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Aug 09 2012

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Effektiv angreifen: Das Steil-Klatsch-Dreh-Prinzip

Agiert man mit Viererkette und Pressing steht das offensive Denken im Mittelpunkt. Der gegnerische Ballbesitz, mit seinen aufgefächerten Spielern, wird als die geeignetste Ausgangssituation für den eigenen Angriff gesehen. Durch Kompaktheit und geschickte Steuerung verhindert man nicht nur den gegnerischen Angriff, sondern erreicht auch eine kontrollierte Balleroberung mit Anspielstation in der Tiefe.

Nach einem Ballverlust versucht der Gegner entweder den Ball direkt zurückzuerobern oder sich in seine kompakte Ausgangsposition zurückzuziehen. Im ersten Fall „sichert“ man den Ball zunächst auf einen freien Spieler und passt dann weiträumig auf eine neue Position. Lässt der Gegner sich dagegen beim Ballverlust zurückfallen, dribbelt und spielt man möglichst schnell nach vorne. Der Gegner wird ein paar Sekunden benötigen, um alle Lücken im Mannschaftsverband zu schließen. Sollte der Gegner sich nicht kollektiv für eine Variante entscheiden, so kann man sich zum einen leicht aus der Drucksituation herausspielen und zum anderen verfügt man über große Räume in der Offensive.

Das sogenannte „Steil-Klatsch-Dreh-Prinzip“ hat den Vorteil, dass es auf eine genaue Analyse der gegnerischen Verhaltensweise verzichtet. Noch während der Balleroberung beschäftigen sich die Stürmer (ST), die in der Regel die Rückpässe zustellen, mit einer möglichen Freilaufbewegung für die Balleroberer. Direkt nach der Balleroberung erfolgt die Freilaufbewegung und der Steilpass in die Tiefe. Mitspieler rücken sofort nach. Im Idealfall kann der Stürmer in Spielrichtung aufdrehen, ansonsten lässt er auf die nachrückenden Spieler klatschen. Kann kein Steilpass gespielt werden, erfolgt der Querpass oder Rückpass zur Einleitung einer Spielverlagerung.

Das Steil-Klatsch-Dreh-Prinzip kann man auch beim Spielaufbau anwenden. Es wird immer der Pass nach vorne angestrebt. Hat man die Wahl einen Mitspieler anzuspielen der sich aufdrehen kann oder der nur klatschen lassen kann, spielt man immer zu dem, der sich aufdrehen kann. Damit dieses Prinzip funktioniert, müssen sich die vorderen Spieler ständig freilaufen. Sie sollen mögliche Passwege erkennen und im Augenblick der Abspielmöglichkeit in diese hineinstarten. Der Ballführende ist immer abhängig von den fleissigen und raumschaffenden Freilaufbewegungen ihrer Mitspieler. Mit einem Steilpass lassen sich immer mehrere Gegenspieler „ausschalten“. Sie befinden sich augenblicklich nicht mehr hinterm Ball und können nichts mehr zur Kompaktheit ihres Mannschaftsverbandes beitragen.

Ein weiträumiger Steilpass wird druckvoll als Spannball gespielt. Ein Spannball ist leicht für den Passempfänger zu kontrollieren, da er eine sehr flache Flugkurve und eine Rückwärtsrotation besitzt. Er wird wie ein Flugball gespielt, jedoch wird der Fuß so weit gekippt, dass die Ferse vom Boden abhebt. Das druckvolle Passspiel ist wichtig, damit der Passempfänger über mehr Zeit verfügt.

Allgemeine Verhaltensweisen im Angriff

  • Beim Spielaufbau ausschwärmen (Breite und Tiefe schaffen) und so lange wie möglich 1-gegen-1-Situationen vermeiden.
  • Offene Stellung zum Ballführenden und einer möglichen Spielfortsetzung.
  • Immer aus dem Rücken des Gegenspielers in einen freien Raum starten (Deckungsschatten verlassen).
  • In Räume starten die ein Mitspieler verlassen hat.
  • Die Spieler ohne Ball ermöglichen das Kombinationsspiel. Ohne Freilaufbewegungen keine Anspielstationen. Ständiger Wechsel zwischen Entgegenstarten und Wegstarten.
  • Ballan- und Mitnahme in freie Räume und mit einer Körpertäuschung verbinden.
  • Dreht ein Spieler auf nutzt er den Raum vor sich für ein Tempodribbling.
  • Ein 6er und ein Außenverteidiger (AV) schalten sich als unberechenbare Faktoren mutig ins Angriffsspiel ein.
  • Handlungsschnelligkeit durch Motivation.
  • Ein schnelles Passspiel anstreben: Direktspiel auf einen dritten Spieler und die Ballannahme so steuern, dass man mit dem zweiten Ballkontakt präzise und druckvoll weiterspielen kann.

Spielfortsetzungsmöglichkeiten nachdem sich ein Spieler aufdrehen konnte

Spielfortsetzungsmöglichkeiten nach einem Aufdrehen

Außenverteidiger konnte aufdrehen: Longline zu dem in Richtung Seitenlinie startenden Mittelfeldaussen (MA) spielen. Dann Breite schaffen und zum Rückpass anbieten. MA nicht zu dicht anlaufen, sonst erzielt man mit einem Rückpass keinen Raumgewinn. Alternativ: Doppelpass mit MA spielen und selbst die Angriffsaktion einleiten.

Mittelfeldaussen konnte aufdrehen: Gegnerischen AV andribbeln (binden) und so zusammen mit dem eigenen AV eine 2-gegen-1-Überzahl schaffen. Nach vorne in den Lauf des AV passen. Alternativ: Doppelpass mit ST spielen. ST mit Spiel über den Dritten (10er, ballferner MA, offensiver 6er) in Szene setzen.

10er konnte aufdrehen: ST startet dem 10er entgegen und ein MA läuft in dem von ST geöffneten Raum (Gegenspieler verfolgt ST). Vor dem Zuspiel zu MA kann noch Doppelpass mit ST gespielt werden. Alternativ: ST mit Spiel über den Dritten (MA) in Szene setzen. ST bereitet sich bereits mit Querpass des 10ers zu MA auf einen Start in die gegnerische Schnittstelle vor. Der Pass zum ST erfolgt möglichst direkt.

ST konnte aufdrehen: Torschuss oder Ballablegen auf einen Mitspieler. Nach einer Ballablage sofort wieder anbieten. ST postiert sich in der Regel außen am Innenverteidiger. Er stellt sich Abseits und sobald er in Szene gesetzt werden kann, verlässt er seine Abseitsposition. So hält er die Abwehrkette von den offensiven Mittelfeldspielern auf Distanz und kann „unsichtbar“ im Rücken der Abwehrspieler agieren.

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