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Okt 02 2011

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Offensives 1-gegen-1 effektiv einsetzen und trainieren

Wichtiger Bestandteil einer Angriffsvariabilität ist das Ausspielen eines Gegners in Tornähe. Verfügt man in der Offensive über keine gute Anspielstation, sollte man zwischen den Optionen Rückpass oder einer offensiven 1-gegen-1-Situation wählen. Das 1-gegen-1 ist die bessere Wahl, wenn man selbst nicht gedoppelt werden kann und man über die entsprechenden Qualitäten im Dribbling, Fintieren und der Handlungsschnelligkeit verfügt.

Gelingt nämlich der Durchbruch, muss ein anderer Verteidiger für den Ausgespielten „retten“ und hierdurch kann sich recht schnell ein kompakter Defensivverbund auflösen. Sucht eine Mannschaft systematisch nach günstigen 1-gegen-1-Situationen, so erschwert es den Gegnern das Verteidigen enorm. Sie müssen jetzt nicht nur Passwege zustellen und potentiell gefährliche Räume besetzen, sondern sich auch korrekt im 1-gegen-1-Defensive verhalten und den im Zweikampf verwickelten Mitspieler ständig absichern.

Gezielt eingesetzt ist das 1-gegen-1 ein sehr gutes Mittel zum Erspielen von Torchancen. Es gibt aber viele Spielsituationen in denen man darauf verzichten sollte. Man sollte niemals Richtung eigenes Tor versuchen Gegenspieler auszuspielen, niemals es mit mehreren zu gleich aufnehmen und in weiter Distanz zum gegnerischen Tor ist es auch nicht sinnvoll. Denn hier würde einfach das Risiko eines Ballverlustes größer wiegen, als ein Nutzen den man durch das gewonnene Duell in diesem Spielfeldbereich hätte. Man sollte immer bedenken, dass im Moment eines Ballverlustes die Mitspieler weit aufgefächert sind und sich dann im Spiel gegen den Ball erstmal wieder neu organisieren müssen. Selbst wenn man ein 1-gegen-1 im Mittelfeld gewinnt, so hat die Aktion Zeit gekostet die der Gegner wiederum nutzen kann sich defensiv zu stellen.

Was ist eigentlich erforderlich, um einen Offensiv-Zweikampf zu gewinnen? Es gilt zwei Grundsätze zu verinnerlichen. Zum einen muss sich der Gegner in seitlicher Bewegung befinden, damit man entgegen seiner Laufbewegung abkappen kann und zum anderen muss durch eine Körpertäuschung (Finte) ein Fehlverhalten des Gegenspielers provoziert werden. Er soll motorisch nicht mehr in der Lage sein, den Vorbeigedribbelten zu attackieren.

Ideal für einen Angreifer ist es, wenn der Verteidiger bereits mit hohem Tempo von der Seite kommt. So muss man einfach nur einen Schuss oder einen Durchbruch antäuschen, im letzten Augenblick entgegen seiner Laufrichtung abkappen und mit einer Temposteigerung vorbeiziehen. Sollte der Gegner sich nicht in Bewegung befinden, muss dies durch ein schräges (diagonales) andribbeln provoziert werden. Die Alternative zum Abkappen entgegen der Laufrichtung, wäre es ein Abkappen anzutäuschen und dann mit Temposteigerung geradeaus weiterzudribbeln.

Folgende Technikmerkmale sind beim Fintieren zu befolgen:

  • Die Körpertäuschung mit voller Intensität und Authentizität ausführen.
  • Nach der Körpertäuschung eine Temposteigerung absolvieren.
  • Die Körpertäuschung im richtigen Augenblick einsetzen und nicht zu früh und auch nicht zu spät.
  • Gegner durch diagonales andribbeln in Bewegung setzen.
  • Ball eng am Fuß halten (jederzeit Richtungsänderung möglich) und Spielumgebung wahrnehmen.
  • In der Regel gilt es bei hohem Tempo des Gegners abzukappen und bei zögerlichem Verhalten in Dribbelrichtung durchzubrechen.
  • Im Idealfall mit dem gegnerfernen Fuß dribbeln.

Es existieren viele verschiedene Finten. Eine sehr effektive und dennoch recht einfach zu Erlernende ist der Ausfallschritt. Dazu diagonal auf den Gegner zudribbeln, kurz vor ihm den Fuß (auf der Seite die man antäuschen will) außen neben dem Ball aufsetzen und den Ball dann mit der Außenseite des anderen Fußes wegspielen. Beim Aufsetzen des Fußes den Körperschwerpunkt auf das entsprechende Bein verlagern, dann das Bein vom Boden abdrücken und mit einer Temposteigerung am Verteidiger vorbei dribbeln.

Im Jugendtraining allgemein empfiehlt es sich immer nur die Spieler entsprechend dem Schwerpunkt zu coachen. Beim 1-gegen-1 in der Offensive würde man also darauf verzichten den Verteidigern Tipps zu geben. Zum einen sollen sich alle Spieler ganz auf den Schwerpunkt konzentrieren und zum anderen will man es den Angreifern zunächst möglichst einfach machen. So gewinnen sie durch viele Erfolgserlebnisse Vertrauen in ihrer Technik und sind motiviert diese weiter zu verbessern.

Ab dem Leistungsbereich kann man alle Beschränkungen des Verteidigers (z. B. kommt mit Tempo oder darf nur in einem gewissen Raum agieren) aufheben. Folgende Tipps kann man dann dem Verteidigern mit auf den Weg geben:

  • Blick nur auf den Ball.
  • Seitliche Stellung um den Gegner einen Durchbruch nach außen (Ballposition außen) oder seinem schwachen Fuß (Ballposition zentral) anzubieten.
  • Angreifer entgegenstarten (ca. 2-3 Meter) und dann zurückweichen.
  • Scheinattacken ausführen und auf den Fußballen federn.
  • Sobald der Ball nicht direkt am Fuß des Gegners liegt, sollte er von der Seite attackiert werden oder besser sogar, Körper zwischen Ball und Gegner schieben.

Im Abschlussspiel erhält eine Mannschaft für ein reguläres Tor zwei Punkte und wenn ein Spieler einen anderen im gegnerischen Strafraum sinnvoll ausspielt einen Punkt. Spielt man auf einer Spielfeldhälfte, so markiert man mit Hütchen eine 16 Meter tiefe Zone vor dem Tor auf der Mittellinie.

1-gegen-1 in der Offensive: Trainingseinheit 01

Erste Trainingseinheit:

Übung 1. Für je 8 Spieler 4 Stangen oder Hürden so zum Quadrat aufstellen, dass die jeweiligen Ecken offen sind. Hinter jeder Stange steht im Abstand von ca. 10 Metern ein Starthütchen. An jedes Starthütchen zwei Spieler postieren. Die beiden Gruppen gegenüber bilden je eine Mannschaft und je Mannschaft einen Ball. Die Ballführenden dribbeln nun gleichzeitig auf die jeweils vordere Stange (simuliert einen Verteidiger) zu, absolvieren eine Finte, dribbeln vorbei, passen zur gegenüberliegenden Gruppe und stellen sich bei dieser an. Nun gleicher Ablauf von der anderen Seite. Welches Team schafft zuerst 20 Pässe? Variation: Finte und Durchbruchsrichtung vorgeben. Die Stangen entfernen und die Passgeber werden nach ihren Pässen zu passiven Verteidigern. Sie sollen nun von den angespielten Mitspielern „ausgespielt“ werden. Tipp: Erst auf eine präzise Technik achten und danach Schnelligkeit fordern.

Spielform 2a. Sieben Hütchen entsprechend der Zeichnung aufbauen. Abstand von A nach E 12 Meter, von B nach C 10 Meter und von E nach C 5 Meter. Die Spieler teilen sich an den Positionen A und B auf. Der Trainer und ein Helfer legen für jede Aktion einen Ball ins Hütchentor C. Auf Trainersignal werden die jeweils vorderen Spieler aktiv. Spieler A sprintet um das Hütchen E vor das Tor, um einen Treffer zu verhindern. Spieler B sprintet zum Ball, dribbelt durch das Hütchentor D und versucht einen Treffer zu erzielen. Gelingt ein Tor? Nach der Aktion wechseln beide Spieler die Positionen. Variation: Ablauf von der anderen Seite. Training der Beidfüßigkeit. Tipp: Die Abstände so wählen, dass A bei maximalem Tempo einen Torschuss von B blocken kann.

Spielform 2b. Für 8 Spieler ein 10 x 7 Meter großes Hütchendreieck aufbauen. Die Spieler teilen sich als Angreifer und Verteidiger zur gleichen Zahl an das Starthütchen A auf. Ein Ball liegt im Feld (nahe der Position C) und nach jeder Aktion wird ein neuer Ball vom Trainer oder einem Helfer dort hingelegt. Auf Trainersignal werden nun die jeweils vorderen Spieler aktiv. Der Angreifer berührt Hütchen C und der Verteidiger das Hütchen B. Der Angreifer versucht nun mit dem Ball über die Grundlinie des Dreiecks zu dribbeln und der Verteidiger versucht dies zu verhindern. Der Verteidiger ist nur im Feld nach dem Berühren des Hütchens B aktiv. Für jeden Durchbruch gibt es einen Punkt für die Mannschaftswertung. Nach jeder Aktion Aufgabenwechsel. Welches Team hat nach 2 x 5 Minuten mehr Punkte? Variation: Für den zweiten Durchgang wird von der Position B aus gestartet. Training der Beidfüßigkeit. Tipp: Die Abstände so wählen, dass der Verteidiger bei maximalem Tempo ein Überdribbeln der Grundlinie verhindern kann.

1-gegen-1 in der Offensive: Trainingseinheit 02

Zweite Trainingseinheit:

Übung 1. Für je 4 Spieler zwei Hütchen im Abstand von 20 Metern aufbauen. Zentral dazwischen befindet sich eine Querstange (oder Hürde, simuliert einen Gegenspieler) und vor und hinter der Stange jeweils noch zwei weitere Stangen entsprechend der Zeichnung. Die Spieler teilen sich an den beiden Positionen auf und die vorderen Spieler erhalten einen Ball. Sie dribbeln gleichzeitig auf die Querstange zu, absolvieren eine Finte, brechen seitlich durch, passen zur gegenüberliegenden Position und wechseln dann zu dieser. Sobald beide Bälle gespielt wurden und die beiden Angespielten bereit sind startet die nächste Aktion. Welches 4er-Team schafft zuerst 40 Pässe? Variation: Finte und Durchbruchsrichtung vorgeben. A dribbelt zuerst los und dann B. A absolviert eine Finte und wählt eine Durchbruchsrichtung. B reagiert möglichst zeitnah auf die Aktion von A und bricht auf der gegenüberliegenden Seite nach einer Finte durch. Tipp: Blick vom Ball lösen und möglichst viel von der Spielumgebung wahrnehmen.

Spielform 2a. Ein Hütchen am Strafraumeck (A), sowie jeweils ein Hütchen an der Strafraumlinie auf Höhe erster und zweiter Pfosten (B und C) aufbauen. An jedem Hütchen drei (zwei oder vier) Spieler postieren. Die Spieler A haben jeweils einen Ball. Spieler A passt zu Spieler C und dieser versucht ein Tor zu erzielen. Spieler B versucht dies zu verhindern. Erst mit dem Pass von A, dürfen B und C den Strafraum betreten. B darf erst nach dem ersten Ballkontakt von C aktiv eingreifen. Direktschüsse aufs Tor sind nicht erlaubt. Der Torwart startet immer von der Torlinie aus und ist vollaktiv. Nach jeder Aktion eine Position weiter wechseln. Bei einem Tor erhalten Schütze und Passgeber einen Punkt. Der Torwart bekommt dann einen Punkt von insgesamt sechs abgezogen. Welcher Spieler hat am Ende die meisten Punkte? 5-6 Punkte = Weltklasse. 3-4 Punkte = nationale Klasse. 1-2 Punkte = Kreisklasse. 0 Punkte = hat sein Geld nicht verdient.

Spielform 2b. Drei Hütchentore im Abstand von ca. 6 Metern in einer Reihe aufbauen. Das mittlere Hütchentor ist ca. 8 Meter breit. Dem mittleren Hütchentor einen Verteidiger zuweisen und an den beiden äußeren Hütchentore teilen sich die restlichen Spieler als Angreifer mit je einem Ball auf. Der Verteidiger berührt ein Hütchen seines Hütchentors. Der erste Angreifer dribbelt auf sein Hütchentor zu und versucht es zu überdribbeln. Mit dem ersten Ballkontakt des Angreifers lässt der Verteidiger sein Hütchen los und versucht ein Überdribbeln zu verhindern. Der Verteidiger darf maximal 1 Meter vor seinem Hütchentor agieren. Gelingt der Durchbruch bleibt der Verteidiger auf Position (berührt wieder ein Hütchen) und es startet ein Angreifer von der anderen Seite. Der Verteidiger bleibt solange auf Position bis er einen Durchbruch verhindern konnte. Dann wechselt er die Aufgabe mit dem jeweiligen Angreifer. Variation: Der Verteidiger startet mittig im Hütchentor und muss eines seiner beiden Hütchen berühren damit er aktiv werden darf. Mit dem Berühren des Hütchens dribbelt der Angreifer los. Tipp: Immer zur offenen Seite des Verteidigers dribbeln. Die Abstände so wählen, dass der Verteidiger bei maximalem Tempo in den Zweikampf mit dem Angreifer kommt.

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