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Mrz 24 2014

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Einstudierte Angriffswege: Gegengleiche Laufwege

Festgelegte Spielzüge können zum Erfolg führen. Vorausgesetzt die Spieler sind taktisch soweit, dass Sie bestimmte Spielsituationen erkennen, bzw. herbeiführen und dann gemeinsam einen passenden Lösungsweg gehen. Damit das Zusammenspiel funktioniert, müssen die Spieler konzentriert und kommunikativ agieren. Ab einer höherklassigen B-Jugend kann der Trainer erwarten, dass festgelegte Spielzüge erfolgreich angewendet werden. In Spielen mit viel Ballbesitz, gegen schwächere Gegner, sind einstudierte Spielzüge zunächst einfacher umzusetzen.

Der Vorteil festgelegter Spielzüge ist der Gedankenvorsprung. Mitspieler postieren und laufen so, dass gewisse Räume frei werden. Bis der Gegner diese erkennt, kann er nicht mehr effektiv eingreifen. Zeitgleich mit einer schnellen Passkombination wird dieser Raum besetzt. Die Folge ist, dass der Angespielte ohne Gegnerdruck Richtung gegnerisches Tor soßen kann. Für dieses Zusammenspiel bedarf es keine perfekte Übersicht oder geniale Ideen, sondern eine gute Technik die innerhalb des Spielzuges funktioniert.

Diese Art des Zusammenspiels ist aber auch mit Nachteilen verbunden. Sobald der Gegner den Spielzug durchschaut, ergreift er Gegenmaßnahmen. Man muss dann alternative Angriffswege finden. Ist man aber taktisch zu stark an den einstudierten Spielzügen gebunden, bekommt man Probleme. So sollte man als Trainer immer die Spielintelligenz seiner Spieler fördern, damit sie auch in der Lage sind kreative Lösungen zu finden. Im Kinderfußball sollte ausschließlich in dieser Richtung trainiert werden. Das lernstarke Alter der Kinder sollte ausgeschöpft werden, damit sie sich im Fußballspiel zurecht finden. Spielzüge abhandeln sind rein mechanischer Natur und können die Spielintelligenz beeinträchtigen.

In diesem Artikel wird ein Spielzug gezeigt, den es einer Mannschaft ermöglicht, im Flachpassspiel gezielt von hinten nach vorne zu spielen. Dieser Spielzug basiert auf dem Prinzip der „Gegengleichen Laufwege“. Ein Spieler kommt dem Ballführenden für ein Zuspiel entgegen und zeitgleich läuft ein dritter Mitspieler in den verlassenen Raum. Konkret kann dies so aussehen; erhält IV einen Pass, kommt der ballnahe MA direkt für ein Zuspiel entgegen. Es öffnet sich ein Raum für den ballnahen AV in der Tiefe. Dieser erhält nun möglichst schnell ein Zuspiel.

Gegengleiche Laufwege

Gegengleiche Laufwege

In der Umsetzung sieht es entsprechend der obigen Zeichnung aus. Es wird von einer Grundformation 4-4-2-flach oder 4-2-3-1 ausgegangen. Beide AV stehen an den Außenlinien und fast an der Mittellinie. Die IV verlagern untereinander das Spiel. Der jeweils ballnahe MA kommt blitzartig entgegen und der ballferne MA entfernt sich über die Mittellinie. Der ballnahe 6er geht hoch und der ballferne 6er geht tief.

Spielaufbau über die 6er: Können die 6er aufdrehen, werden sie angespielt und sie passen in die Tiefe zum ballnahen AV. Wird ein 6er unter Gegnerdruck angespielt lässt er den Ball klatschen. Idealerweise Spiel über den Dritten.

Spielaufbau über MA: Wird MA angespielt und kann aufdrehen, so wird er entsprechend gecoacht und passt in die Tiefe zum ballnahen AV. Steht er unter Gegnerdruck wird er ebenfalls von Mitspielern gecoacht und lässt auf den 6er klatschen und der 6er passt möglichst direkt in die Tiefe zum AV. Schon beim Pass zum MA, postiert sich der ballnahe 6er in seinem Rücken. So kann MA ohne Risiko eines Ballverlustes auf ihn klatschen lassen kann.

Für die IV ist es wichtig schnell und mit wenig Ballkontakten zu agieren. Bevor sie den Ball erhalten, müssen sie schon die Positionen der Mitspieler und Gegenspieler kennen. So können sie vertikal ins Mittelfeld spielen, ohne dass der Passempfänger direkt unter Gegnerdruck steht.

Folgende Trainingseinheit beginnt mit einer einfachen Passübung: MA läuft Richtung IV und erhält einen Pass den er klatschen lässt. IV passt zu AV in die Tiefe. Es folgt eine Torschussübung nach dem Rundlaufprinzip. MA lässt nun auf den 6er klatschen und dieser spielt AV in die Tiefe an. Danach geht es zu einer Spielform, indem man den Spielzug unter Gegnerdruck anwendet. Im Abschlussspiel werden Treffer nach dem einstudierten Spielzug doppelt belohnt.

Das Training kann in einer Großgruppe absolviert werden. Zu Beginn mehrere Parcours für die Passübung aufbauen. Durch das Rundlaufprinzip der zweiten Übung können viele Spieler gleichzeitig aktiv sein. Die Spielform kann mit bis zu 18 Spielern absolviert werden, wenn man die Positionen doppelt besetzt.

Passübung

Passübung

Organisation & Ablauf

Ein Rechteck (25 x 12 Meter) aufbauen.

Je einen Spieler an den Eckpunkten. Die vertikal gegenüberstehenden Hütchen stehen für die Positionen IV und AV. Ein Spieler IV mit Ball. Zentral ins Rechteck stellt sich ein fünfter Spieler (MA).

MA startet die Übung indem er dem ballbesitzenden IV entgegen kommt. MA erhält einen Pass den er klatschen lässt. Gleichzeitig startet der benachbarte AV longline ins Rechteck und erhält von IV ein direktes Zuspiel in den Lauf. AV nimmt den Ball kurz mit und passt zum gegenüberstehenden IV. Dort nun gleicher Ablauf: MA kommt entgegen, erhält einen Pass, lässt klatschen, AV startet in die Tiefe und wird von IV angespielt.

MA wechselt auf die IV-Position von der er den Pass erhält. IV wechselt zur benachbarten AV-Position und AV wird zum MA.

Spieleranzahl: 5–9 Spieler. Die Eckpunkte des Rechtecks doppelt besetzen.

Wettbewerb: Welche Gruppe spielt in 4 Minuten häufiger zu AV (nur eine Seite zählen)?

Tipp: Das Rechteck am äußeren Spielfeldrand aufbauen. Die AV sollen, wie im Spiel, immer entlang der Seitenlinie einen Pass vom IV erhalten.

Torschussübung im Rundlaufprinzip

Torschussübung im Rundlaufprinzip

Organisation & Ablauf

Die vier Positionen IV, MA, 6er und AV gemäß der Zeichnung aufbauen.

Die Positionen MA, 6er und AV einfach besetzen. Die restlichen Spieler mit je einem Ball zu IV.

MA startet IV entgegen, erhält ein Zuspiel und lässt dieses auf den 6er klatschen. Gleichzeitig startet AV in die Tiefe und erhält vom 6er einen direkten Pass in den Lauf. AV nimmt den Ball Richtung Tor mit und kommt zum Tor­abschluss.

Die Spieler wechseln im Uhrzeigersinn eine Position weiter: IV zum 6er, 6er zu MA und MA zu AV.

Spieleranzahl: 6–18 Spieler plus Torhüter. Einen Rundlauf organisieren. Dazu ein besetztes Tor auf die Mittellinie stellen und den gleichen Parcours an der anderen Außenbahn Richtung Mittellinie aufbauen. Nach dem Torabschluss stellt sich AV dann auf die IV-Position des anderen Parcours an.

Tipp: Nach dem Zuspiel vom 6er absolviert AV ein Tempodribbling Richtung Tor, Torwart ausgucken und sicher verwerten. AV soll nach der Ballannahme innerhalb von vier Sekunden zum Torabschluss kommen.

Spielform "Gegengleiche Laufwege"

Spielform „Gegengleiche Laufwege“

Organisation & Ablauf

Acht Meter vom Strafraum entfernt ein Rechteck (40 x 12 Meter aufbauen) und dieses halbieren. 12 Meter entfernt von jeder Hälfe eine IV-Position markieren.

Sieben Angreifer und zwei Verteidiger bestimmen. Die Angreifer gemäß der Zeichnung auf folgende Positionen stellen: 2x IV, 2x MA, 2x AV und 1x 6er. Jeweils ein Verteidiger agiert hinter einem MA. Ein IV mit Ball.

Die beiden IV spielen sich den Ball zu. Der ballnahe MA startet IV jeweils entgegen und fordert den Ball. Wird er angespielt, dreht er entweder auf, lässt auf den 6er oder auf IV klatschen. Jetzt soll ein Pass zum AV erfolgen. Zielpunkt soll hinterm Rechteck und noch vor dem Strafraum sein. Die Verteidiger dürfen nur hinter MA und im Rechteck agieren.

Nach jeweils sechs Angriffen zwei neue Verteidiger bestimmen.

Spieleranzahl: 9–18 Spieler. Die Positionen doppelt besetzen und Wechsel mit jedem Angriff.

Tipp: Kommt MA dem angespielten IV entgegen und IV verlagert zum anderen IV, so geht MA mit dem Verteidiger wieder maximal tief. Der Trainer steht mit Bällen zentral zwischen den IV und spielt nach Aktionsende sofort einen IV an.

Abschlussspiel

Abschlussspiel

Organisation & Ablauf

Ein Spielfeld (verbreiteter Strafraum bis zur Mittellinie) aufbauen. Zwei Tore mit Torhütern besetzen.

Zwei 7er-Teams (Grundformation 4-3) bilden.

Beide Teams agieren im Mittelfeldpressing. Das bedeutet, dass sie sich beim gegnerischen Spielaufbau komplett im mittleren Spielfelddrittel befinden und dort die Balleroberung anstreben. Wird ein Treffer nach dem Angriffsschema der „Gegengleichen Laufwege“ erzielt, zählt dieser doppelt.

Spieleranzahl: 14–18 Spieler plus 2 Torhüter. Die Teams so vergrößern, dass sie dann entweder in der Grundformation 4-3-1 oder 4-3-2 spielen. Das Spielfeld bei Bedarf vergrößern.

Wettbewerb: Welches Team erzielt mehr Tore?

Tipp: Die AV stehen beim Spielaufbau hoch, so dass diese nach Möglichkeit nicht vom IV angespielt werden.

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5 Kommentare

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  1. Katharina

    Hallo Abwehrkette!

    Mal eine Frage von einer weiblichen Kollegin;-) wie hoch und breit sollten sich die eigenen MA beim Spielaufbau anbieten bzw. auffächern? In der Abbildung bieten Sie sich ja in der Nähe von der Mittellinie an, sollte man sie nicht höher schieben um Tiefe zu schaffen?

    Grüße Katharina

  2. Initiative abwehrkette.de

    MA sollten zunächst deutlich in der gegnerischen Hälfte stehen (eventuell auch an der Außenlinie vor AV). Dann mit dem Anspiel zum nahen IV, schnell innen anbieten. Bei Bedarf bis auf Höhe der 6er entgegen kommen.

  3. Fabian

    Guten Abend!

    Wie soll sich die Viererkette bei folgender Situation verhalten: Ball am Flügel und der gegnerische Außenbahnspieler dribbelt auf den AV zu; ein anderer offensiver Spieler vorderläuft in die Schnittstelle zwischen IV und AV. Wie verteidigt man so eine Situation, besonders wenn der IV dabei noch einen gegnerischen Stürmer decken muss.

  4. Mirco

    Sollte der Ball dann am AV vorbei Linie lang gespielt werden muss der IV nach Aussen um den Stürmer zu stören, der gedeckte Stürmer muss vom anderen IV übernommen werden, desweitern sollte der überspielt AV nach innen neben den IV rücken und diesen sichern. Quasi müssten IV und AV für die Situation kurz tauschen meiner Meinung nach.

  5. zett

    @Fabian… als erstes die Frage, wo sind deine 6er und deine offensive Aussenbahn…der Idealfall sieht vor, das deine off.Aussenbahn zum doppeln kommt, dabei aber auch den Passweg zurück zuläuft…
    wenn du gegen zwei stürmer spielst sollte der IV nicht raus…wenn er doch geht, muss der ballferne av reinschieben, was aber eine gewisse Gefahr mit sich bringt, denn av2s sind oftmals nicht die größten…und dann würde er gegen eine Sturmspitze spielen müssen (Kopfball)…geh der IV raus…schiebt der av rein und der 6er muss ebenfalls in Abwehrzentrum…
    besser wäre, wenn der 6er nach aussen zum doppeln geht…was aber natürlich von der Entfernung abhängig ist…

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