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Sep 20 2010

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Raumdeckung bei Eckbällen

Raumdeckung bei Eckbällen

Raumdeckung bei Eckbällen

Im Fußball hat sich die Raumdeckung als Defensivtaktik gegenüber der Manndeckung durchgesetzt. Keine Mannschaft der Welt die professionell aufgestellt ist verteidigt noch mit Libero und Co. Anders sieht es dagegen bei Standardsituationen aus. Hier hat sich im Fußball bisher noch keine Ideallösung gefunden. Manche Mannschaft agieren hier mit Manndeckung, manche in Raumdeckung und andere wiederum setzen auf eine Mischung aus beidem.

Tatsache ist aber, dass Standardsituationen immer schwieriger werden zu verteidigen. Die Schüsse werden immer schärfer, die Flugbahn der Bälle immer unberechenbarer und das Kopfballspiel der Angreifer immer effektiver. Der Hauptgrund weshalb eine Standardsituation für das Offensivspiel zunehmend an Bedeutung gewinnt ist eine Verbesserung der Defensivtaktik im Fußball. Dieser ruhende Ball darf nicht attackiert werden und kann so ungestört in die Gefahrenzone befördert werden. Mittlerweile fallen 42% aller Treffer in der Bundesliga nach Standards und 35% davon nach einem Eckball.

Der Raumdeckung im Allgemeinen geht die Grundidee voraus, dass die Verhinderung eines Tors nur das Minimalziel ist und die Balleroberung mit anschließendem Konter das Hauptziel. Im Spiel wird immer Richtung Ball verschoben um Räume eng zu machen und Überzahl zu schaffen. Auch die Raumdeckung bei Eckbällen wird mit dem Ziel eingesetzt den Raum im Strafraum eng zu machen und in den Luftduellen Überzahl zu schaffen. Dies geschieht dadurch, dass mehrere Spieler gleichzeitig zum Ball hochspringen und versuchen als erstes den Ball zu erreichen. Der 2. Ball soll dabei möglichst zu einem Mitspieler landen der nun gegen eine weit aufgerückte Mannschaft einen Konter einleiten soll.

Die Vorteile einer Raumdeckung bei Eckbällen ist einfach aufzuzeigen: Die mit Abstand meisten Tore nach einem Eckball fallen per Kopf aus zentraler Position vor dem Tor. Dieser gefährliche Bereich wird nun dicht mit kopfballstarken Spielern besetzt. So kann man effektiv ein Eckballtor verhindern, auch ohne dass man Informationen über die kopfballstärken der gegnerischen Spieler verfügt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man durch die Raumdeckung das Geschehen im Strafraum beruhigt. Es findet kein Ziehen und Drücken am Gegenspieler mehr statt, wie es bei der Manndeckung oft der Fall ist. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit eines Strafstoßes.

Ein Nachteil kann dabei jedoch entstehen, wenn die gegnerische Mannschaften ihre kopfballstarken Spieler in weniger gefährliche Bereiche gegen kopfballschwache Spieler postieren und versuchen den 2. Ball in die gefährliche Zone zentral vor dem Tor zu bringen. Außerdem sieht die Raumdeckung vor, zugunsten der Überzahl im zentralen Bereich vor dem Tor, nicht mehr die Torlinie mit Feldspielern zu besetzen. Man schiebt dadurch die Abseitslinie vom Tor weg und dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit enorm das Gegenspieler beim 2. Ball im Abseits stehen. Jedoch kann der Verzicht auf Absicherung der Torlinie zum Nachteil werden, wenn man nicht über ausreichend kopfballstarke Spieler verfügt, die die Kopfballduelle zentral vor dem Tor gewinnen.

Die Raumdeckung bei Eckbällen sieht nun konkret wie folgt aus: Die beiden Innenverteidiger postieren sich auf der Torraumlinie. Die Außenverteidiger jeweils zwischen einem Pfosten und der Torraumlinie. Der ballnahe Mittelfeldaußen postiert sich zwischen Torraum und Ball, so dass er bei kurz gespielte Ecken eingreifen kann. Auf der Höhe des Elfmeterpunkts befinden sich drei kopfballstarke Spieler formiert als leichtes Dreieck. Ein weiterer Spieler befindet sich auf der Strafraumlinie. Dieser kann Schüsse aus dem Rückraum klären oder einen Konter einleiten. Der letzte Spieler, die Sturmspitze befindet sich am Mittelkreis.

Sollte nun eine Ecke kurz gespielt werden, startet der ballnahe Mittelfeldaußen zusammen mit dem Spieler auf der Strafraumlinie Richtung Ball und versuchen im 2 gegen 2 eine Flanke zu verhindern oder idealerweise den Ball zu erobern. Sobald der Spieler an der Strafraumlinie Richtung Ball startet, wird seine Position von der Sturmspitze am Mittelkreis besetzt.

Mit der Einführung der Raumdeckung wird jedenfalls das bisher größte Problem bei Eckbällen gelöst, dass Angreifer durch einen kraftvollen Anlauf einen Vorteil im Luftduell gegenüber dem Verteidiger besitzt. Durch die kompakte Besetzung der gefährlichen Bereiche im Strafraum, verfügen die Angreifer nicht mehr über den nötigen Raum anzulaufen und das perfekte Timing für den Absprung zu finden. Dadurch, dass nun die kopfballstärksten Spieler zentral vor dem Tor postiert sind, haben es die Angreifer doppelt schwer, da diese nun nicht mehr den Eckball in den Rücken bekommen, sondern sie können nun kraftvoll nach Vorne in den Ball starten. Der englische Jugendnationaltrainer Brian Eastick bestätigt, dass seit der Einführung der Raumdeckung bei Eckbällen nur noch sehr wenig Tore nach Ecken bei den Auswahlmannschaften fallen.

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  1. Raumdeckung bei Freistößen von außen « Ballorientiertes Verteidigen innerhalb einer Viererkette

    […] anstrebt. Wie die Raumdeckung bei Eckbällen funktioniert haben wir vor einiger Zeit in einem Artikel beschrieben und unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass dies bereits ab der C-Jugend hervorragend […]

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