Raumdeckung und Flügelspiel: Louis van Gaal entzaubert die Bundesliga
Louis van Gaal der Fußballtrainer aus Holland ist Meistermacher, Champions-League-Sieger und Fußballrevolutionär in Einem. Kein Trainer steht mehr für das 4-3-3, Raumdeckung und einem effektiven Flügelspiel wie er.
Am Anfang tat sich Bayern München noch schwer van Gaals Fußballphilosophie umzusetzen. Man prophezeite sein baldiges Ende und stellte immer wieder den Vergleich zu Jürgen Klinsmann, dass sogar dieser zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr zuvor besser dastand. Doch nach mittlerweile einem halben Jahr Arbeit ist Bayern München soweit, dass scheinbar keine Mannschaft der Bundesliga sie stoppen kann. International dübierte man zuletzt Juventus Turin auf eigenem Platz mit 4:1.
Mit welcher Taktik schafft van Gaal diese phänomenalen Ergebnisse? Er teilt das Spielfeld in Zonen (Räumen) auf! Das oberste Ziel der Mannschaft ist es, immer und überall Zugriff auf sämtliche Bereiche im Spielfeld zu haben. Egal wo der Gegner angespielt wird, es muss die Möglichkeit bestehen ihn sofort unter Druck zu setzen, damit eine erfolgreiche Balleroberung gelingt.
Den gegnerischen Spielaufbau lässt van Gaal nicht energisch stören. Die Außenstürmer lassen sich zurückfallen und der Mittelstürmer agiert zusammen mit dem Offensive Mittelfeldspieler an vorderster Front. Sie befinden sich auf einer Höhe und haben nur das Ziel durch geschicktes Verschieben den gegnerischen Spielaufbau zu steuern. Lässt van Gaal mit zwei 6er spielen, soll der Gegner dazu animiert werden ins Zentrum zu passen. Da die beiden 6er sehr zentral agieren, besteht von mehreren Positionen aus direkter Zugriff auf den angespielten Gegner im Zentrum.
Sobald die beiden Offensiven überspielt sind, setzt der Offensive Mittelfeldspieler nach und versucht erneut hinter den Ball zu kommen. Die beiden Außenstürmer schieben sich bei gegnerischen Ballbesitz fast auf eine Höhe mit den beiden 6er. Die Sturmspitze stellt den Pass in den Rückraum zu, um dem Gegner die Möglichkeit einer Spielverlagerung zu nehmen. Bei gegnerischem Ballbesitz agiert Louis van Gaal mit einem 4-4-1-1-System. Das Mittelfeld agiert mit den beiden 6er und den beiden Außenstürmern als flache Vier. Die Außenstürmer rücken jedoch leicht auf, um Querpässe des Gegners abfangen zu können.
Schafft man es zwei kompakte Viererketten plus einen druckausübenden Angreifer hinter den Ball zu bekommen, ist es für den Gegner fast unmöglich aussichtsreiche Anspielstationen zu kreieren. So bleibt nur der Querpass.
Wird der Ball erobert, eröffnen die Innenverteidiger mit flachen und druckvollen Pässen das Spiel. Dabei versuchen sie nach Möglichkeit den Ball zu den Außenstürmern zu spielen. Diese agieren beide sehr nah an der Außenlinie und machen das Spiel dadurch sehr breit. Dem Gegner wird so das Schaffen eines kompakten Mannschaftsverbundes erschwert.
Die Sturmspitze postiert sich dann auf Höhe der Innenverteidiger um sie möglichst weit Richtung eigenem Tor zu drücken. So können Räume zwischen Abwehr und defensivem Mittelfeld geschaffen werden. Bei eigenem Ballbesitz agiert Louis van Gaal mit einem 4-2-3-1-System
Um das Offensivspiel variabel zu gestalten, rücken die Außenstürmer schonmal ins Zentrum um angespielt zu werden. In dem Fall wird Raum für einen nach vorne startenden Außenverteidiger geschaffen. Dieser wird nun vom Außenstürmer angespielt und gleichzeitig läuft der offensive Mittelfeldspieler auf die Außenstürmer-Position, um dort als Anspielstation für den Außenverteidiger zu dienen.
Bei Louis van Gaal halten sich jedoch die Offensivaufgaben der Außenverteidiger in Grenzen. Sie hinterlaufen nur wenig, denn wenn sie sich mit ins Angriffsspiel einschalten, besteht kein Zugriff mehr auf einige defensive Zonen. Bei einem Konter könnten gerade diese vom Gegner zum Erspielen von Torchancen genutzt werden.
Dieses Spielsystem von Louis van Gaal ist natürlich nicht für eine Umstellung auf die Viererkette geeignet. Dafür ist es viel zu komplex und setzt bereits Grundkenntnisse der Viererabwehrkette voraus. Doch ist es interessant zu sehen, wie Profimannschaften das Spiel mit der Viererkette verfeinern, um den anderen Mannschaften auf gleichem Niveau ein Schritt voraus zu sein.
Einfach und Erfolgreich spielen mit der Viererkette
Bayer Leverkusen ist in der Bundesliga eine der Überraschungsmannschaften der Saison. Nach dem 16. Spieltag befinden sich die Heynckes-Elf ohne Niederlage an der Tabellenspitze. Als zu Saisonbeginn der neue Trainer Jupp Heynckes kam, gab es einige Änderungen im System von Bayer. Bisher agierte man ständig im Pressing und spielte im Mittelfeld mit einer Raute. Das ständige Pressing wurde reduziert und auch von der Raute im Mittelfeld hat man sich verabschiedet. Man spielt nun mit einer Viererkette vor der Abwehrkette und es wird nun nur noch gezielt gepresst. Bei gegnerischen Ballbesitz im Mittelfeld verschieben sich zwei kompakte Viererketten hinter dem Ball und ein Angreifer übt Druck auf den ballführenden Gegner aus.
Die ballfernen Seiten werden bei Bayer komplett vernachlässigt. Das oberste Ziel lautet, Überzahl in Ballnähe zu schaffen und dabei die Räume so eng wie möglich für den Gegner zu gestalten. Dieses System unterscheidet sich relativ stark vom niederländischen System, welches Bayern München unter Louis van Gaal spielt. Hier ist das Spielfeld in Zonen unterteilt, welches das Ziel verfolgt, in jeder Spielsituation Zugriff auf alle gegnerische Anspielstationen zu haben.
Dieses klassische System der Heynckes-Elf ist im Grunde so einfach wie wirkungsvoll. Die Mannschaft hat schnell die Spielphilosophie ihres neuen Trainers verinnerlicht und stellt nun nach 16 Spieltagen die beste Defensive der Liga. Das sehr ausgeprägte ballorientierte Spiel von Bayer ist sogar so simpel, dass man es bereits in den Grundzügen in mittleren Jugendmannschaften recht schnell einführen kann. Die taktischen Vorgaben halten sich in Grenzen, was wiederum Raum für die kreative Entfaltung der Spieler zulässt.
Auffallend bei der Viererkette von Bayer ist, dass diese sehr stark und kompakt auf einer Linie agiert. Befindet sich der Ball beim Gegner im Mittelfeld, so versucht sie keine Tiefenstaffelung herzustellen. Es befinden sich so kaum Schnittstellen in der Viererkette für den finalen Pass. Dies führt dazu, dass die gegnerischen Spitzen dem Ballführenden oft entgegenstarten müssen. Das nutzt die Abwehrkette um aufzurücken und so den Raum für den Gegner noch mehr zu verengen.
Die Linie in der Abwehrkette wird aber unter gewissen Bedingungen aufgehoben. Befindet sich der ballführende Gegner im Mittelfeld nicht unter genügend druck, so lassen sich die beiden Innenverteidiger etwas in der Tiefe fallen. Auch lässt sich ein Innenverteidiger fallen, wenn der andere Innenverteidiger in den Zweikampf geht. Dies ermöglicht ihm im Falle eines verlorenen Zweikampfs seines Mitspielers noch rettend einzugreifen.
Die Seitenabstände der Viererketten bleiben beim Verschieben gleich. Jedoch werden die Seitenabstände in der Abwehrkette in dem Verhältnis geringer, wie sich der Gegner dem eigenen Tor nähert. Teilweise betragen die Abstände zueinander nur 2-3 Meter. Durch diese Kompaktheit in dem gefährlichen Bereich zentral vor dem Tor, versucht Bayer den Gegner nach außen zu drängen. Man vertritt hier ganz klar die Ansicht, dass der Flügel ungefährlicher für das eigene Tor ist als das Zentrum. Bei Bayer wird also immer von innen nach außen verteidigt, bzw. ihr Balleroberungs-System angewandt.
Nach der Balleroberung agiert Bayer sehr flexibel und zielstrebig nach vorne. Spätestens nach 3-4 Querpässen erfolgt der Pass nach vorne. Die Innenverteidiger schrecken auch nicht vor einem langen Pass in die Sturmspitze zurück. Hier versucht Bayer durch aggressives Pressing den zweiten Ball zu erobern und so gleich in einer aussichtsreichen Situation vor dem gegnerischen Tor zu kommen. Die Innenverteidiger schlagen auch lange Diagonalpässe zu den Mittelfeldaußen. Ihm rücken dann bewusst keine Mitspieler entgegen, die wiederum Defensivspieler des Gegners nach sich ziehen würden. So ermöglicht man dem Mittelfeldaußen eine 1-gegen-1-Situation am Flügel und, bei einem erfolgreichen Durchbruch, der Zug zum Tor. Oft rücken auch bei der Spieleröffnung der Innenverteidiger, die Mittelfeldaußen ins Zentrum als Anspielstationen und schaffen so Platz für vorrückenden Außenverteidiger.
Das Spiel Bayer Leverkusens ist auch dadurch gekennzeichnet, dass immer einer der beiden Angreifer sehr viel Defensivarbeit leistet. Er schließt u.a. Löcher im Mittelfeld und arbeitet am Flügel, um der anderen Spitze das Angriffszentrum zu überlassen. Erkennen die beiden Angreifer, dass Mitspieler den Ball erobert haben, versuch sie mit Tempo in die Spitze zu kommen. Dabei starten sie oft von einem Punkt und kreuzen sehr oft ihre Laufwege. Bietet sich einem Angreifer nicht der direkte Weg zum Tor, so behauptet er den Ball für nachrückende Mitspieler. Oft schieben auch beide Angreifer bewusst nach außen in einer Richtung, um so Räume für Spieler aus der zweiten Reihe zu schaffen.
Bei der Spieleröffnung des Gegners tief in deren Hälfte wird der Ballführende oft von den beiden Angreifern seitlich angelaufen, um so einen Pass ins Zentrum zu provozieren. Im Zentrum lauern dann Mitspieler die bei einem solchen Pass den Gegner sofort aggressiv attackieren. Die ganze Mannschaft schiebt dabei nach Vorne Richtung Ball. Diese Art des Forecheckings kostet zwar Kraft, doch gezielt im Verlaufe des Spiels angewandt, ergeben sich daraus oft sehr gute Torchancen und man vermittelt dem Gegner das Gefühl unter ständigem Druck zu stehen.
Ab sofort jeden Zweikampf gewinnen!
Die Trainingsmethodik unserer Einheiten und auch die aus den Büchern Martin Hasenpflugs sind vom Einfachen zum Schweren strukturiert. Alle Übungen so unkompliziert und regelarm wie möglich konzipiert. Erklärungen auf ein Minimum reduziert. Nur die essentiellen Aspekte der einzelnen Bereiche des Fußball dargelegt. Eine gewisse Detailtiefe wird gemieden, aber unbewusst suggeriert. Aus dem Grund, dass man den jugendlichen Spieler nicht durch eine Informationsflut überfordert und so den natürlichen Spieltrieb hemmt. Die Methodik ist jedoch so aufgebaut, dass die Spieler die Möglichkeit haben die Feinheiten eigenständig zu antizipieren.
Heute haben wir das Thema 1-gegen-1-Situationen in der Defensive. Dies zu trainieren ist ein unentbehrlicher Schritt zum Weg zur Viererkette und auch eine Sache die man immer wieder trainieren sollte, um die Qualität der Viererkette aufrecht zu erhalten, bzw zu verbessern.
Zum Abschluss oder begleitend zum Trainieren von 1-gegen-1-Situationen in der Defensive möchten wir an dieser Stelle wieder ein Zettel unseren Lesern anbieten, den sie ausdrucken und an ihren Spielern verteilen können. Es hat sich in der Vergangenheit bewehrt, dass man den Spielern eine Möglichkeit an die Hand gibt, sich das Gelernte zuhause nochmal anzusehen, zu visualisieren und durch gelegentliches nachschauen im Kopf präsent hält.
Sollten bei den Spielern arge Defizite in diesem Bereich vorhanden sein, sollte das Training von 1-gegen-1-Situationen in der Defensive unbedingt am Anfang zur Umstellung auf die Viererkette stehen und in mindestens vier Trainingseinheiten als Schwerpunkt behandelt werden.
Das Merkblatt kann hier heruntergeladen werden.

Aussenbahn: Angreifer bis auf ca. 2 Meter entgegenstarten! Seitliche Stellung einnehmen! Den direkten Weg zum Tor verstellen! Auf den Fußballen bewegen! Nur auf den Ball konzentrieren! Eventuell Scheinangriffe anwenden! Die Aussenbahn zum Durchbruch anbieten! Beim Durchbruch (Angreifer legt sich den Ball vor) Körper zwischen Ball und Angreifer schieben!

Zentral: Angreifer bis auf ca. 2 Meter entgegenstarten! Schussbein des Gegners erkennen (meist Dribbelfuß)! Seitliche Stellung einnehmen! Abstand zum Angreifer halten! Nur auf den Ball konzentrieren! Die Seite des „schwachen Fuß“ des Angreifers zum Durchbruch anbieten! Beim Durchbruchsversuch den Ball von der Seite klären!

Im Rücken des Angreifers: Den Angreifer möglichst eng decken, jedoch ohne Körperkontakt! Nur auf den Ball konzentrieren! Erst den Ball attackieren, wenn sich der Angreifer zum Tor dreht und man den Ball sicher klären kann.

Angreifer wird angespielt: Seitlich versetzt hinter dem Angreifer stehen! Angreifer und Zuspieler genau beobachten! Beim Zuspiel versuchen den Ball abzufangen! Sollte man erkennen, dass dies nicht gelingt, sofort den Versuch der Balleroberung abbrechen und wieder hinter dem Angreifer postieren. Jetzt gleiches Handeln wie im „Rücken des Angreifers“!
Positionspezifische Aufgaben im 4-4-2
In diesem Artikel möchten wir einen kurzen Überblick über die positionspezifischen Aufgaben in einem 4-4-2-System geben. Der Trainer sollte seinen Spielern immer wieder vergegenwärtigen welche speziellen Aufgaben mit ihrer Spielposition verbunden sind und diese dann auch regelmäßig trainieren.
Torspieler: Dieser dirigiert die Deckungszuweisungen seiner Vorderleute. Er bietet sich beim Spielaufbau als zusätzliche Anspielstation im Rückraum an, um bei einem Zuspiel das Spiel verlagern zu können. Er agiert vor der Torlinie, je weiter der Ball von ihm entfernt ist, desto weiter rückt er vor. So ist er in der Lage Pässe im Rücken der Abwehr abzufangen. Trainingstipp: Den Torspieler immer wieder als Feldspieler im Mannschaftstraining mitwirken lassen.
Innenverteidiger: Sichern sich gegenseitig und ihre Außenverteidiger ab. Dirigieren die Viererkette, indem sie Kommandos zur Spielerübergabe, Attackieren, Aufrücken, Einrücken usw. geben. Durch sichere Pässe eröffnen sie den Spielaufbau. Situationsbedingt schalten sie sich ins Angriffsspiel ein, indem sie z.B. den Rückraum zur Spielverlagerung besetzen. Trainingstipp: 1-gegen-1-Situationen “Gegner im Rücken”.
Außenverteidiger: Sie üben Druck auf den Ballführenden Gegner auf ihrer Seite aus. Ist der Gegner mit Ball auf der Gegenseite, rücken sie ein. Stoßt ein Innenverteidiger zur Balleroberung nach vorne, rücken sie ein um die innere Linie zum Tor zu schließen. Beim Spielaufbau schalten sie sich mit in den Spielaufbau ein, indem sie Anspielstationen am Flügel schaffen, in den Strafraum flanken, mit diagonalen Flugbällen das Spiel verlagern und selbst nach Innen Richtung Tor ziehen und zum Torabschluss gelangen. Trainingstipp: 1-gegen-1-Situationen “Gegner am Flügel”, Doppelpass und Hinterlaufen.
Zentralen Mittelfeldspieler: Sie geben die Kommandos zum Verschieben. Dirigieren die Angreifer zum Stören des gegnerischen Spielaufbaus. Durch Pässe in den Nahtstellen der Abwehr ermöglichen sie den Angreifern Torchancen. Sie stoßen selbst als dritte Spitze nach Vorne, werden dann aber vom anderen zentralen Mittelfeldspieler abgesichert. Trainingstipp: Pass in die Tiefe und Ballan- & Ballmitnahme.
Linker/Rechter Mittelfeldspieler: Sie unterstützen die Außenverteidiger beim Doppeln. Sie setzen den Ballführenden Gegner auf ihrer Seite bereits im Mittelfeld unter Druck. Befindet sich der Gegner mit Ball auf der Gegenseite rücken sie bis ins Zentrum ein. Sie agieren über die komplette Spielfeldlänge und können je nach Spielsituation von Außenverteidiger bis Außenstürmer alles sein. Sie dribbeln bis zur Grundlinie um in den Strafraum zu flanken oder in den Rückraum zu passen. Durch diagonale Dribblings stoßen sie selbst Richtung Tor und suchen den Torabschluss. Trainingstipp: Flugbälle und Schnelligkeit.
Angreifer: Aufbauspiel des Gegner stören und es in einer vorab besprochenen Richtung lenken (Zentrum oder Außen). Ball behaupten für nachrückende Mitspieler. Rouchieren, Lücken in der Abwehr erkennen und Pässe durch diese fordern. Über einen Torriecher verfügen (Spielsituationen antizipieren). 1-gegen-1-Situationen suchen und zum Torabschluss gelangen. Trainingstipp: Kopfball und 1-gegen-1 in der Offensive.
Komplette Trainingseinheiten zu den genannten Trainingstipps findet man in Martin Hasenpflugs Lehrbuch: Fußballtraining mit Kids - In 12 Wochen zum Spitzenteam.
Ideales Spielsystem bei Umstellung auf Viererkette
Die Frage mit welchem Abwehrsystem man spielen sollte ergibt sich für die Leser unserer Seite zum Glück nicht mehr. Es wird ballorientiert innerhalb einer Viererkette verteidigt und das Spielsystem ist dahin ausgerichtet, dass bei gegnerischem Ballbesitz der Gedanke der Balleroberung im Mittelpunkt steht.
Die Zahl der hinteren Spieler steht mit vier also fest. Im modernen Fußball zieht man bewusst den Begriff hinterer Spieler dem Abwehrspieler vor, da man so vermitteln möchte, dass bei eigenem Ballbesitz der Offensivgedanke im Vordergrund steht. So bleibt nur noch die Frage zu klären, ob man mit drei oder vier Mittelfeldspielern agiert? Vom Spiel mit fünf Mittelfeldspielern raten wir ab, da man in diesem Fall nur noch über eine nominelle Spitze verfügt. So wären zum Einen die kreativen Möglichkeiten des Offensivspiels sehr einschränkt und zum Anderen wäre man nur noch sehr schwer in der Lage das gegnerische Aufbauspiel zu steuern (dieses Thema werden wir später aufgreifen).
Aus unserer Sicht fällt es einem Mittelfeld mit drei Spielern sehr schwer auf der kompletten Breite des Spielfelds präsent zu sein. So wäre es zwingend notwendig, dass die beiden Außenstürmer sich bei gegnerischem Ballbesitz zurückfallen ließen, bzw. die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz aufrückten. Dieses für Anfänger recht umfangreiches rouchieren könnte gerade in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel einige Spieler überfordern. So bleibt am Ende das klassische 4-4-2.
Nun kann man dieses 4-4-2 nochmals in zwei unterschiedliche Varianten unterteilen, die sich in der Formation des Mittelfelds bemerkbar macht. Die Mittelfeldspieler können entweder als Raute oder als Flache Vier aufgestellt sein. Bei der Flachen Vier agieren vier Mittelfeldspieler ebenfalls als Viererkette. Wir haben bisher kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir zumindest für den Beginn der Umstellung auf die Viererkette die Flache Vier favorisieren. So ist es leichter die Spieler für das Training der Viererkette zu begeistern, da im Grunde alle Positionen unmittelbar oder indirekt davon betroffen sind. Obendrein kann man sich eine gesonderte Schulung des Mittelfelds sparen, da dieses bei gegnerischem Ballbesitz fast identisch wie die hinteren Spieler handelt. So wird das Taktiktraining minimiert und man kann so mehr Zeit in die Entwicklung der technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler investieren.
Ein weiterer Vorteil der Flachen Vier ist der, dass man auf den Außen recht präsent ist. Man benötigt deswegen auf den Außenverteidiger-Positionen keine Maradonnas und Peles. Die Außenverteidiger kann man also behutsam auf die offensiven Aspekte ihrer Position vorbereiten. Dagegen muss man aber sagen, dass das Spiel mit der Raute einen ganz wichtigen Vorteil gegenüber der Flachen Vier bietet. Im eigenen Spiel verfügt man über viel mehr Möglichkeiten der Dreiecksbildung. Das bedeutet, dass Spieler im Ballbesitz sich in einem Dreieck mit Mitspielern befinden und so stets über Anspielstationen in Breite und Tiefe verfügen.
Zuletzt sollte man noch bedenken, dass man durch das Spiel mit zwei Viererketten und zwei Spitzen auf dem kompletten Feld symmetrisch verteilt ist. Dies sichert einen kompakten Mannschaftsverbund, geringe Laufwege zum Schaffen von Überzahlsituationen und bei Balleroberung ein effektives Umschalten auf Angriff.
Stellt man nun die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme gegenüber und berücksichtigt man die eigenen Erfahrungen als Trainer, kann man zu dem Schluss kommen, dass das klassische 4-4-2 mit einer Flachen Vier zumindest in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel unbedingt zu empfehlen ist.
Erfahrungsbericht Viererkette in der C-Jugend
Wir freuen uns immer wieder zu lesen, wenn außenstehende Trainer von unserer Webseite inspiriert werden und das Wagnis eingehen auf Viererkette umzustellen. Entgegen landläufiger Unwissenheit - wo wir schon zur Genüge darauf hingewiesen haben - benötigt man zum Spielen der Viererkette keine Bundesligaprofis, sondern lediglich einen Trainer der in der Lage ist das System zu vermitteln.
Dass mit der Viererkette untrennbare Ballorientierte Spiel ist sogar das natürliche Verhalten jeden Spielers. Man muss sich nur mal Spiele der Bambinis oder der F-Jugenden ansehen. Hier wird man feststellen, dass alle Spieler sich zum Ball hinbewegen und irgendwie auch immer mitmischen wollen. Im Ballbesitz denken alle Spieler offensiv und bei gegnerischen Ballbesitz wollen alle Spieler den Ball schnellstmöglich wieder zurück. Erst die falschen Anweisungen der Trainer führt dazu, dass die Spieler sich mehr an den Gegenspieler, anstatt an den Standort des Balls orientieren und stur ihre Position halten, anstatt sich dynamisch und kreativ in jeder Spielsituation mit einzubringen. Durch diese Spielweise unterdrücken die Spieler ihren natürlichen Instinkt in jeder Spielsituation für die Mannschaft aktiv zu sein. Dies hat zur Folge, dass die Spieler eine Art von Passivität entwickeln die absolut abträglich ihrer fußballerischen Entwicklung ist.
Vor ein paar Tagen bekamen wir einen Bericht per E-Mail von einem Trainer der mit seiner C-Jugend erfolgreich mit Viererkette in einer unteren Liga spielt. Ohne Niederlage und mit nur sieben Gegentoren in fünf Spielen ist er Punktgleich mit dem Tabellenführer. Er hat uns einen Spielbericht zu seinem letzten Spiel zugesandt, welches er 1:0 gegen den bisherigen Tabellenführer gewonnen hat. Diesen möchten wir an dieser Stellen wiedergeben:
Die Aufstellung wurde nur auf zwei Position verändert. Tobias K. wurde im linken Mittelfeld aufgestellt, da er mit Tobias S., dem linken Außenverteidiger ein besseres Duo bildete. Allerdings hatte Tobias K. im Training sehr große Unsicherheiten in der Ballannahme und beim Passen gezeigt. Er war allerdings ein Kämpfer und des sollte er auch unter Beweiss stellen. Im Sturm spielte Philip für Alexander, der leider das Abschlusstraining am Freitag unentschuldigt verpasst hatte. Kurze Denkpause für Ihn.
1. Hz: Aufgeregtes Hin-und-Her-Gebolze ohne dass unsere Mannschaft so richtig ins Spiel gefunden hat. Wir haben sehr viele Bälle im Mittelfeld durch dummes nach vorne schiessen verloren und unsere gesamte Angriffsseite war blass. Unsere 14, war bis dato ein Totalausfall, obwohl er immer zu einem der besten im rechten Mittelfeld gehörte. Unsere 6 hat endlich gezeigt, warum er Captain ist. Er hat in den Zweikämpfen gezeigt, warum er seinen Stammplatz bekommen hat. Endlich ging er in die Zweikämpfe. Unsere rechte Angriffsseite war praktisch nicht vorhanden, unsere besten 8 und 10 waren absolut unauffällig. Es dauerte bis zur 25. Spielminute, dass wir den ersten Torschuss auf das gegnerische Tor landen konnten. Wobei der Torwart hier zeigte, dass er das Fangen nicht wirklich beherrschte. Unser Abwehrspieler 3, hat in Sachen kontrollierter Ballannahme und Passen wahrscheinlich immer gefehlt. Bolzen war seine Devise. Sichere Bälle zu den Mitspieler in der Viererkette waren so gut wie nicht vorhanden. Er wurde bei einer Aktion verletzt und konnte nicht mehr Laufen. Halbzeitstand: 0:0
In der Halbzeitpause habe ich den Jungs nochmal klar gemacht, dass sie definitiv alles drauf haben. Aber den Gewinner unterscheidet vom Verlierer, dass er das gelernte zum richtigen Zeit abrufen kann.
2. Hz: Direkt nach der Halbzeit erzielten wir das 1:0 (Abstaubertor) durch unsere 7, der danach wie geplant ausgewechselt wurde. Durch die verletzte Nummer 3 mussten wir unseren 8-er auf die Position des rechten Außenverteidigers stellen und den anderen Außenverteidiger auf die Innenverteidiger-Position. 13 - 11 - 5 - 8 war die neue Abwehrkette. Nach dem Tor und der Umstellung, der Bolzer war raus. Wurde endlich so ein Fussball gespielt, wie wir es trainiert hatten. Es spielte fortan nur noch eine Mannschaft - Wir! Kurze, direkte Pässe die auch ankamen und schöne Spielzüge ermöglichten. Wir hatten in zehn Minuten mehr Torchancen als in der gesamten ersten Halbzeit zuvor.
Schlusspfiff und wir haben gewonnen. Ungeschlagen sind wir bisher, leider aber auch nur Tabellenzweiter - schlechteres Torverhältnis. Wahrscheinlich bis zum 18.10. dann treffen unsere Verfolger aufeinander.

