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Mai 24 2012

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Ballsicherung oder Gegenangriff nach einer Balleroberung?

Das Ziel nach einem Ballgewinn ist das Erspielen einer Torchance. Um dies zu bewerkstelligen praktizieren viele Teams den direkten Gegenangriff. Ungeachtet dem Zahlenverhältnis von eigenen und gegnerischen Spielern wird der Ball zielstrebig, aber risikoreich, in die Spitze gespielt. Andere Mannschaften dagegen „sichern“ zunächst ihren Ballgewinn, indem sie einen freien Mitspieler anspielen. Von ihm ausgehend versuchen sie sich nun eine Torchance zu erspielen.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Entscheidet man sich für den schnellen vertikalen Pass in die Tiefe, ist die Wahrscheinlichkeit hoch einer ungeordneten gegnerischen Defensive gegenüber zu stehen. Der Gegner ist im Moment des Ballverlustes in der Regel offensiv ausgerichtet, was zu einer Schwächung der Defensivleistung führt.

Mindmap: Ballsicherung oder Gegenangriff nach einer Balleroberung?

Der Gegner gibt bei Ballbesitz seine Kompaktheit zugunsten vieler günstiger Anspielstationen auf. Er fächert sich auf. Die Außenspieler gehen dazu in maximaler Breite und die Mitspieler schieben vor dem Ball, um Anspielstationen für das Spiel nach vorne zu schaffen. So sind weite Pässe die zu viel Raumgewinn führen möglich. Die Verteidiger haben auf dieser Weise längere Wege zum Ballführenden und dieser besitzt dadurch mehr Zeit zum Verarbeiten und Weiterleiten der Pässe.

Aus Sicht der Angreifer macht es also Sinn die Abstände zu vergrößern. Nur im Falle eines Ballverlustes „lädt“ man den Gegner zu einem Gegenangriff ein. Er kann nun durch die vorhandenen Lücken das schnelle vertikale Spiel suchen. Ein angespielter 10er vor der gegnerischen „Restabwehr“ kann so z. B. kaum gedoppelt oder an einem Aufdrehen gehindert werden. Dieser kann wiederum die Lücken in der Abwehrkette für einen Pass in die Tiefe nutzen.

Der schnelle vertikale Pass nach einem Ballgewinn kann also sehr effektiv sein, birgt aber auch ein hohes Risiko den Ball direkt wieder an den Gegner zu verlieren. Man kann davon ausgehen, wenn man sich stets für den schnellen Gegenangriff entscheidet, man dem Gegner auch den Großteil des Ballbesitzes überlässt. Entscheidet man sich für die Ballsicherung nach einem Ballgewinn wird die eigene Mannschaft voraussichtlich mehr Ballbesitz haben.

Mehr Ballbesitz bedeutet, dass man dem Spiel seinen Stempel aufsetzen kann: Tempo des Spiels bestimmen. Verlangsamen indem man Quer- und Rückpässe spielt. Beschleunigen indem man das Spiel verlagert und in die Tiefe passt. Ein auf den eigenen Stärken und den gegnerischen Schwächen ausgerichteter Spielaufbau lässt sich häufig anwenden. Der Gegner kann so lediglich auf die Aktionen reagieren und nur wenige eigene Impulse setzen.

Außerdem sorgt mehr Ballbesitz im Jugendfußball für eine bessere Entwicklung der Spieler. Jede Aktion setzt einen Lernprozess in Gang und mehr Ballbesitz führt genau dazu. Man spielt mehr Pässe, absolviert mehr Ballan- und Mitnahmen, hat mehr Freilaufbewegungen uvm.. Hinzu kommt der psychologische Effekt, dass man mit mehr Ballbesitz Dominanz ausstrahlt. Dies führt zu mehr Sicherheit in den eigenen Aktionen.

Bei der Ballsicherung muss man aber den Nachteil in Kauf nehmen, dass der Gegner bei einem Ballverlust Zeit hat sich kompakt hinter den Ball zu formieren. Das Erspielen einer Torchance wird erschwert, da der Gegner so den tornahen Raum eng gestaltet und Möglichkeiten besitzt dort überall zu doppeln. Außerdem kann er die Angreifer vom Tor fernhalten. Durch den kompakten Mannschaftsverband provoziert er Rückpässe und diese nutzt er jeweils zum Vorschieben. Der neue Ballbesitzer wird ebenfalls unter Druck gesetzt.

Als Trainer kann man sich dazu entscheiden generell die Ballsicherung oder den Gegenangriff zu praktizieren, oder es abhängig von der Spielsituation zu machen. Steht der Gegner bei einem Ballverlust geordnet (nicht aufgefächert) wäre die Ballsicherung ratsam. Der direkte Gegenangriff wäre hier noch risikoreicher, da wahrscheinlich mehrere Gegner direkten Zugriff auf den angespielten Offensivspieler hätten.

Steht der Gegner dagegen beim Ballverlust ungeordnet (weit aufgefächert), kann ein direkter Gegenangriff sehr erfolgsversprechend sein. Die Lücken sind groß und man wird über viel Raum in der gegnerischen Spielfeldhälfte verfügen. Ein Gegenangriff gegen einen geordneten Gegner kann nur unter Umständen sinnvoll sein, wenn z. B. die eigene Mannschaft über eine geringe Passsicherheit verfügt, oder ein schnelles Tor erzielt werden muss.

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