«

»

Aug 15 2011

Beitrag drucken

Das Hinterlaufen im Fußballtraining

Im Fußball gibt es unendlich viele Spielzüge die zu einem Tor führen können. Wenn man diese aber seziert erkennt man, dass sie sich aus immer den gleichen gruppentaktischen Angriffsmitteln zusammensetzen: Doppelpass, Andribbeln, Pass in die Tiefe, Direktspiel und dem Hinterlaufen. Das Hinterlaufen wird meist am Flügel praktiziert, um dort aus einer 1-gegen-1-Situation eine 2-gegen-1-Überzahlsituation zu schaffen. Im Zentrum kann zwar auch hinterlaufen werden, doch sollte sich der Mitspieler bereits seitlich befinden, so käme man mit der Gruppentaktik Andribbeln schneller ans Ziel.

Viele Mannschaften handhaben es so, dass jeder Spieler der am Flügel angespielt wird (bis auf den Außenverteidiger) von einem tiefer postierten Mitspieler hinterlaufen wird. Der angespielte „Außenspieler“ dribbelt dann zielstrebig nach innen, so schafft er Raum zwischen seinem Rücken und der Außenlinie und meistens ist es dann der Außenverteidiger der mit Tempo in diesen Raum startet. Dem Außenspieler wird so eine zusätzliche Anspielstation geboten und er hat nun die Wahl, je nach Gegnerverhalten, den Ball abzuspielen oder weiter Richtung Tor zu dribbeln.

Ein permanentes Hinterlaufen erfordert zwar eine große Laufbereitschaft der Spieler, doch so schafft man ständig Überzahl in Ballnähe und dies provoziert zu Fehlverhalten des Gegners. Wer muss zu dem Hinterlaufenden raus? Wer stellt den Ballführenden usw.? Ein Resultat dessen ist immer, dass sich die Defensive nach aussen orientiert, um die neu geschaffene Anspielstation zuzustellen. Die Innenbahn zum Tor verliert an Kompaktheit und es entsteht die Option eines Alleingangs. Hinzu kommt ein zögerliches Verhalten der Defensivspieler, weil sie sich oft nicht im Klaren über die Zuordnung ist.

Folgende Punkte sind für die ballführende Mannschaft beim Hinterlaufen zu beachten:

  • Der ballführende Außenspieler dribbelt immer nach innen, um Raum für den Hinterlaufenden zu schaffen.
  • Der Pass zum Hinterlaufenden wird gespielt, noch bevor er die Höhe des Außenspielers erreicht.
  • Der Hinterlaufende macht sich mit einem Signal (z.B. Schumi) bemerkbar.
  • Es wird immer mit höchstem Tempo hinterlaufen.
  • Es soll eng am Rücken des Außenspielers hinterlaufen werden, damit nicht unnötig Zeit verloren geht.

Im Abschlussspiel zählen Tore dreifach, die direkt nach einem Spielzug mit Hinterlaufen erzielt werden. Alternativ können auch Flügelzonen markiert werden (zwischen Strafraumgrenze und Aussenlinie). Diese dürfen dann immer nur von einem Verteidiger betreten werden. In der Mittelzone kann man auch mit Kontaktbegrenzung spielen, die man dann in den Flügelzonen aufhebt.

Trainingseinheit 01, Schwerpunkt Hinterlaufen

Erste Trainingseinheit

Übung 1. Für je 8 Spieler einen Parcours mit vier Stationen aufbauen. Jeweils diagonal gegenüber befindet sich ein 6 – 8 Meter großes Hütchendreieck und ein drei Meter breites Hütchentor. Bei einem zweiten Parcours wechselt man die Spielrichtung und tauscht die Position von Hütchendreieck und Hütchentor, zwecks Training der Beidfüßigkeit. Je ein Spieler ohne Ball auf die Positionen B und D postieren und die restlichen Spieler teilen sich mit Ball (jeweils mindestens zwei) an den beiden Positionen A auf. Spieler A dribbelt nach innen Richtung C, wird von B hinterlaufen, spielt B in den Lauf und wechselt auf Position B. B passt nach Möglichkeit direkt durch das Hütchentor zu D und wechselt zu D. D nimmt den Ball an und mit und dribbelt zu A. Welcher Parcours schafft in 4 Minuten die meisten Pässe durch ein Hütchentor? Dazu je Parcours immer nur ein Hütchentor zum Zählen auswählen. Für einen zweiten Durchgang wechseln die Spieler den Parcours. Tipp: Pässe durch das Hütchentor immer mit dem äußeren Fuß absolvieren und den Ball ohne Rotation spielen. Spieler D erwartet den Ball immer in offener Stellung und nimmt diesen mit dem ersten Kontakt in Dribbelrichtung mit.

Übung 2a. Vor dem Tor ein Hütchendreieck aufbauen. Ein Spieler ohne Ball zu B und drei Spieler mit je einem Ball zum Starthütchen A. A dribbelt nach innen Richtung C, passt zum hinterlaufenden Spieler B und geht auf Position B. B kommt mit dem zweiten Ballkontakt noch vor dem Strafraum zum Torabschluss, holt den Ball und stellt sich für den Rückweg an Position D. Rückweg: Je ein Spieler ohne Ball zu E unf F. Mindestens zwei Spieler mit Ball zu D. D spielt zu F, F zu E und hinterläuft E, E spielt weiter zu D und D in den Lauf von F. F dribbelt zum Starthütchen A, D wechselt nach E und E nach F. Variation: B wird zum Starthütchen und von Position A wird B nun hinterlaufen, zwecks Training der Beidfüßigkeit. Tipp: Den Wechsel von einer Position zur anderen immer in offener Stellung und leichtem Lauf absolvieren. Auf eine hohe Anzahl an Wiederholungen achten.

Übung 2b. Zwei „abgeknickte“ ca. 8 Meter lange Hütchentore im Abstand von ca. 4 Metern zueinander aufbauen. Jeweils ca. 12 Meter hinter den beiden Grundlinien des „abgeknickten“ Hütchentors ein Minitor stellen. Vier 2er-Teams bilden und immer eines davon agiert als Verteidiger. Auf Position C ein Verteidiger postieren und zwischen den beiden Hütchentoren pausiert ein Verteidiger. Die anderen Teams teilen sich an den beiden Starthütchen A und B auf und die Spieler A haben je einen Ball. A passt zu B, B dribbelt nach innen und wird von A hinterlaufen. Je nach Verteidigerverhalten bricht B nach innen über das Hütchentor durch oder spielt quer zu A der durch das Hütchentor dribbelt. Zwischen den beiden Hütchentoren wird vom Ballführenden ein Zielschuss auf eines der Minitore absolviert. Verteidiger C darf nur vor dem Hütchentor agieren und darf nicht nachsetzen. Bei der nächsten Aktion wird der andere Verteidiger aktiv und der vormals aktive Verteidiger pausiert. Nach jeweils 8 Aktionen wechselt das Verteidiger-Team mit einem Angreifer-Team. Die Spieler des Angreifer-Teams wechseln nach jeder Aktion ihr Starthütchen. Welches Team hat am Ende die meisten Treffer erzielt? Tipp: B soll möglichst weit nach innen dribbeln, damit mehr Raum für A zum Hinterlaufen zur Verfügung steht.

Trainingseinheit 02, Schwerpunkt Hinterlaufen

Zweite Trainingseinheit:

Übung 1. Für 8 Spieler ein Hütchendreieck, eine Position D, eine Hütchenreihe zwecks Slalomdribbling und ein Hütchentor E aufbauen. Je zwei Spieler ohne Ball auf Position D und E stellen, ein Spieler auf Position B und die restlichen Spieler mit je einem Ball ans Starthütchen A. A dribbelt nach innen zu C, wird von B hinterlaufen, spielt quer zu B und wechselt auf Position B. B spielt in den Lauf von D und wechselt zu D. D nimmt den Ball aus dem Lauf heraus an und mit, dribbelt durch die Hütchenreihe, nach dem letzten Hütchen absolviert er ein Zielschuss durch das Hütchentor E und wechselt zu E. E nimmt den Ball an und mit und dribbelt zum Starthütchen A. Für weitere 8 Spieler einen zweiten spiegelverkehrten Parcours, zwecks Training der Beidfüßigkeit, aufbauen. Welche Gruppe schafft in 4 Minuten die meisten Pässe durch das Hütchentor E? Für einen zweiten Durchgang wechseln die Spieler den Parcours. Tipp: Das Slalomdribbling beidfüßig absolvieren. Spieler D und E sollen nicht zu früh in den Ball starten.

Spielform 2a. Drei oder zwei Verteidiger bestimmen, immer durch die Gesamtzahl der Spieler teilbar. Dies ermöglich ein einfacheres wechseln der Aufagben im späteren Verlauf der Übung. Vor einem „abgeknicken“ Hütchentor ein Verteidiger C postieren, ein Verteidiger und ein Angreifer positionieren sich ausserhalb des Strafraums zentral vor dem Tor. Ein eventuell dritter Verteidiger pausiert. Die Verteidiger rotieren nach jeder Aktion um eine Position weiter. Die restlichen Spieler teilen sich an den beiden Starthütchen A und B auf. Spieler A haben je einen Ball. A passt zu B, B dribbelt nach innen und je nach Verteidigerverhalten bricht B über das Hütchentor selbst durch oder passt zum Hinterlaufenden A. Die beiden Angreifer versuchen nun im Zusammenspiel, mit dem dritten Angreifer vor dem Tor, ein Treffer zu erzielen. Verteidiger C darf jetzt nach einem Überdribbeln des Hütchentors nachsetzen. Es ergibt sich eine 3-gegen-2-Situation. Die Verteidiger wechseln nach 9 Durchgängen mit den nächsten drei Spielern. Der zentrale Angreifer bleibt immer für drei Aktion auf Position. Bei einem Treffer erhalten alle drei beteiligten Angreifer einen Punkt. Welcher Spieler hat am Ende die meisten Punkte? Tipp: Bei einer Hereingabe von aussen soll der zentrale Angreifer nicht schon im Strafraum stehen, sondern von hinten mit Tempo in den Ball starten. Sollte Spieler B innen durchbrechen, geht der zentrale Angreifer in die Breite. Hier kann er dann entweder Doppelpass spielen oder einen zugespielten Pass selbst Richtung Tor mitnehmen.

Übung 2b. Ein ca. 20 x 15 Meter großes Feld mit markierter Mittellinie C aufbauen. Vier 2er-Teams bilden. Ein Team beginnt als Verteidiger, indem es sich zentral auf den Linien C und D stellt. Die restlichen Spieler teilen sich an den Starthütchen A und B auf. Spieler A haben die Bälle. Der Abstand von A und B muss nicht die komplette Spielfeldbreite betragen. A passt zu B, B dribbelt nach innen und je nach Verteidigerverhalten bricht er selbst über die Mittellinie durch oder passt zum Hinterlaufenden A. Nach dem überdribbeln der Mittellinie versuchen sie nun gegen den zweiten Verteidiger über die Grundlinie D zu gelangen. Die Verteidiger dürfen nicht nachsetzen. Können beide Linien überdribbelt werden, so erhält das Angreifer-Team einen Punkt. Nach 6 (8) Aktionen wechselt das Verteidiger-Team mit einem Angreifer-Team die Aufgabe. Welches Team hat am Ende die meisten Punkte? Tipp: Für den Dribbler sind ca. zwei Meter vor dem Verteidiger eine gute Gelegenheit zum Hinterlaufenden abzuspielen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/hinterlaufen/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>