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Nov 12 2013

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Stürmer: Lenker, Denker und Torchancenverwerter

Die Position des Stürmers (ST) wird in erster Linie mit der Aufgabe Tore zu schießen verbunden. Diese Auffassung ist aber veraltet und beschreibt nur eine von vielen Aufgaben des ST. Ein moderner und effektiver Fußball ist von einem vielschichtigen Aufgabenfeld des ST gekennzeichnet. Diese werden im Folgenden beschrieben. Erfüllt er diese, so ist die Anzahl seiner erzielten Tore nebensächlich.

Grundsätzlich gilt, dass der ST nicht aus dem Mannschaftsverband ausbrechen sollte. Weder bei eigenem noch bei gegnerischem Ballbesitz. Bei einem spielaufbauenden Gegner agiert jede modern spielende Mannschaft im Pressing. Dabei ist ST der vorderste „Verteidiger“ und bestimmt durch sein Laufverhalten die Aktionen der spielaufbauenden Verteidiger.

Die Positionen der Stürmer in einer 4-4-2-Raute-Grundformation.

Die Positionen der Stürmer in einer 4-4-2-Raute-Grundformation.

Durch ein kluges Laufverhalten kann er Pässe in Räume provozieren, in denen man schnell Überzahl erzeugen kann. Je nach Pressingvariante hat er dann verschiedene Nachfolgeaktionen. Bei einem Pass ins Zentrum doppelt er nach hinten, da Mittelfeldspieler den angespielten Gegner mit dem Rücken zum Spiel stellen. Zum Doppeln geht ST direkt auf den Ball und zwingt den Gegner so zu einer Aktion. Bei einem Pass nach außen, schiebt er sich zwischen AV und IV und stellt somit einen Rückpass zu. Alternativ attackiert er den AV von der Seite. Würde ST beim Anlaufen des Gegners aus dem Mannschaftsverband herausbrechen, entstände ein freier Raum in seinem Rücken.

Bei eigenem Ballbesitz agiert ST ebenfalls im Mannschaftsverband. Er soll immer relativ kurze Wege zum Ballführenden haben. So kann er eine zusätzliche Anspielstation schaffen, indem er dem Ballführenden entgegen startet. Selbst ein Flachpass eines IV zu ST ist denkbar. Im Fußball kann man durch einen weiträumigen Pass mehrere Gegenspieler überspielen. Nach einem Zuspiel bemüht sich ST um ein flüssiges Kombinationsspiel mit Mittelfeld und Außenverteidiger. Startet er entgegen und wird nicht angespielt, bleibt er in Bewegung, indem er sich wieder Richtung gegnerischer IV orientiert.

Im Kombinationsfußball entstehen häufig aussichtsreiche Torchancen, wenn ST einen Pass im Rücken der gegnerischen Verteidiger erläuft. Damit man oft in diese Spielsituation kommt, sucht ST ständig nach freien Räumen, in denen der Ballführende passen und er hinein starten kann. Für ein Gelingen der Aktion ist der Blickkontakt zwischen Passgeber und Passempfänger wichtig. Eventuell mit Handzeichen arbeiten, um auf sich Aufmerksam zu machen. Verbindet ST seinen Start in die Tiefe mit einer Lauffinte, kann er seinen Gegenspieler dadurch auf Distanz halten.

Absolviert der ballnahe MA ein Dribbling Richtung gegnerisches Tor, so startet ST ihm aus dem Zentrum entgegen, fordert ein Zuspiel und hat dann verschiedene Optionen. Er kann den Ball auf einen hinterlaufenden AV klatschen lassen, er kann auf einen zentralen Mittelfeldspieler klatschen lassen oder nimmt das Zuspiel Richtung der Schnittstelle IV und AV an und mit und bricht durch die Abwehrkette durch. Wie bei allen anderen Aktionen des ST, entscheidet das richtige Timing über Erfolg und Misserfolg. Im Idealfall sprintet er so los, dass er das Zuspiel aus der Bewegung heraus verarbeiten, bzw. weiterleiten kann. Kommt ST zum Stehen, wird er und seine Anspielstationen zugestellt sein.

Agiert man mit zwei ST können sie sich gegenseitig Räume schaffen (Räume öffnen). Bietet sich ein ST durch Entgegenstarten dem ballführenden Mittelfeldspieler an, so öffnet er den von ihm verlassenen Raum für den zweiten ST. Ein entgegenkommender ST wird oft vom IV verfolgt. Durch dieses Verhalten entsteht im Rücken des IV ein freier Raum.

IV handelt so, weil er ein Aufdrehen des entgegenkommenden ST verhindern möchte. Der zweite ST kann nun vom Ballführenden im freien Raum angespielt werden. Sollte der entgegenkommende ST nicht verfolgt werden, kann er durch ein Zuspiel aufdrehen. Er dribbelt dann frontal auf die Abwehr zu und kann nun einen in die Tiefe startenden Mitspieler anspielen. Alternativ zieht er mit einer Finte am gegnerischen IV vorbei. Dazu muss er ihn zunächst schräg andribbeln, einen Durchbruch auf einer Seite antäuschen und dann explosionsartig entgegengesetzt wegdribbeln.

Verfügt man über schnelle und ballsichere ST besitzt man große Spielvorteile. Schnelle Spieler können Pässe im Rücken der Abwehr schneller erreichen. Mit ballsicheren ST kann ein effektives Kombinationsspiel aufgezogen werden. Besonders Spiele über den Dritten sind für den Gegner schwer zu verteidigen. Sollte ST gut fintieren können (Schussfinte, Ausfallschritt, Übersteiger), kann er durch das Ausspielen eines Gegenspielers Überzahl vor dem gegnerischen Tor schaffen.

Eine besonders häufige Spielsituation ist die, dass der angespielte ST vom gegnerischen IV mit dem Rücken zum Spiel gestellt wird. Alternativ zum Klatschen-lassen des Balls, kann er sich auch um den Verteidiger herumwickeln und frei aufs Tor dribbeln. Dies ist bei einer sehr engen Deckung und der Anwemdung einer Rivelino-Finte erfolgsversprechend. Dazu schirmt ST den Ball in einer seitlichen Stellung vom Gegenspieler ab, steigt dann von außen nach innen mit einem Fuß über den Ball, verlagert sein Körpergewicht in diese Richtung und dribbelt dann mit der Außenseite des gleichen Fußes explosionsartig in die Gegenrichtung weg.

Bei der Ausbildung eines ST ist zu beachten, dass dieser eine sehr gute Technik benötigt. Flache und hohe Zuspiele sollte er ohne Zeitverlust kontrollieren und in die neue Spielrichtung mitnehmen können. Er sollte nicht nur beidfüßig passen, sondern auch beidfüßig schießen können. Der Hüftdrehstoß, also ein Torabschluss aus der Drehung kommt auch immer wieder vor. Und trotz Kurzpassspiel sollte der ST auch im offensiven Kopfball gut ausgebildet sein.

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