Leserbrief: C-Jugend lernt Viererabwehrkette

August 15th, 2010 by Martin Hasenpflug

Aufgrund den Informationen auf unserer Seite konnten schon einige Trainer vom gegnerorientierten Spiel des Liberos auf das ballorientierte Spiel mit der Viererkette umstellen. Die Besucherzahlen unserer Seite zeugen hier von großem Interesse seitens lernwilliger Trainer! Beschäftigt man sich paar ruhige Minuten mit der Sache fragt mich sich, wo denn nun der komplizierte Aspekt der Viererkette ist. Hat man die ersten Trainingseinheiten zur Viererkette hinter sich und das erste Spiel mit dem neuen System absolviert, fragt man sich wieso man nicht schon viel früher umgestellt hat.

Es ist also keine große Kunst modernen Fußball zu spielen. Eine Nicht-Umstellung rührt in den meisten Fällen daher, dass man als Trainer zu bequem ist oder eine Versagensangst das erfolgreich durchzuziehen. Um entsprechenden Trainern für eine Umstellung zu motivieren, bzw. Mut zu machen soll folgender Leserbrief dienen. Geschrieben von einem Trainer der seine C-Jugend in der Winterpause die Viererkette vermittelt hat:

Die Hinrunde lief alles andere als erfreulich. Wir befanden uns auf einem Abstiegsplatz, verloren jedes Spiel deutlich und dementsprechend frustriert waren die Spieler. Wir hatten also nichts zu verlieren und wussten das eine Veränderung der Mannschaft nur gut tun kann. Also entschieden wir uns mithilfe der Inhalte der Initiative abwehrkette.de auf Viererabwehrkette umzustellen.

Unsere Ziele der Umstellung:

  • Beteiligung offensiver/defensiver Aktionen aller Spieler
  • Gezielter Spielaufbau
  • Eigenverantwortung und Kreativität der Spieler fördern
  • Gemeinsam etwas erreichen (Trainer und Spieler ziehen am gleichen Strang)

Begonnen haben wir mit dem Training in den letzten beiden Februarwochen. Bis Ende des Monats hatten wir nur einmal pro Woche und anschließend bis Mitte März zweimal pro Woche Training. Doch in diesen Einheiten legten wir den Grundstock für die Umstellung. Bis dahin hatten die Jungs kaum was von Taktik gehört, geschweige denn taktisches Training gehabt. Daher war ich selbst gespannt wie sie darauf reagieren würden. Wir starteten das Training mit dem Schwerpunkt 1-gegen-1 in der Defensive. Nach den ersten paar Trainingseinheiten war ich überzeugt, dass sich die Jungs mit der Umstellung nicht schwer tun werden. Meine Erklärungen verfolgten sie sehr aufmerksam und sie waren sehr motiviert bei der Sache.

Im Anschluss dieser Trainingseinheiten gab ich ihnen ein Taktikblatt über das defensive Verhalten in der Viererabwehrkette mit und informierte sie über meine Absichten. Nachdem sich die Jungs zuhause mit dem Blatt auseinander gesetzt hatten, diskutieren wir gemeinsam das Ganze 30 Minuten lang beim nächsten Training. Danach wagten wir die ersten Schritte. Da viele Teile der Viererkette versteckt, z.B. im Abschlussspiel trainiert werden können, wurde es ihnen nie zu viel und trotzdem lernten sie immer mehr dazu.

Am Ende der ersten vollen Trainingswoche (drei Trainingseinheiten) hatten wir das erste Freundschaftsspiel, welches bewusst gegen einen unterklassigen Gegner gewählt wurde. Die Jungs gewannen das Spiel und spielten dabei auch sehr gut. Dadurch waren sie bereits überzeugt von der Umstellung und es wurde immer leichter meine Vorstellungen umzusetzen.

In den folgenden Freundschaftsspielen gegen stärkere Gegner gab es jedoch Niederlagen, doch die Spieler sahen die Fortschritte und waren weiter motiviert bei der Sache. Die Trainingsschwerpunkte stellte ich nun mehr auf die Offensive um. Langsam hatte ich auch die Positionen der Spieler gefunden. Es gab einzelne Positionswechsel, welche nach anfänglichen kleinen Beschwerden und Bedenken der Jungs aber dennoch ohne große Probleme vonstatten ging.

Die Meisterschaft begann nun mit der Rückrunde. Wir konnten die ersten Spiele zwar nicht gewinnen, doch wir hatten uns verbessert. In der Vorrunde hagelte es einige deftige Niederlagen und jetzt konnten wir mithalten und waren dem Gegner teilweise überlegen. Wir nutzen leider unsere Torchancen nicht und so verloren wir praktisch jedes Spiel mit einem Tor Unterschied. Teilweise zollte der Trainer der gegnerischen Mannschaft Respekt an unserer Spielweise. Hatten sie uns doch noch in der Vorrunde klar geschlagen.

Wir trainierten konsequent im zweiwöchigen Wechsel defensives und offensives Verhalten. In den defensiven Wochen wurden immer wieder mal die Verteidiger und defensiven Mittelfeldspieler extra zum Verhalten der Viererkette trainiert. Die eher offensiv orientierten Spieler wurden dann zeitgleich anderweitig beschäftigt. Das Training in zwei verschiedenen Gruppen kannte die Mannschaft bereits von der Vorrunde. Doch dort hatte es den Grund in der Leistungsstärke der Spieler. Aber in der Zwischenzeit waren alle praktisch auf gleichem Niveau. Logisch, das Leistungsgefälle war immer noch vorhanden, aber alle Übungen konnten inzwischen von Jedermann bewältigt werden.

Zum Glück kamen dann während der Saison doch noch Siege hinzu. Diese Spiele wurden auf beeindruckende Weise gewonnen. Viele Male konnte im Match beobachtet werden, was man die Wochen zuvor trainiert hatte. Sogar den Spielern auf der Bank sprangen diese Sachen ins Auge. Die Mannschaft wuchs so immer mehr zusammen. Ehrlich gesagt war und ist das der schönste Nebeneffekt, welcher erzielt werden konnte! Uns Trainern machte es unheimlich Spaß zu sehen, wie die Jungs immer Vollgas im Training gaben, im Match wie eine Eins zusammenstanden und dabei ihr Spiel verbesserten!

Trotz allem konnte der Abstieg nicht verhindert werden. Dennoch haben wir die Spieler als Einzelnen, aber auch als Mannschaft weitergebracht. Aus meiner Sicht stehen die Resultate in der C-Jugend nicht im Vordergrund. Dennoch versuchten auch wir jedes Spiel positiv zu gestalten und dies ist uns grundsätzlich gelungen. Und trotz der negativen Resultate wurden einige unserer Spieler im Sichtungstraining der umliegenden Auswahlmannschaften eingeladen. Unsere Mannschaft war das erste Juniorenteam im Verein, dass diese Umstellung gewagt hatte. In der neuen Saison wollen bereits die B-Junioren und auch die zweite Mannschaft mit Viererkette spielen.

In der kommenden Saison werden nur noch acht Spieler aus dem Kader in der C-Jugend bleiben. Leider stoßen aus der D-Jugend auch nur sieben Spieler dazu. Und aus meinen ersten Trainingseindrücken und den Spielbeobachtungen der D-Jugend der letzten Saison, weiß ich, dass es nicht einfach wird allen die Umstellung beizubringen. Dennoch bin ich positiv eingestellt und bin überzeugt, dass dies mit ein bisschen Geduld sicherlich funktioniert. Zeit, Wille, Mut und Freude muss man als Jugendtrainer einfach mitbringen.

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Handlungsschnelligkeit im Fußball

Juli 19th, 2010 by Martin Hasenpflug

Martin Hasenpflug - Technische und Taktische Fähigkeiten allein reichen nicht aus um ein guter Fußballer zu werden. Was nützt es wenn man über die ausgefeiltesten Tricks, die präzisesten Pässe und die ballsichersten Dribblings verfügt, wenn man sie unpassend oder zu spät anwendet?

Während eines Spiels ist man ca. 90 % der Zeit nicht direkt am Spielgeschehen beteiligt. Trotzdem ist es unerlässlich ständig das Spiel zu beobachten, Schlüsse daraus zu ziehen und entsprechend zu handeln. Je schneller der Ablauf von der Spielbeobachtung bis hin zu einem darauf abgestimmten Handeln, desto besser. Dieser Prozess wird im Fußball als Handlungsschnelligkeit bezeichnet.

Die beste Idee nützt nichts, wenn sie nicht entsprechend schnell ausgeführt wird. Denn wenn der Gegner die Situation schneller erfasst und in sie einwirkt, hat sie sich bereits zugunsten des Gegners verändert und die gemachten Gedanken sind wertlos geworden. Umgekehrt zählt aber gleiches. Einen wertlosen Gedanken schnell umgesetzt bringt der Mannschaft nichts, entweder weil die Mitspieler nicht darauf eingestellt sind, der Ball durch eine leichtsinnige Aktion verloren geht oder ein ungestümdes Agieren nicht zur gewünschten Balleroberung führt.

Im Training ist also zu beachten, dass erst ein korrektes Handeln gelernt wird und im Anschluss dessen an die Schnelligkeit diese umzusetzen. Unbedingt darauf achten, dass wiederholt gemachte Fehler im Training korrigiert werden, damit sich falsche Handlungsweisen nicht einschleifen! Die Handlungsschnelligkeit sollte regelmäßig explizit trainiert werden!

Aus Unwissenheit wurde der Handlungsschnelligkeit bislang nicht die nötige Beachtung im Fußballtraining geschenkt. Meistens wurde sie unbewusst bei anderen Trainingsaufgaben mittrainiert. Immer dort wo es sehr schnell zu ganz neuen Spielsituationen kommt: Strafraumaktionen, Umschalten von Defensive auf Offensive (Konter) und umgekehrt, Überzahl- und Unterzahlsituationen mit nachrückenden Spielern. Man beachte, dass rund 90 % aller Tore dort fallen wo eine hohe Handlungsschnelligkeit gefragt ist, nämlich im Strafraum fallen. Wer hier besser geschult ist, wird die wichtigen Spielsituationen im eigenen und im gegnerischen Strafraum für sich entscheiden!

Wichtige Bereiche die zur Handlungsschnelligkeit zählen ist die Antizipationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und die Kreativität. Antizipationsfähigkeit bedeutet die Spielsituation so zu erkennen, wie sie sich entwickeln wird. Gelingt dies hat man einen kleinen Zeitvorsprung gegenüber den der die Situation erst erkennt, wenn diese tatsächlich stattfindet. Zur Entscheidungsfähigkeit braucht man nicht viel sagen, jeder weiß dass langes hadern zwischen mehreren Entscheidungen wertvollste Zeit kostet und die Qualität der Entscheidung dadurch auch nicht wirklich besser wird. Korrekte Entscheidungen werden meist instinktiv getroffen, daher spricht man im Fußball davon unbedingt den ersten Gedanken auszuführen. Auch daran festhalten, wenn er sich im Laufe der Aktion als falsch heraus stellt. Dies würde nur zu einem weiteren zögerlichen Handeln führen, welches der Gegner für sich nutzen kann. Der Instinkt kann im Fußballtraining durch leicht dosierte Überforderungen geschult werden.

Der letzten wichtige Bereich der zu Handlungsschnelligkeit gehört ist die Kreativität. Verfügt man über eine gute Handlungsschnelligkeit erhöht dies auch die Fähigkeit kreativ zu denken. Eine gute Handlungsschnelligkeit setzt ein gut funktionierendes Gehirn voraus. Die schnelle Erfassung einer komplexen Situation (in Bezug zur vorgegebenen Taktik), wie das Treffen einer korrekten Entscheidung (in Bezug zu den eigenen fußballerischen Fähigkeiten) und im Anschluss eine korrekte motorische Umsetzung, bedarf sehr viel gut funktionierende neuronale Vernetzungen im Gehirn. Die Anzahl dieser Vernetzungen sind Maßstab der geistigen Fähigkeit und damit der Fähigkeit in blitzschnell wechselnden und auch unbekannten Situationen kreative Lösungen zu finden.

Wichtig für die Arbeit des Trainers ist es zu wissen, dass die Willenskraft der Motor der Handlungsschnelligkeit ist. Je größer der Wille, desto schneller können die Informationen im Gehirn fließen. Es gibt jedoch auch Dinge die diesen Informationsfluss bremsen. Dies tritt ein, sobald sich der Druck auf einen Spieler zu Versagensängsten entwickelt. Aus diesen Gründen ist es eine sehr wichtige Aufgabe des Trainers mittels Motivation die Willenskraft auf ein hohes Level zu bringen, wie auch den Druck auf den einzelnen Spieler so zu steuern, dass diese keine negative Eigendynamik entwickelt.

Folgend werden wir zwei Trainingseinheiten präsentieren die sich dem Schwerpunkt der Handlungsschnelligkeit widmen. Übungen die dieses Thema beinhalten sollten immer wieder absolviert werden. Gerade in Verbindung mit dem Konterspiel erweist sich dieser Trainingsschwerpunkt als sehr sinnvoll.

Komplette Trainingseinheit zur Verbesserung der Handlungsschnelligkeit

Komplette Trainingseinheit zur Verbesserung der Handlungsschnelligkeit

Ablauf Training Nr. 1 zur Verbesserung der Handlungsschnelligkeit:

  • Alle Spieler absolvieren die erste Übung in einem Parcours.
  • Alle Spieler absolvieren die zweite Übung. Bei höherer Spielerzahl wird dieser Parcours zweimal aufgebaut.
  • Eine Hälfte der Mannschaft absolviert die Übung Ballhalten und die Andere parallel dazu die Torschuss-Übung. Nach der Hälfte der Zeit tauschen die beiden Gruppen ihre Aufgaben.

Aufwärmen 1:

  • Für alle Spieler ein 8 mal 8 Meter großes Quadrat aufbauen. Bei leistungsstärkeren Mannschaften kleiner.
  • Die Spieler bewegen sich innerhalb des Quadrats frei und absolvieren folgende Aufgaben: Beine überkreuzen (Arme gegengleich mitschwingen), Sidesteps, Kniehebelauf, Anfersen, Hopserlauf, Rückwärtslauf und Sprint (ohne sich zu berühren). Auf eine korrekte Technik achten!

Aufwärmen 2:

  • Ein 6 mal 6 Meter großes Quadrat aufbauen. Außerhalb des Quadrats für jedes Spielerpaar ein Hütchen postieren. Ein Aufbau wie in der Zeichnung ist für 10 Spieler gedacht.
  • Die Spieler in Paare einteilen.
  • Ein Spieler pro Paar geht mit Ball ins Quadrat und sein Partner postiert sich zu einem beliebigen Hütchen außerhalb des Quadrats.
  • Die Spieler im Quadrat absolvieren verschiedene Dribblings: Linke Innenseite, Rechte Innenseite, Außenseite, Sohle, Finten, zwischen den Innenseiten hin und her kicken usw.
  • Auf Trainersignal dribbeln die Spieler (Zeichnung 1 bis 5) aus dem Quadrat raus und passen den Ball zu ihrem Partner. Dieser absolviert eine Ballmitnahme Richtung Quadrat und dribbelt rein. Hier absolviert er ebenfalls die vorgegebenen Technikaufgaben.
  • Der Spieler der das Quadrat verlassen hat, wechselt auf die Position seines Partners.
  • Wer ist als letzter Spieler im Quadrat?

Ballhalten 3a:

  • Ein ca. 15 mal 15 Meter großes Quadrat aufbauen.
  • Acht Spieler in vier Mannschaften aufteilen.
  • Drei Mannschaften spielen zusammen auf Ballhalten (Direktspiel) gegen die vierte Mannschaft (6 gegen 2).
  • Schafft die vierte Mannschaft eine kontrollierte Balleroberung (Pass zum Mitspieler), wechselt diese mit der Mannschaft die den Fehlpass verursacht hat. Durch die Pflicht der kontrollierten Balleroberung, hat das Überzahl-Team mittels Pressing die Möglichkeit einer direkten Wiedergewinnung des Balls.
  • Variation: Zwei Ballkontakte, Feldgröße ändern und der Spieler der eigenen Mannschaft darf nicht angespielt werden (5 gegen 2).

Torschuss 3b:

  • Ein Hütchen am Strafraumeck (A), sowie jeweils ein Hütchen auf der Strafraumlinie auf höhe erster und zweiter Pfosten (B und C).
  • An jedem Hütchen drei (zwei oder vier) Spieler postieren.
  • Die Spieler am Strafraumeck haben jeweils einen Ball.
  • Spieler A passt zu Spieler B und dieser versucht ein Tor zu erzielen. Spieler C versucht dies zu verhindern.
  • Erst mit dem Pass von A dürfen B und C den Strafraum betreten. C darf erst nach dem ersten Ballkontakt von B aktiv eingreifen. Direktschüsse aufs Tor sind nicht erlaubt! Der Torwart startet immer von der Torlinie und ist vollaktiv.
  • Hat jeder Spieler eine Aktion absolviert, rücken die Spieler eine Position weiter.
  • Bei einem Tor erhalten Schütze und Passgeber einen Punkt. Der Torwart bekommt je Tor einen Punkt von insgesamt sechs abgezogen.
  • Wer hat am Ende die meisten Punkte? 5-6 Punkte = Weltklasse. 3-4 Punkte = nationale Klasse. 1-2 Punkte = Kreisklasse. 0 Punkte = hat sein Geld nicht verdient.
Eine weitere Trainingseinheit zum Thema Handlungsschnelligkeit im Fußball

Eine weitere Trainingseinheit zum Thema Handlungsschnelligkeit im Fußball

Ablauf Training Nr. 2 zur Verbesserung der Handlungsschnelligkeit:

  • Alle Spieler absolvieren die erste Übung zur Antrittsschnelligkeit.
  • Alle Spieler absolvieren die zweite Übung. Bei höherer Spielerzahl wird dieser Parcours zweimal aufgebaut.
  • Alle Spieler absolvieren die dritte Übung. Der Parcours wird zweimal aufgebaut.
  • Alle Spieler absolvieren die vierte Übung vor dem Tor.

Antrittsschnelligkeit 1:

  • Parcours wie in der Zeichnung aufbauen.
  • Auf Trainersignal starten die jeweils ersten beiden Spieler in den Parcours.
  • Skippings (drei Bodenkontakte in den Zwischenräumen) über die drei Hürden und dann die Zielhütchen umkurven.
  • Wer ist schneller?

Aufwärmen 2:

  • Für alle Spieler ein 25 mal 25 Meter großes Quadrat aufbauen.
  • Die Spieler in zwei Mannschaften teilen.
  • Je Mannschaft ein Spieler ins Quadrats und die restlichen Spieler teilen sich gleichmäßig an den vier Seiten außerhalb des Quadrats auf.
  • Ein Spieler jeder Mannschaft, außerhalb des Quadrats, hat einen Ball. Idealerweise an der Seite wo sich ein weiterer Spieler seiner Mannschaft befindet.
  • Die Spieler passen den Ball zu dem Spieler ihrer Mannschaft innerhalb des Quadrats zu und folgen ihrem Pass.
  • Die Passempfänger spielen den Ball zu einem beliebigen Spieler ihrer Mannschaft außerhalb des Quadrats weiter und folgen ebenfalls ihrem Pass. Immer so weiter.
  • Variation: Erst freies Spiel, dann auf zwei Ballkontakte reduzieren. Leistungsstarke Mannschaften können auch in einem kleineren Quadrat die Übung im Direktspiel absolvieren.

Ballhalten 3:

  • Ein ca. 20 mal 20 Meter großes Quadrat aufbauen.
  • Acht Spieler in vier Mannschaften aufteilen.
  • Drei Mannschaften spielen zusammen auf Ballhalten (max. zwei Ballkontakte) gegen die vierte Mannschaft (6 gegen 2).
  • Neben dem Ball am Fuß ist noch ein zweiter Ball in der Luft unterwegs. Dieser wirft sich das Überzahl-Team gegenseitig zu.
  • Kein Spieler darf beide Bälle gleichzeitig berühren!
  • Schafft die vierte Mannschaft eine kontrollierte Balleroberung (Pass zum Mitspieler), wechselt diese mit der Mannschaft die den Fehlpass verursacht hat.
  • Variation: Direktspiel. Der Ball darf nicht zum selben Spieler zurück geworfen werden.

Aufgabe am Tor 4:

  • Einen doppelten Strafraum als Spielfeld aufbauen.
  • Vier Mannschaft zu je vier Spieler bestimmen und je einer Farbe oder Zahl zuordnen.
  • Je zwei Mannschaften bilden ein Team und die beiden Teams spielen gegeneinander.
  • Es sind immer nur zwei Spieler je Mannschaft auf dem Feld aktiv, so dass 4 gegen 4 gespielt wird. Die jeweils anderen beiden Spieler pausieren neben ihrem Tor.
  • Auf Trainersignal (er nennt eine Farbe oder Zahl) wechseln die zwei aktiven Spieler mit den zwei pausierenden Spielern ihrer Mannschaft. Nach dem Trainersignal dürfen die zwei aktiven Spieler keinen Ballkontakt mehr haben.
  • Die pausierenden Spieler dürfen erst aufs Feld, wenn beide aktiven Spieler das Feld verlassen haben! Kurzzeitige Überzahlsituation sollten zum Torerfolg genutzt werden.
  • Welche Mannschaft hat am Ende die meisten Tore erzielt?

Kompletter Artikel als PDF-Datei

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Durch Positionstraining jeden Spieler individuell fördern

Juli 14th, 2010 by Martin Hasenpflug

Wie in den letzten Beiträgen erwähnt, wird es bei uns in Zukunft nicht nur Artikel über das Ballorientierte Verteidigen geben, sondern auch über Fußballthemen darüber hinaus. Zuletzt gab es einen Artikel mit Trainingseinheiten zur Verbesserung des Offensivspiels. Unser heutiger Beitrag liegt exakt zwischen Defensive und Offensive, bzw. behandelt beide Themen gleich.

Im Folgenden werden wir eine exemplarische Trainingseinheit vorstellen, welches man als Positionstraining bezeichnet. Im Positionstraining geht es darum Spieler an einer bestimmten Spielposition zu gewöhnen und ihm die dort benötigten Fertigkeiten zu vermitteln. Außerdem wird im Positionstraining das Zusammenspiel der gesamten Mannschaft verbessert.

Unser Positionstraining setzt bei den Spielern einige Grundkenntnisse voraus und sollte auch erst nach dessen Erwerb eingesetzt werden. Sie müssen über das Stellungsspiel beim Spiel mit der Viererkette bescheid wissen, über das Schaffen von Kompaktheit bei gegnerischem Ballbesitz, Schaffen von Anspielstationen bei eigenem Ballbesitz, korrektes agieren im 2-gegen-1 in der Defensive, ordentliches Passspiel inkl. korrekter Ballannahme in den offenen Raum und über gruppentaktksche Angriffsmittel.

Wir empfehlen das Positionstraining nach dem rudimentären Vermitteln der oben genannten Punkte, möglichst noch in der Saisonvorbereitung zu absolvieren. Die dabei vermittelten Trainingsinhalte können so im Verlauf der Saison zu Automatismen reifen.

Diese Trainingseinheit der Spielpositionen muss aufgrund seiner Eigenart gänzlich anders strukturiert werden, als ein Training mit einem technischen oder taktischen Schwerpunkt. Für ein effektives Positionstraining ist es sehr wichtig, dass die Spieler ihre Aufgaben dort auf dem Spielfeld absolvieren, wo sich auch ihr Aktionsradius im Wettbewerb befindet. So z.B. macht es wenig Sinn, Sturmspitzen an der Mittellinie kreuzen zu lassen. Da wir alle Positionen in dieser Trainingseinheit trainieren und auch ihr Zusammenspiel, benötigen wir das komplette Spielfeld.

Folgender Trainingsablauf: Ein seperates Aufwärmen kann entfallen, da die erste Trainingsaufgabe einiges an Laufarbeit ohne Ball mit sich bringt. Die Spieler müssen nämlich bei der ersten Aufgabe ihr Stellungsspiel ständig den beiden Situationen gegnerischer und eigener Ballbesitz anpassen. Danach absolvieren die Spieler aus ihren Positionen heraus eine Passfolge, wie es bei einem kontrollierten Angriff aus der eigenen Hälfte denkbar wäre. Danach wird eine Passfolge absolviert, wie sie bei einem Konter möglich wäre. In der letzten Übung soll das Zusammenspiel zwischen Viererabwehrkette und Mittelfeld verbessert werden.

Stellungsspiel - Erste Übung des Positionstrainings.

Stellungsspiel - Erste Übung des Positionstrainings.

Übung 1 - Stellungsspiel des Mannschaftsverbands: Wie links in der Grafik zu sehen, ziehen sich alle Spieler bei gegnerischem Ballbesitz eng zusammen, um im gefährlichen Bereich vor dem eigenen Tor mit mehreren Spielern direkten Zugriff auf den ballführenden Gegner zu haben und um Pässe vor das eigene Tor zu unterbinden.

In der Grafik rechts sieht man die Mannschaft bei eigenem Ballbesitz. Man erkennt, dass die Spieler in allen Richtungen ausgeschwärmt sind und sich so staffeln, dass ideale Voraussetzungen für ein Kombinationsfußball bestehen. Ziel bei eigenem Ballbesitz ist es Dreiecke zu schaffen, so dass man stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Im Idealfall befindet sich der Ballführende innerhalb einer Raute. Allein durch das Hinzufügen eines weiteren Spielers zu einem Dreieck (Raute) wird die Anzahl der Dreiecke innerhalb der Spieler vervierfacht. So können elf Spieler durch geschicktes Anbieten mehr als 21 Dreiecke parallel bilden.

Ablauf: Zur Vereinfachung für die Spieler kann man jeweils elf Hütchen in zwei verschiedenen Farben für die beiden Spielsituationen aufbauen. Auf Trainerkommando wechseln die Spieler nun im lockeren Lauf zwischen den beiden Möglichkeiten hin und her. Die restlichen Spieler können z.B. ein Kreisspiel in den Spielfeldecken des Gegners machen und tauschen dann mit den anderen Spielern.

Kontrollierter Angriff und Konter - Zweite Übung des Positionstrainings.

Kontrollierter Angriff und Konter - Zweite Übung des Positionstrainings.

Übung 2 - Im zweiten Teil des Positionstrainings befinden sich alle Spieler auf den Positionen die bei einem kontrollierten Spielaufbau zu besetzen sind. Das bedeutet: Die beiden Innenverteidiger befinden sich auf Strafraumbreite. Die beiden Außenverteidiger befinden sich an der Seitenlinie und leicht vorgerückt. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler sind gestaffelt. Die beiden Mittelfeldaußen besetzen das Halbfeld und die beiden Angreifer sind ebenfalls gestaffelt. Die Positionen 7 bis 11 können bei dieser Übung doppelt besetzt werden und die Spieler dort wechseln sich nach jeder Aktion ab.

Folgende Passfolge wird nun absolviert: Der Torwart spielt einen Innenverteidiger an. Dieser spielt zum zweiten Innenverteidiger und dieser zum Außenverteidiger. Der Außenverteidiger spielt zum ersten Innenverteidiger zurück und dieser spielt den anderen Außenverteidiger an. Dieser spielt zur 10 und 10 lässt auf die 6 prallen. 6 spielt steil zu dem tiefer postierten Angreifer und dieser lässt auf die 10 prallen. 10 spielt zum Mittelfeldaußen und hinterläuft ihn. Der Mittelfeldaußen dribbelt nach Innen (auf der Außenbahn Raum schaffen) und legt den Ball nach Außen zur 10 ab. 10 spielt Doppelpass mit dem zweiten Angreifer und flankt anschließend den Ball in den Strafraum. Die Mittelfeldaußen und die Angreifer starten in den Strafraum und versuchen die Flanke zu verwerten.

Sind die Positionen 7 bis 11 doppelt besetzt, startet gleichzeitig mit dem Hinterlaufen die nächste Aktion. Sind alle Positionen nur einfach besetzt, wartet man mit der nächsten Aktion bis der Angriff zu Ende geführt wurde. Im Wechsel von jeder Seite angreifen. Folgende elementaren Fußballaktionen werden bei dieser Passfolge angewandt: Seitenwechsel, nach Innen dribbeln, Reihe überschlagen, Ball sichern, Steilpass, Hinterlaufen, Doppelpass, Flügelspiel, Kreuzen und Torabschluss.

Übung 3 - Für den dritten Teil der Einheit platziert man die Hütchen wie rechts abgebildet auf dem Spielfeld. Die offensiven Spieler (weiß) agieren hier nun gegen die defensiven Spieler (schwarz). Die Übung beginnt, indem ein Angreifer versucht über die Grundlinie des Rechtecks der beiden Innenverteidiger zu dribbelt. Die Innenverteidiger erobern den Ball mittels des Doppelns und spielen anschließend die 6 an. Dieser dreht sich mit dem Ball und dribbelt durch das ballnahe Hütchentor. Nun erfolgt ein Pass in die Tiefe zu einem der beiden 10er (flacher Diagonalpass). Dieser legt dann den Ball auf den Flügel raus und bietet sich zusammen mit dem anderen Mittelfeldaußen zum Kombinationsspiel an. Die beiden Außenverteidiger starten den Angreifern entgegen und versuchen in einer 2-gegen-3-Unterzahl den Angriff zu stoppen.

Die Spieler 10, 7, 8, 2 und 3 absolvieren vor ihren Aktionen eine Auftaktbewegung. Die Spieler 9 und 11 wechseln sich nach jeder Aktion ab oder rotieren sogar mit den Innenverteidigern. Die drei Spieler 6 und 10 rotieren ebenfalls nach jeder Aktion. Die Mittelfeldaußen sind doppelt besetzt (auch Außenverteidiger dorthin postieren) und können daher nach jeder Aktion eine Runde pausieren. Die beiden Außenverteidiger haben auch je einen Ersatz und wechseln mit ihm nach jeder Aktion. Nach dem Torabschluss startet sofort die nächste Aktion.

Zusammenspiel zwischen Viererkette und Mittelfeld - Dritte Übung des Positionstrainings.

Zusammenspiel zwischen Viererkette und Mittelfeld - Dritte Übung des Positionstrainings.

Übung 4 - Für die letzte Aufgabe dieser Trainingseinheit wird ein ca. 40 Meter tiefes Feld mit sechs Hütchentore aufgebaut. In dem Feld wird nun 6-gegen-6 bis 8-gegen-8 gespielt, je nachdem wieviel Spieler man zur Verfügung hat. Die Mannschaft in Ballbesitz versucht durch Anwendung gruppentaktischer Angriffsmittel und häufiger Spielverlagerung durch eines der drei Hütchentore zum Mitspieler vor dem gegnerischen Tor zu passen. Erhält dieser den Ball versucht er ein Tor gegen den gegnerischen Torhüter zu erzielen.

Die verteidigende Mannschaft agiert als Viererkette und ballorientiert. Je nach Spielerzahl verfügen sie über zwei bis vier Mittelfeldspieler. Besonders das Zusammenspiel von Viererkette und Mittelfeld muss bei dieser Übung sehr gut funktionieren, damit man den Gegner in diesem enorm breiten Feld nicht zur Entfaltung kommen lässt. Nach Ballverlust immer schnell auf Defensive umschalten. Nach Ballgewinn muss der Ball erst gesichert werden, damit der Angreifer hinter der gegnerischen Mannschaft angespielt werden darf. Welche Mannschaft hat nach dreimal 4 Minuten die meisten Tore erzielt? Genügend Ersatzbälle bereit halten.

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Video: Martin Hasenpflug erklärt die Viererkette

Juni 24th, 2010 by Martin Hasenpflug

Es ist kein großes Geheimnis, dass man Sachen die man gehört und gezeigt bekommt, besser in Erinnerung behält, als Sachen die man mal gelesen hat. Aus diesem Grund haben wir ein 24-minütiges Video gedreht, indem Martin Hasenpflug in einfachen Worten die wichtigsten Aspekte der Viererkette erklärt.

Wir haben das Video bei Youtube hochgeladen. Aber da es dort nicht möglich ist Videos einzustellen die eine längere Spielzeit als 10 Minuten haben, mussten wir unsere “Videobotschaft” in drei Teile splitten. Themen des ersten Teils: Begrüßung, Vorteile der Viererkette, Kollektiv, Kompaktheit, Handlungsprioritäten im modernen Fußball und das Stellungsspiel (Abwehrsichel und Abwehrdreieck).

Thema des zweiten Teils: Systematische Ordnung innerhalb der Viererkette, Ballorientiertes Verschieben, Aufgaben des Mittelfelds und des Angriffs im Spiel mit der Viererkette, 4-4-2-System, Kommunikation im Spiel und Abstände der Spieler zueinander. Thema des dritten Teils: Abwehrpressing, Doppeln, Schlusswort, Hinweis für weitere Informationen zum Thema und Verabschiedung.

Wer möchte kann das Video mit Angabe unserer URL (www.abwehrkette.de) auf seine Webseite einbinden. Dies ist vorallem für Vereine interessant, die auf diesem Wege Trainer und Spieler über das Thema Viererkette informieren möchten.

Da es unser erstes Video ist, ist es sicherlich noch nicht perfekt. Wir warten jedoch Euer Feedback ab und können uns durchaus vorstellen auch zu weiteren Themen ein Video zu erstellen. Anbieten würde sich hier sicherlich zur Vervollständigung der Sache ein Video zum Thema Offensive. Nun viel Spaß beim gucken!

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Milchbubis lernen in drei Stunden die Viererkette

Juni 14th, 2010 by Martin Hasenpflug

Als Fußballtrainer mit ausgewiesener Reputation im Bereich Viererkette kann es schonmal passieren, dass man vor einem unbekannten Team steht und einer unwissenden Fußballerscharr die Grundlage des Ballorientierten Spiels mit Viererkette vermitteln soll. Bisher spielte man locker flockig aus dem Bauch hinaus, was im Grunde auch garnicht so falsch ist, doch ab einem gewissen Punkt benötigt das Team ein System und nach Möglichkeit das beste System!

Es ist sicherlich nicht ganz unanstrengend als Trainer bei Null anzufangen. Doch hat dies auch einen gewissen Reiz. Nicht nur, weil man dem Team seinen persönlichen Stempel auftragen kann, sondern auch zu sehen wie schnell Kinder lernen und wie logisch einfach das Spiel mit der Viererkette ist. Kompliziert wird es nur, wenn der Trainer selbst keine klare Sicht der Dinge hat und die Spieler sich aus teilweise widersprüchlichen Fragmenten selbst was zusammenreimen müssen.

Vor einigen Monaten haben wir in unserem Blog den Artikel 1-Tag-Crashkurs Viererkette publiziert und für unsere Buch Spielend zur Viererkette überarbeitet. Hier wollten wir zeigen, wie schnell und einfach man eine Mannschaft auf das Spiel mit der Viererkette vorbereiten kann.

Im heutigen Artikel geht es ebenfalls darum eine Mannschaft an einem Tag mit dem Spiel der Viererkette vertraut zu machen. Diese Anleitung berücksichtigt jedoch zusätzlich ein jüngeres Alter der Spieler und beschreibt einen recht lockeren Weg dahin. Den ganzen Ablauf werden wir in einem Berichtsstil schreiben, so dass die Vorgehensweise wirklich für jeden Trainer nachvollziehbar ist:

Wir haben Feiertag und es wurde eine Trainingseinheit von 14 - 17 Uhr angesetzt. Alle 20 Spieler sind anwesend. Man trifft sich im Aufenthaltsraum des Fußballvereins. Sitzplätze und Taktiktafel sind vorhanden. Zuerst wird den Spielern der Ablauf des heutigen Tages erklärt. Der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme und die damit verfolgten Ziele. Nach ca. 70 Minuten gibt es eine ca. 20 Minütige Pause.

Als erstes wird den Spielern kurz die Geschichte der Viererkette geschildert. Wo und wann sie sich entwickelt hat. Wieso und mit welchem Erfolg sie sich durchsetzte. Wichtig ist es immer wieder die Spieler durch Fragen und Abstimmungen mit einzubinden. Z.B.: Wann wurde zum ersten mal mit Viererkette gespielt? Erstaunlich wenn darauf dann die recht gute Antwort 1989 von Spielern kommt, die erst 1997 geboren sind…

Jetzt werden die Erklärungen des Trainers konkreter: Früher galt folgende Prioritätenliste im Fußball die das eigene Handeln bestimmte: 1. Position des Gegenspielers, 2. Position des Balls, 3. Position des Mitspielers. Mit dem Ballorientierten Spiel ändert sich dies massiv: 1. Ball, 2. Mitspieler, 3. Gegenspieler. Das war der erste Paukenschlag des heutigen Tags!Zweite massive Änderung zu früher: Die einzelnen Mannschaftsteile sah man voneinander getrennt. Die Abwehrspieler waren für das Verhindern der Tore zuständig und die Angreifer für das Tore schießen. Im modernen Fußball spricht man jedoch nur noch von hinteren oder vorderen Spielern, um so zum Ausdruck zu bringen, dass bei Ballbesitz alle Spieler offensiv handeln und bei gegnerischen Ballbesitz alle Spieler defensiv handeln. Das war der zweite Paukenschlag!

Der dritte Paukenschlag war dann der Hinweis, dass im modernen Fußball die Mannschaft als Kollektiv agiert: “Ein Spieler der die Mannschaft stark macht, ist besser als ein starker Spieler.” Das Hauptziel des einzelnen Spielers ist es seine individuellen Fähigkeiten losgelöst von eigenen Interessen in das Team einzubringen. Nur als Einheit kann der maximale Erfolg erreicht werden und Erfolge die man im Zusammenwirken mit anderen Menschen erreicht, bereiten auch die größten Freuden. Die Idee des Kollektivs wurde mit dem Hinweis von Louis van Gaal unterstrichen, der folgende Prioritätenliste für einen Verein vorsieht: 1. Mannschaft, 2. Spieler, 3. Trainer.

Jetzt geht es zur Taktiktafel, wo erstmal nur die Magnete für den eigenen Torwart, die Viererabwehrkette und einem ballführenden Gegner hängen. Jetzt wird das Stellungsspiel der Viererkette bei den verschiedenen Ballpositionen erklärt: Ball außen und Ball zentral. Abwehrsichel und Abwehrdreieck. Die Gründe für dieses Stellungsspiel wird kurz erklärt: Absicherung, Pässe in die Tiefe zustellen, Flugbälle im Rücken der Abwehr verhindern usw..

Es werden nun zwei Magnete für den Gegner dazu genommen. Ein Gegner befindet sich an jeder Außenseite und ein Gegner zentral vor der Viererabwehrkette. Je nach Ballposition schaltet die Viererabwehrkette zwischen Abwehrsichel und Abwehrdreieck um, ohne dass die Abwehrspieler dabei kreuzen (Stichwort: Ordnung und kürzer Laufwege). Mit einem Stift markiert man den Gegner mit Ball und zeigt das nötige Stellungsspiel der Abwehr. Jetzt sollen die Spieler selbst für unterschiedliche Ballpositionen das Stellungsspiel der Abwehr an der Taktiktafel zeigen. Durch diese Mitarbeit werden sie sich die Sache besser merken.

Jetzt wird die eigene Mannschaft durch die restlichen Magnete an der Taktiktafel komplettiert. Der Gegner besteht weiterhin aus drei Magneten. Jeweils eines außen und eines Zentral. Nun erklärt man den Spielern das Verschieben. Je nach Ballposition verschiebt sich der komplette Mannschaftsverbund als Block Richtung Ball. Wichtig ist, dass beim Verschieben die seitlichen Abstände und die Abstände zu den Mannschaftsteilen gleich bleiben. Die empfohlenen Abstände liegen zwischen 6 - 10 Metern. Pässe durch Schnittstellen müssen abgefangen werden können und man muss schnellen Zugriff auf angespielte Gegner zwischen den Mannschaftsteilen haben. So setzt man die idealen Voraussetzungen für einen kontrollierten Ballgewinn.

Nun wird den Spieler an der Tafel dass 4 - 4 - 2 gezeigt. Es wird erklärt, dass auch das Mittelfeld als Viererkette agiert und deren Aufgabe im Vergleich zur Viererabwehrkette vom Prinzip her fast identisch sind. Es wird ein Gegenspieler zwischen Mittelfeld und Angriff gestellt und in der Runde gefragt, wie sich das Mittelfeld nun zu verhalten habe? Diese Frage wurde erstaunlicherweise sofort korrekt von den Spielern gelöst. Es wird dann noch erklärt, dass bei einer Ballposition außen, beide Viererketten als Sichel agieren. Zuletzt wird erklärt, dass die überspielten Mannschaftsteile nachsetzen müssen und versuchen hinter dem Ball zu kommen, um den ballführenden Gegner aktiv bekämpfen zu können.

Der letzte Punkt der Theorieeinheit war die Erklärung der Position des Außenverteidigers. Es wurde in der Runde die Frage an die bisherigen Manndecker gestellt, wie oft diese bisher in einem Spiel flankten oder auf das Tor schossen? Die Antwort Nie hat nicht besonders überrascht. Nach dem Stichwort Philipp Lahm war ihnen dann klar, dass sich das mit dem neuen System massiv ändern wird. Außenverteidiger rücken bei Ballbesitz vor den Ball, hinterlaufen die Mittelfeldaußen, flanken vors Tor oder ziehen zum Torabschluss nach Innen.

Pause!

Übung A: Ca. 30 Meter vor dem Großtor werden vier verschieden farbige Hütchen gleichmäßig auf einer strafraumbreiten Linie aufgestellt. Jeweils vier Spieler positionieren sich ca. 7 - 8 Meter vor und hinter den Hütchen. Der Trainer ruft nun eine Farbe und die acht Spieler positionieren sich so, als wäre am entsprechenden Hütchen der ballführende Gegner. Also entweder Abwehrdreieck oder Abwehrsichel bilden. Nach korrekter Aktion kehren die acht Spieler wieder auf ihre Ausgangsposition zurück. Die wartenden Spieler versuchen Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Nach ein paar Minuten gehen die nächsten acht Spieler in die Übung. Besonders ist darauf zu achten, dass während des Verschiebens die Abstände gleich bleiben. Die Tiefenstaffelung deutlich genug ist und die Abstände korrekt sind.

Übung B: Gleicher Ablauf, jedoch ohne die farbigen Hütchen in der Mitte.  Eine Vierer-Mannschaft passt sich wahllos auf einer Linie stehend einen Ball zu. Der Ball muss jeweils fünf Sekunden gehalten werden, bevor er weitergespielt werden darf. Die anderen vier Spieler reagieren entsprechend einer Viererkette auf die wechselnden Spielsituationen. Die Mannschaften werden regelmäßig gewechselt, damit jeder mal aktiv innerhalb einer Viererkette agieren kann.

Übung C: Ein 20 x 15 Meter großes Rechteck aufbauen. An den Grundlinien befinden sich jeweils zwei Minitore. Es wird nun 4 gegen 4 gespielt. Die verteidigende Mannschaft agiert als Viererkette. Regeln: Abseits beachten. Nach der Balleroberung muss mindestens ein weiterer Mitspieler ein Ballkontakt gehabt haben, damit ein Treffer zählt. Besonders ist darauf zu achten, dass untereinander klar kommuniziert wird. Es dürfen keine Missverständnisse aufkommen, wer zum ballführenden Gegenspieler aufrückt.

Übung D: Elf Spieler postieren sich im 4 - 4 - 2 auf dem Platz. Der Trainer steht vor den beiden Spitzen und absolviert verschiedene Laufrichtungen (auch diagonal). Alle Spieler absolvieren ebenfalls diese Laufwege synchron. Beim Verschieben ist besonders darauf zu achten, dass die seitlichen und vertikalen Abstände immer gleich bleiben.

Ende der Praxis!

Als Abschluss könnte man für die gute Stimmung noch ein lockeres Spiel ohne Sonderregeln absolvieren. Hier muss der Trainer seine Mannschaft einschätzen können was sinnvoll ist. Für zuhause erhält jeder Spieler ein Informationsblatt aus dem Buch Spielend zur Viererkette (Seite 36 + 37). Hier können sie sich das Gelernte anhand von einfachen Zeichnungen und Erklärungen nochmal in Ruhe ansehen und verinnerlichen. Schon beim nächsten Spiel schmeißt man die Spieler ins kalte Wasser und lässt sie ballorientiert mit zwei Viererketten spielen.

Beim Abschlussspiel im Training immer darauf achten, dass man mit einer Dreierkette in der Abwehr und Mittelfeld spielt. Die Prinzipien der Viererkette (Abwehrdreieck und Abwehrsichel) sind bei dem Spiel mit Dreierkette identisch. Für das Trainingsspiel sind zwei Mannschaft mit jeweils einer Viererabwehrkette schwer zu realisieren. Man wird in der Regel nicht über genügend (Defensiv-) Spieler und Platz verfügen. Auf einer Platzhälfte macht es keinen Sinn zwei Mannschaften mit einer Viererabwehrkette gegeneinander spielen zu lassen.

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Abwehrpressing: So siegen Außenseiter!

Mai 30th, 2010 by Martin Hasenpflug

Was kann man als Trainer tun, wenn man gegen einen klar überlegenden Gegner spielt? Den Kopf in den Sand stecken oder anfangen zu beten? Bei beidem stehen die Aussichten was Zählbares aus der Partie mitzunehmen ziemlich gering. So kann dem Trainer in diesem Fall nur geraten werden etwas in die Trickkiste zu wühlen und zu einem taktischen Paukenschlag auszuholen.

Doch wie kann man etwas bewirken, wenn man auf einen individuell stärker besetzten Gegner stößt? Klar, man muss als Mannschaft stärker sein. Man muss eine Taktik wählen in der das Kollektiv im Mittelpunkt steht und nicht der Einzelspieler. Nur im ballorientierten Spiel kann hier Maximales erreicht werden. Denn nur dort, wo man sich stärker an die Position des eigenen Mitspielers orientiert, als an die Position des Gegenspielers, ist man in der Lage den ballführenden Gegner mit einem ganzen Mannschaftsverbund zu bekämpfen. Nur so erreicht man mit minimalem Kraftaufwand Überzahl in Ballnähe und damit die bestmögliche Ausgangsposition den Ball kontrolliert zu erobern und einen schnellen Gegenangriff einzuleiten.

Der schnelle Konter ist hier also das Zauberwort, wenn es gegen einen favorisierten Gegner geht. So kann man auch mit reduzierten technischen und kreativen Möglichkeiten zum Torerfolg kommen, da man gegen eine aufgerückte und in der Regel ungeordnete Abwehr angreift.

Um jedoch erst in der Lage zu kommen, den Ball für einen Konter zu gewinnen, müssen die Räume für den Gegner möglichst klein gehalten werden. Passspiele des Gegners können so bestmöglich abgefangen werden. Der Gegner muss gedoppelt werden, damit man die Zweikämpfe für sich entscheiden kann.

Es gilt also darum ein effektives Angriffsspiel des Gegners zu unterbinden. Für die eigene Mannschaft ungefährliche Pässe (Querpässe und Rückpässe) werden erlaubt, jedoch gefährliche Pässe Richtung eigenem Torzentrum massiv bekämpft. Dies führt von der Menge her zu mehr Ballbesitz für den Gegner, ist aber letztendlich nicht besonders effektiv. Dies erklärt auch den statistischen Wert, dass in der Regel die Mannschaft mit weniger Ballbesitz ein Spiel gewinnt.

Die benötigte Kompaktheit bei gegnerischen Angriffsversuchen erreicht man nur, wenn alle Spieler Defensiv handeln und konsequent verschieben. Schafft man es zwei Viererketten hinter den Ball zu bekommen und den ballführenden Gegner durch einen Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, können die beiden Angreifer nach hinten doppeln. So hat man die besten Chancen auf ein kontrollierten Ballgewinn und einem effektivem Gegenangriff steht nun nichts mehr im Wege.

Wichtig ist, dass der Gegner nicht zu früh attackiert wird. Wird dies gemacht, kann er mittels wenigen und einfachen Pässen eine ganze Reihe Spieler vor der Ballposition setzen, so dass diese keine Möglichkeit mehr für defensive Handlungen haben. So kann es dann sehr schnell gehen, dass alleine die Viererabwehrkette sich gegen den kompletten Angriffsverbund zur Wehr setzen muss.

Wartet man jedoch das Aufbauspiel des Gegners ab und bleibt tief stehen und reagiert auf Querpässe und Rückpässe alleine mit seitlichem Verschieben, so erreicht man maximale Kompaktheit. Wird nun die Linie der einzelnen Mannschaftsteile überspielt, wird Druck auf den Ball gemacht und nachgesetzt zum Doppeln. Wichtig für die Kompaktheit der Mannschaft ist es, dass die Mannschaftsteile eng zusammenstehen, ebenso die Spieler auf den benachbarten Spielpositionen (jeweils 8 bis 10 Meter).

Diese Spieltaktik bezeichnet man im Fußball als Abwehrpressing. Das Abwehrpressing kann man noch in zwei Varianten unterteilen. Bei der ersten Variante wird das gegnerische Angriffsspiel auf den Flügel gelenkt und bei der zweiten Variante ins Zentrum. Entscheidet man sich für Variante Zwei, so verschieben die beiden Angreifer, kurz nach der Mittellinie, auf gleicher Höhe mit vergrößertem Abstand zueinander ballorientiert.  Der Passweg ins Zentrum ist frei. Der dort postierte Gegenspieler darf nicht zu eng gedeckt werden, da man den Anschein erwecken will, dass dieser ungestört angespielt werden kann. Wird dies nun getan, wird dieser von allen Seiten attackierten. Die Angreifer setzen nach und ein zentraler Mittelfeldspieler übt Druck auf den Angespielten aus. Der zweite zentrale Mittelfeldspieler sichert ab. Im Fall, dass die beiden Angreifer nicht nachsetzen können, wird dem ballführende Gegner mittels Doppeln der Durchbruch Richtung des zweiten Mittelfeldspielers angeboten.

Variante Eins besagt, dass man das Angriffsspiel des Gegners nach Außen lenkt. Hier agieren die beiden Angreifer mit verringertem Abstand zueinander und in einer leichten Tiefenstaffellung. Die beiden Mittelfeldaußen stehen etwas tiefer, damit der Flügel unbesetzt wirkt. Erst wenn der Ball vom Gegner über die Mittellinie zu einem äußeren Spieler gepasst wird, beginnt die eigene Balleroberung. Der ballnahe Mittelfeldaußen rückt zum Ballführenden vor, verstellt die Außenbahn um ihn nach Innen zu einem zentralen Mittelfeldspieler zu lenken. Der ballnahe Angreifer setzt zum Doppeln nach Hinten nach. Der zweite Angreifer stellt das Zentrum zu und die beiden Viererketten bilden eine Abwehrsichel. Erkennt der zweite Angreifer einen Rückpass des Gegners, so rückt er vor um diesen abzufangen.

Variante Zwei ist deutlich einfacher umzusetzen, da es weniger Anspruch an einem korrekten Doppeln stellt. Für Anfänger ist also diese Variante zu empfehlen. Sollte der Gegner dabei nicht den Pass ins Zentrum suchen, so sollte generell auf Variante Eins umgestellt werden. Versucht nun der Gegner in die Lücke zwischen den beiden Angreifern zu dribbeln, sollte temporär auf Variante Eins umgestellt werden.

Wird nun der Ball erobert, rücken bis auf die beiden Innenverteidiger alle Spieler vor dem Ball um Anspielstationen in der Tiefe zu schaffen. Den ersten Pass nach Möglichkeit schnell in die Spitze spielen, um die kurzzeitige Unordnung des Gegners auszunutzen. Es ist auf eine ständige Dreiecksbildung zu achten, so dass der Ballführende stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Schafft man es einen Mitspieler in der “Red-Zone” (zentraler Bereich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners) anzuspielen, so starten im Idealfall zwei Mitspieler links und rechts mit Temposteigerung in die Gasse, so dass der Ballführende zwei Passoptionen besitzt. Kreuzende Angreifer oder quer laufende Spitzen ist für jede Abwehr schwer in den Griff zu bekommen.

Sollte kein Anspiel in der Red-Zone möglich sein, so versucht man den Ball über den Flügel in den Strafraum zu flanken oder zu passen. Im Idealfall starten drei Spieler gestaffelt in den Ball und ein vierter besetzt den Rückraum. Gestaffelt bedeutet hier, je ballnaher sie sich befinden, desto geringer ist der Abstand zum gegnerischen Tor. Wichtig ist es immer mit Tempo in den Ball zu starten, um seine ganze Kraft in die Aktion zu bringen.

Also immer den Ball zielstrebig in die Tiefe spielen. Anspiele im Idealfall direkt weiterleiten oder zumindest mit dem ersten Kontakt in den freien Raum mitnehmen und dann mit den üblichen gruppentaktischen Angriffsmitteln (Doppelpass, Hinterlaufen, Pass in die Tiefe) agieren. In gegnerischer Tornähe 1-gegen-1-Situationen suchen und Mut zum Risiko zeigen. Vor dem Torschuss nochmal Kopf heben um die freie Ecke zielgenau anzuvisieren.

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Unterschied zwischen Dreierkette und Viererkette

Mai 15th, 2010 by Martin Hasenpflug

Wie wir bereits in dem Artikel Martin Hasenpflug über Viererkette im Amateurbereich berichteten, mussten wir mit entsetzen feststellen, dass sehr viele (Senioren-)Trainer nicht wissen, was eine Dreierkette ist. Sie denken, dass ihr gegnerorientiertes Spiel mit Manndeckern, das ballorientierte Spiel mit Dreierkette sei. Hallo? Wie kann man von einer Kette sprechen, wenn doch die eigenen Spieler recht unabhängig von ihren Mitspielern agieren?

Es sind halt doch noch viele Trainer mit veraltetem Wissenstand unterwegs, die es in den letzten Jahren versäumten sich weiterzubilden. Dreierkette ist kein gegnerorientiertes Spiel, sondern es ist rein ballorientiert! Diese Trainer haben heute und hier die Chance sich ein Bild über die wirklichen Unterschiede zwischen Dreier- und Viererkette zu machen.

Beim Spiel mit der Viererkette bleiben bei einem Angriff lediglich die beiden Innenverteidiger hinter dem Ball. Sie positionieren sich als Anspielstation im Rückraum um das Spiel verlagern zu können und dienen als Absicherung bei einem gegnerischen Konter. Da bei einem Konter lediglich zwei Abwehrspieler absichern ist es bei dem Spiel mit Viererkette wichtig, dass das defensive Mittelfeld schnell umschaltet.

Beim Spiel mit der Dreierkette sieht es so aus, dass bei einem Angriff alle drei Abwehrspieler hinter dem Ball bleiben. Die Aufgaben sind mit denen der Innenverteidiger fast identisch. Dadurch, dass drei Spieler im Rückraum absichern, fehlt in der Offensive ein Spieler. Der Vorteil kommt aber dann bei einem gegnerischen Konter zur Geltung, denn in diesem Fall verfügt man über eine geschlossene Abwehrkette.

Spielaufbau mit einer Dreierkette. Zentraler Abwehrspieler ist in Ballbesitz. Taktiktafel mit eingezeichneten Dreiecksbildungen.

Spielaufbau mit einer Dreierkette. Zentraler Abwehrspieler ist in Ballbesitz. Taktiktafel mit eingezeichneten Dreiecksbildungen.

Weil drei Spieler allein nicht in der Lage sind die Räume einer kompletten Spielfeldbreite zu besetzen, müssen sich die Mittelfeldaußen bei einem gegnerischen Angriff in die Abwehrkette einreihen. Ist der Ball außen bei einem Gegner, so rückt der ballferne Mittelfeldaußen in die Abwehrkette ein. Befindet sich der Ball bei einem zentral postierten Gegenspieler, so rücken beide Mittelfeldaußen in die Abwehrkette und schaffen so quasi eine Fünferkette. In Verbindung mit 1-2 defensiven Mittelfeldspielern steht eine Dreierkette im zentralen torgefährlichen Bereich sehr kompakt.

Bei einem Angriff verfügt man zwar durch die Dreierkette über eine Anspielstation weniger in der Offensive, doch aufgrund der systemspezifische Staffelung beim Spielaufbau verfügt man über mehr Dreiecksbildungen. So ist es für die Spieler einfacher in den verschiedenen Spielsituationen Anspielstationen in Breite und Tiefe zu schaffen. Die Halbpositionen, wie die Flügel sind beim Spielaufbau doppelt besetzt.

Das Spiel mit Viererkette in der Abwehr und Mittelfeld punktet vorallem durch gute Raumaufteilung. Mittels kurzen Laufwegen ist es möglich im torgefährlichen Bereich sehr kompakt zu stehen und Überzahl in Ballnähe zu schaffen. Nach einer Balleroberung ist, aufgrund die gleichmäßige Verteilung der Spieler, ein effektives Umschalten auf die Offensive möglich.

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Eine “Anfänger-Viererkette” perfektionieren

Mai 4th, 2010 by Martin Hasenpflug

Die Erfrahrung zeigt, dass nach der Umstellung auf der Viererkette einige Dinge auf Anhieb verstanden werden, z.B. das Stellungsspiel und manche Dinge wiederholt verkehrt gemacht werden. In diesem Artikel werden wir eine Auflistung der Eigenschaften einer Viererkette geben, die vom Trainer eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte:

  • Ein Innenverteidiger rückt zu dem ballführenden Gegner vor und die beiden seitlich aufgestellten Abwehrspieler sichern nicht in die Tiefe ab. Beziehungsweise geschieht dies nicht schnell genug.
  • Die Außenverteidiger rücken zu zögerlich zu dem ballführenden Gegenspieler am Flügel vor.
  • Die Spieler attackieren beim Vorrücken zum Gegenspieler sofort den Ball, anstatt den Spieler erstmal zu stellen und das Spiel so zu verzögern. Das Spiel zu verzögern bedeutet Zeitgewinn, so dass Spieler nachrücken können und sich die Mannschaft wieder geordnet formieren kann.
  • Die Mittelfeldspieler/Angreifer doppeln nicht nach hinten, wenn sie ausgespielt werden.
  • Absolviert ein Mitspieler einen Zweikampf oder springt er zum Kopfball, wird er nicht abgesichert.
  • Beim seitlichen Verschieben sind die Abstände zu den Nebenleuten zu groß oder zu gering. Idealer Abstand wäre eine maximale Distanz, wo aber immer noch die Möglichkeit besteht ein Pass dadurch abzufangen, also ca. 10 Meter.
  • Das ganze Mannschaftskollektiv ist beim gegnerischen Spielaufbau zu weit aufgerückt, so dass ohne Mühe die ersten Spieler ausgespielt werden können. Damit macht man es dem Gegner leicht Überzahl im Angriff zu schaffen. Also sehr tief stehen, aber dennoch auf genügend Abstand zum eigenen Tor achten (sicherer Abstand).
  • Bei der Balleroberung und anschließendem Konter rücken die Abwehrspieler zu langsam und nicht weit genug auf. Der Abstand zum Mittelfeld sollte 10-15 Meter betragen.
  • Die Außenverteidiger schalten sich nicht mit ins Angriffsspiel ein. Sie sollen sich aber entweder im Rückraum zu einer Flanke vors gegnerische Tor anbieten, die Mittelfeldaußen hinterlaufen oder selbst nach Innen zur Tormitte ziehen und zum Torabschluss kommen.
  • Die Innenverteidiger kommunizieren nicht, z.B. wer von ihnen zum ballführenden Gegner im Zentrum vorrücken soll.
  • Die Außenverteidiger postieren sich beim Spielaufbau nicht ausreichend in der Breite.
  • Trotz Überzahlsituation in Ballnähe, wird der Ball ins Seitenaus geschlagen oder foulgespielt. In Überzahl immer versuchen den Ball kontrolliert zu erobern.
  • Ist der ballführende Gegner am Flügel, lassen sich die Außenverteidiger zu weit nach außen drängen und schließen so nicht die Innenbahn zum Tor.

Das klingt vielleicht jetzt erstmal nach vielen möglichen Fehlerquellen beim ballorientierten Spiel mit der Viererkette. Doch selbst wenn einige der genannten Fehler gemacht werden, so spielt man trotzdem um ein vielfaches effektiver als im gegnerorientierten Spiel.

Der Trainer sollte den Spielern immer wieder das korrekte Handeln anhand vorausgegangenen Spielsituationen erklären. Vor einem Spiel, in der Halbzeitpause und nach dem Training sind die idealen Zeitpunkte dafür. Wir empfehlen das Erklären in der kompletten Gruppe, so dass alle Spieler davon profitieren können. Alle Spieler sollten die Aufgaben jeder Position kennen, nur so wissen sie wie der Mitspieler in den verschiedenen Situationen handeln wird und idealerweise können die Spieler auch verschiedene Spielpositionen bekleiden.

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Unterschiedliche Methoden zur perfekten Raumdeckung

April 16th, 2010 by Martin Hasenpflug

Bekanntlich führen alle, oder zumindest mehrere Wege nach Rom. Diese alte Denke lässt sich auch auf das Spiel mit der Raumdeckung, bzw. des ballorientierten Verteidigens anwenden.

Vorab möchten wir unseren Lesern nochmal kurz erklären in welchem Zusammenhang die ballorientierte Verteidigung mit der Raumdeckung steht. Und Viererkette? Was hat das mit Raumdeckung zu tun?

Ganz einfach! Die Raumdeckung besagt, dass die Mannschaft sich dort postieren soll, wo der Gegner bei genügend Raum Torchancen kreieren könnte. Das heißt in der Praxis, dass man sich an der Position des Balls orientiert und den torgefährlichen Raum zustellt. Wenn sich z.B. ein gegnerischer Spieler an der ballfernen Seitenlinie befindet, so brauch er dort nicht in Manndeckung genommen werden. Es besteht durch ihn keine direkte Torgefahr. Man selbst muss jedoch einen kompakten Mannschaftsverbund bilden, die sich in einer Art Block immer dorthin verschiebt, wo es aufgrund der Ballposition torgefährlich werden könnte.

Dem Gegner entzieht man so die Möglichkeit durch viel Zeit und Raum ein Kombinationsspiel aufzuziehen. Stattdessen nötigt man ihn zu überhasteten Aktionen, die sich dann zu einem kontrollierten Ballgewinn für die eigene Mannschaft entwickeln könnte.

Dass die Raumdeckung die effektivste Art im Fußball ist, den Ball kontrolliert zu erobern und einen Gegenangriff einzuleiten ist ohne Frage. Über einige Details gibt es aber durchaus unterschiedliche Ansichten. Das Für und Wider dieser Meinungen muss jeder für sich selbst abwägen, um die optimale Lösung für seine Mannschaft zu finden. Hier einige Beispiele:

  • Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, soll er ihn zusammen mit dem ballnahen Innenverteidiger doppeln. Dafür spricht: Auch ohne Zuhilfenahme eines Mittelfeldspielers steigt die Chance den Ball kontrolliert zu erobern. Dagegen spricht: Die 4er-Abwehrkette wird kurzzeitig zur 3er-Abwehrkette und somit verkleinert sich der zugestellte Raum. Fazit: Anfänger sollten den ballführenden Gegner am Flügel immer nur zusammen mit einem Mittelfeldspieler doppeln. Ansonsten den Gegner nach außen lenken.
  • Sobald ein Innenverteidiger zu einem ballführenden Gegner im Zentrum aufrückt, soll er ihn zum Außenverteidiger steuern (Stichwort: Seitliche Stellung). Dafür spricht: Der Gegner wird aus dem torgefährlichen zentralen Bereich nach außen gelenkt. Dagegen spricht: Sollte man durch die Steuerung des Angriffs nach außen, dem ballführenden Gegenspieler den Ball auf seinen starken Fuß bringen, so kann er sich mit einem feinen Torschuss oder Flanke dafür “bedanken”. Fazit: Im Jugendbereich die Mannschaft schnellstmöglich dahinbringen, dass sie den Ballführenden so steuern kann, dass dieser den Ball auf den schwachen Fuß bekommt. So wird er auch im torgefährlichen Zentrum nicht für viel Gefahr sorgen.
  • Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, bildet die Abwehrkette eine “Sichel”. Der ballferne Außenverteidiger rückt leicht vor. Dafür spricht: Querpässe könnte dieser nun leichter abfangen. Dagegen spricht: Diagonale Flugbälle könnte er in den Rücken bekommen. Fazit: Auf Nummer sicher gehen und auf einer Höhe mit dem absichernden Innenverteidiger bleiben. Den Außenverteidigern aber “Spielraum” lassen, da sie lernen sollen das Spiel zu antizipieren.
  • Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, schiebt sich der ballferne Mittelfeldaußen in die Abwehrkette. Dafür spricht: Die gefährlichen Räume werden für den Gegner enger. Dagegen spricht: Viel Laufarbeit für die Mittelfeldaußen und den Angreifern, die dann bei gegnerischem Ballbesitz ins Mittelfeld rücken müssen. Fazit: Gegen offensiv sehr starke Mannschaften sicherlich ein adäquates Mittel.
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Spiel mit der Viererkette in drei Minuten erklärt

April 6th, 2010 by Martin Hasenpflug

Dem Spiel mit der Viererkette eilt der Ruf voraus, sehr kompliziert zu sein und unheimlich versierte Spielertypen zu benötigen. Hier eine gute Nachricht für alle Trainer im Jugendbereich: Dies ist unwahr! Konzentriert man sich auf das Vermitteln der wesentlichen Elemente im Spiel mit der Viererkette, so benötigt man nicht länger als drei Minuten um diese der Mannschaft zu erklären.

Zugegeben, das Erklärte muss von jedem Spieler verinnerlicht werden. Denn im Spiel muss sehr schnell die richtige Entscheidung in Abhängigkeit der Position von Ball, Mitspieler und Gegenspieler getroffen werden. In dieser Reihenfolge! Auch zugegeben, dass das Spiel mit der Viererkette nicht gut funktioniert, wenn nur ein einziger Spieler sich nicht an die taktischen Vorgaben hält. Es muss also Ziel des Trainers sein diese beiden schwierigen Aspekte in den Griff zu bekommen.

Die Anweisungen an die Mannschaft sollten immer an einer Taktiktafel vorgenommen werden, damit man die entsprechenden Spielsituationen mit Magneten nachstellen kann. Es ist erwiesen, dass eine Kombination aus Wort und Bild den Spielern am stärksten im Gedächtnis haften bleibt.

Die folgende Erklärung sollte regelmäßig wiederholt werden und vereinzelnd durch Details erweitern. Da die Initiative abwehrkette.de für Mannschaften, die neu auf das Spiel mit der Viererkette umgestellt haben, das 4-4-2 mit flacher Vier empfehlen, wird sich folgende 3-Minuten-Erklärung auch danach ausrichten:

  1. Alle Spieler haben defensive und offensive Aufgaben!
  2. Befindet sich der Gegner in der eigenen Hälfte im Ballbesitz, so bilden die beiden Angreifer die erste Verteidigungslinie!
  3. Im Abstand von ca. 10-15 Meter verschieben sie sich ballorientiert auf einer Höhe!
  4. Die restlichen Spieler verschieben sich ebenfalls ballorientiert auf einer Höhe. Die Abstände zu den einzelnen Mannschaftsteilen beträgt ca. 10 Meter und die Abstände innerhalb der Mannschaftsteile ebenfalls 10 Meter.
  5. Wird die Verteidigungslinie der Angreifer überspielt, setzt der ballnahe Angreifer nach und doppelt nach hinten.
  6. Der ballnahe Mittelfeldspieler rückt vor und die anderen drei Mittelfeldspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
  7. Die 4er-Abwehrkette bildet nun hinter den Mittelfeldspielern eine Linie. Die Außenverteidiger rücken leicht vor, um eventuelle Pässe nach außen abfangen zu können.
  8. Wird das Mittelfeld überspielt, setzt ein ballnaher Mittelfeldspieler nach und doppelt nach hinten.
  9. Ein ballnaher Abwehrspieler rückt jetzt vor und die anderen drei Abwehrspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
  10. Alle Mittelfeldspieler versuchen sich tiefer als die Ballposition zu postieren.
  11. Die beiden Angreifer brauchen, wenn das Mittelfeld überspielt wurde, keine Defensivaufgaben mehr zu erfüllen.
  12. Immer Kompakt und Zweikampfstark!

Das war nun unser Beitrag zur Fußballtaktik. Jetzt sind die Befürworter des gegnerorientierten Spiels gefragt, uns ihr Spiel in drei Minuten zu erklären…

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