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Mai 09 2012

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Umschalten bei Ballverlust – Gegenpressing oder Zurückziehen?

Ein Fußballspiel ist gekennzeichnet von Unmengen an Ballbesitzwechsel der Teams. Die eine Mannschaft hat den Ballverlust und die andere den Ballgewinn. Eine Mannschaft muss in die Defensive umschalten und die andere in die Offensive. Ein Ballverlust findet im Jugendfußball statistisch gesehen 6x in der Spielminute (40 Sekunden reine Spielzeit) statt.

Aufgrund dieser Häufigkeit gehört das Umschalten, von Offensive auf Defensive und umgekehrt, zu den wichtigsten taktischen Ausbildungszielen einer Fußballmannschaft. Bei einem Ballgewinn stellt sich die Frage: Ballsicherung oder Gegenangriff? Bei einem Ballverlust lautet die Frage: Gegenpressing oder Zurückziehen?

Beim Gegenpressing setzt man alles daran den Ball sofort wiederzugewinnen. Der Mannschaftsverband schiebt komplett zum Ball, setzt den ballführenden Gegner unter Druck und stellt seine Anspielstationen zu. Beim Zurückziehen überlässt man dem Gegner den ballnahen Raum, stellt durchs Zurückweichen Pässe in die Tiefe zu und verzögert damit das Spiel. Mitspieler können das zögerliche Verhalten des Gegners nutzen, um den Ballführenden nachzujagen und von hinten zu doppeln.

Mindmap zum Verhalten nach einem Ballverlust: Gegenpressing oder Zurückziehen?

Ob man nach einem Ballverlust Gegenpressing oder das Zurückziehen praktiziert ist hauptsächlich von einem Faktor abhängig: Steht der ballführende Gegner unter Druck? Einem bedrängten Spieler wird es schwer fallen eine wohlüberlegte Aktion auszuführen. Hinzu kommt, dass seine Passmöglichkeiten beschränkt sind, weil der druckausübende Spieler einen großen Deckungsschatten wirft. Ein aggressives Gegenpressing wäre hier die logische Konsequenz. Ist dagegen der ballführende Gegner in Spielrichtung aufgedreht und hat Raum vor sich, so kann er das Spiel in alle Richtungen fortsetzen. Hier sollte man sich dann zum Verteidigen Zurückziehen, damit der Gegner nicht mit einem vertikalen Pass einen ganzen Mannschaftsteil überspielt.

Wie man sich beim Zurückziehen genau verhält ist abhängig vom Ort des Ballverlust. Wurde der Ball im Sturm verloren, so muss folgendes beachtet werden:

  • Das Mittelfeld zieht sich zurück. Die Außenspieler weichen auf ihrer Außenbahn zurück, um eine größtmögliche Spielfeldbreite abzudecken.
  • Durch das Zurückziehen wird der Angriff verzögert. Stürmer nutzen dies um nachzusetzen und versuchen von hinten zu doppeln.
  • Die Abwehrkette versucht möglichst lange ihre Höhe zu halten, um dem Gegner keinen großen Raum zwischen ihr und dem Mittelfeld zu bieten. Besteht die Gefahr mit einem Flugball überspielt zu werden, lässt sie sich rechtzeitig nach hinten fallen.

Findet der Ballverlust im Mittelfeld statt und der Gegner befindet sich zwischen der Mittelfeld- und Abwehrreihe, so muss man die allgemeinen Regeln des ballorientierten Verteidigens befolgen und sich wie folgt zurückziehen:

  • Die Abwehrkette weicht trichterförmig bis auf den sicheren Abstand von 22 Metern zurück. Der ballnahste Verteidiger rückt dann raus und die restlichen Abwehrspieler ein.
  • Das Mittelfeld setzt nach und doppelt von hinten. Durch das Zurückweichen der Abwehrkette verlangsamt sich der Angriff des Gegners.
  • Die Stürmer brauchen sich nicht an der Balleroberung zu beteiligen, sondern bringen sich gut in Position, um nach einem gewonnen Ball aussichtsreich angespielt werden zu können.

Das Prinzip des Zurückziehens gilt immer für die Abwehrkette, wenn ein Gegner auf sie zudribbelt. Sie lässt sich nach hinten fallen und verringert währenddessen die Abstände zueinander (trichterförmig). Ab dem sicheren Abstand von 22 Metern zum Tor rückt der ballnahste Abwehrspieler auf den Ballführenden raus. Besonders die ausgespielten zentralen Spieler sollten dieses Verzögern nutzen und versuchen, zusammen mit dem rausrückenden Abwehrspieler, zu doppeln. Die restlichen Spieler halten Anschluss, um im Falle eines Ballgewinns angespielt werden zu können.

Sollte im Moment des Ballverlust der Ballbesitzende unter Druck stehen, versucht man durch ein Gegenpressing den Ball sofort wieder zurück zu gewinnen. Grundvoraussetzung für das Gegenpressing sind vorhandene Kraftreserven und die Bereitschaft aller Spieler sich an der Aktion zu beteiligen. Folgendes gilt es beim Gegenpressing zu beachten:

  • Den ballführenden Gegner möglichst von allen Seiten attackieren. Die Laufwege zu wählen, das mögliche Passwege für den Gegner geschlossen sind.
  • Das defensive Mittelfeld schiebt extrem zum Ball.
  • Die Viererkette hält die Höhe und schiebt sogar leicht vor, um den Raum hinter den 6ern klein zu halten.
  • Der ballnahe Außenverteidiger schiebt situativ deutlich hoch.

Durch dieses Verhalten wird sich der Ballführende nur schwer aus dem Gegenpressing lösen können und befindet sich gleichzeitig in einer 1-gegen-2-Unterzahlsituation. Mögliche Anspielstationen liegen im Deckungsschatten der in Richtung Ball schiebenden Spielern. Mitspieler in der Tiefe werden eng von der vorgerückten Viererkette gedeckt. Situativ rückt noch der ballferne Außenverteidiger zur Verstärkung des Zentrums nach innen ein.

Besteht beim Ballverlust kein Druck auf den Ball empfiehlt sich unter gewissen Umständen trotzdem ein Gegenpressing zu starten. Dazu muss aber das defensive Mittelfeld hinterm Ball postiert sein und der Gegner einen schlechten Pass spielen. Ein 6er gibt dann sofort ein Kommando zum Gegenpressing. Bis der angespielte Gegner den schlechten Pass kontrolliert hat, sollte er unter Druck gesetzt sein.

Ein Gegenpressing macht auf der Außenbahn immer mehr Sinn als im Zentrum. Aufgrund der Seitenlinie muss der Gegner hier von einer Seite weniger attackiert werden. Ist der ballführende Gegner im Zentrum zwar von einem Spieler unter Druck gesetzt, aber kann nicht sofort von einem zweiten Mitspieler unterstützt werden, sollte man das Gegenpressing abbrechen und sich auf das Zurückziehen verständigen.

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  2. Counter- or Gegenpressing | Bundesliga Fanatic

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