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Jun 05 2012

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Pressingopfer: Balleroberung beim schwächsten Gegenspieler

Die übliche Vorgehensweise beim Pressing ist die Steuerung des gegnerischen Spielaufbaus in einem vorab besprochenen Raum. Hier wird nur weit gedeckt und Passwege dorthin offen gelassen. Etliche Spieler befinden sich um den Raum herum in Lauerstellung. Sobald nun der gewünschte Pass erfolgt, wird der angespielte Gegner in Überzahl attackiert und seine möglichen Anspielstationen zugestellt.

Die Balleroberung kann aber misslingen, wenn die zu attackierenden Spieler nicht unmittelbar mit dem gewünschten Pass in den Raum starten. So hat der angespielte Gegner eine gewisse Zeit für die Ballverarbeitung. Ist dieser nun technisch stark, wird er sich mit einem Dribbling oder Pass aus dem Pressing lösen können.

Dieses Risiko wird bei der Pressingvariante Pressingopfer deutlich reduziert. Hier werden bei solchen starken Spieler erst garkeine Balleroberungsversuche gestartet. Ganz im Gegenteil! Alle Balleroberungsversuche werden bei dem technisch schlechtestes Spieler (Pressingopfer) des Gegners angestrebt. Um möglichst viele Pässe auf ihn zu provozieren, erhält er viel Freiraum und offene Passwege werden zu ihm geschaffen. Mit dem Pass zu ihm wird er gedoppelt und alle seine Anspielstationen zugestellt. Durch seine technischen Defizite wird er sich nur schwer aus dem Pressing lösen können.

Der Innenverteidiger als Pressingopfer

Bei dieser Pressingvariante muss der Mannschaftsverband im mittleren Drittel des Spielfelds (Mittelfeldpressing) agieren. Würde man sich zu weit fallen lassen (Abwehrpressing), könnte der Gegner den weiteren Spielverlauf selbst bestimmen. Steht man dagegen zu hoch (Angriffspressing), eröffnet der Gegner das Spiel mit einem weiten Flugball. Doch nur wenn der Gegner das Kombinationsspiel sucht, können seine Pässe gezielt auf das Pressingopfer gesteuert werden.

Je nachdem auf welcher Position das Pressingopfer spielt, wählt man unterschiedliche Mittel für die Balleroberung. Diese werden im Folgenden beschrieben. Grundsätzlich gilt aber, dass bei jedem gegnerischen Spielaufbau das Pressing angestrebt wird. Zunächst wird nur seitlich verschoben und sobald der Gegner in der Nähe des Mannschaftsverbands kommt, werden Passwege zum Pressingopfer geöffnet und die Spieler bereiten sich aufs Doppeln vor.

Innenverteidiger: Empfehlenswerte Grundformation 4-4-2-Raute. Querpässe provozieren indem man alle Pässe in die Tiefe zustellt. Wird das Pressingopfer vom anderen Innenverteidiger angespielt, läuft der opferferne Stürmer in den Querpass rein und stellt die Spielverlagerung zu. Gleichzeitig startet der opfernahe Stürmer und der 10er zum doppeln auf das Pressingopfer. Der opferferne Stürmer startet aus einer äußeren Position zum Pressingopfer, um ein Weiterspieler zum Außenverteidiger zu verhindern. Mögliche Anspielstationen und Spielverlagerungen müssen von den anderen Spielern zugestellt werden.

Erfolgt der Pass vom Außenverteidiger zum Pressingopfer, läuft der Mittelfeldaußen in den Querpass rein und der opfernahe Stürmer plus 10er doppeln. Der opferferne Stürmer stellt die Spielverlagerung zu. Der 10er läuft das Pressingopfer im leichten Bogen an, damit dieser sich nicht mit einem Pass ins Zentrum aus der Drucksituation befreien kann. Spielt man dagegen in einem 4-4-2 flach, so muss der ballnahe 6er frühzeitig aufrücken, um zusammen mit dem opfernahen Stürmer doppeln zu können.

Der Außenverteidiger als Pressingopfer

Außenverteidiger: Empfehlenswerte Grundformation 4-4-2-Flach. Querpässe provozieren indem man alle Pässe in die Tiefe zustellt. Die beiden Stürmer agieren dabei gestaffelt zueinander, damit kein Pass durch sie hindurch gespielt werden kann. Das Pressingopfer wird nur weit gedeckt.

Der opferferne Stürmer läuft den opferfernen Innenverteidiger im Bogen an, um einen Querpass zum anderen Innenverteidiger zu provozieren und stellt dann die Spielverlagerung zu. Der opfernahe Stürmer attackiert den Innenverteidiger, dass ihm nur noch der Pass zum Pressingopfer bleibt. Der ballnahe 6er startet ebenfalls zum Pressingopfer und der Mittelfeldaußen absolviert einen Bogenlauf außen/hoch zum ausgewählten Außenverteidiger. Das Pressingopfer kann nun zu dritt gedoppelt werden. Der ballferne Stürmer stellt die Rückpassmöglichkeit zum Innenverteidiger zu.

Die zentralen Mittelfeldspieler müssen rechtzeitig zugestellt werden. Die eigenen ballnahen Außenverteidiger und Innenverteidiger decken ebenfalls eng, damit das Pressingopfer sich nicht mit einem Pass entlang der Linie oder in den Halbraum aus der Drucksituation lösen kann. Dies ist besonders wichtig, falls der Mittelfeldaußen das Pressingopfer nicht rechtzeitig unter Druck setzen kann.

Auch Rückpässe zum Pressingopfer können immer vom Mittelfeldaußen, 6er und ballnahem Stürmer genutzt werden um ihm nachzujagen. Besonders dann wenn sie ungenau gespielt wurden. Es können auch gezielt Flugbälle auf das Pressingopfer gespielt werden. Diese nutzt man dann ebenfalls zum Nachjagen.

Mittelfeldaußen: Empfehlenswerte Grundformationen sind Spielsysteme mit zwei 6ern. Querpässe sollen provoziert werden, indem man alle Pässe in die Tiefe zustellt. Das Spiel wird zunächst auf den opfernahen Außenverteidiger gesteuert und dieser dann vom Mittelfeldaußen hoch/außen im Bogen angelaufen. Das Pressingopfer wird nur weit gedeckt.

Sobald nun der Pass auf das Pressingopfer erfolgt, wird dieser vom Außenverteidiger, dem ballnahen 6er und dem ballnahen Innenverteidiger gedoppelt. Die ballfernen Innenverteidiger und Außenverteidiger sichern das Zentrum. Der ballnahe Mittelfeldaußen stellt den Rückpass zu und die Mitspieler schieben Richtung Ball um eventuelle Anspielstationen zuzustellen.

Mit einer Spitze kann man das Spiel zum opfernahen Außenverteidiger provozieren, indem dieser immer in den Querpass des opferfernen Innenverteidigers zum opfernahen Innenverteidiger startet. Der andere Außenverteidiger wird dabei leicht gedeckt. Der 10er verschiebt leicht versetzt hinter der Spitze Richtung Ball und stellt so Pässe ins Zentrum zu. Der opfernahe Mittelfeldaußen darf vor seinem Bogenlauf nicht zu weit vom Außenverteidiger entfernt stehen, da er ihn sonst nicht ausreichend unter Druck setzen kann und die Gefahr besteht, dass er ihm die Linie entlang wegdribbelt.

Der 6er als Pressingopfer

6er: Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten einen gegnerischen 6er zum Pressingopfer zu machen. Bei einer Grundformation 4-4-2-Flach wird den gegnerischen Innenverteidigern ein direktes Zuspiel zum Pressingopfer angeboten. Die beiden Stürmer gehen dafür auf einer Höhe und bilden so eine Gasse zum Pressingopfer. Das Pressingopfer wird nur weit gedeckt. Sobald nun der ausgewählte 6er angespielt wird, doppeln die beiden 6er zusammen mit dem ballnahen Stürmer. Der ballferne Stürmer stellt den Rückpass zu und die Mittelfeldaußen mögliche Anspielstationen.

Spielt man dagegen mit nur einer Spitze, bietet es sich an den Pass zum Pressingopfer über den opfernahen Außenverteidiger zu steuern. Es wird zunächst von der Sturmspitze und dem 10er ein Pass zum Außenverteidiger provoziert. Dieser wird nun vom Mittelfeldaußen außen/hoch im Bogen angelaufen. Das Pressingopfer wird nur weit gedeckt und dann mit dem Pass des Außenverteidigers durch die beiden 6er und dem 10er gedoppelt. Auch hier stellen Stürmer und Mittelfeldaußen mögliche Anspielstationen zu.

Spielaufbau über einen Außenverteidiger: Ist der Außenverteidiger in Ballbesitz und nähert sich dem Aktionsraum des Mannschaftsverbands, kann er direkt vom eigenen Mittelfeldaußen angelaufen werden, wenn das Pressingopfer der ballnahe 6er oder der Mittelfeldaußen ist. Der (ballnahe) Stürmer muss dann aber auch sofort einen möglichen Pass zum Innenverteidiger zustellen.

Ist das Pressingopfer dagegen ein Innenverteidiger oder ein ballferner Spieler, so muss der Außenverteidiger provoziert werden zum Innenverteidiger zu spielen. Damit dies gelingen kann, läuft der ballnahe Mittelfeldaußen den Außenverteidiger außen/hoch im Bogen an. Ein Pass entlang der Linie wird so zugestellt. Die zentralen Spieler werden eng gedeckt und die Innenverteidiger frei gelassen. Nach dem Pass zum Innenverteidiger stellt der ballnahe Mittelfeldaußen den Rückpass zu.

Ist das Pressingopfer ein Verteidiger und der gegnerische Torwart bietet sich für einen Rückpass an, so können sie sich leicht aus dem Pressing lösen. In diesem Fall ist mit einem weiten Flugball des Torwarts zu rechnen. Die Viererkette lässt sich rechtzeitig um einige Meter fallen, um nicht überspielt zu werden und vorwärts in den Ball gehen zu können.

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