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Mai 14 2013

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Lehrprobe: Verbesserung des Abwehrverhaltens in Überzahl

Mit diesem Artikel möchten wir diejenigen Trainern helfen, die beabsichtigen einen Trainerschein bei irgendeinem DFB-Landesverband zu absolvieren. Exemplarisch greifen wir den taktischen Schwerpunkt Verbesserung des Abwehrverhaltens in Überzahl auf. Dies bedeutet, dass der technische Schwerpunkt bei Dribbling aus Sicht des Angreifers liegt.

In einer Lehrprobe wird immer von einem verlangt, eine reale Ausgangssituation herzustellen und zu zeigen wie man diese als Trainer lösen kann. Zur Einleitung des praktischen Teils der Lehrprobe schildert man also kurz die Situation in der sich die Mannschaft befindet. Bei unserem Thema kann dies z. B. Folgende sein:

  • Eigene Grundformation 4-2-3-1
  • Gegner agiert mit einer Spitze (4-2-3-1)
  • Gegnerische Mittelfeldaussen (MA) agieren breit
  • Gegnerische Außenverteidiger (AV) agieren eher tief

Aus dieser Ausgangssituation zieht man folgende Konsequenzen:

  • Spiel nach außen lenken
  • Gegner doppeln
  • AV doppelt mit Innenverteidiger (IV) den gegnerischen MA

Bei der Lehrprobe ist es wichtig, dass man soweit alles im Vorfeld organisiert, dass man sich beim Übungsablauf ganz auf die Inhalte konzentrieren kann. Dies bedeutet Bälle, Leibchen und Hütchen in entsprechende Ausgangsposition bringen. Um sein Anliegen der Mannschaft zu verdeutlichen ist es zu empfehlen die kommenden Aufgaben anhand von Hütchen, die man positionsgemäß auf den Boden legt, zu demonstrieren. Leibchen kann man über die Hütchen legen, so dass man ohne Zeitverzögerung die Spieler den Positionen zuweisen kann.

Wichtig bei der praktischen Demonstration ist es bei einem Fehlverhalten die Situation einzufrieren und das richtige Verhalten zu erklären. Es können aber auch sehr gute Aktionen zur weiteren Motivation eingefroren werden. Jedoch sollte man einen gewissen Spielfluss erreichen. Dann sollte man noch die Lehrprobe so organisieren, dass die zu coachenden Elemente häufig vorkommen. Zur Steigerung der Attraktivität sollen die einzelnen Trainingsformen noch als Wettbewerb abgehalten werden.

Eine Lehrprobe besteht entsprechend einer Trainingseinheit aus den folgenden vier Punkten:

  • Aufwärmen
  • Übungsform
  • Hauptteil
  • Abschlussspiel

In der praktischen Demonstration wird vom DFB-Landesverband nur der Hauptteil verlangt. Die anderen Teilbereiche einer Trainingseinheit müssen jedoch in schriftlicher Form vorliegen. Sehr wichtig ist es, dass alle Trainingsinhalte spielnah gestaltet sind. Also den Spielfeldbereich beachten, die Spieleranzahl beim Coaching- und beim Sparringteam realistisch wählen und auf korrekte Entfernungen der Spieler zueinander und den Spielfeldmarkierungen achten.

Die Landesverbände machen es dem angehenden Trainer einfach, indem man frei über eine Spieleranzahl verfügen kann und sich nicht um übrig bleibenden Spieler kümmern muss. Man hat freie Wahl über die Spielfeldgröße und kann so z. B. für das Abschlussspiel den kompletten Platz veranschlagen. Im Folgenden nun die vier Trainingsformen mit Beschreibung und Coachingpunkte.

Aufwärmen:

AufwärmenVier Quadrate (10 x 10 Meter) im Abstand von 5 Meter zueinander aufbauen.

Spieler mit je einem Ball in die Quadrate aufteilen.

Spieler dribbeln frei im Quadrat.

Folgende Aufgaben nach Signal/Ruf des Trainers absolvieren:

  • „Eins“: Übersteiger
  • „Zwei“: Schussfinte
  • 1x klatschen: Im Uhrzeigersinn ein Feld weiter dribbeln.
  • 2x klatschen: Entgegen dem Uhrzeigersinn ein Feld zurück dribbeln.

Wettbewerb: Die schnellste Gruppe beim Felderwechsel erhält einen Punkt.

Übungsform:

uebungsform40 Meter vor dem besetzten Tor zwei äußere Hütchentore aufbauen.

Ein Angreifer (AV) spielt einen Pass aus dem Hütchentor zum Mitspieler (MA). Dieser nimmt den Ball Richtung Tor an und mit, versucht sich gegen zwei Verteidiger (AV und IV) durchzusetzen und ein Tor zu erzielen.

Die Verteidiger kontern nach einem Ballgewinn auf das ballnahe Hütchentor.

Coaching AV: Zunächst Abstand verkürzen und dann durch Zurückweichen Tempo des Angreifers verringern. Seitliche Stellung und innere Bahn Richtung Tor schließen. Durchbruch nach Außen anbieten.

Coaching IV: Diagonal hinter AV absichern (Tiefenstaffelung). Nicht zu weit von AV entfernt. Sobald sich der Angreifer den Ball vorlegt, rausschieben und Ball ablaufen oder Flanke blocken.

Hauptteil:

hauptteilZwei äußere Hütchentore aufbauen und mit Anspieler (AV) besetzen.

Anspieler eröffnet mit einem Pass zum MA. Vier Angreifer (2x MA, 10er, ST) versuchen gegen sechs Verteidiger (2x AV, 2x IV, 2x 6er) ein Tor zu erzielen.

Erobern die Verteidiger den Ball kontern sie auf ein Hütchentor.

Die Angreifer halten weitestgehend ihre Positionen (keine wettspielfernen Laufwege).

Coaching: AV deckt MA zunächst lose, um nicht mit einem Flugball überspielt zu werden und einen Pass auf MA zu provozieren. Ballferner IV keine doppelte Tiefenstaffelung. ST wird überlappend gedeckt. 6er schließen Passwege ins Zentrum.

Coaching Pass zu 10: Der ballnahe 6er steuert 10 auf den tieferen 6er.

Coaching Pass zu ST: ST übergeben. AV direkt nach hinten-innen zurückweichen zum Schließen des Passwegs in die Tiefe. IV wartet im Rücken des ST auf sein Aufdrehen und erobert dann den Ball. Um ein Aufdrehen zu erzwingen, geht der ballnahe 6er direkt auf den Ball.

Coaching AV hinterläuft: AV weicht zurück. Gegnerischer MA wird an ballnahen 6er übergeben. AV setzt sich nach hinten-aussen ab und kontrolliert den Spieler der hinterläuft.

Coaching Doppeln: Bei einem Pass von Außen (AV) zum MA hat oft der ballnahe 6er eine kurze Distanz zum Doppeln mit AV. Bei einem Pass aus dem Zentrum zu MA hat in der Regel der eigene MA einen kürzeren Weg zum Doppeln mit AV.

Abschlussspiel:

abschlussspielAuf dem Großfeld 11 gegen 11 spielen. Beide Teams agieren in der Grundformation 4-2-3-1.

Das Trainingsteam agiert im Mittelfeldpressing (Abbildung ist fast Abwehrpressing) mit der Vorgabe das Spiel nach außen zu lenken. Pressingauslöser ist der Pass des IV zum AV in die Pressingzone, bzw. ein Dribbling des AV in die Pressingzone.

Nach jeder Spielunterbrechung Spielaufbau beim Sparringteam.

Coaching lenken: Zunächst Pässe in die Tiefe zustellen. Nach dem Pressingauslöser läuft 7 AV so an, dass der Passweg ins Zentrum geschlossen ist und der Passweg nach außen offen ist. 9 verstellt Rückpass zum IV. 6, 8, 10 verdichten das Zentrum. Sobald der Pass zu AV erfolgt wird er von AV und IV gedoppelt. 7 stellt den Rückpass zu.

Coaching: Die Abwehrspieler beobachten, ob AV einen Flugball hinter die Kette spielen will. Besteht dadurch Gefahr, lassen sich die drei ballfernen Abwehrspieler schräg nach hinten fallen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/lehrprobe-abwehrverhaltens-ueberzahl/

2 Kommentare

  1. Walter

    Coole Sache.
    Könnt ihr vielleicht öfter solche Lehrproben Online stellen?

  2. Marco

    klasse Sache, bitte mehr davon…

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