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Jul 19 2012

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Ab jetzt ohne Libero: Grundbewegungen einer Viererkette

Durch folgende Informationen sollte jeder Fußballtrainer in der Lage sein seine Mannschaft erfolgreich auf die Viererkette umzustellen, bzw. sie einzuführen. Es wird hier nicht ins Detail gegangen, sondern nur auf die Dinge eingegangen mit der eine Viererkette im Spiel am häufigsten konfrontiert wird. Dadurch wird eine schnelle Einführung erleichtert und zeigt direkt positive Ergebnisse. Einige Trainer, die selbst nie aktiv mit einer Viererkette gespielt haben, mögen zwar noch zögern…. aber Mut! Er zahlt sich auch hier aus!

Oben: Der Ball ist am Flügel. Die Abwehrspieler schieben nach aussen und bilden eine Abwehrsichel. Gegen zwei Stürmer bleiben beide IV im Zentrum. Die ballnächsten Spieler helfen AV beim doppeln. Unten: Die Abwehrspieler bilden u. a. nach einem Pass vor den IV ein Abwehrdreieck. In der Abbildung sind schlecht gestaffelte 6er zu sehen. Sie schaffen es nicht einen Pass aus dem Halbfeld ins Zentrum zuzustellen.

Im Block handeln: Die Viererkette (und alle anderen Mitspieler) agiert immer als Einheit Richtung Ball. Die Positionen der Gegenspieler ist zweitrangig. Ballferne Gegenspieler werden zwar beobachtet, aber zugunsten der Überzahl in Ballnähe nicht gedeckt.

Seitliches Verschieben: Die Viererkette (und alle anderen Mitspieler) postieren sich stets zwischen Ball und eigenem Tor. Ist der Ball am Flügel wird Richtung Seitenlinie geschoben (nicht zu weit). Bei zwei gegnerischen Stürmern ist es wichtig, dass die beiden IV (Innenverteidiger) im Zentrum bleiben, damit der „kleine wendige“ AV (Außenverteidiger) kein großgewachsenes „Kopfballungeheuer“ decken muss. Bei nur einem gegnerischen Stürmer kann der ballnahe IV eventuell auch nach außen schieben zum doppeln. Bleiben die IV im Zentrum, so soll der ballnahe AV bei der Balleroberung entweder vom ballnahen 6er oder dem ballnahen MA (Mittelfeldaussen) unterstützt werden. Je nachdem wer einen kürzeren Weg zum Ball hat.

Höhe halten: Die Viererkette versucht immer solange es geht ihre Höhe zu halten, also nicht zurückzuweichen. So hält sie den Abstand zum Mittelfeld gering und ein Gegenspieler der in diesem Raum angespielt wird kann effektiv attackiert werden. Besteht jedoch die Gefahr eines Flugballs über die Viererkette soll sie sich einige Meter nach hinten fallen lassen. Bei folgenden Situationen besteht keine Gefahr eines Flugballs und es kann die Höhe gehalten werden: Der Gegner steht unter Druck. Der Gegner ist im Stand und der Ball liegt am Fuß. Der Gegner befindet sich mit dem Rücken zum Tor. Der Gegner muss den Ball erst noch erlaufen.

Verschieben nach vorne: Die Viererkette schiebt, nach einem lauten Kommando eine Spielers, bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach vorne. Nach jedem gegnerischen Pass versucht man den Druck auf den Gegner aufrecht zu erhalten. Der Passempfänger wird dazu vom ballnächsten Mitspieler angelaufen. Damit in seinem Rücken kein freier Raum entsteht, in dem der Gegner kombinieren könnte, muss die komplette Mannschaft nachrücken. Diese Situation findet man immer vor, wenn ein Mitspieler nach vorne laufen muss um Druck zu erzeugen. Also wie es bei einem Rückpässen des Gegners der Fall ist. Eine andere Spielsituation wo vorgeschoben werden sollte ist es, wenn man zuvor aufgrund der Gefahr eines Flugballs zurückgewichen ist und der Flugball nicht gespielt wurde. Sollte der Gegner einen schlechten Pass im Rücken seines Mitspielers spielen, so sollte hier auch nach einem Signal die komplette Mannschaft vorschieben und den Passempfänger „jagen“.

Links: Trichterförmiges zurückweichen bei einem Dribbling auf die Abwehrkette. Zeit für nachrückende 6er schaffen und Passwege schließen. Rechts: Nach vorne schieben nach einem Rückpass des Gegners.

Verschieben nach hinten: Das Zurückweichen oder verschieben nach hinten ist immer mit einem gleichzeitig nach innen einrückendem Verhalten (trichterförmig) verbunden. Dieses Verhalten legt man an den Tag, wenn ein Gegner ungestört auf die Abwehrkette zudribbeln kann. So nimmt man Tempo aus dem Spiel und gewinnt Zeit für die nachsetzenden 6er. Gleichzeitig erschwert man dem Gegner Pässe in die Schnittstellen zu spielen. Auch wird nach hinten verschoben, wie bereits erwähnt, wenn die Gefahr eines Flugballs über die Abwehrkette besteht. So kann der ballnahe IV nach vorne in den Ball starten. Dies erleichtert die Balleroberung. Der IV wird dabei von den benachbarten Abwehrspielern abgesichert (Abwehrdreieck bilden). Die 6er orientieren sich Richtung IV zum Gewinn des zweiten Balls.

Spielsituationen lösen

Abseitsregel: Eine Abseitsfalle kommt im Spiel mit der Viererkette selten zum Einsatz. Selbst Teams aus dem Leistungsfußball verzichten in der Regel darauf, da dies eine sehr eingespielte Defensive voraussetzt. Es soll aber mit der Abseitsregel gespielt werden. Dies bedeutet, dass ins Abseits laufende Angreifer nicht verfolgt werden. Doch aufgepasst: Läuft ein Gegner aus dem Zentrum in den Rücken des AV muss er vom ballnahen IV verfolgt werden. Er kann nämlich sonst ganz frei longline angespielt werden ohne im Abseits zu stehen.

Ball am Flügel: Wird der Ball aus dem Zentrum auf den Flügel gespielt, so hat meist der MA einen kürzeren Weg zum AV, um ihn beim Doppeln zu unterstützen. In diesem Fall bleiben die 6er im Zentrum und sorgen dort für Kompaktheit. Der AV verzögert das Spiel solange bis MA ihm helfen ist. AV steuert hier den Angreifer nach aussen (seitliche Stellung und Angebot nach aussen) und MA geht direkt auf den Dribbelfuß. Erfolgt der Pass nach aussen jedoch vom Flügel, so hat in der Regel der ballnahe 6er einen kürzeren Weg zu AV. AV kann den Angreifer nun nach innen zum 6er steuern. Der ballferne 6er sichert das Zentrum vor den IV.

Ball im Halbfeld: Es wird versucht ein Pass nach aussen zu provozieren, da hier die Balleroberung einfacher ist und falls der Gegner sich trotzdem durchsetzen sollte, er keine gute Ausgangsposition für das Erspielen einer Torchance hat. Die 6er befinden sich hinterm Ball und postieren sich gestaffelt zueinander. Der ballnahe 6er schiebt vor und übt Druck auf den Ball aus (aus einer eher inneren Position). Der ballferne 6er steht tiefer und schließt den Passweg ins Zentrum. Der ballnahe AV rückt nach innen ein, damit kein Passweg zwischen ihm und dem IV entsteht. Der ballferne AV rückt dagegen nur leicht ein, denn es könnte ein diagonaler Flugball aus dem Halbfeld kommen den er verteidigen müsste. Die IV stehen seitlich hinter den Angreifern ca. 1-2 Meter entfernt. Die IV postieren sich immer ballnah hinter den Angreifern. So haben sie freie Sicht auf den Ball und können eventuell ein Pass abfangen.

Anspiel ins Zentrum vor den IV: IV hält solange wie möglich die Höhe und lässt sich auch nicht durch wegstartende Angreifer aus der Abwehrkette ziehen. Der IV startet erst aus der Abwehrkette zum Angreifer wenn dieser tatsächlich angespielt wird. Schafft er es nicht den Ball als erstes zu erreichen, so bleibt er um eine Armeslänge hinter dem Angreifer. Eine Armlänge deshalb, weil durch ein zu großer Abstand der Angreifer ungestört aufdrehen könnte und bei einem zu geringen Abstand der Angreifer sich um den IV abrollen könnte. Die anderen Abwehrspieler bilden zusammen mit dem IV ein Abwehrdreieck. Der ballnahe 6er doppelt nach hinten. Sobald der Angreifer sich mit Ball aufdreht wird er vom IV attackiert.

Agieren auf unterschiedlichen Höhen: Steht die Mannschaft tief, entweder weil sie von einem spielstarken Gegner in diese Position gezwungen wurde oder die Vorgabe des Trainers das Konterspiel ist, so müssen die Abstände der Spieler zueinander sehr klein sein. Das Mittelfeld versucht komplett hinterm Ball zu kommen. Es muss ständig Verschoben, Abwehrsichel und Abwehrdreieck gebildet werden. Agiert man als Mannschaft dagegen torfern, weil man den Gegner früh unter Druck setzen will, lockert man die Kompaktheit zugunsten eines höheren Drucks am Ball etwas auf. Entstehende Räume zwischen den Mannschaftsteilen müssen sofort durch ein konsequentes Nachrücken geschlossen werden. Es wird dann ein großer Raum hinter der Abwehrkette entstehen, der aber vom Torwart in einer Art Liberomanier kontrolliert werden soll. Wichtig ist, dass man nun ständig Druck auf den Ball ausübt, damit der Gegner sich nicht mit einem langen Ball aus der Drucksituation lösen kann. Die Abwehr muss jedoch ständig mit einem langen Ball rechnen und sich dann rechtzeitig nach hinten absetzen.

Umschalten nach Ballverlust: Sollte es nahe der Abwehrkette zu einem Ballverlust kommen, z. B. bei einem 6er, so lässt sich die Viererkette nach hinten auf den sicheren Abstand (22 Meter Tordistanz) fallen und bildet dann ein Abwehrdreieck. Geht dagegen der Ball vor den 6ern verloren, so hält die Viererkette ihre Höhe und versucht den Ball direkt wieder zurückzuerobern.

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