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Okt 01 2013

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Der Mittelfeldaussen: Stürmer, Pressinglenker und Balleroberer in Einem

Zusammen mit dem Außenverteidiger (AV) ist es der Mittelfeldaussen (MA), der je nach Spielsituation, entweder absolut offensiv oder absolut defensiv handeln muss. Daher benötigt dieser auch alle Fähigkeiten die nötig sind, um in der Offensive und Defensive zu bestehen. Er muss stark im fintierenden Dribbling sein, sicher im Torabschluss, gut im Flanken, gut im Kopfball und hohe und flache Zuspiele zielgenau in den freien Raum mitnehmen können. Darüber hinaus muss er den Außenverteidiger bei der Balleroberung unterstützen, situativ in die Abwehrkette einrücken, Pressingsituationen erkennen und durch seine Laufwege das gegnerische Aufbauspiel nach außen oder innen lenken.

Die Position des Mittelfeldaussens im Mannschaftsverband

Die Position des Mittelfeldaussens im Mannschaftsverband

Eröffnet der Gegner das Spiel steht er zunächst tief und nach innen eingerückt. So ist er Bestandteil eines kompakten Mannschaftsverbands. Durch die tiefe Position des Mannschaftsverbands wird eine kurze Spieleröffnung provoziert. Jetzt kann durch eine enge und weite Deckung bestimmter Spieler der Spielaufbau gelenkt werden. Durch die Verdichtung des Zentrums wird zunächst ein Pass des Innenverteidigers (IV) zum AV provoziert. Bevor der IV zum AV passt, geht MA auf Schlagdistanz zu AV. Er deckt diesen zunächst weit, damit dieser angespielt wird. Mit dem Pass zum AV läuft MA ihn entweder auf direktem Wege an oder in einem äußeren Bogen. Im ersten Fall erfolgt vom AV wahrscheinlich ein Pass entlang der Linie und im zweiten Fall ein Pass ins Zentrum. Es ist davon auszugehen, dass AV die sich öffnenden Passwege annimmt. Der Vorteil dieses Lenkens besteht darin, dass Mitspieler im Vorfeld über die offenen Passwege bescheid wissen und diesen Wissensvorsprung nutzen können, um im passenden Moment Überzahl am Ball zu schaffen. Löst sich der Gegner mit einem Flugball aus dem Pressing, versucht MA den zweiten Ball zu gewinnen, bzw. direkt für einen Mitspieler anspielbar zu sein.

Der ballferne MA stabilisiert bei einem Pressing die Defensive, indem er ins Zentrum nahe der Abwehrkette einrückt. Löst sich der Gegner mit einer Spielverlagerung aus dem Pressing, so lässt sich der ballnahe MA zusammen mit seinen Mitspielern diagonal nach hinten fallen. Damit das Pressing gelingt ist wichtig, dass MA stets Anschluss an den Stürmern hält. So entstehen keine ungewünschten Passwege. Sollte ein MA keine Kraft haben den Stürmern zu folgen, so müssen sie die ST zurückrufen, damit diese nicht umsonst laufen. Der MA beobachtet genau den Spielaufbau des Gegners. Sollte ein Pass in den Rücken des nahen AV erfolgen den dieser erlaufen muss, so sprintet er AV direkt nach und stellt ihn mit dem Rücken zum Spiel. Alle Mitspieler schieben nach und streben eine sofortige Balleroberung an.

Bei eigenem Spielaufbau schaffen die MA den Innenverteidigern weitere Anspielstationen. Der ideale Pass im Spielaufbau ist ein weiträumiger Flachpass. Damit man diesen spielen kann, rücken die MA leicht nach innen ein und zeigen sich den IV. Wichtig ist es, dass sie sich in offener Stellung befinden, damit sie nach einem Zuspiel schnell in Spielrichtung aufdrehen können. Die MA lassen sich falls nötig bis auf die Höhe der 6er fallen. Bei einem Dribbling des nahen AV oder 6er löst sich MA von innen nach außen, um einen Pass in den Fuß direkt in Spielrichtung mitnehmen zu können.

Auch sonst absolvieren die MA ständig Lauffinten, um sich vom Gegner zu lösen und ohne sofortigen Gegnerdruck anspielbar zu sein. Nach einem Zuspiel dribbelt MA vorzugsweise nach innen, um Raum für einen hinterlaufenden AV zu schaffen. Gleichzeitig soll ihm die nahe Sturmspitze entgegen kommen, damit er Doppelpass spielen, bzw. ein Spiel über den Dritten in Kombination mit dem AV absolvieren kann. Alternativ geht er im 1-gegen-1 am AV vorbei und sucht je nach Position den Torabschluss oder die Flanke vors Tor. Um beides ausführen zu können ist eine Beidfüssigkeit notwendig.

Die defensive Arbeit des MA ist besonders dann notwendig, wenn der gegnerische MA aus dem Zentrum angespielt wird. Hier soll er sofort nachsetzen und ihn zusammen mit dem AV doppeln. Bei einem Pass aus dem Zentrum ist der Weg eines 6ers zum Flügel sehr weit, da er aufgrund der zentralen Ballposition in der Spielfeldmitte gebunden ist. Will AV den gegnerischen MA zusammen mit dem eigenen MA doppeln, so muss er ihn nach außen steuern (Durchbruch nach innen verhindern). Dabei weicht er in dem Tempo des Dribblers zurück und verlangsamt ihn so. MA macht die Strategie des Doppelns vom Dribbelfuß des Gegners abhängig. Dribbelt dieser mit dem äußeren Fuß, so geht er auf den Ball indem er den Gegner von außen anläuft. Dribbelt der Gegner dagegen mit dem inneren Fuß oder AV konnte ihn mit dem Rücken zum Spiel stellen, so geht MA auf geradem Weg zum Ball.

Das sogenannten Gegenpressing ist auch ein großes Thema für den MA. Kommt es in der Offensive zu einem Ballverlust versucht MA zusammen mit seinen Mitspielern direkt den Ball zurück zu gewinnen. Sieht er, dass ST in ein fintierendes Dribbling geht, besetzt er seinen Rückraum, um im Falle eines Ballverlustes sofort eingreifen zu können. Außerdem hat ST die Option, falls sein Rückraum von einem Mitspieler besetzt ist, den Ball klatschen zu lassen.

Eine häufige Aufgabe des MA bei gegnerischem Ballbesitz ist es Flugbälle aus dem Mittelfeld zu verhindern. Hat er den kürzesten Weg zum Ballführenden, so setzt er ihn schnell unter Druck. Er darf dabei den Gegner aber nicht zu stürmisch attackieren, so dass dieser mit einer Körperbewegung an ihm vorbei zieht. Erhält MA nach einer schnellen Spielverlagerung den Ball, sollte er mit einem Tempodribbling in den freien Raum stoßen. Hat der nahe AV bei einem gegnerischen Angriff zwei Gegenspieler, so übernimmt MA einen davon.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/mittelfeldaussen/

3 Kommentare

  1. Moritz

    Sollten die MA sich nicht maximal hoch und maximal breit anbieten um so Raum für den Spielaufbau zu schaffen?
    Und in welchen Situationen soll sich der MA auf Höhe der 6er fallen lassen?

  2. Björn

    Im Spielaufbau über die IV bei zentraler Ballposition sollten MA den Halbraum zwishen 10 und AV besetzen um Anspielmögkichkeiten in der Tiefe zu bieten (schnellster Weg zum Tor). Wird das Spiel über die Aussenbahn eröffnet sollte der Ballnahe MA die maximale Breite besetzen. Ob der Ballferne MA nun bis ins Zentrum einrückt oder zum Verlagern ebenfalls die maximale Breite besetzt hängt davon ab wie abgesichert wird. Bei abkippender 6 ist es vorteilhafter den MA ins Zentrum zu schieben als zusätzliche Anspielsation und den Ball fernen AV die maximale Breite zum Verlagern zu überlassen. Sichert der AV allerdings als 3 Verteidiger ist der MA zum Verlagern auf der Aussenbahn sinnvoll
    In de Fall ist aber ja der 6er als zusätzliche Station im Zentrum. (Ist System abhängig, und Urs sind nur zei Möglichkeiten). Wird der Ballnahe MA angespielt und vom AV hinterlaufen bietet sich der Weg zum Tor mit Ball an (Tempodribbling/Verteidiger andribbeln) da der hinterlaufennde AV entweder die Kompakte Defensive in die Breite Zieht um dem MA Platz zu machen, oder aber bei kompakt bleibendem defensiv Verbund selber angespielt werden kann um in den Rücken der Abwehr vorzustoßen. Aber wie bei allem gilt, dass sind gängige Lösungen und je nach Philosophie und System anders praktiziert und ebenfalls korrekt.

  3. felix

    Hallo Björn, ich würde dir gerne mal eine private mail schreiben. Geht das?

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