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Aug 16 2013

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Konsequentes Gegenpressing – Alptraum für jeden Gegner

Das Fußballspiel lässt sich taktisch gesehen in vier Bereiche teilen. Auf der einen Seite wie man sich bei eigenem Ballbesitz und wie bei gegnerischem Ballbesitz verhält. Und auf der anderen Seite wie man sich im Moment des Ballgewinns und wie im Moment des Ballverlustes verhält. Der letzte Punkt ist Thema dieses Artikels.

Nach einem Ballverlust hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Strategien. Je nach Spielsituation wird eine davon angewendet. Und zwar von allen Spielern unmittelbar nach dem Ballverlust! Die defensivere und sicherere Strategie ist das Zurückweichen Richtung eigenem Tor. So kommt man in die kompakte Grundordnung, ohne dass der Gegner im Rücken der Mannschaft spielen kann. Nachteil dabei ist es, dass man dem Gegner den ballnahen Raum überlässt. Die offensivere, aber auch riskantere Strategie ist der direkte Start einer Ballrückgewinnung.

Der von uns propagierte Kombinationsfußball ist eine offensive Interpretation des Spiels. Somit sollte man Risikofreude zeigen und möglichst oft die direkte Rückgewinnung des Balls anstreben. Nur in Spielsituationen, wo der Gegner nach einem Ballgewinn frontal auf die Abwehr zudribbelt weicht man zurück. Ein Heraustreten des Abwehrspielers würde in diesem Fall ein Raum öffnen in dem der Gegner hineinspielen könnte. Die Viererkette weicht in der Geschwindigkeit des Dribblers trichterförmig zurück. Die Mittelfeldspieler setzen nach und versuchen von hinten zu doppeln.

Durch das Einrücken der Viererkette nach innen werden Passwege in die Tiefe geschlossen und durch das Zurückweichen verlangsamt man das Tempo des Dribblers. Ab einer torgefährlichen Distanz (ca. 22 Meter) des Ballführenden geht man in die aktive Balleroberung. Darüber hinaus soll die Abwehrkette immer dann zurückweichen, wenn sie mit einem Flugball überspielt werden könnte.

Spielsituationen in denen der Ball im Offensivdrittel verloren geht, in denen man Überzahl in Ballnähe hat und in denen der ballführende Gegner mit dem Rücken zum Spiel steht (geschlossene Stellung) nutzt man dagegen immer für eine direkte Rückgewinnung des Balls. Diese Vorgehensweise wird im Fußball als Gegenpressing bezeichnet.

Am Gegenpressing müssen sich alle Spieler beteiligen. Um das zu gewährleisten müssen die 6er ein lautes Kommando geben. Die Spieler laufen direkt Richtung Ball und verstellen alle Passwege, besonders die in die Tiefe. Die zwei ballnahsten Spieler attackieren den Balleroberer. Kann dieser nicht frontal attackiert werden, so wird er von hinten gejagt. Dies soll beim Gegner zu hektischen Reaktionen führen.

Damit das Gegenpressing gelingt, muss man schon bei eigenem Ballbesitz die Grundlage dafür legen. Die tieferen Spieler rücken immer zusammen mit den ballführenden Mitspielern vor, um jeweils den Rückraum von ihnen zu besetzen. Tritt jetzt ein Ballverlust ein, so stellen sie entweder Gegenspieler zu oder schließen Passwege in die Tiefe.

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Organisation & Ablauf

Ein Quadrat (15 x 15 Meter) aufbauen. Hinter einer Grundlinie und einer Seitenlinie ein Hütchentor (Breite: 3 Meter) stellen.

Drei 2er-Teams bilden.

Zwei Teams spielen zusammen gegen das Dritte auf Ballhalten. Erobern die Verteidiger den Ball versuchen sie den Ball in eines der beiden Hütchentore zu schießen. Die Angreifer setzen bei Ballverlust direkt nach und streben eine schnelle Rückgewinnung des Balls an.

Nach jeweils 5 Minuten ein neues Unterzahl-Team bestimmen.

Spieleranzahl: 6-12 Spieler. Die Spieleranzahl der Teams gleichmäßig erhöhen und das Spielfeld vergrößern.

Wettbewerb: Überzahl erhält für zehn Passfolgen einen Punkt und Unterzahl für einen Pass in ein Hütchentor. Spielt Überzahl den Ball ins Aus erhält Unterzahl einen Punkt.

Tipp: Das Feld bei mehr Spielern vergrößern. Bei 9 Spielern (3er-Teams) z. B. auf 30 x 20 Metern. Je nach Leistungsstand erhält Überzahl schon bei weniger Passfolgen einen Punkt.

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Organisation & Ablauf

Vor dem besetzten Großtor ein Spielfeld (25 x 20 Meter) aufbauen. Das Feld auf Höhe des Elfmeterpunktes teilen. Zwei Meter hinter der Stirnseite des Feldes zwei Minitore stellen.

Zwei 5er-Teams bilden. 5 Angreifer und 3 Verteidiger stehen in der großen Hälfte. Zwei Verteidiger stehen als Außenspieler links und rechts neben dem Feld.

In der großen Hälfte wird 5 gegen 3 auf Ballhalten gespielt. Erobern die Verteidiger den Ball werden die zwei Außenspieler aktiv und es wird 5 gegen 5 im kompletten Feld gespielt. Die Verteidiger greifen auf das Großtor an und die Angreifer versuchen den Ball zurück zu gewinnen und auf die Minitore zu kontern. Richtung Großtor mit Abseits spielen.

Nach Ballaus oder einem Torschuss wieder Neubeginn im 5 gegen 3.

Spieleranzahl: 8 oder 10 Spieler. Bei 8 Spielern zwei 4er-Teams bilden.

Wettbewerb: Die Angreifer erhalten für 10 Passfolgen und einem Pass ins Minitor jeweils einen Punkt. Die Verteidiger erhalten bei einem Treffer zwei Punkte.

Variation: Nach 5 Minuten tauschen Angreifer und Verteidiger die Aufgaben.

Tipp: Nach einem Ballverlust setzen die Angreifer sofort nach.

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Organisation & Ablauf

Ein Feld (30 x 20 Meter) mit Mittellinie aufbauen. An den Stirnseiten steht jeweils ein Minitor.

Mindestens zwei Verteidiger und drei Angreifer bestimmen. Jedem Team ein Tor zuweisen. Zwei Verteidiger auf die Mittellinie postieren. Ein Angreifer in die eigene Spielfeldhälfte und je ein Angreifer links und rechts neben dem eigenen Minitor. Ein Angreifer neben dem Tor mit Ball.

Der Angreifer mit Ball passt zu dem Angreifer im Feld. Mit der Ballannahme werden die Verteidiger aktiv. Der Angreifer versucht an den Verteidigern vorbeizudribbeln und ein Tor zu erzielen. Mit dem Pass zum Mitspieler rücken beide Angreifer ins Feld und besetzen den Rückraum des ballführenden Angreifers. Sie werden nur aktiv, wenn die Verteidiger den Ball erobern. Nach dem Ballgewinn der Verteidiger dann freies Spiel.

Spieleranzahl: 5-10 Spieler. Verteidiger können verdoppelt werden (bei drei Verteidigern rotieren). Die Positionen der Angreifer doppelt besetzen.

Wettbewerb: Welches Team schießt in zweimal 7 Minuten mehr Tore?

Variation: Die Spieleröffnung der Angreifer von der anderen Torseite starten.

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Spielform zur Verbesserung des Gegenpressings

Organisation & Ablauf

Zwei äußere Hütchentore (Breite: 15 Meter) auf die Mittellinie stellen.

6 Verteidiger bestimmen und in die Grundformation 4-2-0 stellen. 8 Angreifer bestimmen: 2x AV, 2x 6er, 1x 10er, 2x MA und 1x ST und positionsgemäß aufstellen. 6er und AV stehen mit ausreichend Bällen an der Mittellinie.

Ein 6er eröffnet das Spiel zu einem Offensivspieler. Mit dem Pass starten 6er und AV ins Feld und besetzen den Rückraum der Offensivspieler. Der angespielte Offensivspieler muss als erste Aktion in ein Dribbling gegen einen Gegenspieler gehen. Nach dem Dribbling, egal wer der Ball hat, freies Spiel. Die Verteidiger punkten, indem sie durch das ballnahe Hütchentor passen. 6er und AV werden erst nach dem Dribbling des Offensivspielers aktiv und unterstützen dann die direkte Ballrückgewinnung.

Spieleranzahl: 14-22 Spieler. Bei mehr als 14 Spielern die Angreifer-Positionen doppelt besetzen. Zuerst die 6er und AV der Angreifer.

Wettbewerb: Welches Team erzielt mehr Tore?

Variation: Das Spiel wird zum ballnahen MA eröffnet. Anstatt eines Pflichtdribblings, dürfen die Angreifer keine Spielverlagerung spielen.

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  1. Buchrezension: One-Touch-Kombinationsfussball (Martin Hasenpflug) » abseits.at

    […] Diese zehn Grundkategorien sind natürlich willkürlich gewählt und könnten je nach eigenem Ermessen auch gestrichen (Insider: Wer braucht schon Flügelspiel?) oder erweitert werden („Torwartkette“). Einen grundlegenden Fehler sehe ich hier nicht; persönlich würde ich lediglich einwerfen, dass das Gegenpressing zwar gesondert trainiert werden kann, aber in meinen Augen sämtliche Spielformen – also auch die A-Trainingseinheiten – durchdringen soll und somit als isolierte Einheit wohl obsolet ist. Dennoch möchte ich hier einen Einblick zeigen und eine Trainingseinheit zum “Gegenpressing” von Martin Hasenpflug präsentieren, die ich diesem Link entnommen habe: […]

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