Spielbericht: C-Jugend mit Viererkette

An dieser Stelle ein Spielbericht zum Meisterschaftsspiel der Leistungsklasse in der C-Jugend. Es spielte der Tabellenführer (zweitstärkst ambitionierter Verein Düsseldorfs) gegen den Tabellenvierten. Der Verein des Tabellenvierten ist ein kleiner Dorfverein, der es aber geschafft hat alle Mannschaften in der Leistungsklasse unterzubringen. Es soll mit diesem Bericht gezeigt werden, dass man auch unter diesen Umständen mit der richtigen Arbeit mit großen Vereinen ein wenig mithalten kann.

Der Tabellenvierte hat zu Saisonbeginn auf Viererkette und dem ballorientierten Spiel umgestellt. Er favorisiert das Kurzpassspiel zum Kreieren von Torchancen. Es werden lediglich zwei Trainingseinheiten / Woche absolviert und es müssen auch die üblichen Handicaps eines kleinen Vereins wegsteckt werden. Also Trainer nicht auf optimale Bedingungen für eine Umstellung auf Viererkette warten, denn diese treten womöglich nie ein und funktionieren kann es mit der richtigen Vorgehensweise auch so.

Nun der Bericht:

U15: 0:3-Niederlage gegen übermächtige Düsseldorfer

Am gestrigen Mittwoch fand das vorgezogene Meisterschaftsspiel gegen Turu 80 Düsseldorf statt. Bis auf ein Spieler waren wir komplett. Wir hatten aber trotzdem ein Spieler der C2 auf der Bank, da unser Kader mit 16 Spielern recht dünn ist.

Für uns sprach vor dem Spiel, dass wir dem Gegner im Hinspiel drei seiner sieben Gegentore bescherten und, dass wir seit dem Hinspiel gerademal ein Gegentor hinnehmen mussten. Für den Tabellenersten Turu 80 sprach einfach die Qualität der Mannschaft. Seit fast einem halben Jahr jedes Spiel gewonnen, eine fast dreimal bessere Tordifferenz als der zweite der Tabelle und 12 Punkte Vorsprung. Der 25 Spieler-Kader mit fast ausschließlich 95er-Jahrgang trainiert dreimal in der Woche, in der Vorbereitung sogar jeden Tag und dementsprechend wundert es auch nicht, dass sie selbst ein Testspiel gegen Junioren-Bundesliga gewonnen haben.

Wir gingen zwar als krasser Außenseiter ins Spiel, sahen uns aber nicht chancenlos. Wir wussten, dass wir eine Minimalchance besitzen, falls wir am heutigen Tag über uns hinaus wachsen. An unserer Taktik änderten wir nichts, sondern nahmen uns lediglich vor, bei gegnerischen Ballbesitz noch kompakter zu stehen, noch mehr nach hinten zu doppeln und noch disziplinierter zu spielen.

Die ersten 3 bis 4 Minuten wollten wir den Gegner mittels Pressing unter Druck setzen, um damit unsere Ambitionen für einen Punktgewinn zu unterstreichen. Mittels kompromisslosen Einsatz, individuell guten Aktionen und schönem Kurzpassspiel nach vorne konnten wir die ersten Halbzeit absolut gleichwertig gestalten. Wir erspielten uns einige Torchancen und vergaben auch zweimal freistehend vor dem gegnerischen Tor. Turu versuchte durch lange Pässe auf ihre schnellen und starken Angreifer Torchancen zu bekommen. Zwei Minuten vor der Pause war es dann auch genau so ein Ball den ein Turu-Angreifer aus spitzem Winkel ins obere kurze Eck schoss.

Der Gegentreffer kurz vor der Halbzeit war bitter, aber wir sahen, dass wir gegen Turu mithalten konnten und ein Tor Rückstand kann schnell aufgeholt werden. Deswegen versuchten wir auch in der zweiten Halbzeit mit Pressing zu starten. Die Spielanteile lagen bei uns, wir kamen auch oft vors gegnerische Tor, doch richtig gute Torchancen konnten wir leider nicht mehr gegen die beste Abwehr der Liga kreieren. So waren es dann auch wieder zwei dieser langen Bälle, auf die schnellen Angreifer, die für die Gegentore zwei und drei sorgten. Bis zum Schluss hat unsere Mannschaft aber vorbildlich gespielt und gekämpft und selbst beim 3:0-Rückstand nicht aufgegeben und weiter nach vorne gespielt. Turu verhielt sich wie eine Spitzenmannschaft, spielte schnörkellos und effektiv und machte aufgrund der Stärke ihrer Einzelspieler auch kaum individuelle Fehler.

Nach dem Spiel gab es für unsere Mannschaft Lob von allen Seiten. Man sprach sogar von unserer besten Saisonleistung und selbst der gegnerische Trainer attestierte uns, dass wir den schöneren, aber halt nicht den effektiveren Fußball gespielt haben. Nach dem Spiel wurden zwei Spieler für ein Testspiel der Kreisauswahl Düsseldorf (am 8.3. gegen Kreisauswahl Krefeld) eingeladen. Auch dies werten wir als Erfolg für unsere Arbeit.

Ansonsten ist noch zu erwähnen, dass das Spiel von beiden Seiten, trotz der Intensität, sehr fair verlief. Der Schiedsrichter hatte keine Probleme das Spiel zu leiten und auch die Trainer/Betreuer der Gäste aus Düsseldorf erwiesen sich als sehr faire Sportskameraden.

Perfektes Zusammenspiel zwischen Viererkette und Mittelfeld

Die eifrigen Leser unserer Seite wissen bereits, dass das Spiel mit der Viererkette die ganze Mannschaft betrifft. Das Mittelfeld und der Angriff hat genauso wie die Viererkette, bei gegnerischen Ballbesitz Defensivarbeit zu leisten. Nur wenn die ganze Mannschaft aufeinander abgestimmt agiert, kann das Spiel mit der Viererkette seine volle Stärke entfalten.

Volle Stärke bedeutet kontrollierter Ballgewinn und direkte Einleitung des Offensivspiels. In den folgenden Bildern werden wir zeigen, wie das Mittelfeld in den verschiedenen Spielsituationen zu handeln hat. Wir gehen davon aus, dass die Mannschaft in einem 4-4-2 agiert. Das Spiel mit der Viererkette kann nach dem Studieren der Bilder noch besser verstanden werden und mit diesem Wissen wird man in der Lage sein, eigene Lösungswege für mögliche Spielsituationen zu finden.

Das Ganze können wir wieder als PDF-Datei anbieten, damit die Trainer die Möglichkeit haben es ihren Spielern auszudrucken.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball außen): Der druckausübende Außenverteidiger geht so in die seitliche Stellung, dass er den Ballführenden nach innen zum Mittelfeldspieler steuert. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde das Zentrum absichern.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball außen): Der druckausübende Außenverteidiger geht so in die seitliche Stellung, dass er den Ballführenden nach innen zum Mittelfeldspieler steuert. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde das Zentrum absichern.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball zentral): Der Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ballführenden aus. Die Außenverteidiger rücken etwas vor, um Querpässe abfangen zu können. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde helfen, den Ballführenden zu doppeln.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball zentral): Der Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ballführenden aus. Die Außenverteidiger rücken etwas vor, um Querpässe abfangen zu können. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde helfen, den Ballführenden zu doppeln.

Pass in die Tiefe: Bietet sich eine Sturmspitze als Anspielstation an, bildet die Viererkette ein Abwehrdreieck. Der Ballführende wird vom Mittelfeld gestellt oder gedoppelt. Erfolgt ein Pass zur Sturmspitze, doppeln möglichst zwei Mittelfeldspieler nach hinten.

Pass in die Tiefe: Bietet sich eine Sturmspitze als Anspielstation an, bildet die Viererkette ein Abwehrdreieck. Der Ballführende wird vom Mittelfeld gestellt oder gedoppelt. Erfolgt ein Pass zur Sturmspitze, doppeln möglichst zwei Mittelfeldspieler nach hinten.

Ball zentral: Das Mittelfeld erzeugt ein Abwehrdreieck und die Viererkette bleibt in Ausgangsposition mit leicht aufgerückten Außenverteidigern.

Ball zentral: Das Mittelfeld erzeugt ein Abwehrdreieck und die Viererkette bleibt in Ausgangsposition mit leicht aufgerückten Außenverteidigern.

Ball außen: Das Mittelfeld und die Viererkette erzeugen je eine Sichel. Der Mittelfeldaußen doppelt zusammen mit einem zentralen Mittelfeldspieler den ballführenden Gegner.

Ball außen: Das Mittelfeld und die Viererkette erzeugen je eine Sichel. Der Mittelfeldaußen doppelt zusammen mit einem zentralen Mittelfeldspieler den ballführenden Gegner.

Flugball: Sobald der Gegner zum Flugball in die Sturmspitze ansetzt, lassen sich die Spieler der Viererkette nach hinten fallen. Somit können sie mit Tempo in den Ball starten. Nach dem Flugball doppeln zwei ballnahe Mittelfeldspieler nach hinten.

Flugball: Sobald der Gegner zum Flugball in die Sturmspitze ansetzt, lassen sich die Spieler der Viererkette nach hinten fallen. Somit können sie mit Tempo in den Ball starten. Nach dem Flugball doppeln zwei ballnahe Mittelfeldspieler nach hinten.

Einfach und Erfolgreich spielen mit der Viererkette

Bayer Leverkusen ist in der Bundesliga eine der Überraschungsmannschaften der Saison. Nach dem 16. Spieltag befinden sich die Heynckes-Elf ohne Niederlage an der Tabellenspitze. Als zu Saisonbeginn der neue Trainer Jupp Heynckes kam, gab es einige Änderungen im System von Bayer. Bisher agierte man ständig im Pressing und spielte im Mittelfeld mit einer Raute. Das ständige Pressing wurde reduziert und auch von der Raute im Mittelfeld hat man sich verabschiedet. Man spielt nun mit einer Viererkette vor der Abwehrkette und es wird nun nur noch gezielt gepresst. Bei gegnerischen Ballbesitz im Mittelfeld verschieben sich zwei kompakte Viererketten hinter dem Ball und ein Angreifer übt Druck auf den ballführenden Gegner aus.

Die ballfernen Seiten werden bei Bayer komplett vernachlässigt. Das oberste Ziel lautet, Überzahl in Ballnähe zu schaffen und dabei die Räume so eng wie möglich für den Gegner zu gestalten. Dieses System unterscheidet sich relativ stark vom niederländischen System, welches Bayern München unter Louis van Gaal spielt. Hier ist das Spielfeld in Zonen unterteilt, welches das Ziel verfolgt, in jeder Spielsituation Zugriff auf alle gegnerische Anspielstationen zu haben.

Dieses klassische System der Heynckes-Elf ist im Grunde so einfach wie wirkungsvoll. Die Mannschaft hat schnell die Spielphilosophie ihres neuen Trainers verinnerlicht und stellt nun nach 16 Spieltagen die beste Defensive der Liga. Das sehr ausgeprägte ballorientierte Spiel von Bayer ist sogar so simpel, dass man es bereits in den Grundzügen in mittleren Jugendmannschaften recht schnell einführen kann. Die taktischen Vorgaben halten sich in Grenzen, was wiederum Raum für die kreative Entfaltung der Spieler zulässt.

Auffallend bei der Viererkette von Bayer ist, dass diese sehr stark und kompakt auf einer Linie agiert. Befindet sich der Ball beim Gegner im Mittelfeld, so versucht sie keine Tiefenstaffelung herzustellen. Es befinden sich so kaum Schnittstellen in der Viererkette für den finalen Pass. Dies führt dazu, dass die gegnerischen Spitzen dem Ballführenden oft entgegenstarten müssen. Das nutzt die Abwehrkette um aufzurücken und so den Raum für den Gegner noch mehr zu verengen.

Die Linie in der Abwehrkette wird aber unter gewissen Bedingungen aufgehoben. Befindet sich der ballführende Gegner im Mittelfeld nicht unter genügend druck, so lassen sich die beiden Innenverteidiger etwas in der Tiefe fallen. Auch lässt sich ein Innenverteidiger fallen, wenn der andere Innenverteidiger in den Zweikampf geht. Dies ermöglicht ihm im Falle eines verlorenen Zweikampfs seines Mitspielers noch rettend einzugreifen.

Die Seitenabstände der Viererketten bleiben beim Verschieben gleich. Jedoch werden die Seitenabstände in der Abwehrkette in dem Verhältnis geringer, wie sich der Gegner dem eigenen Tor nähert. Teilweise betragen die Abstände zueinander nur 2-3 Meter. Durch diese Kompaktheit in dem gefährlichen Bereich zentral vor dem Tor, versucht Bayer den Gegner nach außen zu drängen. Man vertritt hier ganz klar die Ansicht, dass der Flügel ungefährlicher für das eigene Tor ist als das Zentrum. Bei Bayer wird also immer von innen nach außen verteidigt, bzw. ihr Balleroberungs-System angewandt.

Nach der Balleroberung agiert Bayer sehr flexibel und zielstrebig nach vorne. Spätestens nach 3-4 Querpässen erfolgt der Pass nach vorne. Die Innenverteidiger schrecken auch nicht vor einem langen Pass in die Sturmspitze zurück. Hier versucht Bayer durch aggressives Pressing den zweiten Ball zu erobern und so gleich in einer aussichtsreichen Situation vor dem gegnerischen Tor zu kommen. Die Innenverteidiger schlagen auch lange Diagonalpässe zu den Mittelfeldaußen. Ihm rücken dann bewusst keine Mitspieler entgegen, die wiederum Defensivspieler des Gegners nach sich ziehen würden. So ermöglicht man dem Mittelfeldaußen eine 1-gegen-1-Situation am Flügel und, bei einem erfolgreichen Durchbruch, der Zug zum Tor. Oft rücken auch bei der Spieleröffnung der Innenverteidiger, die Mittelfeldaußen ins Zentrum als Anspielstationen und schaffen so Platz für vorrückenden Außenverteidiger.

Das Spiel Bayer Leverkusens ist auch dadurch gekennzeichnet, dass immer einer der beiden Angreifer sehr viel Defensivarbeit leistet. Er schließt u.a. Löcher im Mittelfeld und arbeitet am Flügel, um der anderen Spitze das Angriffszentrum zu überlassen. Erkennen die beiden Angreifer, dass Mitspieler den Ball erobert haben, versuch sie mit Tempo in die Spitze zu kommen. Dabei starten sie oft von einem Punkt und kreuzen sehr oft ihre Laufwege. Bietet sich einem Angreifer nicht der direkte Weg zum Tor, so behauptet er den Ball für nachrückende Mitspieler. Oft schieben auch beide Angreifer bewusst nach außen in einer Richtung, um so Räume für Spieler aus der zweiten Reihe zu schaffen.

Bei der Spieleröffnung des Gegners tief in deren Hälfte wird der Ballführende oft von den beiden Angreifern seitlich angelaufen, um so einen Pass ins Zentrum zu provozieren. Im Zentrum lauern dann Mitspieler die bei einem solchen Pass den Gegner sofort aggressiv attackieren. Die ganze Mannschaft schiebt dabei nach Vorne Richtung Ball. Diese Art des Forecheckings kostet zwar Kraft, doch gezielt im Verlaufe des Spiels angewandt, ergeben sich daraus oft sehr gute Torchancen und man vermittelt dem Gegner das Gefühl unter ständigem Druck zu stehen.

Doppeln - Der Schlüssel zum Erfolg

Die signifikantteste Änderung der letzten Jahre im Fußball betrifft das Spielsystem. Früher spielte man Gegnerorientiert und heutzutage Ballorientiert. Es gibt zwar immer noch Mannschaften im unteren Amateur- und Jugendbereich bei denen diese Wandlung noch nicht stattgefunden hat, doch mit der Erhöhung der Qualität der Trainer an der Basis, wird auch hier immer mehr das Ballorientierte Spiel vorangetrieben.

Eines der Hauptgründe wieso alle leistungsorientiere Mannschaften auf das Ballorientierte Spiel umgestiegen sind ist der, dass man in Ballnähe Überzahl schafft. So ist man in der Lage offensiv zu verteidigen. Man reagiert nicht auf Aktionen des Gegners, sondern ergreift selbst die Initiative den Ball schnellstmöglich zu erobern und dann einen Angriff einzuleiten. Der ballführende Gegenspieler wird dabei zu Zweit attackiert, was in der Fußballersprache Doppeln genannt wird. Gleichzeitig werden von weiteren Mitspielern in Ballnähe die Passwege zugestellt, so dass der Ballführende zu einem Alleingang provoziert wird. Dies erleichtert die Balleroberung und durch die Überzahl in Ballnähe verfügt man so über viele Anspielstationen das Spiel fortzusetzen.

Wie genau man Überzahl in Ballnähe schafft haben wir ja nun schon zur Genüge dargelegt. Grundsätzlich verschiebt sich die Mannschaft im Kollektiv bei Einhaltung von Seiten- und Tiefenabständen zum Ball. Doch was nützt einem die Überzahl in Ballnähe, wenn man nicht genau weiß wie man sich dann richtig zu verhalten hat? Handelt man falsch, setzt sich der Gegner trotz Unterzahl durch, man foult den Gegner oder schlägt den Ball ins Seitenaus. Aus diesem Grund werden wir in diesem Artikel genau erklären, wie man korrekt doppelt um den Ball nicht zu klären, sondern zu erobern.

Je nach Spielsituation ist ein anderes Handeln notwendig. Man muss unterscheiden, ob man bereits zusammen mit seinem Mitspieler vor dem ballführenden Gegner positioniert ist, der Mitspieler erst von der Seite heranrücken muss, der Mitspieler von hinten heranrücken muss und hier nochmal ob er aus dem Zentrum oder dem Flügel kommt. Grundsätzlich gilt aber auch hier eine absolute Notwendigkeit der Kommunikation. Klare Kommandos wer attackiert (Vor!) oder (Ich!), dass man dabei ist heranzurücken (Warte!) und das man in Position ist (Bin da!).

Es gilt immer eine leichte Tiefenstaffelung beim Doppeln zu schaffen. Ein Spieler rückt entschlossen Richtung Ball vor und versucht mittels seitlicher Stellung ein Dribbling des Gegners nach innen zum Mitspieler zu provozieren. Sobald dieser erkennt, dass der Ball einen Augenblick frei ist, attackiert er.

Auch die Verzögerung des Angriffs ist ein wichtiger Bestandteil des Doppelns. Das Verzögern des Angriffs erreicht man dadurch, dass man erst dem Gegner entgegenstartet, dann dass Tempo des Gegenspielers aufnimmt und ohne ihn zu attackieren ca. zwei Meter Distanz hält. So gewinnt man Zeit für heranrückende Mitspieler und gelangt zur notwendigen Überzahl.

Frontales Doppeln im Zentrum: Der Verteidiger auf der Seite des Dribbelfußes des Angreifers rückt vor und bietet in seitlicher Stellung dem Angreifer seine schwache Seite zum Durchbruch an! Der absichernde Verteidiger attackiert den Ball, sobald dieser vom Angreifer in seiner Richtung vorgelegt wird! Aus diesem Grund darf er sich nicht zu weit vom vorderen Verteidiger entfernt positionieren!

Frontales Doppeln im Zentrum: Der Verteidiger auf der Seite des Dribbelfußes des Angreifers rückt vor und bietet in seitlicher Stellung dem Angreifer seine schwache Seite zum Durchbruch an! Der absichernde Verteidiger attackiert den Ball, sobald dieser vom Angreifer in seiner Richtung vorgelegt wird! Aus diesem Grund darf er sich nicht zu weit vom vorderen Verteidiger entfernt positionieren!

Frontales Doppeln am Flügel: Befinden sich zwei Verteidiger am Flügel (C und A) wird die Außenbahn verschlossen, um den Angreifer zum inneren Verteidiger zu steuern! Befindet sich B noch nicht am Flügel, so verzögert A den Angriff indem er Distanz zum Angreifer hält. B nimmt nun die Position von A ein und A verschließt die Außenbahn! B signalisiert A sein Kommen mit einem Kommando! Mit "Bin da!" beginnt C den Angreifer nach innen zu steuern.

Frontales Doppeln am Flügel: Befinden sich zwei Verteidiger am Flügel (C und A) wird die Außenbahn verschlossen, um den Angreifer zum inneren Verteidiger zu steuern! Befindet sich B noch nicht am Flügel, so verzögert A den Angriff indem er Distanz zum Angreifer hält. B nimmt nun die Position von A ein und A verschließt die Außenbahn! B signalisiert A sein Kommen mit einem Kommando! Mit "Bin da!" beginnt C den Angreifer nach innen zu steuern.

Nach hinten doppeln am Flügel: Der Verteidiger geht in seitlicher Stellung, um dem Angreifer die Außenbahn zum Durchbruch anzubieten! Der Mittelfeldspieler läuft außen zum Angreifer um seinen Körper zwischen Ball und Angreifer zu bringen! Erkennt der Mittelfeldspieler einen Durchbruch nach innen, so läuft er innen zum Angreifer!

Nach hinten doppeln am Flügel: Der Verteidiger geht in seitlicher Stellung, um dem Angreifer die Außenbahn zum Durchbruch anzubieten! Der Mittelfeldspieler läuft außen zum Angreifer um seinen Körper zwischen Ball und Angreifer zu bringen! Erkennt der Mittelfeldspieler einen Durchbruch nach innen, so läuft er innen zum Angreifer!

Nach hinten doppeln im Zentrum: Der Verteidiger A versucht zuerst den Pass zum Angreifer abzufangen! Gelingt dies nicht, setzt er sich wieder leicht nach hinten ab und schließt den direkten Weg zum Tor! Der Mittelfeldspieler B rückt auf Position C zurück und geht in seitlicher Stellung, um den Angreifer zum Verteidiger A zu steuern!

Nach hinten doppeln im Zentrum: Der Verteidiger A versucht zuerst den Pass zum Angreifer abzufangen! Gelingt dies nicht, setzt er sich wieder leicht nach hinten ab und schließt den direkten Weg zum Tor! Der Mittelfeldspieler B rückt auf Position C zurück und geht in seitlicher Stellung, um den Angreifer zum Verteidiger A zu steuern!

Die ganze Anleitung gibt es auch wieder als PDF-Dokument zum Ausdrucken für seine Spieler. Viel Spaß und Erfolg damit!

Erweiterte Auflage von Fußballtraining mit Kids

Dem Einen oder Anderen ist es vielleicht schon aufgefallen, dass vor rund zwei Wochen eine neue Auflage von Fußballtraining mit Kids erschienen ist. Das Standard-Werk des Gründers unserer Initiative Martin Hasenpflug wurde um vier Seiten erweitert und erhielt zahlreiche Detailverbesserungen. Ein Jahr intensive Trainingsarbeit mit diesem Buch führte zu folgenden Änderungen:

  • Korrektur einiger Rechtschreib- und Grammatikfehler
  • Brasilianisches Aufwärmen überarbeitet
  • Neue Trainigseinheit zum Ballorientiertem Verteidigen
  • Die Übungen zum Ballorientiertem Verteidigen wurden überarbeitet
  • Neue Covergestaltung
  • Neue Übung im Kapitel “Pass in die Tiefe”

Für Martin Hasenpflug ist die Neuauflage seines Buchs ein wichtiger Schritt, da es jetzt - aus seiner Sicht - auf einen Stand ist, dass kaum noch Raum für Verbesserungen lässt. Mit diesem beruhigendem Gefühl kann er sich nun intensiver mit seinem neuen Projekt befassen, in welchem die Viererkette eine zentrale Rollen spielt. Mehr wird zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht verraten… :-)

Von Martin Hasenpflugs Trainingsbuch ist eine neue Auflage erschienen

Von Martin Hasenpflugs Trainingsbuch ist eine neue Auflage erschienen

Moderner Fußball aus Sicht der Initiative abwehrkette.de

Von dem lokalen Fußball-Magazin Final-Kick wurden wir für einen Artikel zum Thema Viererkette befragt. Man wollte näheres über unsere Ansicht zum modernen Fußball wissen. Der Bitte kamen wir gerne nach und gaben folgende Antwort:

Wir machen auf unserer Webseite die klare Aussage, dass die Manndeckung in allen Klassen und Jugendmannschaften ad acta gelegt werden sollte und das möglichst schnell! Das Gegenteil der Manndeckung, das Ballorientierte Spiel kann mit den Vorteilen Punkten, dass Überzahl in Ballnähe mit wenig Kraftaufwand hergestellt werden kann. Es bleibt so Kraft für Pressingaktionen. Das Pressing an sich kann einfacher vermittelt werden, da die Mannschaft als Kollektiv agiert. Wer als Kollektiv agiert, weiß wiederum von den Vorteilen der Teamfähigkeit und ist in der Lage diese auch außerhalb des Fußballplatzes erfolgreich umzusetzen.

Das Ballorientierte Spiel wird teilweise auch als Ballgewinnspiel bezeichnet. Die Balleroberung ist der zentrale Gedanke aller Spieler beim Gegnerischen Ballbesitz. Deswegen wird im modernen Fußball von jedem Spieler erwartet innerhalb des Mannschaftsverbundes Initiative zu ergreifen und Kreativität zu zeigen. Spielpositionen die hauptsächlich von einer Sache geprägt sind oder gar nur das Reagieren auf Aktionen von Gegenspielern zum Inhalt haben sind unattraktiv und hemmen die fußballerische Entwicklung des Spielers.

Den Mannschaften wird im modernen Fußball also das Erobern des Balls erleichtert und wenn dies geschehen ist, haben sie aufgrund ihrer Spielweise viele geordnete Anspielstationen in Ballnähe. Dies erleichtert die Einleitung eines erfolgreichen Angriffs.

Ob das Ballorientierte Spiel jetzt mit Dreierkette oder Viererkette und davor mit Raute, flache Vier, drei Stürmern usw. praktiziert wird, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Teams ab. Wer jedoch die Meinung vertritt, dass das Ballorientierte Spiel mit einer Viererkette oder Dreierkette nur funktioniert, wenn man die richtigen Spieler hat oder Linienrichter oder Otto Rehhagel mit Libero ja auch Europameister wurde, der hat sich mit dem modernen Fußball nicht richtig auseinandergesetzt, bzw. nicht verstanden.

Die einzige offene Frage ob man mit Viererkette (Dreierkette) spielen kann oder nicht ist die, ob man als Trainer in der Lage ist diese zu vermitteln. Es gibt ehrenamtliche Trainer die in der C-Jugend-Kreisklasse erfolgreich mit Viererkette spielen. Da sollten bezahlte Trainer der Kreis- oder Bezirksliga erst recht in der Lage sein diese zu lehren. Ab Landesliga geht sowieso kein Weg mehr am modernen Fußball vorbei um mithalten zu können.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es Sinn macht bei der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel direkt auf die Vierkette zu setzen. Die Grundlagen der Viererkette sind nur unwesentlich umfangreicher als die der Dreierkette. Außerdem hat man die Möglichkeit im Mittelfeld ebenfalls mit Viererkette zu spielen. So kann man relativ schnell seine komplette Mannschaft auf das Ballorientierte Spiel umstellen.

Mit der Viererkette ist man unserer Meinung nach flexibler als mit der Dreierkette. So können sich die Außenverteidiger mit ins Angriffsspiel einschalten oder besetzen freie Räume zwischen Innenverteidigung und angreifendem Mannschafsverbund. Mit der Viererkette kann man auch offensiver spielen, da immer nur zwei (anstatt drei wie bei der Dreierkette) Spieler beim Angriff hinter dem Ballführenden bleiben. Mit einer Dreierkette ist es nicht einfach über die komplette Breite des Spielfeldes präsent zu sein, da ist ein geschicktes agieren der Mittelfeldspieler gefragt, was den einen oder anderen Spieler überfordern könnte.

Dagegen hat sich bei den Abschlussspielen im Training die Dreierkette bewährt. Wobei sich die Außenverteidiger bei einem Angriff immer mit einschalten und sich vor dem Ball schieben. So kann man ab fünf Spieler pro Mannschaft sehr gut das Ballorientierte Spiel wettkampfmäßig trainieren, ohne dabei das Offensivspiel vernachlässigen zu müssen.

Ideales Spielsystem bei Umstellung auf Viererkette

Die Frage mit welchem Abwehrsystem man spielen sollte ergibt sich für die Leser unserer Seite zum Glück nicht mehr. Es wird ballorientiert innerhalb einer Viererkette verteidigt und das Spielsystem ist dahin ausgerichtet, dass bei gegnerischem Ballbesitz der Gedanke der Balleroberung im Mittelpunkt steht.

Die Zahl der hinteren Spieler steht mit vier also fest. Im modernen Fußball zieht man bewusst den Begriff hinterer Spieler dem Abwehrspieler vor, da man so vermitteln möchte, dass bei eigenem Ballbesitz der Offensivgedanke im Vordergrund steht. So bleibt nur noch die Frage zu klären, ob man mit drei oder vier Mittelfeldspielern agiert? Vom Spiel mit fünf Mittelfeldspielern raten wir ab, da man in diesem Fall nur noch über eine nominelle Spitze verfügt. So wären zum Einen die kreativen Möglichkeiten des Offensivspiels sehr einschränkt und zum Anderen wäre man nur noch sehr schwer in der Lage das gegnerische Aufbauspiel zu steuern (dieses Thema werden wir später aufgreifen).

Aus unserer Sicht fällt es einem Mittelfeld mit drei Spielern sehr schwer auf der kompletten Breite des Spielfelds präsent zu sein. So wäre es zwingend notwendig, dass die beiden Außenstürmer sich bei gegnerischem Ballbesitz zurückfallen ließen, bzw. die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz aufrückten. Dieses für Anfänger recht umfangreiches rouchieren könnte gerade in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel einige Spieler überfordern. So bleibt am Ende das klassische 4-4-2.

Nun kann man dieses 4-4-2 nochmals in zwei unterschiedliche Varianten unterteilen, die sich in der Formation des Mittelfelds bemerkbar macht. Die Mittelfeldspieler können entweder als Raute oder als Flache Vier aufgestellt sein. Bei der Flachen Vier agieren vier Mittelfeldspieler ebenfalls als Viererkette. Wir haben bisher kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir zumindest für den Beginn der Umstellung auf die Viererkette die Flache Vier favorisieren. So ist es leichter die Spieler für das Training der Viererkette zu begeistern, da im Grunde alle Positionen unmittelbar oder indirekt davon betroffen sind. Obendrein kann man sich eine gesonderte Schulung des Mittelfelds sparen, da dieses bei gegnerischem Ballbesitz fast identisch wie die hinteren Spieler handelt. So wird das Taktiktraining minimiert und man kann so mehr Zeit in die Entwicklung der technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler investieren.

Ein weiterer Vorteil der Flachen Vier ist der, dass man auf den Außen recht präsent ist. Man benötigt deswegen auf den Außenverteidiger-Positionen keine Maradonnas und Peles. Die Außenverteidiger kann man also behutsam auf die offensiven Aspekte ihrer Position vorbereiten. Dagegen muss man aber sagen, dass das Spiel mit der Raute einen ganz wichtigen Vorteil gegenüber der Flachen Vier bietet. Im eigenen Spiel verfügt man über viel mehr Möglichkeiten der Dreiecksbildung. Das bedeutet, dass Spieler im Ballbesitz sich in einem Dreieck mit Mitspielern befinden und so stets über Anspielstationen in Breite und Tiefe verfügen.

Zuletzt sollte man noch bedenken, dass man durch das Spiel mit zwei Viererketten und zwei Spitzen auf dem kompletten Feld symmetrisch verteilt ist. Dies sichert einen kompakten Mannschaftsverbund, geringe Laufwege zum Schaffen von Überzahlsituationen und bei Balleroberung ein effektives Umschalten auf Angriff.

Stellt man nun die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme gegenüber und berücksichtigt man die eigenen Erfahrungen als Trainer, kann man zu dem Schluss kommen, dass das klassische 4-4-2 mit einer Flachen Vier zumindest in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel unbedingt zu empfehlen ist.

Interviewserie: Daniel Schmid über das Ballorientierte Spiel

Die Initiative abwehrkette.de startet an dieser Stelle eine Interviewserie mit Trainern die das Ballorientierte Spiel mit Abwehrkette favorisieren. Den Beginn macht heute Daniel Schmid der sich unseren Fragen stellte und viele interessante Antworten gab.

Trainer Daniel Schmid

Trainer Daniel Schmid

Initiative abwehrkette.de: Stellen Sie sich bitte kurz vor.
Daniel Schmid: Ich bin ein 29 Jähriger Trainer (Inhaber C-Lizenz) der die Philosophie des wfv umsetzt und eine Kreisliga-B-Mannschaft im Ersten Jahr zum Aufstieg geführt hat.

IA.de: Wann wurden Sie zum ersten mal persönlich mit dem Ballorientierten Spiel (BOS) konfrontiert?
DS: Bei der Trainerausbildung des wfv und beim DFB, sowie in meiner Fußballkarriere bei Victoria Bregenz in Österreich (Regionalliga).

IA.de: Worin sehen Sie den größten Vorteil des BOS gegenüber der Manndeckung?
DS: Gerade in den unteren Ligen (Kreisliga B und A) ist die Spielweise von Vorteil, da der ganze Mannschaftsverbund das Spielfeld relativ eng macht und somit den Gegner unter Druck setzt. Das kleine Spielfeld soll dem Gegner Passwege und Spielmöglichkeiten nehmen, umso den Ball in dessen Gegnerischen Hälfte abzustreiten und somit den direkten Weg zum Tor zu verkürzen um schnell und gezielt ein Tor zu schiessen.

IA.de: Haben Sie schonmal bei einer Mannschaft die komplette Umstellung auf das BOS vorgenommen?
DS: Ja, letztes Jahr, beim TSV Schlachters am Bodensee.

IA.de: Was sollte der Trainer besonders bei der Umstellung beachten?
DS: Bei der Umstellung geht es meiner Meinung vorallem um die Einhaltung der Positionen. Die Umstellung von einigen Spielern, die auf den falschen Positionen spielen, stellen sich sehr schnell auf die Neue ein, indem Ihnen die Vorteile der Position, zusammen mit den gegeben Fähigkeiten verinnerlicht und diese geprobt werden.

IA.de: Gib es Ihrer Meinung nach Situationen, in denen die Umstellung keinen Sinn macht?
DS: Ich denke eine Umstellung auf die 4er-Kette sowie das BOS ist grundsätzlich von Vorteil.

IA.de: In welcher Richtung wird sich Ihrer Meinung nach die Taktik im Fußball entwickeln?
DS: Wer weiss, was Trainer noch alles erfinden, um den heutigen Fußball noch schneller und effektiver zu gestalten. Der schnelle Fußball, der beispielsweise in England gespielt wird, ist für mich ein Aushängeschild, den Fußball schneller zu machen. Ich bin grundsätzlich für Neues zu haben, um meinen Spielern ein interessantes und abwechslungsreiches Training zu bieten, und jeden positionsbezogen zu verbessern und die Mannschaftstaktik zu verbessern.

IA.de: Was raten Sie Trainern die noch mit der herkömmlichen Manndeckung
spielen?
DS: Schnellstmöglich sich weiterzubilden um den Spielern, vorallem den Jungen Kickerinnen und Kickern, ein modernes Spiel zu verinnerlichen, um Sie auf ein Niveau zu bringen, dass Sie auch in höheren Ligen anwenden können. Grundsätzlich den einzelnen Spieler verbessern, dann die Gruppentaktik und zum Schluss die ganze Mannschaft so einstimmen, dass Defensive als auch Offensive perfekt harmonieren. Denn es bringt die Beste Defensive nichts, wenn man bei Balleroberung nicht weiss, wo man in der Offensive hinzulaufen hat!!

IA.de: Legen Sie im Training auf die Defensive genauso viel Wert wie auf die Offensive?
DS: Ich wiege beides zu 50 Prozent. Was bringt mir eine Balleroberung im Mittelfeld, wenn Stürmer, Mittelfeld- und Abwehrspieler nicht wissen, was für Laufwege der Mitspieler gehen kann/muss, um schnell zum Torabschluss zu kommen?
Genauso übe ich Standards in der Offensive und in der Defensive, um Laufwege zu intensivieren.
Auch dort stehe ich in der Defensive im Blocksystem und laufe nicht mit den Gegner vom 16er mit hinein. Aber dies würde sicherlich den Rahmen sprengen. Gerne gebe ich aber Infos für interessierte Trainer Kollegen.

IA.de: Möchten Sie sonst noch etwas loswerden?
DS: Ich kann nur empfehlen sich und die Kinder weiterzuentwickeln um den modernen Fußball auch in den unteren Ligen zu etablieren. Deshalb meine Bitte an alle Trainer… gebt Gas und traut euch, auch nach den ersten Niederlagen den Kopf nicht in den Sand zu stecken, und an der Philosophie festzuhalten. Kritiker gibt es immer, die sich aber nur zu erkennen geben, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorstellt.
Sprecht mit euren Vereinen diese neue Taktik ab und legt den Grundstein schon in der Jugend, damit die Spieler, die in eine aktive Mannschaft kommen, sich nicht umstellen müssen, sondern sich weiterentwickeln können.
Ich würde mich auch auf Gleichgesinnte freuen, die mir Unterlagen und Tips zur Verfügung stellen, um so eine Basis für den Informationsaustausch zu bieten.

Die Initiative abwehrkette.de bedankt sich recht herzlich für das Interview. Besuchen Sie Daniel Schmid im Internet: www.bodensee-talente.de und www.schmid-daniel.de

Mit Spaß zum Ballorientierten Spiel

Zugegeben die Methodik zum Ballorientierten Spiel, bzw. Ballorientierten Verteidigen ist für Jugendliche nicht unbedingt die Attraktivste. Es ist schon einiges an Motivation nötig die Spieler soweit zu bringen, dass sie auch bei diesen Übungen mit voller Elan dabei sind. Als Spieler muss man hier viel zuhören, nachdenken und bei den ersten Umsetzungsversuchen kann man auch noch nicht intuitiv agieren.

Die Spieler wollen den Ball am Fuß und dann Tore schießen und Gegenspieler ausfummeln. Beim Erlernen des Ballorientierten Spiels muss man jedoch erst die Theorie begreifen, seine Laufwege bei den verschiedenen Spielsituationen erlernen und diszipliniert im Mannschaftsverbund sich einbringen. Alles Sachen die für die Spieler nicht unbedingt zu den Lieblingstrainingsinhalten zählen. Doch wie kann man jetzt das Ballorientierte Spiel mit Spaß vermitteln?

Man betrachte mal kurz eine Trainingseinheit als Ganzes. Man bringt seinen Körper durchs Aufwärmen in die nötige Verfassung und nebenher wird der Kopf für die folgenden Aufgaben in Stimmung gebracht. Dann kommen die Übungen, indem der Trainer durch korrekte Anweisungen, organisieren von vielen Ballkontakten und dem Vermitteln von vielen Erfolgserlebnissen die Spieler dazu bringt, sich in einem speziellen fußballerischen Element zu verbessern. Mit jeder weiteren Übung fiebern die Spieler immer mehr danach das Erlernte in Spiel umzusetzen. Aus diesem Grund sollte das Trainingsspiel im letzten Teil des Trainings nicht fehlen. Dies ist auch eine hervorragende Möglichkeit für die Spieler sich nochmal richtig auszutoben.

Mit einem kleinen Trick kann der Trainer nun jedes Abschlussspiel dazu nutzen, das Ballorientierte Spiel seiner Mannschaft per Huckepack zu fördern. Dies kann man umzusetzen, ohne dass man die Spieler mit speziellen Regeln in ihrem Wunsch nach freier fußballerischen Entfaltung limitieren muss. Dazu schaut man erstmal wieviele Spieler sind anwesend? Das Ballorientierte Spiel verlangt mindestens eine 3-2-System pro Mannschaft. Also eine Dreierkette mit zwei Mittelfeldspielern die sich jedoch bei dieser geringen Spieleranzahl extrem viel verschieben müssen. Aus diesem Grund macht ein Spiel 5 gegen 5 oder 6 gegen 6 am meisten in einem in der Breite verengten Spielfeld Sinn. Durch diese Verkleinerung bringt man mehr Aktionen ins Abschlussspiel.

Für höhere Spielerzahlen würde man mit folgenden Systemen spielen: 3-3, 3-3-1, 3-3-2, 3-3-3, 4-4-2. Im Abschlussspiel fordert man dann von seinen Spielern alle Facetten des Ballorientierten Spiels. Durch die klare Gliederung der einzelnen Mannschaftsteile lernen die Spieler nebenbei die idealen Abstände zueinander und den damit verbunden Vorteil mittels kompakter Präsenz im Zentrum den Gegner kaum gefährliche Spielzüge zu ermöglichen. Durch die vorgegebenen Dreierketten fällt es den Mannschaften leichter auf den Ball druck auszuüben, bzw. den druckausübenden Nebenspieler zu unterstützen.

Durch aggressives Verteidigen von mehrere Mannschaftsteile ist die Wahrscheinlichkeit einer Balleroberung am größten. Nur mit einer Spielerüberzahl in Ballnähe hat man gute Möglichkeiten mittels unkomplizierten Kombinationsspiel den Ball zügig in die Spitze zu bringen.

Der Ballführende muss dabei mindestens eine Anspielstation in Breite und Tiefe haben. Deswegen dürfen sich bei einer Balleroberung auch nicht gleich alle Spieler vom Ball weg bewegen. Nun ist die Mannschaft gefragt durch kreatives Zusammenführen von Doppelpass, Direktspiel, Hinterlaufen, Alleingängen und Pass in die Tiefe den Ball möglichst gefährlich vor dem gegnerischen Tor zu bringen. Sollte kein direktes Spiel in die Spitze möglich sein, so spielt man über die Flügel, sollte dies auch nicht möglich sein, spielt man hintenrum und wechselt auf die Seite wo Räume für den Spielaufbau vorhanden sind.

Ein Abschlussspiel nach diesem Schema ermöglicht das Lernen des Ballorientierten Spiels nebenbei, ohne dass man Abstriche beim Erlernen anderer fußballerischen Elemente machen muss. Zum Anderen gibt es keine bessere Methode das Ballorientierte Spiel zu lernen, als in Wettkampfsituationen und diese hat man im Abschlussspiel allemal.

Trainertagebuch: Einführung der Vierer-Abwehrkette

Hier auf der Seite findet man mittlerweile viele Informationen zum Umstellen von Manndeckung auf das Ballorientierte Spiel. Doch funktioniert das wirklich wie beschrieben? Theorie und Praxis liegen ja oft weit auseinander.

Deshalb gibt es heute ein Bericht aus der Praxis, wie ich bei einer C-Jugend die 4er-Kette nach dem hier dargestellten Schema eingeführt habe. Außerdem erwähne ich hier im Trainertagebuch wie ich weiteren Schwerpunkte nach dem Buch Fußballtraining mit Kids ergänzend zum neuen System trainieren ließ und welche Früchte die Sache in den darauffolgenden Spielen trug.

Ausgangspunkt war eine Mannschaft mit 18 Spielern. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

  • Zwei Spieler haben in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang in der Leistungsklasse (zweitniedrigste Liga) gespielt
  • Zwei gute Spieler wechselten von fremden Vereinen
  • Vier Spieler des jüngeren Jahrgangs wurde hochgezogen, die in der Vorsaison in der D-Jugend-Leistungsklasse spielten
  • Der Kern der Mannschaft landete in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang auf dem vorletzten Platz in der Kreisklasse (niedrigste Liga)

Keiner der 18 Spieler war zuvor mit der Viererkette oder dem Ballorientiertem Spiel vertraut. Fast genau vier Wochen vor dem ersten Meisterschaftsspiel habe ich zum ersten Mal mit der mir unbekannten Mannschaft auf dem Trainingsplatz gestanden.

Woche 1: In der ersten Woche (Sommerferien) trainierte ich von Montags bis Donnerstags und Freitag hatten wir ein Testspiel. In den ersten drei Trainingseinheiten wurden 1-gegen-1-Situationen trainiert und am vierten Tag haben wir den 1-Tag-Crashkurs Viererkette gemacht. Freitags im Testspiel gegen eine gute Leistungsklasse-Mannschaft kassierten wir ein Gegentor, wobei die Abwehr doch noch sehr wacklig war.

Woche 2: Die drei Trainingseinheiten die wir in der zweiten Woche absolvierten galten der Ballan- & Ballmitnahme. In dieser Woche erhielt jeder Spieler ein Merkblatt wie er sich im Ballorientiertem Spiel zu verhalten hat. Das am Wochenende gespielte Turnier mit vier Mannschaften aus der Leistungsklasse und vier Mannschaften aus der Kreisklasse konnten wir ohne Gegentor gewinnen.

Woche 3: Man absolvierte nun 2,5 Trainingseinheiten mit dem Schwerpunkte Flugball. 0,5 Trainingseinheiten weil man am dritten Trainingstag nur mit einem Teil der Mannschaft und dann auch nur eine Stunde ein kleines Spielchen machen konnte. Am Wochenende hatte man wieder gegen eine gute Mannschaft aus der Leistungsklasse ein Testspiel, wo man wieder nur ein Gegentreffer hinnehmen musste.

Woche 4: Der Schwerpunkte bei den nun anstehenden 2,5 Trainingseinheiten war das Doppelpass-Spiel. Dadurch wollte ich mehr offensive Aspekte ins Spiel bringen. Es folgte das erste Meisterschaftsspiel in der Leistungsklasse ohne Gegentor.

Woche 5: Man hatte in dieser Woche zwei Trainingseinheiten zur Verfügung, die man nutzte um den Schwerpunkt Doppelpass der Vorwoche fortzusetzen. Das zweite Meisterschaftsspiel war gegen den Jungjahrgang eines Zweitligisten, die ihr erstes Meisterschaftsspiel 7:0 gewannen. In diesem Spiel gab es für die neue Viererkette wieder nur ein Gegentreffer.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man lediglich mit dem 1-Tag-Crashkurs Viererkette, der Merkblatt-Aktion und dass man in jedem Abschlussspiel das Ballorientierte Spiel gefördert und gefordert hat eine stabile 4er-Abwehrkette in der C-Jugend geschaffen hat. Man spielte jedes Spiel im 4-4-2 (flache Vier), so dass das Mittelfeld ebenfalls als 4er-Kette agieren konnte.

Besonders im letzten Spiel gegen eine spielstarke Mannschaft, die mit vielen Pässen im Rücken der Abwehr arbeitete, hat sich das Ballorientierte Verteidigen ausgezahlt. Nur mit dem Ballorientiertem Spiel schafft man so enge Räume zentral vor dem Tor, nur so kann der in den Zweikampf gehende Spieler stets abgesichert werden und auch nur so kann der ballführende Gegner mit minimalem Aufwand gedoppelt werden.

Mein Appell an alle Trainer die noch auf die Manndeckung setzen: Spielt modernen Fußball! Wenn man sich etwas mit der Materie auseinandersetzt (diese Webseite reicht vorerst) ist es viel leichter auf das neue System umzustellen als man denkt.