Goldene Regeln des Fußballspiels
In diesem Artikel geht es nicht um Details. Wie man in bestimmten Spielsituationen seine technischen Fähigkeiten ideal mit den taktischen Vorgaben seines Trainers verbindet, sondern um eine einfache Liste mit den fundamentalsten Verhaltensweisen einer Mannschaften in einem Fußballspiel. Ob es sich dabei nun um ein Meisterschaftsspiel oder einem Abschlussspiel im Training handelt spielt keine Rolle. Im Trainingsspiel muss es Ziel sein, die folgenden Punkte bestmöglichst umzusetzen. Nur so wird man langfristig gesehen auch gegen vermeintlich stärkere Mannschaften erfolgreich Fußball spielen können.
Die Liste unterteilen wir in drei Bereiche. Wie verhalten sich die Spieler einer Mannschaft bei gegnerischem Ballbesitz? Wie agieren sie bei eigenem Ballbesitz damit sie Torchancen kreieren und welche mentalen Voraussetzungen sind notwendig um erfolgreich Fußball zu spielen. Wir beschränken uns in diesem Artikel auf Stichworte und in Klammern dahinter geben wir noch einen kleinen zusätzlichen Hinweis.
Bei gegnerischem Ballbesitz:
- Druck auf den Ballführenden (Das einfachste Mittel den Gegner erheblich in seinen Spielmöglichkeiten zu begrenzen!)
- Abwehrdreieck (Der ballnahe Spieler übt druck auf den Ball aus und die beiden Mitspieler auf den benachbarten Positionen rücken in der Tiefe ein. Für diese Aktion muss laut kommuniziert werden!)
- Abwehrsichel (Alle Spieler rücken zur ballnahen Seite ein. Ballferne Gegenspieler werden ignoriert!)
- Kompaktheit (Gleichbleibende und nicht zu groß werdende Abstände zwischen den Mitspielern!)
- Doppeln (Überzahl in Ballnähe. Erhöhte Chance einer kontrollierten Balleroberung!)
- Verschieben (Position des Balls entscheidet allein über das Laufverhalten der Spieler. Abwehr und Mittelfeld muss beim gegnerischen Spielaufbau versuchen auf einer Linie zu verschieben!)
- Nachsetzen (Sobald ein Spieler überspielt wurde setzt er nach. Wurde ein Mitspieler auf einer benachbarten Position überspielt, wird schnellstmöglich versucht sich wieder hinter dem Ball zu positionieren!)
- Zweikampfkraft (Fair aber entschlossen die Zweikämpfe bestreiten. Auch im Training!)
- Auf Kommando wechselnde Mannschaftstaktiken (Abwehrpressing, Mittelfeldpressing, Angriffspressing. Die zentralen Spieler geben die Kommandos und alle Spieler müssen sich daran beteiligen!)
- Kontrollierte Balleroberung (Nur im Notfall den Ball ins Seitenaus oder unkontrolliert nach vorne schlagen!)
Nach dem Ballgewinn:
- Den ersten Ball sichern (In den freien Raum dribbeln oder einen freien Mitspieler anspielen!)
- Ausschwärmen (Möglichst viele Spieler schieben vor dem Ball. Anspielstationen im Rückraum bilden die Innenverteidiger und eventuell, je nach Verhalten des Gegners, zusätzlich noch der ballferne Außenverteidiger!)
- Spielfeldseiten und Zentrum besetzen (Offene Stellung der Außenspieler Richtung Zentrum und auch die zentralen Spieler eine leicht schräge Stellung zu einer Seite!)
- Dreiecksbildung und nach Möglichkeit sogar Rautebildung (Permanent freilaufen, Positionen wechseln, sich dem Ballführenden anbieten!)
- Im Deckungsschatten des Gegners ist man keine Anspielstation (Nur nach Blickkontakt mit dem Ballführenden freilaufen!)
- Vom Gegenspieler lösen (Mit Lauffinte und Blickkontakt zum Ballführenden. Erst lösen wenn der Pass gespielt werden kann!)
- Spielverlagerungen durchführen (Im höchsten Tempo. Nach Möglichkeit im Direktspiel oder zumindest mit dem ersten Ballkontakt den Pass vorbereiten!)
- Gruppentaktische Angriffsmittel einsetzen (Doppelpass, Hinterlaufen, Direktspiel, Spiel über den Dritten!)
- Tiefe vor Breite (Der Pass mittig durchs Spielfeld ist dem Pass über Außen vorzuziehen. Im Idealfall mit dem Pass nach Vorne einen ganzen Mannschaftsteil überschlagen. Risikopässe vermeiden!)
- Mitspieler zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners anspielen (Hier verfügt man über die meisten Optionen den Ball im Rücken der Abwehr zu spielen!)
- Vor der gegnerischen Abwehrreihe kreuzen (Mit Tempo und anschließendem Start in die Tiefe. Vorab Blickkontakt zum Ballführenden, so dass die Aktionen aufeinander abgestimmt sind!)
- Ball im Rücken der Abwehr spielen (Das oberste Ziel jeden Angriffs ist es einen Pass im Rücken der gegnerischen Abwehr zu einem Mitspieler zu spielen. Dafür diagonale Flugbälle spielen oder den Pass in die Tiefe!)
- 1-gegen-1-Situationen vor dem gegnerischen Tor suchen (Entweder um frei vor dem Torwart zu stehen oder um weitere Abwehrspieler auf sich zu ziehen!)
- Torabschluss suchen (Statistisch gesehen erzielt die Mannschaft mehr Tore, die auch häufiger aufs Tor schießt!)
- Zielstrebig spielen (Umständliches Agieren birgt mehr Fehlerquellen in sich. Zusätzlich vergeht wertvolle Zeit, indem sich der Gegner wieder ordnen kann!)
Mentale Voraussetzung:
- Absoluter Einsatzwille (Kontrollierte Aggression!)
- Konzentration (Alles im Kopf außer das Spiel ausblenden!)
- Besonnen agieren (Ruhe bewahren und Geduld haben!)
- Freude am Spiel (Positive Grundeinstellung!)
- Aufmerksamkeit (Spiel auch ohne Ball genau beobachten. Sich stets ein Bild des gesamten Spiels machen und antizipieren wie sich das Spiel entwickeln könnte!)
- Selbstvertrauen (Sich seinen Stärken bewusst sein!)
- Verantwortung übernehmen (Das Team führen, indem man Entscheidungen trifft!)
- Hilfsbereitschaft (Teamfähigkeit und mannschaftsdienlich spielen!)
- Bescheidenheit (Die Motivation seines Handeln ist altruistisch. “Opfer” für den Erfolg der Mannschaft bringen!)
Die erläuterten Verhaltensweisen beim gegnerischen Ballbesitz und wie man einen Ballgewinn für eine gelungene Offensivaktion nutzen kann, haben wir ausführlich in dem Trainingsbuch Spielend zur Viererkette erklärt. In diesem Buch für Fußballtrainer, findet man eine systematische Anleitung um seine Mannschaft optimal gegen den Ball agieren zu lassen. Die beinhalteten kompletten Trainingseinheiten machen die Verbesserung der Defensive zu einem Kinderspiel.
In unserem Buch Fußballtraining mit Kids haben wir uns hauptsächlich der spielerischen Ausbildung von Jugendspielern gewidmet. Techniktraining und das Lernen gruppentaktischer Angriffmittel stehen hier im Vordergrund. Viele attraktive Übungen sorgen auch für eine Menge Spaß beim Training! Eine aktuelle Rezension zu diesen Büchern findet man im Suite-Magazin.
Video: Martin Hasenpflug erklärt die Viererkette
Es ist kein großes Geheimnis, dass man Sachen die man gehört und gezeigt bekommt, besser in Erinnerung behält, als Sachen die man mal gelesen hat. Aus diesem Grund haben wir ein 24-minütiges Video gedreht, indem Martin Hasenpflug in einfachen Worten die wichtigsten Aspekte der Viererkette erklärt.
Wir haben das Video bei Youtube hochgeladen. Aber da es dort nicht möglich ist Videos einzustellen die eine längere Spielzeit als 10 Minuten haben, mussten wir unsere “Videobotschaft” in drei Teile splitten. Themen des ersten Teils: Begrüßung, Vorteile der Viererkette, Kollektiv, Kompaktheit, Handlungsprioritäten im modernen Fußball und das Stellungsspiel (Abwehrsichel und Abwehrdreieck).
Thema des zweiten Teils: Systematische Ordnung innerhalb der Viererkette, Ballorientiertes Verschieben, Aufgaben des Mittelfelds und des Angriffs im Spiel mit der Viererkette, 4-4-2-System, Kommunikation im Spiel und Abstände der Spieler zueinander. Thema des dritten Teils: Abwehrpressing, Doppeln, Schlusswort, Hinweis für weitere Informationen zum Thema und Verabschiedung.
Wer möchte kann das Video mit Angabe unserer URL (www.abwehrkette.de) auf seine Webseite einbinden. Dies ist vorallem für Vereine interessant, die auf diesem Wege Trainer und Spieler über das Thema Viererkette informieren möchten.
Da es unser erstes Video ist, ist es sicherlich noch nicht perfekt. Wir warten jedoch Euer Feedback ab und können uns durchaus vorstellen auch zu weiteren Themen ein Video zu erstellen. Anbieten würde sich hier sicherlich zur Vervollständigung der Sache ein Video zum Thema Offensive. Nun viel Spaß beim gucken!
Milchbubis lernen in drei Stunden die Viererkette
Als Fußballtrainer mit ausgewiesener Reputation im Bereich Viererkette kann es schonmal passieren, dass man vor einem unbekannten Team steht und einer unwissenden Fußballerscharr die Grundlage des Ballorientierten Spiels mit Viererkette vermitteln soll. Bisher spielte man locker flockig aus dem Bauch hinaus, was im Grunde auch garnicht so falsch ist, doch ab einem gewissen Punkt benötigt das Team ein System und nach Möglichkeit das beste System!
Es ist sicherlich nicht ganz unanstrengend als Trainer bei Null anzufangen. Doch hat dies auch einen gewissen Reiz. Nicht nur, weil man dem Team seinen persönlichen Stempel auftragen kann, sondern auch zu sehen wie schnell Kinder lernen und wie logisch einfach das Spiel mit der Viererkette ist. Kompliziert wird es nur, wenn der Trainer selbst keine klare Sicht der Dinge hat und die Spieler sich aus teilweise widersprüchlichen Fragmenten selbst was zusammenreimen müssen.
Vor einigen Monaten haben wir in unserem Blog den Artikel 1-Tag-Crashkurs Viererkette publiziert und für unsere Buch Spielend zur Viererkette überarbeitet. Hier wollten wir zeigen, wie schnell und einfach man eine Mannschaft auf das Spiel mit der Viererkette vorbereiten kann.
Im heutigen Artikel geht es ebenfalls darum eine Mannschaft an einem Tag mit dem Spiel der Viererkette vertraut zu machen. Diese Anleitung berücksichtigt jedoch zusätzlich ein jüngeres Alter der Spieler und beschreibt einen recht lockeren Weg dahin. Den ganzen Ablauf werden wir in einem Berichtsstil schreiben, so dass die Vorgehensweise wirklich für jeden Trainer nachvollziehbar ist:
Wir haben Feiertag und es wurde eine Trainingseinheit von 14 - 17 Uhr angesetzt. Alle 20 Spieler sind anwesend. Man trifft sich im Aufenthaltsraum des Fußballvereins. Sitzplätze und Taktiktafel sind vorhanden. Zuerst wird den Spielern der Ablauf des heutigen Tages erklärt. Der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme und die damit verfolgten Ziele. Nach ca. 70 Minuten gibt es eine ca. 20 Minütige Pause.
Als erstes wird den Spielern kurz die Geschichte der Viererkette geschildert. Wo und wann sie sich entwickelt hat. Wieso und mit welchem Erfolg sie sich durchsetzte. Wichtig ist es immer wieder die Spieler durch Fragen und Abstimmungen mit einzubinden. Z.B.: Wann wurde zum ersten mal mit Viererkette gespielt? Erstaunlich wenn darauf dann die recht gute Antwort 1989 von Spielern kommt, die erst 1997 geboren sind…
Der dritte Paukenschlag war dann der Hinweis, dass im modernen Fußball die Mannschaft als Kollektiv agiert: “Ein Spieler der die Mannschaft stark macht, ist besser als ein starker Spieler.” Das Hauptziel des einzelnen Spielers ist es seine individuellen Fähigkeiten losgelöst von eigenen Interessen in das Team einzubringen. Nur als Einheit kann der maximale Erfolg erreicht werden und Erfolge die man im Zusammenwirken mit anderen Menschen erreicht, bereiten auch die größten Freuden. Die Idee des Kollektivs wurde mit dem Hinweis von Louis van Gaal unterstrichen, der folgende Prioritätenliste für einen Verein vorsieht: 1. Mannschaft, 2. Spieler, 3. Trainer.
Jetzt geht es zur Taktiktafel, wo erstmal nur die Magnete für den eigenen Torwart, die Viererabwehrkette und einem ballführenden Gegner hängen. Jetzt wird das Stellungsspiel der Viererkette bei den verschiedenen Ballpositionen erklärt: Ball außen und Ball zentral. Abwehrsichel und Abwehrdreieck. Die Gründe für dieses Stellungsspiel wird kurz erklärt: Absicherung, Pässe in die Tiefe zustellen, Flugbälle im Rücken der Abwehr verhindern usw..
Es werden nun zwei Magnete für den Gegner dazu genommen. Ein Gegner befindet sich an jeder Außenseite und ein Gegner zentral vor der Viererabwehrkette. Je nach Ballposition schaltet die Viererabwehrkette zwischen Abwehrsichel und Abwehrdreieck um, ohne dass die Abwehrspieler dabei kreuzen (Stichwort: Ordnung und kürzer Laufwege). Mit einem Stift markiert man den Gegner mit Ball und zeigt das nötige Stellungsspiel der Abwehr. Jetzt sollen die Spieler selbst für unterschiedliche Ballpositionen das Stellungsspiel der Abwehr an der Taktiktafel zeigen. Durch diese Mitarbeit werden sie sich die Sache besser merken.
Jetzt wird die eigene Mannschaft durch die restlichen Magnete an der Taktiktafel komplettiert. Der Gegner besteht weiterhin aus drei Magneten. Jeweils eines außen und eines Zentral. Nun erklärt man den Spielern das Verschieben. Je nach Ballposition verschiebt sich der komplette Mannschaftsverbund als Block Richtung Ball. Wichtig ist, dass beim Verschieben die seitlichen Abstände und die Abstände zu den Mannschaftsteilen gleich bleiben. Die empfohlenen Abstände liegen zwischen 6 - 10 Metern. Pässe durch Schnittstellen müssen abgefangen werden können und man muss schnellen Zugriff auf angespielte Gegner zwischen den Mannschaftsteilen haben. So setzt man die idealen Voraussetzungen für einen kontrollierten Ballgewinn.
Nun wird den Spieler an der Tafel dass 4 - 4 - 2 gezeigt. Es wird erklärt, dass auch das Mittelfeld als Viererkette agiert und deren Aufgabe im Vergleich zur Viererabwehrkette vom Prinzip her fast identisch sind. Es wird ein Gegenspieler zwischen Mittelfeld und Angriff gestellt und in der Runde gefragt, wie sich das Mittelfeld nun zu verhalten habe? Diese Frage wurde erstaunlicherweise sofort korrekt von den Spielern gelöst. Es wird dann noch erklärt, dass bei einer Ballposition außen, beide Viererketten als Sichel agieren. Zuletzt wird erklärt, dass die überspielten Mannschaftsteile nachsetzen müssen und versuchen hinter dem Ball zu kommen, um den ballführenden Gegner aktiv bekämpfen zu können.
Der letzte Punkt der Theorieeinheit war die Erklärung der Position des Außenverteidigers. Es wurde in der Runde die Frage an die bisherigen Manndecker gestellt, wie oft diese bisher in einem Spiel flankten oder auf das Tor schossen? Die Antwort Nie hat nicht besonders überrascht. Nach dem Stichwort Philipp Lahm war ihnen dann klar, dass sich das mit dem neuen System massiv ändern wird. Außenverteidiger rücken bei Ballbesitz vor den Ball, hinterlaufen die Mittelfeldaußen, flanken vors Tor oder ziehen zum Torabschluss nach Innen.
Pause!
Übung A: Ca. 30 Meter vor dem Großtor werden vier verschieden farbige Hütchen gleichmäßig auf einer strafraumbreiten Linie aufgestellt. Jeweils vier Spieler positionieren sich ca. 7 - 8 Meter vor und hinter den Hütchen. Der Trainer ruft nun eine Farbe und die acht Spieler positionieren sich so, als wäre am entsprechenden Hütchen der ballführende Gegner. Also entweder Abwehrdreieck oder Abwehrsichel bilden. Nach korrekter Aktion kehren die acht Spieler wieder auf ihre Ausgangsposition zurück. Die wartenden Spieler versuchen Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Nach ein paar Minuten gehen die nächsten acht Spieler in die Übung. Besonders ist darauf zu achten, dass während des Verschiebens die Abstände gleich bleiben. Die Tiefenstaffelung deutlich genug ist und die Abstände korrekt sind.
Übung B: Gleicher Ablauf, jedoch ohne die farbigen Hütchen in der Mitte. Eine Vierer-Mannschaft passt sich wahllos auf einer Linie stehend einen Ball zu. Der Ball muss jeweils fünf Sekunden gehalten werden, bevor er weitergespielt werden darf. Die anderen vier Spieler reagieren entsprechend einer Viererkette auf die wechselnden Spielsituationen. Die Mannschaften werden regelmäßig gewechselt, damit jeder mal aktiv innerhalb einer Viererkette agieren kann.
Übung C: Ein 20 x 15 Meter großes Rechteck aufbauen. An den Grundlinien befinden sich jeweils zwei Minitore. Es wird nun 4 gegen 4 gespielt. Die verteidigende Mannschaft agiert als Viererkette. Regeln: Abseits beachten. Nach der Balleroberung muss mindestens ein weiterer Mitspieler ein Ballkontakt gehabt haben, damit ein Treffer zählt. Besonders ist darauf zu achten, dass untereinander klar kommuniziert wird. Es dürfen keine Missverständnisse aufkommen, wer zum ballführenden Gegenspieler aufrückt.
Übung D: Elf Spieler postieren sich im 4 - 4 - 2 auf dem Platz. Der Trainer steht vor den beiden Spitzen und absolviert verschiedene Laufrichtungen (auch diagonal). Alle Spieler absolvieren ebenfalls diese Laufwege synchron. Beim Verschieben ist besonders darauf zu achten, dass die seitlichen und vertikalen Abstände immer gleich bleiben.
Ende der Praxis!
Als Abschluss könnte man für die gute Stimmung noch ein lockeres Spiel ohne Sonderregeln absolvieren. Hier muss der Trainer seine Mannschaft einschätzen können was sinnvoll ist. Für zuhause erhält jeder Spieler ein Informationsblatt aus dem Buch Spielend zur Viererkette (Seite 36 + 37). Hier können sie sich das Gelernte anhand von einfachen Zeichnungen und Erklärungen nochmal in Ruhe ansehen und verinnerlichen. Schon beim nächsten Spiel schmeißt man die Spieler ins kalte Wasser und lässt sie ballorientiert mit zwei Viererketten spielen.
Beim Abschlussspiel im Training immer darauf achten, dass man mit einer Dreierkette in der Abwehr und Mittelfeld spielt. Die Prinzipien der Viererkette (Abwehrdreieck und Abwehrsichel) sind bei dem Spiel mit Dreierkette identisch. Für das Trainingsspiel sind zwei Mannschaft mit jeweils einer Viererabwehrkette schwer zu realisieren. Man wird in der Regel nicht über genügend (Defensiv-) Spieler und Platz verfügen. Auf einer Platzhälfte macht es keinen Sinn zwei Mannschaften mit einer Viererabwehrkette gegeneinander spielen zu lassen.
Abwehrpressing: So siegen Außenseiter!
Was kann man als Trainer tun, wenn man gegen einen klar überlegenden Gegner spielt? Den Kopf in den Sand stecken oder anfangen zu beten? Bei beidem stehen die Aussichten was Zählbares aus der Partie mitzunehmen ziemlich gering. So kann dem Trainer in diesem Fall nur geraten werden etwas in die Trickkiste zu wühlen und zu einem taktischen Paukenschlag auszuholen.
Doch wie kann man etwas bewirken, wenn man auf einen individuell stärker besetzten Gegner stößt? Klar, man muss als Mannschaft stärker sein. Man muss eine Taktik wählen in der das Kollektiv im Mittelpunkt steht und nicht der Einzelspieler. Nur im ballorientierten Spiel kann hier Maximales erreicht werden. Denn nur dort, wo man sich stärker an die Position des eigenen Mitspielers orientiert, als an die Position des Gegenspielers, ist man in der Lage den ballführenden Gegner mit einem ganzen Mannschaftsverbund zu bekämpfen. Nur so erreicht man mit minimalem Kraftaufwand Überzahl in Ballnähe und damit die bestmögliche Ausgangsposition den Ball kontrolliert zu erobern und einen schnellen Gegenangriff einzuleiten.
Der schnelle Konter ist hier also das Zauberwort, wenn es gegen einen favorisierten Gegner geht. So kann man auch mit reduzierten technischen und kreativen Möglichkeiten zum Torerfolg kommen, da man gegen eine aufgerückte und in der Regel ungeordnete Abwehr angreift.
Um jedoch erst in der Lage zu kommen, den Ball für einen Konter zu gewinnen, müssen die Räume für den Gegner möglichst klein gehalten werden. Passspiele des Gegners können so bestmöglich abgefangen werden. Der Gegner muss gedoppelt werden, damit man die Zweikämpfe für sich entscheiden kann.
Es gilt also darum ein effektives Angriffsspiel des Gegners zu unterbinden. Für die eigene Mannschaft ungefährliche Pässe (Querpässe und Rückpässe) werden erlaubt, jedoch gefährliche Pässe Richtung eigenem Torzentrum massiv bekämpft. Dies führt von der Menge her zu mehr Ballbesitz für den Gegner, ist aber letztendlich nicht besonders effektiv. Dies erklärt auch den statistischen Wert, dass in der Regel die Mannschaft mit weniger Ballbesitz ein Spiel gewinnt.
Die benötigte Kompaktheit bei gegnerischen Angriffsversuchen erreicht man nur, wenn alle Spieler Defensiv handeln und konsequent verschieben. Schafft man es zwei Viererketten hinter den Ball zu bekommen und den ballführenden Gegner durch einen Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, können die beiden Angreifer nach hinten doppeln. So hat man die besten Chancen auf ein kontrollierten Ballgewinn und einem effektivem Gegenangriff steht nun nichts mehr im Wege.
Wichtig ist, dass der Gegner nicht zu früh attackiert wird. Wird dies gemacht, kann er mittels wenigen und einfachen Pässen eine ganze Reihe Spieler vor der Ballposition setzen, so dass diese keine Möglichkeit mehr für defensive Handlungen haben. So kann es dann sehr schnell gehen, dass alleine die Viererabwehrkette sich gegen den kompletten Angriffsverbund zur Wehr setzen muss.
Wartet man jedoch das Aufbauspiel des Gegners ab und bleibt tief stehen und reagiert auf Querpässe und Rückpässe alleine mit seitlichem Verschieben, so erreicht man maximale Kompaktheit. Wird nun die Linie der einzelnen Mannschaftsteile überspielt, wird Druck auf den Ball gemacht und nachgesetzt zum Doppeln. Wichtig für die Kompaktheit der Mannschaft ist es, dass die Mannschaftsteile eng zusammenstehen, ebenso die Spieler auf den benachbarten Spielpositionen (jeweils 8 bis 10 Meter).
Diese Spieltaktik bezeichnet man im Fußball als Abwehrpressing. Das Abwehrpressing kann man noch in zwei Varianten unterteilen. Bei der ersten Variante wird das gegnerische Angriffsspiel auf den Flügel gelenkt und bei der zweiten Variante ins Zentrum. Entscheidet man sich für Variante Zwei, so verschieben die beiden Angreifer, kurz nach der Mittellinie, auf gleicher Höhe mit vergrößertem Abstand zueinander ballorientiert. Der Passweg ins Zentrum ist frei. Der dort postierte Gegenspieler darf nicht zu eng gedeckt werden, da man den Anschein erwecken will, dass dieser ungestört angespielt werden kann. Wird dies nun getan, wird dieser von allen Seiten attackierten. Die Angreifer setzen nach und ein zentraler Mittelfeldspieler übt Druck auf den Angespielten aus. Der zweite zentrale Mittelfeldspieler sichert ab. Im Fall, dass die beiden Angreifer nicht nachsetzen können, wird dem ballführende Gegner mittels Doppeln der Durchbruch Richtung des zweiten Mittelfeldspielers angeboten.
Variante Eins besagt, dass man das Angriffsspiel des Gegners nach Außen lenkt. Hier agieren die beiden Angreifer mit verringertem Abstand zueinander und in einer leichten Tiefenstaffellung. Die beiden Mittelfeldaußen stehen etwas tiefer, damit der Flügel unbesetzt wirkt. Erst wenn der Ball vom Gegner über die Mittellinie zu einem äußeren Spieler gepasst wird, beginnt die eigene Balleroberung. Der ballnahe Mittelfeldaußen rückt zum Ballführenden vor, verstellt die Außenbahn um ihn nach Innen zu einem zentralen Mittelfeldspieler zu lenken. Der ballnahe Angreifer setzt zum Doppeln nach Hinten nach. Der zweite Angreifer stellt das Zentrum zu und die beiden Viererketten bilden eine Abwehrsichel. Erkennt der zweite Angreifer einen Rückpass des Gegners, so rückt er vor um diesen abzufangen.
Variante Zwei ist deutlich einfacher umzusetzen, da es weniger Anspruch an einem korrekten Doppeln stellt. Für Anfänger ist also diese Variante zu empfehlen. Sollte der Gegner dabei nicht den Pass ins Zentrum suchen, so sollte generell auf Variante Eins umgestellt werden. Versucht nun der Gegner in die Lücke zwischen den beiden Angreifern zu dribbeln, sollte temporär auf Variante Eins umgestellt werden.
Wird nun der Ball erobert, rücken bis auf die beiden Innenverteidiger alle Spieler vor dem Ball um Anspielstationen in der Tiefe zu schaffen. Den ersten Pass nach Möglichkeit schnell in die Spitze spielen, um die kurzzeitige Unordnung des Gegners auszunutzen. Es ist auf eine ständige Dreiecksbildung zu achten, so dass der Ballführende stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Schafft man es einen Mitspieler in der “Red-Zone” (zentraler Bereich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners) anzuspielen, so starten im Idealfall zwei Mitspieler links und rechts mit Temposteigerung in die Gasse, so dass der Ballführende zwei Passoptionen besitzt. Kreuzende Angreifer oder quer laufende Spitzen ist für jede Abwehr schwer in den Griff zu bekommen.
Sollte kein Anspiel in der Red-Zone möglich sein, so versucht man den Ball über den Flügel in den Strafraum zu flanken oder zu passen. Im Idealfall starten drei Spieler gestaffelt in den Ball und ein vierter besetzt den Rückraum. Gestaffelt bedeutet hier, je ballnaher sie sich befinden, desto geringer ist der Abstand zum gegnerischen Tor. Wichtig ist es immer mit Tempo in den Ball zu starten, um seine ganze Kraft in die Aktion zu bringen.
Also immer den Ball zielstrebig in die Tiefe spielen. Anspiele im Idealfall direkt weiterleiten oder zumindest mit dem ersten Kontakt in den freien Raum mitnehmen und dann mit den üblichen gruppentaktischen Angriffsmitteln (Doppelpass, Hinterlaufen, Pass in die Tiefe) agieren. In gegnerischer Tornähe 1-gegen-1-Situationen suchen und Mut zum Risiko zeigen. Vor dem Torschuss nochmal Kopf heben um die freie Ecke zielgenau anzuvisieren.
Unterschied zwischen Dreierkette und Viererkette
Wie wir bereits in dem Artikel Martin Hasenpflug über Viererkette im Amateurbereich berichteten, mussten wir mit entsetzen feststellen, dass sehr viele (Senioren-)Trainer nicht wissen, was eine Dreierkette ist. Sie denken, dass ihr gegnerorientiertes Spiel mit Manndeckern, das ballorientierte Spiel mit Dreierkette sei. Hallo? Wie kann man von einer Kette sprechen, wenn doch die eigenen Spieler recht unabhängig von ihren Mitspielern agieren?
Es sind halt doch noch viele Trainer mit veraltetem Wissenstand unterwegs, die es in den letzten Jahren versäumten sich weiterzubilden. Dreierkette ist kein gegnerorientiertes Spiel, sondern es ist rein ballorientiert! Diese Trainer haben heute und hier die Chance sich ein Bild über die wirklichen Unterschiede zwischen Dreier- und Viererkette zu machen.
Beim Spiel mit der Viererkette bleiben bei einem Angriff lediglich die beiden Innenverteidiger hinter dem Ball. Sie positionieren sich als Anspielstation im Rückraum um das Spiel verlagern zu können und dienen als Absicherung bei einem gegnerischen Konter. Da bei einem Konter lediglich zwei Abwehrspieler absichern ist es bei dem Spiel mit Viererkette wichtig, dass das defensive Mittelfeld schnell umschaltet.
Beim Spiel mit der Dreierkette sieht es so aus, dass bei einem Angriff alle drei Abwehrspieler hinter dem Ball bleiben. Die Aufgaben sind mit denen der Innenverteidiger fast identisch. Dadurch, dass drei Spieler im Rückraum absichern, fehlt in der Offensive ein Spieler. Der Vorteil kommt aber dann bei einem gegnerischen Konter zur Geltung, denn in diesem Fall verfügt man über eine geschlossene Abwehrkette.

Spielaufbau mit einer Dreierkette. Zentraler Abwehrspieler ist in Ballbesitz. Taktiktafel mit eingezeichneten Dreiecksbildungen.
Weil drei Spieler allein nicht in der Lage sind die Räume einer kompletten Spielfeldbreite zu besetzen, müssen sich die Mittelfeldaußen bei einem gegnerischen Angriff in die Abwehrkette einreihen. Ist der Ball außen bei einem Gegner, so rückt der ballferne Mittelfeldaußen in die Abwehrkette ein. Befindet sich der Ball bei einem zentral postierten Gegenspieler, so rücken beide Mittelfeldaußen in die Abwehrkette und schaffen so quasi eine Fünferkette. In Verbindung mit 1-2 defensiven Mittelfeldspielern steht eine Dreierkette im zentralen torgefährlichen Bereich sehr kompakt.
Bei einem Angriff verfügt man zwar durch die Dreierkette über eine Anspielstation weniger in der Offensive, doch aufgrund der systemspezifische Staffelung beim Spielaufbau verfügt man über mehr Dreiecksbildungen. So ist es für die Spieler einfacher in den verschiedenen Spielsituationen Anspielstationen in Breite und Tiefe zu schaffen. Die Halbpositionen, wie die Flügel sind beim Spielaufbau doppelt besetzt.
Das Spiel mit Viererkette in der Abwehr und Mittelfeld punktet vorallem durch gute Raumaufteilung. Mittels kurzen Laufwegen ist es möglich im torgefährlichen Bereich sehr kompakt zu stehen und Überzahl in Ballnähe zu schaffen. Nach einer Balleroberung ist, aufgrund die gleichmäßige Verteilung der Spieler, ein effektives Umschalten auf die Offensive möglich.
Eine “Anfänger-Viererkette” perfektionieren
Die Erfrahrung zeigt, dass nach der Umstellung auf der Viererkette einige Dinge auf Anhieb verstanden werden, z.B. das Stellungsspiel und manche Dinge wiederholt verkehrt gemacht werden. In diesem Artikel werden wir eine Auflistung der Eigenschaften einer Viererkette geben, die vom Trainer eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte:
- Ein Innenverteidiger rückt zu dem ballführenden Gegner vor und die beiden seitlich aufgestellten Abwehrspieler sichern nicht in die Tiefe ab. Beziehungsweise geschieht dies nicht schnell genug.
- Die Außenverteidiger rücken zu zögerlich zu dem ballführenden Gegenspieler am Flügel vor.
- Die Spieler attackieren beim Vorrücken zum Gegenspieler sofort den Ball, anstatt den Spieler erstmal zu stellen und das Spiel so zu verzögern. Das Spiel zu verzögern bedeutet Zeitgewinn, so dass Spieler nachrücken können und sich die Mannschaft wieder geordnet formieren kann.
- Die Mittelfeldspieler/Angreifer doppeln nicht nach hinten, wenn sie ausgespielt werden.
- Absolviert ein Mitspieler einen Zweikampf oder springt er zum Kopfball, wird er nicht abgesichert.
- Beim seitlichen Verschieben sind die Abstände zu den Nebenleuten zu groß oder zu gering. Idealer Abstand wäre eine maximale Distanz, wo aber immer noch die Möglichkeit besteht ein Pass dadurch abzufangen, also ca. 10 Meter.
- Das ganze Mannschaftskollektiv ist beim gegnerischen Spielaufbau zu weit aufgerückt, so dass ohne Mühe die ersten Spieler ausgespielt werden können. Damit macht man es dem Gegner leicht Überzahl im Angriff zu schaffen. Also sehr tief stehen, aber dennoch auf genügend Abstand zum eigenen Tor achten (sicherer Abstand).
- Bei der Balleroberung und anschließendem Konter rücken die Abwehrspieler zu langsam und nicht weit genug auf. Der Abstand zum Mittelfeld sollte 10-15 Meter betragen.
- Die Außenverteidiger schalten sich nicht mit ins Angriffsspiel ein. Sie sollen sich aber entweder im Rückraum zu einer Flanke vors gegnerische Tor anbieten, die Mittelfeldaußen hinterlaufen oder selbst nach Innen zur Tormitte ziehen und zum Torabschluss kommen.
- Die Innenverteidiger kommunizieren nicht, z.B. wer von ihnen zum ballführenden Gegner im Zentrum vorrücken soll.
- Die Außenverteidiger postieren sich beim Spielaufbau nicht ausreichend in der Breite.
- Trotz Überzahlsituation in Ballnähe, wird der Ball ins Seitenaus geschlagen oder foulgespielt. In Überzahl immer versuchen den Ball kontrolliert zu erobern.
- Ist der ballführende Gegner am Flügel, lassen sich die Außenverteidiger zu weit nach außen drängen und schließen so nicht die Innenbahn zum Tor.
Das klingt vielleicht jetzt erstmal nach vielen möglichen Fehlerquellen beim ballorientierten Spiel mit der Viererkette. Doch selbst wenn einige der genannten Fehler gemacht werden, so spielt man trotzdem um ein vielfaches effektiver als im gegnerorientierten Spiel.
Der Trainer sollte den Spielern immer wieder das korrekte Handeln anhand vorausgegangenen Spielsituationen erklären. Vor einem Spiel, in der Halbzeitpause und nach dem Training sind die idealen Zeitpunkte dafür. Wir empfehlen das Erklären in der kompletten Gruppe, so dass alle Spieler davon profitieren können. Alle Spieler sollten die Aufgaben jeder Position kennen, nur so wissen sie wie der Mitspieler in den verschiedenen Situationen handeln wird und idealerweise können die Spieler auch verschiedene Spielpositionen bekleiden.
Unterschiedliche Methoden zur perfekten Raumdeckung
Bekanntlich führen alle, oder zumindest mehrere Wege nach Rom. Diese alte Denke lässt sich auch auf das Spiel mit der Raumdeckung, bzw. des ballorientierten Verteidigens anwenden.
Vorab möchten wir unseren Lesern nochmal kurz erklären in welchem Zusammenhang die ballorientierte Verteidigung mit der Raumdeckung steht. Und Viererkette? Was hat das mit Raumdeckung zu tun?
Ganz einfach! Die Raumdeckung besagt, dass die Mannschaft sich dort postieren soll, wo der Gegner bei genügend Raum Torchancen kreieren könnte. Das heißt in der Praxis, dass man sich an der Position des Balls orientiert und den torgefährlichen Raum zustellt. Wenn sich z.B. ein gegnerischer Spieler an der ballfernen Seitenlinie befindet, so brauch er dort nicht in Manndeckung genommen werden. Es besteht durch ihn keine direkte Torgefahr. Man selbst muss jedoch einen kompakten Mannschaftsverbund bilden, die sich in einer Art Block immer dorthin verschiebt, wo es aufgrund der Ballposition torgefährlich werden könnte.
Dem Gegner entzieht man so die Möglichkeit durch viel Zeit und Raum ein Kombinationsspiel aufzuziehen. Stattdessen nötigt man ihn zu überhasteten Aktionen, die sich dann zu einem kontrollierten Ballgewinn für die eigene Mannschaft entwickeln könnte.
Dass die Raumdeckung die effektivste Art im Fußball ist, den Ball kontrolliert zu erobern und einen Gegenangriff einzuleiten ist ohne Frage. Über einige Details gibt es aber durchaus unterschiedliche Ansichten. Das Für und Wider dieser Meinungen muss jeder für sich selbst abwägen, um die optimale Lösung für seine Mannschaft zu finden. Hier einige Beispiele:
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, soll er ihn zusammen mit dem ballnahen Innenverteidiger doppeln. Dafür spricht: Auch ohne Zuhilfenahme eines Mittelfeldspielers steigt die Chance den Ball kontrolliert zu erobern. Dagegen spricht: Die 4er-Abwehrkette wird kurzzeitig zur 3er-Abwehrkette und somit verkleinert sich der zugestellte Raum. Fazit: Anfänger sollten den ballführenden Gegner am Flügel immer nur zusammen mit einem Mittelfeldspieler doppeln. Ansonsten den Gegner nach außen lenken.
- Sobald ein Innenverteidiger zu einem ballführenden Gegner im Zentrum aufrückt, soll er ihn zum Außenverteidiger steuern (Stichwort: Seitliche Stellung). Dafür spricht: Der Gegner wird aus dem torgefährlichen zentralen Bereich nach außen gelenkt. Dagegen spricht: Sollte man durch die Steuerung des Angriffs nach außen, dem ballführenden Gegenspieler den Ball auf seinen starken Fuß bringen, so kann er sich mit einem feinen Torschuss oder Flanke dafür “bedanken”. Fazit: Im Jugendbereich die Mannschaft schnellstmöglich dahinbringen, dass sie den Ballführenden so steuern kann, dass dieser den Ball auf den schwachen Fuß bekommt. So wird er auch im torgefährlichen Zentrum nicht für viel Gefahr sorgen.
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, bildet die Abwehrkette eine “Sichel”. Der ballferne Außenverteidiger rückt leicht vor. Dafür spricht: Querpässe könnte dieser nun leichter abfangen. Dagegen spricht: Diagonale Flugbälle könnte er in den Rücken bekommen. Fazit: Auf Nummer sicher gehen und auf einer Höhe mit dem absichernden Innenverteidiger bleiben. Den Außenverteidigern aber “Spielraum” lassen, da sie lernen sollen das Spiel zu antizipieren.
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, schiebt sich der ballferne Mittelfeldaußen in die Abwehrkette. Dafür spricht: Die gefährlichen Räume werden für den Gegner enger. Dagegen spricht: Viel Laufarbeit für die Mittelfeldaußen und den Angreifern, die dann bei gegnerischem Ballbesitz ins Mittelfeld rücken müssen. Fazit: Gegen offensiv sehr starke Mannschaften sicherlich ein adäquates Mittel.
Spiel mit der Viererkette in drei Minuten erklärt
Dem Spiel mit der Viererkette eilt der Ruf voraus, sehr kompliziert zu sein und unheimlich versierte Spielertypen zu benötigen. Hier eine gute Nachricht für alle Trainer im Jugendbereich: Dies ist unwahr! Konzentriert man sich auf das Vermitteln der wesentlichen Elemente im Spiel mit der Viererkette, so benötigt man nicht länger als drei Minuten um diese der Mannschaft zu erklären.
Zugegeben, das Erklärte muss von jedem Spieler verinnerlicht werden. Denn im Spiel muss sehr schnell die richtige Entscheidung in Abhängigkeit der Position von Ball, Mitspieler und Gegenspieler getroffen werden. In dieser Reihenfolge! Auch zugegeben, dass das Spiel mit der Viererkette nicht gut funktioniert, wenn nur ein einziger Spieler sich nicht an die taktischen Vorgaben hält. Es muss also Ziel des Trainers sein diese beiden schwierigen Aspekte in den Griff zu bekommen.
Die Anweisungen an die Mannschaft sollten immer an einer Taktiktafel vorgenommen werden, damit man die entsprechenden Spielsituationen mit Magneten nachstellen kann. Es ist erwiesen, dass eine Kombination aus Wort und Bild den Spielern am stärksten im Gedächtnis haften bleibt.
Die folgende Erklärung sollte regelmäßig wiederholt werden und vereinzelnd durch Details erweitern. Da die Initiative abwehrkette.de für Mannschaften, die neu auf das Spiel mit der Viererkette umgestellt haben, das 4-4-2 mit flacher Vier empfehlen, wird sich folgende 3-Minuten-Erklärung auch danach ausrichten:
- Alle Spieler haben defensive und offensive Aufgaben!
- Befindet sich der Gegner in der eigenen Hälfte im Ballbesitz, so bilden die beiden Angreifer die erste Verteidigungslinie!
- Im Abstand von ca. 10-15 Meter verschieben sie sich ballorientiert auf einer Höhe!
- Die restlichen Spieler verschieben sich ebenfalls ballorientiert auf einer Höhe. Die Abstände zu den einzelnen Mannschaftsteilen beträgt ca. 10 Meter und die Abstände innerhalb der Mannschaftsteile ebenfalls 10 Meter.
- Wird die Verteidigungslinie der Angreifer überspielt, setzt der ballnahe Angreifer nach und doppelt nach hinten.
- Der ballnahe Mittelfeldspieler rückt vor und die anderen drei Mittelfeldspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
- Die 4er-Abwehrkette bildet nun hinter den Mittelfeldspielern eine Linie. Die Außenverteidiger rücken leicht vor, um eventuelle Pässe nach außen abfangen zu können.
- Wird das Mittelfeld überspielt, setzt ein ballnaher Mittelfeldspieler nach und doppelt nach hinten.
- Ein ballnaher Abwehrspieler rückt jetzt vor und die anderen drei Abwehrspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
- Alle Mittelfeldspieler versuchen sich tiefer als die Ballposition zu postieren.
- Die beiden Angreifer brauchen, wenn das Mittelfeld überspielt wurde, keine Defensivaufgaben mehr zu erfüllen.
- Immer Kompakt und Zweikampfstark!
Das war nun unser Beitrag zur Fußballtaktik. Jetzt sind die Befürworter des gegnerorientierten Spiels gefragt, uns ihr Spiel in drei Minuten zu erklären…
Perfektes Zusammenspiel zwischen Viererkette und Mittelfeld
Die eifrigen Leser unserer Seite wissen bereits, dass das Spiel mit der Viererkette die ganze Mannschaft betrifft. Das Mittelfeld und der Angriff hat genauso wie die Viererkette, bei gegnerischen Ballbesitz Defensivarbeit zu leisten. Nur wenn die ganze Mannschaft aufeinander abgestimmt agiert, kann das Spiel mit der Viererkette seine volle Stärke entfalten.
Volle Stärke bedeutet kontrollierter Ballgewinn und direkte Einleitung des Offensivspiels. In den folgenden Bildern werden wir zeigen, wie das Mittelfeld in den verschiedenen Spielsituationen zu handeln hat. Wir gehen davon aus, dass die Mannschaft in einem 4-4-2 agiert. Das Spiel mit der Viererkette kann nach dem Studieren der Bilder noch besser verstanden werden und mit diesem Wissen wird man in der Lage sein, eigene Lösungswege für mögliche Spielsituationen zu finden.
Das Ganze können wir wieder als PDF-Datei anbieten, damit die Trainer die Möglichkeit haben es ihren Spielern auszudrucken.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball außen): Der druckausübende Außenverteidiger geht so in die seitliche Stellung, dass er den Ballführenden nach innen zum Mittelfeldspieler steuert. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde das Zentrum absichern.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball zentral): Der Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ballführenden aus. Die Außenverteidiger rücken etwas vor, um Querpässe abfangen zu können. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde helfen, den Ballführenden zu doppeln.

Pass in die Tiefe: Bietet sich eine Sturmspitze als Anspielstation an, bildet die Viererkette ein Abwehrdreieck. Der Ballführende wird vom Mittelfeld gestellt oder gedoppelt. Erfolgt ein Pass zur Sturmspitze, doppeln möglichst zwei Mittelfeldspieler nach hinten.

Ball zentral: Das Mittelfeld erzeugt ein Abwehrdreieck und die Viererkette bleibt in Ausgangsposition mit leicht aufgerückten Außenverteidigern.
Ab sofort jeden Zweikampf gewinnen!
Die Trainingsmethodik unserer Einheiten und auch die aus den Büchern Martin Hasenpflugs sind vom Einfachen zum Schweren strukturiert. Alle Übungen so unkompliziert und regelarm wie möglich konzipiert. Erklärungen auf ein Minimum reduziert. Nur die essentiellen Aspekte der einzelnen Bereiche des Fußball dargelegt. Eine gewisse Detailtiefe wird gemieden, aber unbewusst suggeriert. Aus dem Grund, dass man den jugendlichen Spieler nicht durch eine Informationsflut überfordert und so den natürlichen Spieltrieb hemmt. Die Methodik ist jedoch so aufgebaut, dass die Spieler die Möglichkeit haben die Feinheiten eigenständig zu antizipieren.
Heute haben wir das Thema 1-gegen-1-Situationen in der Defensive. Dies zu trainieren ist ein unentbehrlicher Schritt zum Weg zur Viererkette und auch eine Sache die man immer wieder trainieren sollte, um die Qualität der Viererkette aufrecht zu erhalten, bzw zu verbessern.
Zum Abschluss oder begleitend zum Trainieren von 1-gegen-1-Situationen in der Defensive möchten wir an dieser Stelle wieder ein Zettel unseren Lesern anbieten, den sie ausdrucken und an ihren Spielern verteilen können. Es hat sich in der Vergangenheit bewehrt, dass man den Spielern eine Möglichkeit an die Hand gibt, sich das Gelernte zuhause nochmal anzusehen, zu visualisieren und durch gelegentliches nachschauen im Kopf präsent hält.
Sollten bei den Spielern arge Defizite in diesem Bereich vorhanden sein, sollte das Training von 1-gegen-1-Situationen in der Defensive unbedingt am Anfang zur Umstellung auf die Viererkette stehen und in mindestens vier Trainingseinheiten als Schwerpunkt behandelt werden.
Das Merkblatt kann hier heruntergeladen werden.

Aussenbahn: Angreifer bis auf ca. 2 Meter entgegenstarten! Seitliche Stellung einnehmen! Den direkten Weg zum Tor verstellen! Auf den Fußballen bewegen! Nur auf den Ball konzentrieren! Eventuell Scheinangriffe anwenden! Die Aussenbahn zum Durchbruch anbieten! Beim Durchbruch (Angreifer legt sich den Ball vor) Körper zwischen Ball und Angreifer schieben!

Zentral: Angreifer bis auf ca. 2 Meter entgegenstarten! Schussbein des Gegners erkennen (meist Dribbelfuß)! Seitliche Stellung einnehmen! Abstand zum Angreifer halten! Nur auf den Ball konzentrieren! Die Seite des „schwachen Fuß“ des Angreifers zum Durchbruch anbieten! Beim Durchbruchsversuch den Ball von der Seite klären!

Im Rücken des Angreifers: Den Angreifer möglichst eng decken, jedoch ohne Körperkontakt! Nur auf den Ball konzentrieren! Erst den Ball attackieren, wenn sich der Angreifer zum Tor dreht und man den Ball sicher klären kann.

Angreifer wird angespielt: Seitlich versetzt hinter dem Angreifer stehen! Angreifer und Zuspieler genau beobachten! Beim Zuspiel versuchen den Ball abzufangen! Sollte man erkennen, dass dies nicht gelingt, sofort den Versuch der Balleroberung abbrechen und wieder hinter dem Angreifer postieren. Jetzt gleiches Handeln wie im „Rücken des Angreifers“!



