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Sep 06 2010

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Mittelfeldpressing im 4-4-2

Oben Mittelfeldpressing durchs Zentrum steuern. Unten nach außen steuern.

Oben, Mittelfeldpressing durchs Zentrum steuern. Unten, nach außen steuern.

Ein wichtiger Grund weshalb sich das ballorientierte Spiel gegenüber dem gegnerorientierten Spiel durchgesetzt hat ist sein kräfteschonender Effekt. Es lässt einer Mannschaft Kraftreserven die diese für Angriffspressing-Aktionen einsetzen kann. Dies bedeutet den Gegner tief in deren Hälfte einzuschnüren, mittels doppeln und Zustellen von Anspielstationen den Ball kontrolliert zu erobern und durch die kurze Distanz zum gegnerischen Tor sehr aussichtsreiche Torchancen zu bekommen.

Neben dem Angriffspressing gibt es zwei weitere Pressingmethoden. Das Abwehrpressing und das Mittelfeldpressing. In jeder Phase des Spiels wird eine dieser drei Pressingmethoden ausgeübt. Das Abwehrpressing um einen Vorsprung zu verteidigen oder wenn man gegen einen sehr starken Gegner spielt. Vorteil ist es hier, dass man in den gefährlichen Räumen für seine Mannschaft sehr kompakt und stets geordnet steht. Bei einem Ballgewinn befindet sich der Gegner dann meist weit aufgerückt, so dass es möglich ist mittels wenigen Pässen einen Mitspieler im Rücken der gegnerischen Abwehr anzuspielen. Nachteil ist es, dass der Weg zum gegnerischen Tor recht weit ist und dass die Angreifer sich aufgrund des reduzierten Anforderungsprofil (Schnelligkeit und Schuss) bei einer solchen Spielweise nicht so gut weiterentwickeln können wie bei den anderen beiden Pressingmethoden.

Das Angriffspressing lässt sich immer nur zeitweise praktizieren. Es kostet viel Kraft die Mannschaft komplett und deutlich Richtung Ball zu verschiebt und im Misserfolg-Fall wieder das eigene Tor zu sichern. Deshalb wird das Angriffspressing beispielsweise nur angewendet, wenn man kurz vor Ende des Spiels noch ein Tor erzielen muss oder als Überraschungseffekt, wenn der Gegner einen Spieler an der Seitenlinie anspielt. Oder auch wenn man erkennt, das ein bestimmter Gegenspieler im Spielaufbau größere Probleme hat. Dieser würde dann, sobald ein Pass zu ihm gespielt wird massiv unter Druck gesetzt.

Als dritte Pressingmethode gibt es noch das Mittelfeldpressing. Das Mittelfeldpressing ist geeignet das ganze Spiel über praktiziert zu werden und gilt als Kompromiss zwischen dem Abwehrpressing und dem Angriffspressing. Die Distanz zum gegnerischen Tor ist nicht allzu groß und trotzdem steht man recht kompakt und geordnet in der Defensive. Das Mittelfeldpressing und deren zwei Auslegungsvarianten (Angriff ins Zentrum und Angriff nach Außen lenken) werden wir in diesem Beitrag genauer darlegen.

Agiert man im Mittelfeldpressing, so befinden sich alle Feldspieler bei gegnerischem Spielaufbau hinter dem Ball und im mittleren Drittel des Spielfeldes. Die einzelnen Mannschaftsteile und die benachbarten Spielpositionen sind nicht weiter als 8 – 10 Meter voneinander entfernt und versuchen gerade im zentralen Bereich (gefährlichster Raum fürs eigene Tor) kompakt zu stehen. Aus diesem Grund wird beim Verschieben nie komplett bis zur Seitenlinie geschoben, sondern immer nur so weit, dass die Innenbahn zum Tor geschlossen ist.

Bei Spielverlagerung (Querpässe) des Gegners reagiert man ausschließlich mit seitlichem Verschieben. Man wartet geduldig darauf, dass ein Gegenspieler im eigenen kompakten Mannschaftsverbund angespielt wird, um diesen dann von möglichst vielen Seiten zu attackieren. Diese Überzahl am Ball soll zu einer kontrollierten Balleroberung führen und der Beginn einer herausgespielten Torchance sein.

Im Fußball gibt es Mittel den Angriff des Gegners in einem bestimmten Bereich seines Mannschaftsverbundes zu lenken. Durch geschicktes Stellungsspiel provoziert man entweder einen Angriff über Außen oder durch die Mitte. Es muss lediglich der Anschein erweckt werden, dass ein bestimmter Bereich des Spielfeldes viel Raum für eine Spielfortsetzung bietet. Die verteidigende Mannschaft ist jedoch komplett auf diesen Pass eingestellt und wird den Gegner gerade hier besonders effektiv bekämpfen können.

Entscheidet man sich dazu dem Gegner freie Räume im Zentrum vorzutäuschen, so agieren die beiden Angreifer in größerer Distanz zueinander. Die Mitteldfeldaußen rücken leicht vor, um Anspielstationen am Flügel zuzustellen. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler lassen Gegenspieler im Zentrum gerade soviel Freiraum, dass der Gegner einen Pass zu diesen als sinnvoll erachtet. Sobald nun der Gegenspieler im Zentrum (Pass durch die beiden Angreifer) angespielt wird, wird er von allen Seiten attackiert. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler doppeln ihn und der ballnahe Angreifer doppelt nach hinten. Der zweite Angreifer stellt die Rückpassmöglichkeit des Gegners zu.

Entscheidet man sich aber dazu den Gegner auf dem Flügel zu attackieren, beispielsweise weil die eigenen Außenspieler sehr zweikampfstark sind und die gegnerischen Außenspieler Schwächen im Zweikampf und der Ballverarbeitung haben, agiert man wie folgt: Die eigenen Mittelfeldaußen postieren sich tief um freien Raum am Flügel vorzutäuschen. Die beiden Angreifer haben einen kleineren Abstand zueinander und verschieben leicht gestaffelt. Sobald nun ein Gegner am Flügel innerhalb des eigenen Mannschaftsverbundes angespielt wird, stößt der ballnahe Mittelfeldaußen zum angespielten Gegner vor, schließt durch seitliche Stellung die Außenbahn und bietet ihm ein Dribbling oder Pass ins Zentrum an. Hier soll nun der Ballführende wieder von allen Seiten bekämpft werden. Der Mittelfeldaußen setzt nach, der ballnahe zentrale Mittelfeldspieler attackiert zusammen mit dem ballnahen Angreifer. Der zweite Angreifer verstellt einen möglichen Rückpass.

Durch diese zwei Varianten des Mittelfeldpressings wird der ballführende Gegner in eine Falle gelockt, wo er sich drei Gegenspielern gegenüberstehen sieht und wenig Möglichkeiten besitzt den Ball abzuspielen. Dies ist für die verteidigende Mannschaft eine ideale Ausgangsposition den Ball kontrolliert zu erobern und einen Gegenangriff zu starten.

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  1. Angriffspressing - Kraftreserven in Tore ummünzen « Ballorientiertes Verteidigen innerhalb einer Viererkette

    […] Pressing im Fußball unterteilt man im Abwehrpressing, Mittelfeldpressing und Angriffspressing. Beim Angriffspressing, auch Forechecking genannt, agiert der […]

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