«

»

Aug 03 2010

Beitrag drucken

Coaching-Tipps für den Fußballtrainer

Vielleicht die wichtigste Aufgabe eines Fußballtrainers ist es die Spieler genau beim Ausführen der einzelnen Aufgaben zu beobachten und gemachte Fehler zu korrigieren und bei Bedarf korrekt zu demonstrieren. Ziel des Trainers sollte es immer sein von Beginn an eine korrekte Ausführung der Aktionen zu fordern, damit sich kein Fehlverhalten dauerhaft einschleicht.

Es kann durchaus mal vorkommen, dass der Spieler in einer Sache falsch agiert. Das bedeutet aber lange noch nicht, dass er das korrekte Verhalten nicht kennt. Deshalb sollte man nur bei wiederholtem Fehlverhalten eingreifen. Wichtig ist es auch immer nur bezüglich des aktuell trainierten Schwerpunkts zu korrigieren. So werden die Spieler nicht von Korrekturhinweisen, die kein Bezug zum aktuellen Training haben, verwirrt.

Man sollte wissen, dass die korrekte Ausführung einer Aktion für die nötige Effektivität sorgt und nur so das Potential eines Spielers ausschöpft. Ein weiteres sehr großes Ziel eines Fußballtrainers sollte es sein den Spieler so für den Fußball zu begeistern, dass er auch gerne in seiner Freizeit spielt. Macht er dies, wird der Spieler auch dort immer wieder versuchen, mit den Tipps des Trainers, sein Spiel zu verbessern.

Damit der vielleicht noch recht unerfahrene Trainer weiß, wo genau er beim Training drauf zu achten hat und wie er wiederholt gemachte Fehler korrigieren soll, haben wir folgende Liste zusammen gestellt. Sie ist in Hauptkategorien wie Schießen, Kopfball, Finten usw. unterteilt und diese wiederum in einzelne Teilbereiche, wie z.B. beim Schießen mit den verschiedenen Schusstechniken Innenseitstoß, Innenspannstoß und Vollspannstoß. Bei den Teilbereichen erwähnen wir dann noch in welchen Spielsituationen diese am ehesten zur Anwendung kommen sollten:

Schießen & Passen:

  • Innenseitstoß: Standfuß neben den Ball aufsetzen und die Fußspitze des leicht gebeugten Beins zeigt in Spielrichtung. Hüfte so drehen, dass die Innenseite des Spielfußes nach vorne zeigt und den Ball mittig mit der breiten Seite des Fußes trifft. Immer mit dem Spielbein ausholen und durch das Zentrum des Balls schwingen. Fußgelenk dabei fixieren und Fußspitze nach oben ziehen. Einsatzgebiet: Bei flachen Pässen und Torschüssen aus kurzer Distanz.
  • Innenspannstoß: Leicht schräger Anlauf zum Ball. Standbein seitlich hinter den Ball aufsetzen und Knie leicht gebeugt. Das Fußgelenk des Spielbeins ist fixiert, die Fußspitze zeigt leicht nach außen und die Ferse nach oben. Nun mit dem Innenriss des Fußes durch das Zentrum des Balls schwingen. Gegenarm als Stabilisierungshilfe einsetzen. Einsatzgebiet: Torschüsse aus seitlicher Position und Flanken.
  • Vollspannstoß: Die Fußspitze des Spielbeins zeigt zum Boden und das Fußgelenk ist fixiert. Die Fußspitze des Standbeins zeigt in die Schussrichtung. Die Position des Standbeins bestimmt die Flughöhe des Balls. Seitlich vor dem Ball bedeutet niedrige Flughöhe, seitlich hinter dem Ball bedeutet eine hohe Flugbahn. Kopf heben und Ziel anvisieren. Mit dem Spielbein ausholen und mit dem Fußriss durch das Zentrum des Balls schwingen. Einsatzgebiet: Torschüsse aus größerer zentraler Distanz.

Kopfball:

  • Stand: Arme anwinkeln. Kinn zur Brust und Nacken fixieren. Bogenspannung im Rücken. Schwungvoll präzise mit der Stirn den Ball treffen. Augen auf und dem Ball hinterher schauen. Wird der Ball oberhalb des Zentrums getroffen, senkt er sich. Wird er unterhalb des Zentrums getroffen, steigt seine Flugbahn. Einsatzgebiet: Ohne Gegnerdruck.
  • Richtungsänderung: In Schrittstellung gehen. Oberkörper in die beabsichtigte Richtung drehen. Oberkörper in Bogenspannung bringen und nach vorne zum Ball schnellen. Einsatzgebiet: Den Kopfball gezielt in eine Richtung bringen.
  • Sprung: Kurz anlaufen und dann mit Schwung nach oben (nicht nach vorne) abspringen. Arme und Schwungbein (bei einem einbeinigen Absprung) unterstützen den Absprung. Technik wie beim Kopfball aus dem Stand. Immer mit vollem Einsatz in die Kopfballduelle gehen. Köpft man nach Rechts, mit dem rechten Bein abspringen und köpft man nach links mit dem linken Bein abspringen. Einsatzgebiet: Unter Gegnerdruck, so dass man vor dem Gegner den Ball erreicht.

Dribbling:

  • Ballhaltendes Dribbling: Immer wieder Körper zwischen Ball und Gegner schieben. Den Ball flexibel mit der Sohle, den Innen- und Außenseiten des Fußes kontrollierbar halten. Im Idealfall mit dem Rücken an den Gegner lehnen und verschiedene Finten ausführen. Einsatzgebiet: Dieses Dribbling ist nicht auf Raumgewinn ausgelegt, sondern um Zeit für z.B. nachrückende Mitspieler zu gewinnen.
  • Tempodribbling: Den Ball mit dem Spann führen. Dabei das Fußgelenk leicht strecken und die Fußspitze zeigt zum Boden. Den Ball möglichst weit, aber stets kontrollierbar, vorlegen und mit höchster Geschwindigkeit folgen. Einsatzgebiet: Falls man bei einem Konter viel Raum vor sich hat.
  • Gegnerüberwindendes Dribbling: Hier wird das Dribbling in die eine Richtung angetäuscht, aber der Durchbruch erfolgt in die entgegengesetzte Richtung. Der Gegner wird so zu einem Fehlverhalten provoziert, weil er den Weg für die echte Dribbelrichtung des Angreifers öffnet. Der Durchbruch geht schräg nach vorne und ist immer mit einer Temposteigerung verbunden. Wichtig ist der richtige Augenblick der Finte: Nicht zu früh und nicht zu spät. Einsatzgebiet: Vor dem gegnerischen Tor. Keine günstige Anspielstation vorhanden oder der Gegenspieler spekuliert auf ein Abspiel.

Finten:

  • Übersteiger: Leicht schräg auf den Gegenspieler zudribbeln. So zwingt man ihn zu einer Seitwärtsbewegung und man kann den Ball entgegen seiner Laufrichtung abkappen. Mit dem gegnerfernen Fuß von Innen nach Außen über den Ball steigen, den Fuß neben den Ball aufsetzen und das ganze Körpergewicht darauf verlagern. Nun wird mit der Außenseite des anderen Fußes der Ball schräg nach vorne weggespielt. Einsatzgebiet: Frontale 1-gegen-1-Situation.
  • Zurückkappen: Das Zurückkappen kann als Pass- oder Schussfinte angewendet werden. Es wird mit dem gegnerfernen Fuß gedribbelt. Mit dem Dribbelfuß wird ein Pass nach vorne angetäuscht. Jedoch schwingt man das vermeintliche Spielbein über den Ball und kappt nun mit der Außenseite des gleichen Fußes den Ball nach hinten ab (180-Grad-Wende). Dabei dreht sich der Oberkörper vom Gegner weg. Den gegnernahen Arm ausstrecken, um den Ball abzuschirmen. Einsatzgebiet: Seitlich mitlaufender Gegenspieler.
  • Zurückziehen hinters Standbein: Vor dem Körper wird der Ball mit der Sohle des gegnerfernen Fußes soweit nach hinten gezogen, dass er mit der Innenseite des gleichen Fußes hinter dem Standbein gespielt werden kann. Nun wird der Ball mit der Außenseite des anderen Fußes zur Seite weggespielt. Einsatzgebiet: Bei einem von der Seite heranstartenden Gegenspieler.
  • Schussfinte: Es wird deutlich ein Schuss aufs Tor oder eine Flanke angetäuscht. Dann wird aber im letzten Augenblick mit der Innenseite des selben Fußes der Ball nach Innen mitgenommen und mit der Außenseite des anderen Fußes weggespielt. Einsatzgebiet: Keine freie Schussbahn.
  • Matthews-Trick: Leicht schräg auf den Gegenspieler zudribbeln. Es wird meist mit der Innenseite des Fußes gedribbelt mit dem man auch den Durchbruch absolvieren will. Nun mit dem anderen Fuß einen weiten Ausfallschritt seitlich hinter dem Ball absolvieren und das ganze Körpergewicht darauf verlagern (Knie dabei beugen). Jetzt wird der Ball mit der Innenseite des Dribbelfußes wenige Zentimeter in Richtung Ausfallschritt gespielt und dann explosionsartig mit der Außenseite des selben Fußes schräg nach vorne in die entgegengesetzte Richtung weggespielt. Der Wechsel von der Innen- zur Außenseite des Fußes erfolgt ganz nah am Ball. Einsatzgebiet: Frontale 1-gegen-1-Situation.

1-gegen-1 Defensive:

  • Gegner von Außen: Dem Gegenspieler wird bis auf ca. zwei Meter Abstand entgegen gestartet. Nun gleicht man seine Bewegungen den Bewegungen des Angreifers an. Man achtet nur auf den Ball. Bereits beim Entgegenstarten hat man eine seitliche Stellung zum Gegner eingenommen, so dass man ihm die Außenseite zum Durchbruch anbietet. Auf den Fußballen bewegen. Diverse Attacken antäuschen. Sobald sich der Gegner den Ball vorlegt, Körper zwischen Ball und Gegner schieben. Einsatzgebiet: Außen vor dem eigenen Tor, ohne einen Mitspieler der per Doppeln unterstützen könnte.
  • Gegner Zentral: Spielbein erkennen, meist der Dribbelfuß. Vorgehensweise wie zuvor, jedoch wird die seitliche Stellung so eingenommen, dass man dem Gegner den Durchbruch auf seinem „schwachen“ Fuß anbietet. Der Ball wird, sobald er etwas vom Fuß des Gegners weg ist, von der Seite attackiert. Einsatzgebiet: Zentral vor dem eigenen Tor, ohne einen Mitspieler der per Doppeln unterstützen könnte.
  • Gegner hinterherstarten: Den Laufweg so wählen, dass man zwischen Gegner und eigenem Tor kommt. Sobald man den Gegenspieler eingeholt hat und er sich den Ball erneut vorlegt, schiebt man seinen Körper zwischen Ball und Gegner. Einsatzgebiet: Man wurde überspielt und der Gegner startet Richtung eigenem Tor.

Mentale Fähigkeiten:

  • Handlungsschnelligkeit: Absolute Leistungsbereitschaft. Nicht von äußeren Einflüssen ablenken lassen. Den ersten Gedanken ausführen. Spiel aufmerksam beobachten. Nie abschalten. Einsatzgebiet: Im Strafraum und in 1-gegen-1-Situationen.
  • Antizipation: Absoluter Willenseinsatz. Gegenseitige Blickkontakte. Sich nicht an einzelnen Spielsituationen „festbeißen“, sondern das Spiel als Ganzes sehen. Auch in brenzligen Spielsituationen Ruhe bewahren und „über“ den Dingen stehen. Einsatzgebiet: In einem Pass des Mitspielers starten oder Pässe des Gegners abfangen.
  • Peripheres Sehen: Immer wieder den Kopf heben und auch die Positionen der Spieler registrieren die sich nicht im direkten Blickwinkel befinden. Die Handlungsmöglichkeiten aller Spieler im Bezug zur aktuellen und der sich daraus entwickelnden Spielsituation abrufbereit im Kopf haben. Einsatzgebiet: Zuspiel eines Passes. Noch während der Ball unterwegs ist, kennt man seine Handlung. Beim Verschieben. Man kennt die Positionen der Mitspieler auch außerhalb seines Blickwinkels.

Kombinationsspiel:

  • Ballan & Mitnahme: Offene Stellung zum Ball einnehmen, so dass man den Ball bereits mit dem ersten Kontakt in den freien Raum mitnehmen kann. Nach Möglichkeit mit der Innenseite des Fußes der sich in der gewünschten Spielrichtung befindet. Die Fußspitze beim Ballkontakt leicht nach oben ziehen, damit der Ball nicht über den Fuß springt. Das Körperteil mit dem ersten Ballkontakt leicht zurückziehen, damit der Ball nicht unkontrolliert wegspringt. Einsatzgebiet: Zuspiel eines Balles.
  • Passspiel: Blickkontakt zwischen Passspieler und Passempfänger. Jeder Pass soll nach Möglichkeit für ein Raumgewinn sorgen. Er sollte so druckvoll gespielt werden, dass er nicht vom Gegner abgefangen werden kann und so präzise, dass dieser vom Mitspieler gut weiterverarbeitet werden kann. Nicht zu früh und nicht zu spät abspielen, in der Regel dann wenn der Gegner beginnt den Ball zu attackieren. Nach dem Pass direkt wieder anbieten. Einsatzgebiet: Gewinnt man den Ball, sollte man ihn zuerst sichern und dann mittels Kombinationsspiel eine Torchance kreieren.
  • Spiel ohne Ball: Aus dem Deckungsschatten des Gegners laufen. Explosives Lösen vom Gegner (mit Lauffinte). Im Dreieck zum ballführenden Mitspieler und eines weiteren Mitspielers stehen. In die Breite gehen um viel Raum fürs Kombinationsspiel zu schaffen. Auf einen Pass in die Tiefe spekulieren, um im Rücken der gegnerischen Abwehr starten zu können. Ein Spieler kommt dem Ballführenden entgegen (z.B. um Doppelpass zu spielen) und weitere Mitspieler kreuzen ihre Laufwege um den Gegner zu irritieren. Einsatzgebiet: Ein Mitspieler ist in Ballbesitz.

Athletik:

  • Antrittsschnelligkeit: In der Beschleunigungsphase den Oberkörper leicht nach vorne beugen. Nur mit den Fußballen den Boden berühren und den Boden beim abstoßen nach hinten wegdrücken. Gehobenes Bein und Oberkörper im rechten Winkel bringen und das Bein wieder kraftvoll zum Boden drücken. Die Arme schwingen entgegen der Schrittbewegung (antizyklisch). Arme sind angewinkelt und an den Ellbogen fixiert. Möglichst große Schritte machen. Nach einem gespielten Pass und einem erneuten anbieten, ist immer der Fuß mit dem man gepasst hat auch der erste Sprintfuß. Einsatzgebiet: Eher als der Gegner am Ball sein. Wegstartenden Gegner einholen.
  • Koordination: Brust raus. Oberkörper gerade. Blick nach vorne. Einsatzgebiet: Koordinationstraining.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/fussballtrainer/

1 Kommentar

1 Ping

  1. Schmid Daniel

    Hallo Zusammen,

    habe eine Gute Übung für die Punkte:
    Handlungschnelligkeit und Passgenauigkeit:

    http://www.myvideo.de/watch/7670526/Ferien_und_Fussball_Camp_Schmid_am_Bodensee_Oesterreich_Schweiz_mit_Jonglierbaellen

    Diese Übung haben wir beim Ferien- und Fussballcamp am Bodensee gemacht.
    Benötigt werden lediglich pro Team 1 Ball und ein Sandsäckchen (zum werfen)

    Gruss Daniel Schmid

  1. Torschusstraining (komplette Trainingseinheiten) « Ballorientiertes Verteidigen innerhalb einer Viererkette

    […] einem älteren Artikel haben wir bereits erwähnt, dass Torschüsse aus kurzer Distanz möglichst mit dem Innenseitstoß […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>