation

Der Sechser in einer 4-4-2-Raute-Grundformation

Sollte ein gegnerischer 10er aus dem Zentrum hinter dem Rücken des vorderen Sechsers kreuzen, so bleibt der tiefere Sechser zur Stabilisierung der Defensive im Zentrum. Beim Spiel mit zwei Sechsern kann sich offensiv gesehen immer ein Sechser in den Angriff einschalten. Aufgrund seiner tiefen Ausgangsposition ist ein Einschalten in die Offensive für den Gegner schwer berechenbar.

Spielt man dagegen mit nur einem Sechser hat man den Vorteil einen zusätzlichen Offensivspieler auf dem Platz zu haben. Somit besitzt man nach einem Ballgewinn eine Anspielstation mehr in der Tiefe. Der einzige Sechser sollte seine Offensivaktionen auf ein Minimum reduzieren. Im Falle eines Ballverlustes wäre der freie Raum vor den Innenverteidigern sehr groß. Bei äußerer Ballposition des Gegners ist es ratsam, dass der einzige Sechser im Zentrum bleibt, um dort die Kompaktheit aufrecht zu erhalten. Der Außenverteidiger sollte in diesem Fall mit dem Mittelfeldaussen doppeln. Bei zentraler Ballposition des Gegners können 10er und Sechser zusammen doppeln. Ist der 10er vor dem Ball, kann der Sechser zusammen mit einem Innenverteidiger doppeln. Auch hier übt der vordere Spieler in einer seitlichen Stellung druck auf den Ball aus und versucht den Gegner zu einem tiefer postierten Mitspieler zu steuern.

Spielt das Team Pressing muss der Sechser gegnerische Anspielstationen im Zentrum eng decken. Dabei steht er überlappend hinterm Gegner, also leicht versetzt auf der Seite des Passgebers. Der gedeckte Gegner darf sich nach einem Zuspiel nicht aufdrehen können. Dribbelt er weg, bleibt der Sechser eng in seinem Rücken. Der Sechser darf in dieser Spielsituation nicht Foulspielen. Stattdessen wartet er auf einen höher postierten Spieler der direkt auf den Ball geht und so ein Aufdrehen des Gegners provoziert. Beim Aufdrehen ist der Ball für einen Moment frei. Diesen Moment nutzt der Sechser um den Ball zu erobern. Steht der Sechser im Zentrum gegen zwei Gegner, so holt er sich einen weiteren Mitspieler zur Hilfe.

Hohe Bälle ins Mittelfeld oder auf die eigene Abwehrkette versucht der Sechser zu antizipieren und den zweiten Ball zu gewinnen. Der Sechser geht in keine unnötigen offensiven 1-gegen-1-Dribblings. Im Falle eines Ballverlustes wäre der Raum vor den Innenverteidigern frei. Hat er dagegen einen freien Raum vor sich, z. B. wenn er im Spielaufbau nach einem Zuspiel des Innenverteidigers aufdrehen kann, so stößt er mit einem Tempodribbling in diesen Raum. Ist ein Mitspieler am Flügel in Ballbesitz, so bietet sich der Sechser im Zentrum an, damit man über ihn das Spiel verlagern kann. Bei zentraler Ballposition des Gegners übt der Sechser zwar immer druck auf den Ball aus, darf dabei aber nicht zu ungestüm agieren, damit er nicht ausgespielt wird. Durch den Druck auf den Ball verkürzt er den Abstand zum Gegner, dieser kann so kaum einen Flugball oder in die Tiefe spielen. Er ist gezwungen quer oder zurück zuspielen.

Wird der Sechser überspielt, indem ein Gegner vor den Innenverteidigern angespielt wird, muss die Abwehrkette bis auf den sicheren Abstand (22 Meter Tordistanz) zurückweichen und dabei den Raum nach innen hin verengen. Die Außenverteidiger rücken dazu mit höchstem Tempo an die Innenverteidiger ran. Der Sechser setzt in den Fall mit höchstem Tempo nach und versucht auf der Seite des Dribbelfußes des Gegners den Ball von hinten zu gewinnen. Die Chancen stehen groß, da das Zurückweichen der Abwehrkette das Tempo des Dribblers verlangsamt und der Dribbler einen von hinten kommenden Gegner nicht im Fokus hat. Wird der ballführende Gegner dagegen mit dem Rücken zum Spiel vom Innenverteidiger gestellt, so geht der Sechser direkt auf den Ball und zwingt ihn so zum Aufdrehen in den Innenverteidiger hinein.

Doppelt der Sechser am Flügel mit dem Außenverteidiger, so unterscheidet man zwei Situationen. Zum einen wenn der Gegner frontal aufs Tor dribbelt und zum anderen wenn der Gegner mit dem Rücken zum Spiel vom Außenverteidiger gestellt wird. In beiden Fällen orientiert sich der Sechser rechtzeitig nach außen, um schnell am Gegner zu sein. Dribbelt der Gegner frontal, so postiert sich der Sechser in einer Tiefenstaffelung zum Außenverteidiger. Der Außenverteidiger steuert den Gegner dann durch eine seitliche Stellung nach Innen zum Sechser. Sobald sich der Gegner den Ball vorlegt, geht der Sechser auf den Ball. Es ist wichtig, dass der Sechser dabei nicht zu weit vom Außenverteidiger entfernt steht, sonst kann der Gegner den Ball nach einem Vorbeilegen wieder kontrollieren. Nachdem der Gegner sich den Ball Richtung Sechser vorlegt bleibt der Außenverteidiger an ihm dran und setzt ihn so weiter unter druck. Wird der ballführende Gegner aber zuvor hinterlaufen, so orientiert sich der Außenverteidiger zum hinterlaufenden Gegner und der Sechser stellt den dribbelnden Gegner so in seitlicher Stellung, dass er nur nach außen durchbrechen kann. Konnte der Außenverteidiger dagegen den Gegner mit dem Rücken zum Spiel stellen, so geht der Sechser direkt auf den Ball um ihn zu erobern oder ein Aufdrehen in den Außenverteidiger hinein zu provozieren.

Wird ein Sechser von einem Mitspieler aus einer tieferen Position mit einem Pass in die Offensive überschlagen (z. B. IV auf 10er oder MA), so rückt dieser direkt Richtung Passempfänger nach. So hat der Passempfänger die Option den Ball zurück klatschen zu lassen. Außerdem kann man so im Falle eines Ballverlustes den Ball direkt zurück erobern. Ein Ballverlust in der Offensive mit gleichzeitiger Überzahl in Ballnähe ist eine gute Voraussetzung für die Rückgewinnung des Balls.

Generell hält der Sechser bei eigenen Angriffen stets Kontakt zu den Offensivspielern. So kann er als zusätzliche Anspielstation nach hinten dienen und kann gleichzeitig Befreiungsschläge des Gegners, an den eigenen Offensivspielern vorbei, abfangen und einen erneuten Angriff einleiten. Im Falle eines gegnerischen Konters kann er so auch die Innenverteidiger beim Verteidigen unterstützen. Im Fußball spricht man dann von einer sogenannten Rückverteidigung die der Sechser durch die Besetzung des Rückraums herstellt.

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4 Kommentare

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  1. Philippe

    Hallo Abwehrkette!

    Wie soll der 6er mit gegnerischen zentralen Mittelfeldspielern bei gegnerischen Ballbesitz umgehen? Also wenn ehr jeweils zum Ball verschiebt. Wann müssen die 6er eng am gegnerischen Spieler sein und wann verschieben sie zum ball ohne den Gegner eng zu decken?

    Im spiel kommt es immer wieder vor das unsere 6er nicht wissen müssen ob sie zum ball verschieben müssen oder den gegnerischen 10er verfolgen sollen.

    Philippe

  2. Initiative abwehrkette.de

    Zentrale Gegenspieler sollten eng gedeckt werden. Bei zwei 6er kann einer immer außen zum Doppeln gehen. Bei einem 6er sollte er eher im Zentrum bleiben.

  3. Philippe

    Wenn der Gegner durchs Zentrum angreift wird der ballführende Gegner ja von einem 6er gestellt und vom zweiten abgesichert. Es wird ein Abwehrdreieck gebildet zusammen mit dem MA. Wie wird in diesem Fall mit dem gegnerischen 10er umgegangen? Der zweite 6er kann ja nicht den 6er Absichern und den 10er eng decken. Oder?

  4. Magnus

    Hallo Abwehrkette,

    Wenn einer von zwei 6ern außen doppelt, lässt er den übrigen 6er ja alleine gegen den 10er und einen gegnerischen 6er der aufrücken könnte. Wie muss dann genau gedoppelt werden um ein Anspiel vom außen auf einen gegnerischen 6er oder 10er gleichzeitig vermeiden zu können? Mir fiel als erstes die Möglichkeit ein, die gegnerischen spieler per deckungsschatten auszuschalten. Gibt es noch weitere ? Denn wenn ein Anspiel vom Außen auf einen Zentralen des Gegners geschieht, ist doch eine schnelle Spielverlagerung für den Gegner möglich, die zu großem gegnerischem Raumgewinn führt und dadurch womöglich zu gefährliche Situationen.

    Lg,
    Magnus

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