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Okt 31 2011

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Pressing: Balleroberung durch Überzahl am Ball

Das Pressing gilt als ein strategisches Mittel, um den Spielaufbau des Gegners durch geplante Laufwege zu steuern. Ziel ist es dabei, den Gegner in eine Unterzahlsituation zu bringen, damit man den Angespielten unmittelbar nach der Ballannahme von mehreren Seiten attackieren kann. Daraus ergibt sich eine gute Möglichkeit zur kontrollierten Balleroberung.

Es gibt drei Hauptpressingarten: Abwehr-, Mittelfeld- und Angriffspressing. Diese unterscheiden sich darin, wie hoch der Mannschaftsverband auf dem Platz agiert. Beim Abwehrpressing zieht sich die Mannschaft komplett in die eigene Hälfte zurück. So stehen dem Gegner wenig Räume im Rücken der Abwehr zur Verfügung, dafür ist der Weg zum gegnerischen Tor nach einer Balleroberung sehr weit. Beim Angriffspressing attackiert man den Gegner bereits in der Nähe seines Strafraums. Beim Ballgewinn ist der Weg zum gegnerischen Tor zwar sehr kurz, aber dafür sind große Räume im Rücken der Abwehr vorhanden. Das Mittelfeldpressing ist ein Kompromiss aus beidem.

Die betriebene Pressingart wird vom Verhalten der Sturmspitze bestimmt. Abhängig davon, ab welcher Höhe sie den Spielaufbau des Gegners steuert, agiert das Team im Abwehr-, Mittelfeld- oder Angriffspressing. Vorausgesetzt ist natürlich immer, dass das ganze Team kompakt dahinter steht.

In diesem Artikel wird das erforderliche Laufverhalten einer Mannschaft beschrieben, die den Spielaufbau des Gegners nach außen steuern will. Es wird von einer 4-2-3-1-Grundformation ausgegangen, dieses System lässt sich aber auch auf alle weiteren Grundformationen übertragen. Gelingt die Steuerung nach außen, so kann man den Gegner direkt an der Außenlinie attackieren. Hierzu sind weniger Spieler als im Zentrum notwendig, da sich der Gegner nicht in alle Richtungen lösen kann. Außerdem hat dies den Vorteil, dass bei einem missglückten Pressingversuch der ballführende Gegner sich nicht in aussichtsreicher zentraler Position befindet.

Grundvoraussetzung für das Ausüben des Pressings ist der Wille des Gegners, das Spiel kontrolliert aufzubauen. Um dies dem Gegner schmackhaft zu machen, soll die Sturmspitze zunächst mit ausreichendem Abstand zu den gegnerischen Innenverteidigern (IV) agieren. In der Regel eröffnet der Torwart dann das Spiel zu einem IV. Jetzt gilt es, mehrere Aspekte zu berücksichtigen, um mit dem Pressing zu starten.

Zum einen muss die eigene Mannschaft in Bereitschaft sein. Das heißt, wenige Meter hinter der Sturmspitze befindet sich der 10er. Dieser verschiebt immer synchron zur Sturmspitze. Dann verschieben die Mittelfeldaussen (MA) auf Höhe des 10ers (leicht nach innen eingerückt), die 6er gehen Richtung Ballseite und der ballnahe Außenverteidiger (AV) rückt vor, um Zugriff auf potentielle Anspielstationen des Gegners zu haben.

Ein 6er hat nun die Aufgabe, das Stellungsspiel seiner Mannschaft zu kontrollieren und nach Bedarf zu korrigieren. Dieser soll auch mit einem lauten Kommando (z. B. „Überfall“, „Press“, „Druck“) das Pressing einläuten. Hierzu muss er neben dem Stellungsspiel der eigenen Mannschaft (alle Spieler hinterm Ball und ausreichend verschoben), auch das Verhalten des Gegners beobachten. Vor Spielbeginn legt man nämlich fest, in welcher Situation es sinnvoll ist zu pressen. Beispielsweise wenn unnötige Querpässe gespielt werden, ein IV sich mit dem Ball nach außen zum AV dreht, bei schlechtem Passspiel oder schlechter Ballannahme. Wichtig dabei ist aber immer, dass das Kommando unmittelbar nach dem Erkennen der Situation erfolgt. Entschließt man sich mit dem Pass eines IV zum anderen zu pressen, so soll schon mit dem Abspiel das Pressing gestartet werden.

Pressing mit dem Zuspiel zum Außenverteidiger

Auf das Kommando des 6ers muss als erstes die Sturmspitze reagieren und erst dann sollen die anderen Spieler mitmachen. Die Sturmspitze läuft dazu mit dem Signal des 6ers den angespielten Verteidiger so im Bogen (diagonal) an, dass er das Spiel nicht mehr verlagern kann und attackiert ihn von der Seite. Durch das aggressive Anlaufen der Sturmspitze wird ein unkontrollierter Pass provoziert.

Das Abspiel wird nun von den ballnahen Spielern (10er, MA, 6er und AV) mit dem Ziel der kontrollierten Balleroberung attackiert. Die Spielverlagerung soll vom ballfernen 6er oder MA zugestellt werden und die Sturmspitze bleibt beim Verteidiger, um einen Rückpass zu verhindern. Die eigenen Innenverteidiger rücken vor, um Lücken zu schließen.

Das ganze lässt sich noch weiter perfektionieren. Situativ hilft noch der ballferne 6er beim Doppeln. Dann aber rückt der ballferne MA so ein, dass er eine Spielverlagerung verhindern kann. Sollte ein angelaufener IV die Situation nutzen, um an der Sturmspitze vorbeizudribbeln, so setzt diese nach und versucht ihn zusammen mit dem 10er zu doppeln. Situativ können Sturmspitze und 10er auch ihre Aufgaben wechseln. Beispielsweise dann, wenn der 10er sich auf einer besseren Position (kürzere Distanz) für einen Bogenlauf befindet. In diesem Fall lässt sich die Sturmspitze auf die 10er-Position fallen und übernimmt dessen Aufgabe.

Entscheidet man sich für ein Angriffspressing, sollte man über gute Kopfballspieler verfügen. Gegner, die früh unter Druck gesetzt werden, versuchen die Situation oft durch Flugbälle zu lösen. Schafft es eine Mannschaft, sich mit einer Spielverlagerung aus dem Pressing zu lösen, so sollte man sich sofort diagonal nach hinten fallen lassen. Außerdem versucht man möglichst zahlreich hinter den Ball zu kommen, um die Gefahr zu bannen, vom Gegner überlaufen zu werden.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/diagonal-pressing/

2 Kommentare

  1. Gerd

    Hallo

    interssanter Artikel! Versuche ich mal mit meiner Mannschaft umzusetzen!

    Wann agiert man den im Spiel wie oben beschrieben und wann wie im folgendem Artikel: http://www.abwehrkette.de/4-2-3-1/ ?

    Bitte um paar nützliche Tipps!

  2. Daniel

    Hey!

    Meiner Meinung nach :

    4-2-3-1 defensiv 4-4-2 (kompakter)

    -Pressing : aktiv auf Ballgewinn spielen
    – Passwege zustellen (Sichel, Dreieck) : ‚passiv‘, auf Fehlpässe lauern

    So ist mein Verständnis.

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