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Dez 04 2010

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Kindgerechtes Fußballtraining

Wie sieht ein kindgerechtes Fußballtraining aus? Diese Frage stellen sich häufig Übungsleiter die aus der Not heraus die Mannschaft ihres Kindes übernommen haben, weil einfach kein qualifizierter Trainer zur Verfügung stand. Im Fußball ist es eben noch nicht wie in anderen Sportarten, wo neben einem Mitgliedsbeitrag auch ein Trainergeld von den Eltern bezahlt wird. So ist es für breitensportorientierte Vereine schwer ausgebildete Trainer zu finden.

In diesem Artikel möchten wir aber einige Grundprinzipien des Kindertrainings aufzeigen, um den Leuten eine Hilfestellung zu geben die ins kalte Wasser geworfen wurden und trotzdem bemüht sind ein gutes Training zu bieten. Der eine oder andere erfahrene Übungsleiter wird hier vielleicht auch neue Anregung finden.

Der häufigste Fehler im Kindertraining ist das ergebnisorientierte Denken. Es darf nicht darum gehen nur die besten Spieler spielen zu lassen. Man hat zwar auf der einen Seite das Ziel die Talente einer Mannschaft durch viel Spielpraxis zu fördern und will sich und der Mannschaft Erfolgserlebnisse geben, doch richtet sich das Spiel einer Mannschaft zu sehr auf wenige Spieler, so stagniert die Entwicklung der Anderen. Das Leistungsgefälle zwischen den Spielern wird dann irgendwann so groß, dass sich die „Starken“ in der Mannschaft nicht mehr weiterentwickeln können.

Doch die vermeintlich schlechteren Spieler müssen auch gefördert werden, damit sie dem Fußball erhalten bleiben und eine Verbundenheit zum Verein aufbauen. Sie werden es sein die in einigen Jahren Trainer, Sponsoren oder sonstige Helfer des Vereins werden. Außerdem wird durch eine gleichmäßige Aufteilung der „Einsatzzeiten“ den Talenten und der Breite ein soziales miteinander gelehrt.

In den Trainerlehrgängen der FVN (Fußballverband Niederrhein) wird den Teilnehmern vermittelt, dass ein Hauptziel des kindgerechten Training es ist Fremdbestimmungen zu verhindern. Das bedeutet, dass das Denken der Erwachsenen nicht auf die Kinder projiziert werden soll. Der Trainer sollen überlegen was die Kinder möchten? Sie möchten spielen, Tore schieße, gewinnen und dribbeln. Also ermöglicht man dies als Trainer den Kindern.

Das Training sollte so gestaltet sein, dass kaum Wartezeiten existieren. Die Kinder sollen ständig in Bewegung sein um viel zu lernen, so verhindert man im übrigen auch ein „Stören“ durch Langeweile. Auch das immer noch praktizierte Ausdauertraining im Kindertraining kann so Ersatzlos gestrichen werden. Außerdem sollte das Kindertraining kein Üben sein, sondern die Kinder sollen in möglichst kleinen Gruppen ohne Trainerkorrekturen spielen. Eine Art Straßenfußball mit abwechslungsreichen Regeln und Bedingungen erhöht die Begeisterung für den Fußball und fördert damit die Kreativität und Spielintelligenz der Kinder. Durch die kleinen Gruppen wird die Anzahl der Aktionen der Spieler erhöht.

Der regelmäßige Spielbetrieb bringt den Kindern das organisierte Vereinsleben näher. Sie lernen sich sozial in der Gemeinschaft zu verhalten und sich respektvoll und fair gegenüber Schiedsrichtern und Gegnern zu verhalten. Sie lernen mit Siegen und Niederlagen umzugehen und diese richtig einzuordnen. Ein leistungsorientiertes Denken seitens des Übungsleiters kann diese Ziele zerstören.

Im Kindertraining soll die sogenannte Spielmethodik angewendet werden. Die Trainingseinheit beginnt mit einer Tummelphase in der sich die Kinder austoben können. Jedes Kind bekommt in der zweiten Phase des Trainings einen Ball und es wird gedribbelt und vom Trainer Dribbelspiele organisiert. Hinzu kommen Koordinationsaufgaben mit dem Ball. In der dritten Phase werden Fangspiele mit und ohne Ball gemacht. In der vierten Phase folgt der Torschuss. Dieser ist im Idealfall abwechslungsreich mit vielen Aktionen für jedes Kind gestaltet. Jedes Kind das mal gerne ins Tor gehen möchte soll dies auch tun. In der letzten Phase des Trainings folgen kleine Spiele für die Kinder.

Das Bambini-Training sollte nur leicht auf den Fußball ausgerichtet sein und lediglich Koordinationsspiele im Vordergrund stehen. Ein Techniktraining sollte noch nicht erfolgen. Etwas dribbeln und vielleicht ganz wenig Schießen. Ab der F-Jugend kann das fußballspezifische Training beginnen. Viel dribbeln, fintieren, ein bisschen flache Bälle annehmen und ganz wenig Passen. Kein Kopfballtraining, aber dafür ganz viel schießen (Spann) und viel Koordination.

In der E-Jugend wird dann das Techniktraining intensiviert. Ganz viel dribbeln, fintieren, schießen und Koordination. Mit gezieltem Passspiel wird nun leicht begonnen und es kommen die ersten zugeworfenen Bälle die man versuchen soll zu kontrollieren. Es kann auch damit begonnen werden die Kinder mit leichten Bällen auf das Kopfballspiel vorzubereiten.

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  1. Techniktraining im Jugendfußball « Ballorientiertes Verteidigen innerhalb einer Viererkette

    […] wir in diesem Artikel beschrieben haben, stehen im Kindertraining die Bereiche Dribbling, Torschuss, Koordination, freies […]

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