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Jun 24 2009

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DFB-Chefscout und die Zukunft des Fußballs

Im Zuge der Weltmeisterschaft 2006 haben die beiden deutschen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Joachim Löw die Arbeitsstelle des DFB-Spielebeobachters geschaffen. Diese wurde an den Schweizer Urs Siegenthaler mit dem Ziel vergeben, eine Datenbank über die künftigen Gegner der deutschen Nationalmannschaft zu erstellen: Wie ist ihre Taktik? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wie sind sie zu schlagen?

Urs Siegenthaler erklärte nun in einem Interview mit dem Onlinemagazin Spox.com, dass er die Entwicklung im Fußball lange noch nicht als beendet sieht. In den letzten 20 Jahren hat man unheimlich große Verbesserungen in sämtlichen Bereichen erreicht. Es sei aber durchaus noch Potential zu weiteren Optimierungen. Wie schnell neue Trends durch einen erfolgreichen Vorreiter geschaffen werden kann, zeige das Beispiel der drei Stürmer von FC Barcelona. „Und plötzlich ruft die ganze Welt nach drei Stürmern“, sagt Siegenthaler. Doch ein einfaches kopieren bestehender Konzepte führe zu keinen Innovationen. Man sollte einfach über den eigenen Tellerrand schauen und an seinen individuellen Bedürfnissen angepasst was Neues schaffen. Vielleicht wird es eines Tages das Nonplusultra sein mit vier Stürmern zu spielen, meint Siegenthaler. Neue Ideen ließen sich am besten im Jugendfußball umsetzen, da die Spieler dort noch keine festen Schablonen im Kopf haben, wie man Fußballspielen zu hat.

Eines der wichtigsten Themen momentan im Fußball sei die Kreativität im Spiel der Mannschaften. Deren Umfang ist ein ausschlaggebender Punkt der heute über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Siegenthaler sieht im Schaffen von Kreativität einen neuen Schwerpunkt bei der Ausbildung von Fußballspielern. Um jedoch Kreativität zu schaffen ist eine feste Ordnung nötig. Nur auf dem Fundament von festen Regeln, Disziplin, Aufgabenzuordnung und eingeschliffenen Automatismen kann der Spieler kreativ werden. Kreativität im Fußball kann nicht entstehen, wenn der Spieler sich noch mit grundsätzlichen Fragen bewusst auseinander setzen muss.

Urs Siegenthaler war von 1987 bis 1990 beim FC Basel als Trainer aktiv. Im Anschluss wurde er Trainerausbilder des Schweizerischen Fussballverbandes. Bereits Anfang der 90er-Jahre verfügte die Schweiz über ein Ausbildungskonzept, welches eine einheitliche Spielphilosophie in den Jugendmannschaften und eine verbesserte Ausbildung der Jugendtrainer vorsah. Als die deutsche Nationalmannschaft noch mit dem gealterten Lothar Matthäus als Libero bei der WM 1994 in der USA antrat und gegen Bulgarien ausschied, gab man den Schweizer Jugendtrainern bereits das Spielen mit Raumdeckung und Viererkette vor.

Der Trainer vom VFL Bochum Marcel Koller erklärt die innovativen Ausbildungsmethoden der Schweiz so, dass man immer ein Ausbildungsland gewesen sei. Man konnte und kann sich keine teuren Spieler aus dem Ausland leisten und deshalb setzte man schon früh einen großen Augenmerk auf die Ausbildung eigener Talente. Joachim Löw der selbst in der Schweiz spielte und trainierte war von den Ideen Urs Siegenthalers so angetan, dass er ihn später zum DFB holte.

© Martin Hasenpflug

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  1. Felix Magath mit drei Innenverteidigern zum Erfolg « Ballorientiertes Verteidigen innerhalb einer Viererkette

    […] unserem Artikel DFB-Chefscout und die Zukunft des Fußballs ist nachzulesen, wie Urs Siegenthaler die deutschen Trainer aufmuntert über den eignen Tellerrand […]

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