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Apr 24 2012

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Sieben-Punkte-Plan für den modernen Fußballtrainer

Wir haben für den Fußballtrainer einen Sieben-Punkte-Plan für die Spielansprache entworfen. Mit diesem kann er seiner Mannschaft eine systematische Spielorientierung verpassen. Es wird davon ausgegangen, dass das Team taktisch weniger gut ausgebildet ist und im Spiel auf einen technisch deutlich stärkeren Gegner trifft. Diese Defizite kann man grundsätzlich nur durch ein starkes Kollektiv ausgleichen. Die folgenden Punkte wurden auf ein Minimum reduziert, damit wirklich alle Spieler die neue mannschaftstaktische Ausrichtung verstehen.

Die Grundüberlegung ist es den Ball möglichst selten in einen für sich gefährlichen Raum zu haben. Von der Außenbahn des Spielfelds lassen sich in der Regel keine direkten Torchancen erspielen. So ist ein Ballverlust dort weniger gefährlich als im Zentrum. Also wird ein Spielaufbau über außen angestrebt. Schafft man es zusätzlich die gegnerischen Angriffe auf die Außenbahn zu lenken, dann wird der Gegner nur über Umwege zu Torchancen gelangen. Durch die höhere Anzahl seiner benötigten Passstationen, steigt die Chance einer Balleroberung.

Links: Grundformation 4-2-3-1 / Rechts: Spielaufbau

1. Grundformation erklären (4-2-3-1): Die beiden 6er bilden beim Spiel gegen den Ball einen kompakten 4er-Block mit den Innenverteidigern. So sollen Pässe in den zentralen Bereich vor der Abwehrkette (Red Zone) verhindert werden. Denn von dort können die gefährlichsten Pässe gespielt werden. Bei der Balleroberung und anschließendem Angriff bleibt immer ein 6er tief und bildet im Raum vor den Innenverteidigern eine Rückverteidigung. Je nach Spielstärke der beiden 6er, bestimmt man als Trainer wer sich in den Angriff einschaltet und wer absichert.

Die Mittelfeldaussen bilden jeweils zusammen mit den Außenverteidigern auf ihrer Seite ein Paar. Sie sollen gemeinsam einen ballführenden Gegner attackieren. Stichwort: Doppeln. Schafft es der Mittelfeldaussen nicht rechtzeitig dem Außenverteidiger bei der Balleroberung zu helfen (z. B. Weg zu weit), soll dieser vom ballnahen 6er unterstützt werden. Der zweite 6er sichert das Zentrum und darf auf keinen Fall auch auf die Außenbahn schieben.

Außenverteidiger können sich situativ ins Angriffsspiel einschalten und müssen dann unter Umständen vom Mittelfeldaussen abgesichert werden. Nach dem Ende der Aktion wechseln die beiden Spieler wieder auf ihre Ausgangspositionen. Der 10er (Spielmacher) wird größtenteils von seinen Defensivaufgaben entbunden. Ziel soll es sein, ihn nach der Balleroberung anzuspielen, damit er die Bälle nach vorne verteilen kann. Durch die Sturmspitze und den beiden offensiv ausgerichteten Mittelfeldaussen, verfügt er über drei Anspielpunkte in der Tiefe.

2. Spielaufbau über Außen: Der Ball soll nur weit hinten rausgespielt werden, wenn der Gegner sehr hoch steht und so die kurzen Anspielstationen zustellt. Die Außenverteidigerpositionen besetzt man mit einem Rechtsfuß rechts und einem Linksfuß links. Beim Spielaufbau wird nun ein Außenverteidiger angespielt. Als erste Option soll ihm eine Anspielstation longline angeboten werden. Dazu geht der ballnahe Mittelfeldaussen in offener Stellung maximal breit.

Dem ballführenden Außenverteidiger soll aber auch eine zweite Passoption geboten werden. Dazu bietet sich der ballnahe 6er im Zentrum an. So entsteht ein Passdreieck zwischen Außenverteidiger, Mittelfeldaussen und ballnahe 6. Der ballnahe Innenverteidiger setzt sich zusätzlich noch leicht nach hinten ab, um auch noch eine Rückpassmöglichkeit für den Außenverteidiger zu schaffen.

Links: Mittelfeldpressing / Rechts: Dribbling auf Viererkette

3. Mittelfeldpressing: Den gegnerischen Spielaufbau empfängt man im mittleren Drittel des Spielfelds. Der Mannschaftsverbund ist nicht nur in der Tiefe hin kompakt, sondern er rückt auch nach innen hin ein. Je Halbzeit nimmt man sich vor drei gezielte Balleroberungsversuche zu starten: Die Sturmspitze gibt dafür das Signal, indem sie einen ballbesitzenden Innenverteidiger im Bogen anläuft. Der 10er verschiebt parallel hinter der Spitze. Die beiden 6er stellen Passoptionen im Zentrum zu. Die Sturmspitze klemmt durch seinen Bogenlauf die ballferne Seite ab und verhindert so eine Spielverlagerung. Der Pass des Innenverteidigers nach außen soll nun vom Mittelfeldaussen, ballnahen 6er, 10er und Außenverteidiger attackiert werden.

Die restlichen Spieler schieben ebenfalls zur Ballseite. Aufgrund des vorgerückten Außenverteidigers agiert die Viererkette kurzzeitig als Dreierkette. Nach dem Pass des Innenverteidigers nach außen, schiebt die Spitze leicht vor dem Innenverteidiger, um einen Rückpass zu ihm zuzustellen. Zusätzlich verfügt man mit ihm, nach dem Ballgewinn, über eine Anspielstation in der Tiefe. Die eigenen Innenverteidiger haben zuvor ebenfalls vorgeschoben, um die Kompaktheit hinter dem Ball zu gewährleisten.

4. Aufstellung: Man gibt erst an dieser Stelle die Aufstellung bekannt. Die Spieler kannten noch nicht ihre Spielposition und waren so „gezwungen“ allen Erläuterungen des Trainers zu folgen. Es ist sehr wichtig, dass die Spieler die Aufgabe ihrer Mitspieler kennen. Ansonsten ist z. B. kein funktionierendes Pressing möglich. Auch die Ersatzspieler lassen sich so flexibler einsetzen. Hinzu kommt, dass man während des Spiels umstellen kann, ohne dass die ganze taktische Ausrichtung verloren geht.

5. Viererkette: Die Aufstellung ist bekannt. Jetzt sollen nochmal explizit die Abwehrspieler angesprochen werden. So will man die häufigsten und schwerwiegendsten Fehler vermeiden, die beim Verteidigen auftreten können. Es soll ein Innenverteidiger fest bestimmt werden, der ein Kommando für das vertikale Verschieben gibt. Also der seine Mannschaft vorschiebt, wenn der Gegner innerhalb des eigenen Mannschaftsverbunds einen Rückpass spielt. So hält man den Gegner stets unter Druck und zwingt ihn zu Fehlern.

Steht die Abwehrkette hoch, also weiter als 23 Meter vor dem eigenen Tor und ein Gegenspieler wird vor ihnen angespielt, geht ein Abwehrspieler nur drauf, wenn er sich der Balleroberung sicher ist. Wird aber der Gegenspieler den Pass eher erreichen oder ein Gegenspieler dribbelt auf die Abwehrkette zu, muss die Abwehrkette sich nach hinten auf den sicheren Abstand (23 Meter) fallen lassen. Während des Zurückweichens rücken sie nach innen ein, um Passwege zu schließen.

Erreicht die Abwehrkette den sicheren Abstand, so rückt der ballnahe Spieler auf den ballführenden Gegner raus. Eine Aktion des Gegners ab dieser Tornähe könnte sehr gefährlich werden. Die restlichen Abwehrspieler sichern den vorgerückten Spieler in der Tiefe ab und befinden sich dabei auf einer Höhe (Abwehrdreieck). Wichtig ist, dass bei einer zentralen Ballposition der Innenverteidiger vorrückt. Rückt hier ein Außenverteidiger raus, öffnet er für den Gegner den Raum auf seiner Seite.

6. Abschläge: Da man dem Gegner auf zentraler Position keinen Ballgewinn ermöglichen will, soll der Torwart seine Abschläge möglichst nach außen spielen. Dies aber auch nur, wenn der Gegner die kurzen Anspielstationen zustellt. Ansonsten eröffnet er das Spiel kurz und man absolviert den Spielaufbau der unter Punkt 2 beschrieben ist.

Links: Eckball für / Rechts: Eckball gegen

7. Standardsituationen (Eckball): Eckbälle gegen sich verteidigt man im Raum. Aufgrund der Ordnung die man so erreicht, ist man gegen eine Vielzahl an Eckballvarianten gerüstet. Den Spielern wird dazu positionsspezifisch ein Raum zugewiesen. Aus dieser Position startet sie dann aktiv in den Ball. Die beiden Außenverteidiger besetzten die Räume innen der beiden Pfosten. Die Innenverteidiger und Mittelfeldaussen stehen auf einer Höhe auf der Torraumlinie. Ein 6er steht kurz vor dem Torraum in Richtung Ball und der zweite 6er steht zentral vor den beiden Innenverteidigern. 10er und Sturmspitze stehen leicht gestaffelt an der Strafraumgrenze. Der 10er befindet sich ballnah und tiefer als die Sturmspitze, die im Teilkreis des Strafraums steht. Wird die Ecke kurz ausgeführt, rücken ballnaher 6er und 10er zu den ballführenden Gegnern raus.

Erhält man eine Ecke, wird diese auf den zweiten Pfosten gespielt. Zwei kopfballschwache Spieler sichern die Ecke ab, zwei schussstarke Spieler gehen in den Rückraum (etwa Strafraumgrenze). Der schussstärkste Spieler postiert sich am Elfmeterpunkt. Die restlichen Spieler stehen auf einer Höhe kurz vor dem Torwart und strecken die Arme in die Höhe. Der ballnahste Spieler von ihnen ist kopfballstark. Mit dem Ausführen der Ecke, lässt sich der kopfballstarke Spieler zum zweite Pfosten fallen und die drei anderen Spieler auf seiner Höhe rücken eine Position ein. Der kopfballstarke Spieler köpft nun entweder aufs Tor oder legt den Ball einem Mitspieler auf. Durch die tiefe Position der vier Spieler im Torraum und die Irritation des Gegners durch die ausgestreckten Arme, ist die Wahrscheinlichkeit einer kurzen Ballabwehr Richtung Elfmeterpunkt sehr groß.

Fazit: Durch die genannten Punkte besitzt die Mannschaft nun eine kleine Orientierung für ihr Spiel. Wichtig ist, dass man bei den Erklärungen stets schnell auf den Punkt kommt. Spieler immer wieder direkt anspricht, seine Stimmlage variiert und eine Taktiktafel nutzt, um parallel zur Sprache auch visuell seine Inhalte zu vermitteln. Auch bei der Spielansprache gilt die Weisheit: Weniger ist mehr. Die Aufnahmefähigkeit der Spieler ist begrenzt.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/sieben-punkte-plan/

5 Kommentare

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  1. Simon

    Hallo Abwehrkette,

    wer soll am Flügel zusammen mit dem AV doppeln? Mittelfeldaußen und/oder 6er? Wer den kürzsten Weg hat?
    Oder sollen Mittelfeldaußen und der 6er zusammen mit dem AV doppeln, um den Gegner mit 3 Spielern einzukreisen?

  2. Martin

    Hallo Abwehrkette

    Könnt ihr mal einen Artikel zum 8+1 machen?
    Welche Aufstellung empfiehlt ihr?
    Ich würde zu einem 4-1-3 tendieren, was haltet ihr davon?

  3. Klaus

    Guten abend,

    http://www.abwehrkette.de/4-2-3-1/
    dieser Artikel findet sich auch auf ihrer Seite zum 4-2-3-1. Hier ist die Rede von einem defensiven 4-4-1-1, oben wird aber im 4-2-3-1 gepresst? Wann gilt was?

  4. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Klaus! Passt der Gegner in den Mannschaftsverband rein, ohne dass er zuvor eine Pressingsituation ausgelöst hat, kann ballorientiert im 4-4-1-1, wie im besagten Artikel geschildert, verteidigt werden. Wurde eine Pressingsituation ausgelöst, indem z. B. die spielaufbauende Mannschaft einen schlechten Pass in der nähe des Aktionsraums des Mannschaftsverbands gespielt hat, wird der Spielaufbau so gesteuert, dass man in einer der Folgeaktionen in Überzahl den Ball attackieren kann.

  5. Klaus

    Hallo Initiative abwehrkette.de

    Bei der 4-2-3-1 Grundformation Defensive:

    4-4-1-1 wenn man den Ball im Spielaufbau verloren hat bzw. wenn der Gegner in den Mannschaftsverband reinpasst, ohne dass er zuvor eine Pressingsituation ausgelöst hat

    4-2-3-1 wenn der Gegner eine Pressingsituation ausgelöst hat, indem z. B. die spielaufbauende Mannschaft einen schlechten Pass in der nähe des Aktionsraums des Mannschaftsverbands gespielt hat, wird der Spielaufbau so gesteuert, dass man in einer der Folgeaktionen in Überzahl den Ball attackieren kann.

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