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Mrz 30 2013

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Angriffsvariation 90-Grad-Ball

Ein variables Angriffsspiel wird von vielen Trainern als Schlüssel zum Erfolg gesehen. Variabel Angreifen bedeutet aber nicht, dass neben dem Kurzpassspiel, nur das Flügelspiel mit anschließender Flanke existiert. Ein Angriffsspiel kann auch variabel ohne Flanken und ohne Flugbälle sein!

Im Profifußball zeigt sich zur Zeit eine starke Tendenz weg vom Flankenspiel. Durch die Erfolge und dem attraktiven Spiel (nicht für alle) des FC Barcelonas und der spanischen Nationalmannschaft sind viele Mannschaften ambitioniert ihr Kurzpassspiel zu verbessern. Die Nachteile des Flankenspiel gewichten zur Zeit viele Profitrainer sehr stark.

Bei einer Flanke / Flugball ist immer zu beachten, dass der Ball relativ lange unterwegs ist und der Angespielte so oft unter Gegnerdruck gerät. Eine Flanke unter Gegnerdruck zu verarbeiten oder zu verwerten ist deutlich schwieriger, als dies mit einem flachen Zuspiel der Fall ist. Dies bedeutet, dass man mit der Anwendung des Flankenspiels, gegenüber dem Kurzpassspiel, mehr Ballverluste in Kauf nimmt. Ab einer gewissen Zahl an Ballverlusten verliert man die Kontrolle über das Spiel.

Immer mehr Fußballtrainer wollen jedoch die Kontrolle über das Spiel! Sei es darum, weil Sie dadurch ihre Siegeschance erhöht sehen oder weil dies einen positiven Effekt auf Fans und Zuschauer hat. Trotz dieser Tendenz zum Kombinationsfußball wird es auch in Zukunft immer wieder Teams geben die Flugbälle und Flanken für ihr Angriffsspiel nutzen. Teams die ihre Angreifer mit hohen Bälle in Duelle mit Abwehrspielern schicken und auf den Gewinn des zweiten Balls spekulieren. Diese Spielweise wird auch immer gewisse Erfolge erzielen. Diese Erfolge sind jedoch nicht so planbar, wie die Erfolge durch das Kurzpassspiel. Denn der Erfolg mit dieser Spielweise ist massiv von der Fehlerquote des Gegners abhängig.

Im Jugendfußball sollte unsere Meinung nach fast ausschließlich auf Flugbälle verzichtet werden. Es heißt ja Jugendfußball sei gleich Fußballausbildung. Die Frage ist aber bei welcher Spielweise lernt man mehr? Da die Fehlerquote im Jugendfußball teilweise recht hoch ist, wird man mit hohen Bällen kurzfristig gesehen mehr Erfolg haben. Aber die fußballerische Entwicklung wird deutlich langsamer sein, wie es beim durchgängig praktizierten Kurpassspiel der Fall ist.

Man beachte, dass die Spieler mit dem Kurzpassspiel sehr viele Aktionen im Spiel erhalten. Der Spieler ist viel mehr involviert im ganzen Geschehen und kann dadurch natürlich auch viel mehr lernen. Beim Kurzpassspiel muss der ballführende Spieler das Freilaufverhalten seiner Mitspieler und Gegenspieler beobachten, mögliche Handlungen erkennen, sinnvolle Spielfortsetzungen wissen und seine Spieler auffordern entsprechend zu handeln. Im Spiel ohne Ball muss der Spieler ständig Räume und Spielsituationen erfassen, um seinen Mitspielern Anspielstationen zu bieten oder die Initialzündung für eine erfolgsversprechende Angriffsvariante geben zu können.

Man sieht, dass das Kombinationsspiel deutlich die intellektuelle und wahrnehmerische Fähigkeiten eines Spielers schult. Um einen langen und hohen Ball hinterherzulaufen bedarf es nicht das Spiel zu verstehen. Doch je höher das Leistungsniveau wird, also höhere Spielklasse und höhere Jahrgangsstufe, desto wichtiger wird das kluge Handeln eines Spielers.

Dieser Beitrag soll nun zeigen, dass auch mit dem Verzicht auf Flugbällen / Flanken ein variantenreiches Angriffsspiel möglich ist. Das Kurzpassspiel wird oft mit Angriffen durchs Zentrum gleich gesetzt. Dies muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein. Es kann auch über außen bis zur Grundlinie kombiniert / gedribbelt werden und dann flach vors Tor oder flach in den Rückraum gepasst werden. Der Passgeber sollte sich hier aber nicht zu weit außen befinden. Denn dann könnte sein Zuspiel abgefangen werden. Dieser nach Möglichkeit flach und druckvoll gespielter Pass, von der Grundlinie ausgehend vors Tor, wird als 90-Grad-Ball bezeichnet.

Beim 90-Grad-Ball ist ein gutes Timing der Spieler gefordert. Die Spieler zentral starten im Idealfall erst mit dem Pass in die sogenannten Zielräume vor das Tor. Die Zielräume sind Positionen, die zum einen die Abwehr des 90-Grad-Passes möglichst erschweren sollen und zum anderen eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Treffer bieten.

Diese Zielräume befinden sich etwa auf Höhe der Torraumlinie am ersten und zweiten Pfosten und im Rückraum des ersten Pfostens (leicht nach Innen versetzt). Gelingt es alle drei Zielräume zu besetzen, so verfügt der Passgeber über die besten Möglichkeiten einer Torvorlage. Blickkontakt zwischen Passgeber und Passempfänger werden vorausgesetzt. Zusätzlich gilt auch hier die „Trainerweisheit“, dass immer der Spieler ohne Ball die Passrichtung (und Passschärfe) bestimmt und nicht der Ballführende.

Aus folgenden Übungen lässt sich eine komplette Trainingseinheit zur Verbesserung des Angriffs mit dem 90-Grad-Ball zusammenstellen. Das Organisationsprinzip basiert auf den Turbo-Lernfußball. Also Technikübung zum Aufwärmen in Wettbewerbsform, Schnelligkeitsübung mit Ballbezug ebenfalls im Wettbewerb, Ballzirkulation mit Akzentuierung des Trainingsschwerpunktes und ein spielnahes Abschlussspiel (mit zusätzlicher Belohnung bei Anwendung des Trainingsschwerpunktes).

Organisation & Ablauf

Zwei Hütchen (A und B) im Abstand von 15 Metern aufbauen. Zentral davon (5 Meter seitlich versetzt) die Position C stellen. Mit zwei Stangen zwei Torecken (Breite: 1 Meter) markieren. Hütchen C befindet sich auf der Schnittstelle zwischen Strafstoßpunkt und Pfosten.

Die Positionen B und C einfach besetzten. Die restlichen Spieler mit je einem Ball zur Startposition A.

Spieler A passt zu C, C lässt zurück klatschen und A passt zu B. B passt zu C und C passt zu A. A spielt Doppelpass mit B, umdribbelt Hütchen B und passt vor das Tor zu C. C schießt den Ball direkt in die kurze Torecke.

A wechselt nach B, B nach C und C stellt sich mit Ball bei A an. Sobald B gewechselt hat, startet die nächste Aktion.

Spieleranzahl: 5-8 Spieler.

Wettbewerb: Welche Gruppe trifft in 4 Minuten häufiger ins kurze Toreck?

Variation: Für den zweiten Durchgang zum spiegelverkehrt aufgebauten Parcours wechseln.

Tipp: Nachdem A zu C gepasst hat, wartet er auf den Rückpass von C, bevor er Richtung B läuft. Sonst kann der zweite Pass von C zu ihm, nur in seinem Rücken gespielt werden.

Organisation & Ablauf

Die Positionen A und B von der oben beschriebene Übung übernehmen

Ein Spieler ohne Ball zu B und die restlichen Spieler mit einem Ball zu A. Spieler A stehen rechts neben dem Starthütchen.

Spieler A passt zu B, B lässt klatschen, A spielt Doppelpass mit B und umsprintet Hütchen B. B passt direkt zum ersten Spieler A. Sobald A um das Hütchen B gesprintet ist, erhält er vom ersten Spieler A ein Zuspiel, dass er klatschen lässt usw.

Spieler B stellt sich ohne Ball bei A an.

Wettbewerb: Welche Gruppe sprintet in 4 Minuten häufiger um das Hütchen B?

Variation: Für den zweiten Durchgang stehen die Spieler A links neben dem Starthütchen und umsprinten Hütchen B auf der anderen Seite.

Tipp: Spieler A sprintet erst mit dem Doppelpass los. A passt in den äußeren Fuß des sprintenden Spielers. Der sprintende Spieler passt A in den hinteren Fuß, so dass dieser den Doppelpass nicht über das Standbein spielen muss.

Organisation & Ablauf

Ein Spielfeld (35 x 35 Meter) aufbauen. Jede Spielfeldecke besteht aus einem Quadrat (8 x 8 Meter).

Zwei Teams  zu je 5 Spieler bilden. Je nach Leistungsstand Neutrale bestimmen.

Die Teams spielen im kompletten Feld auf Ballhalten gegeneinander. Ein Punkt wird erzielt, indem vertikal (Zeichnung links oder rechts) in ein Eckquadrat gedribbelt wird und dann ein Pass seitlich aus dem Quadrat, zu einem Mitspieler, erfolgt.

Spieleranzahl: 10–18 Spieler.

Wettbewerb: Welches Team hat nach zweimal vier Minuten mehr Punkte erzielt?

Variation: Es darf auch mit einem Doppelpass in ein Eckquadrat kombiniert werden.

Tipp: Durch Spielverlagerungen Raum für ein Dribbling Richtung „Grundlinie“ (Eckquadrat) schaffen. Direktes Nachrücken ins Zentrum, sobald ein Mitspieler in ein  Eckquadrat dribbelt (kombiniert).

Aufgrund der Punktwertung wird das Spiel mit dem 90-Grad-Ball forciert. Also Spiel über außen, Dribbling bis zur Grundlinie und dann ein flacher Pass vors Tor, bzw. in den Rückraum.

Abschlussspiel: Hier können verschiedene Provokationsregeln den Trainingsschwerpunkt akzentuieren. Treffer zählen z. B. doppelt, wenn zuvor ein äußeres Dribbeltor durchdribbelt wurde. Diese Dribbeltore baut man dann rechts und links außen im Strafraum nahe der Grundlinie auf.

Unserer Erfahrung nach machen andere Vorgaben mehr Sinn und sind einfacher zu organisieren. Man sagt der Mannschaft vor dem Spiel, dass das Team, welches einen Gegentreffer durch einen 90-Grad-Ball bekommt, sofort 15 Liegestütze machen muss.

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