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Aug 15 2010

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Leserbrief: C-Jugend lernt Viererabwehrkette

Aufgrund den Informationen auf unserer Seite konnten schon einige Trainer vom gegnerorientierten Spiel des Liberos auf das ballorientierte Spiel mit der Viererkette umstellen. Die Besucherzahlen unserer Seite zeugen hier von großem Interesse seitens lernwilliger Trainer! Beschäftigt man sich paar ruhige Minuten mit der Sache fragt mich sich, wo denn nun der komplizierte Aspekt der Viererkette ist. Hat man die ersten Trainingseinheiten zur Viererkette hinter sich und das erste Spiel mit dem neuen System absolviert, fragt man sich wieso man nicht schon viel früher umgestellt hat.

Es ist also keine große Kunst modernen Fußball zu spielen. Eine Nicht-Umstellung rührt in den meisten Fällen daher, dass man als Trainer zu bequem ist oder eine Versagensangst das erfolgreich durchzuziehen. Um entsprechenden Trainern für eine Umstellung zu motivieren, bzw. Mut zu machen soll folgender Leserbrief dienen. Geschrieben von einem Trainer der seine C-Jugend in der Winterpause die Viererkette vermittelt hat:

Die Hinrunde lief alles andere als erfreulich. Wir befanden uns auf einem Abstiegsplatz, verloren jedes Spiel deutlich und dementsprechend frustriert waren die Spieler. Wir hatten also nichts zu verlieren und wussten das eine Veränderung der Mannschaft nur gut tun kann. Also entschieden wir uns mithilfe der Inhalte der Initiative abwehrkette.de auf Viererabwehrkette umzustellen.

Unsere Ziele der Umstellung:

  • Beteiligung offensiver/defensiver Aktionen aller Spieler
  • Gezielter Spielaufbau
  • Eigenverantwortung und Kreativität der Spieler fördern
  • Gemeinsam etwas erreichen (Trainer und Spieler ziehen am gleichen Strang)

Begonnen haben wir mit dem Training in den letzten beiden Februarwochen. Bis Ende des Monats hatten wir nur einmal pro Woche und anschließend bis Mitte März zweimal pro Woche Training. Doch in diesen Einheiten legten wir den Grundstock für die Umstellung. Bis dahin hatten die Jungs kaum was von Taktik gehört, geschweige denn taktisches Training gehabt. Daher war ich selbst gespannt wie sie darauf reagieren würden. Wir starteten das Training mit dem Schwerpunkt 1-gegen-1 in der Defensive. Nach den ersten paar Trainingseinheiten war ich überzeugt, dass sich die Jungs mit der Umstellung nicht schwer tun werden. Meine Erklärungen verfolgten sie sehr aufmerksam und sie waren sehr motiviert bei der Sache.

Im Anschluss dieser Trainingseinheiten gab ich ihnen ein Taktikblatt über das defensive Verhalten in der Viererabwehrkette mit und informierte sie über meine Absichten. Nachdem sich die Jungs zuhause mit dem Blatt auseinander gesetzt hatten, diskutieren wir gemeinsam das Ganze 30 Minuten lang beim nächsten Training. Danach wagten wir die ersten Schritte. Da viele Teile der Viererkette versteckt, z.B. im Abschlussspiel trainiert werden können, wurde es ihnen nie zu viel und trotzdem lernten sie immer mehr dazu.

Am Ende der ersten vollen Trainingswoche (drei Trainingseinheiten) hatten wir das erste Freundschaftsspiel, welches bewusst gegen einen unterklassigen Gegner gewählt wurde. Die Jungs gewannen das Spiel und spielten dabei auch sehr gut. Dadurch waren sie bereits überzeugt von der Umstellung und es wurde immer leichter meine Vorstellungen umzusetzen.

In den folgenden Freundschaftsspielen gegen stärkere Gegner gab es jedoch Niederlagen, doch die Spieler sahen die Fortschritte und waren weiter motiviert bei der Sache. Die Trainingsschwerpunkte stellte ich nun mehr auf die Offensive um. Langsam hatte ich auch die Positionen der Spieler gefunden. Es gab einzelne Positionswechsel, welche nach anfänglichen kleinen Beschwerden und Bedenken der Jungs aber dennoch ohne große Probleme vonstatten ging.

Die Meisterschaft begann nun mit der Rückrunde. Wir konnten die ersten Spiele zwar nicht gewinnen, doch wir hatten uns verbessert. In der Vorrunde hagelte es einige deftige Niederlagen und jetzt konnten wir mithalten und waren dem Gegner teilweise überlegen. Wir nutzen leider unsere Torchancen nicht und so verloren wir praktisch jedes Spiel mit einem Tor Unterschied. Teilweise zollte der Trainer der gegnerischen Mannschaft Respekt an unserer Spielweise. Hatten sie uns doch noch in der Vorrunde klar geschlagen.

Wir trainierten konsequent im zweiwöchigen Wechsel defensives und offensives Verhalten. In den defensiven Wochen wurden immer wieder mal die Verteidiger und defensiven Mittelfeldspieler extra zum Verhalten der Viererkette trainiert. Die eher offensiv orientierten Spieler wurden dann zeitgleich anderweitig beschäftigt. Das Training in zwei verschiedenen Gruppen kannte die Mannschaft bereits von der Vorrunde. Doch dort hatte es den Grund in der Leistungsstärke der Spieler. Aber in der Zwischenzeit waren alle praktisch auf gleichem Niveau. Logisch, das Leistungsgefälle war immer noch vorhanden, aber alle Übungen konnten inzwischen von Jedermann bewältigt werden.

Zum Glück kamen dann während der Saison doch noch Siege hinzu. Diese Spiele wurden auf beeindruckende Weise gewonnen. Viele Male konnte im Match beobachtet werden, was man die Wochen zuvor trainiert hatte. Sogar den Spielern auf der Bank sprangen diese Sachen ins Auge. Die Mannschaft wuchs so immer mehr zusammen. Ehrlich gesagt war und ist das der schönste Nebeneffekt, welcher erzielt werden konnte! Uns Trainern machte es unheimlich Spaß zu sehen, wie die Jungs immer Vollgas im Training gaben, im Match wie eine Eins zusammenstanden und dabei ihr Spiel verbesserten!

Trotz allem konnte der Abstieg nicht verhindert werden. Dennoch haben wir die Spieler als Einzelnen, aber auch als Mannschaft weitergebracht. Aus meiner Sicht stehen die Resultate in der C-Jugend nicht im Vordergrund. Dennoch versuchten auch wir jedes Spiel positiv zu gestalten und dies ist uns grundsätzlich gelungen. Und trotz der negativen Resultate wurden einige unserer Spieler im Sichtungstraining der umliegenden Auswahlmannschaften eingeladen. Unsere Mannschaft war das erste Juniorenteam im Verein, dass diese Umstellung gewagt hatte. In der neuen Saison wollen bereits die B-Junioren und auch die zweite Mannschaft mit Viererkette spielen.

In der kommenden Saison werden nur noch acht Spieler aus dem Kader in der C-Jugend bleiben. Leider stoßen aus der D-Jugend auch nur sieben Spieler dazu. Und aus meinen ersten Trainingseindrücken und den Spielbeobachtungen der D-Jugend der letzten Saison, weiß ich, dass es nicht einfach wird allen die Umstellung beizubringen. Dennoch bin ich positiv eingestellt und bin überzeugt, dass dies mit ein bisschen Geduld sicherlich funktioniert. Zeit, Wille, Mut und Freude muss man als Jugendtrainer einfach mitbringen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/c-jugendtrainer/

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