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Okt 25 2009

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Kein Platz für Individualisten im modernen Fußball

Das Gesicht des Fußballs hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. So waren es bis in die 70er oder sogar 80er-Jahren Individualisten die ein Spiel lenkten und auch entschieden. Der Spielmacher als technisch visierter Mann sollte mit Auge das Spiel an sich nehmen und mit klugen Pässen die Angreifer in Szene setzen. Doch durch das Ausschalten des Spielmachers konnte man recht einfach das Spiel des Gegners zerstören. Folglich wurde der Spielmacher oft in Manndeckung genommen und wiederum ein anderer Mitspieler sollte den Spielmacher von seiner Sonderbewachung lösen, der sogenannte Wasserträger.

Hinter den Manndeckern agierte dann der freie Mann (Libero) ohne Deckungsaufgaben. Er sollte Fehler seiner Vorderleute ausbügeln, in der kompletten Breite des Spielfelds Überzahl schaffen und sich dann auch noch mit ins Angriffsspiel einschalten. Durch seine Position hinter der Abwehr schuf er gefährliche Räume für den Gegner, die diese oft mit Steilpässen für sich zu nutzen wussten. Bei einem Vorstoß des Liberos und einem eventuellen Ballverlust und Konter des Gegners, hatten es die Manndecker und der Vorstopper (ein weiterer Fußball-Dinosaurier) dann sehr schwer in Gleichzahl oder gar Unterzahl zu verteidigen. In diesen Situationen funktioniert die Manndeckung nämlich nicht und man musste blitzschnell von Manndeckung auf Raumdeckung umschalten. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Sache ein großes Fehlerpotenzial in sich barg.

Aber u.a. ist es auch diesem Umstand zu verdanken, dass immer mehr Mannschaften anfingen konsequent in Raumdeckung zu verteidigen. So waren die Abwehrspieler nicht mehr gezwungen während des Spiels zwischen zwei ganz gegenläufigen Prinzipien umzudenken. Auch das Überzahlspiel in Ballnähe konnte man nun viel schneller gestalten, da die größere Entfernung von der Position des Liberos durch die geringere Entfernung des Mitspielers an seiner Seite ersetzt wurde. Man schaffte nun auch keine unnötige Räume mehr, durch den tief agierenden Libero. Die Individualisten Libero, Vorstopper, Manndecker entfielen zugunsten der Viererkette. Die Abwehrspieler agierten von nun an gleichberechtigt im Kollektiv.

Die Idee des Kollektivs im Mannschaftssport ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt, denn das Individualisten-Dasein der Spieler führt zu keinem starken gemeinsamen Nenner. Die jahrzehntelange Förderung von Individualisten führte oft zu egoistischen Charakteren. Man stellte mehr seine eigenen Interessen in den Vordergrund, anstatt die der Mannschaft. Aus diesem Grund steht im modernen Fußball die Förderung des Teamgedankens im Vordergrund. Dies ist nicht nur aus spielerische Sicht ein Fortschritt, sondern auch aus sozialer.

Im modernen Fußball bildet aber nicht nur die Viererkette eine Einheit, sondern die komplette Mannschaft. Die einzelnen Mannschaftsteile interagieren im großen Maße und verschmelzen sogar miteinander. Folglich fallen auch die Individualisten in den anderen Mannschaftsteilen weg. Das leicht auszumachende Spiel mit Spielmacher weicht ebenfalls dem Kollektiv. Hier ist es aber auch der verbesserten Talentförderung weltweit zu verdanken, dass heutige Trainer über technisch besser ausgebildete Spieler verfügen und Fähigkeiten mitbringen ein Spiel zu gestalten.

Aus diesem Kollektivgedanken ergeben sich aber auch einige Nachteile. Diese sind aber dem modernen Fußballtrainern bereits bekannt und die Talentförderung des DFBs arbeitet auch in diese Richtung. So lassen sich viele Spieler so sehr ins Kollektiv drängen, dass sich ihre Persönlichkeit nicht genügend entwickelt. Der Fußball benötigt aber starke Spieler die ihre Mannschaft auf dem Platz antreibt oder auch kreative Köpfe, die mit unerwarteten Dinge die gegnerische Mannschaft überrascht. Solche Spieler besitzen allesamt eine ausgeprägte Persönlichkeit die es von der Jugend an zu fördern gilt. Es sollte also das Ziel des modernen Fußballtrainers sein, starke Persönlichkeiten in ein gut funktionierendes Kollektiv zu integrieren.

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