Milchbubis lernen in drei Stunden die Viererkette
Als Fußballtrainer mit ausgewiesener Reputation im Bereich Viererkette kann es schonmal passieren, dass man vor einem unbekannten Team steht und einer unwissenden Fußballerscharr die Grundlage des Ballorientierten Spiels mit Viererkette vermitteln soll. Bisher spielte man locker flockig aus dem Bauch hinaus, was im Grunde auch garnicht so falsch ist, doch ab einem gewissen Punkt benötigt das Team ein System und nach Möglichkeit das beste System!
Es ist sicherlich nicht ganz unanstrengend als Trainer bei Null anzufangen. Doch hat dies auch einen gewissen Reiz. Nicht nur, weil man dem Team seinen persönlichen Stempel auftragen kann, sondern auch zu sehen wie schnell Kinder lernen und wie logisch einfach das Spiel mit der Viererkette ist. Kompliziert wird es nur, wenn der Trainer selbst keine klare Sicht der Dinge hat und die Spieler sich aus teilweise widersprüchlichen Fragmenten selbst was zusammenreimen müssen.
Vor einigen Monaten haben wir in unserem Blog den Artikel 1-Tag-Crashkurs Viererkette publiziert und für unsere Buch Spielend zur Viererkette überarbeitet. Hier wollten wir zeigen, wie schnell und einfach man eine Mannschaft auf das Spiel mit der Viererkette vorbereiten kann.
Im heutigen Artikel geht es ebenfalls darum eine Mannschaft an einem Tag mit dem Spiel der Viererkette vertraut zu machen. Diese Anleitung berücksichtigt jedoch zusätzlich ein jüngeres Alter der Spieler und beschreibt einen recht lockeren Weg dahin. Den ganzen Ablauf werden wir in einem Berichtsstil schreiben, so dass die Vorgehensweise wirklich für jeden Trainer nachvollziehbar ist:
Wir haben Feiertag und es wurde eine Trainingseinheit von 14 - 17 Uhr angesetzt. Alle 20 Spieler sind anwesend. Man trifft sich im Aufenthaltsraum des Fußballvereins. Sitzplätze und Taktiktafel sind vorhanden. Zuerst wird den Spielern der Ablauf des heutigen Tages erklärt. Der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme und die damit verfolgten Ziele. Nach ca. 70 Minuten gibt es eine ca. 20 Minütige Pause.
Als erstes wird den Spielern kurz die Geschichte der Viererkette geschildert. Wo und wann sie sich entwickelt hat. Wieso und mit welchem Erfolg sie sich durchsetzte. Wichtig ist es immer wieder die Spieler durch Fragen und Abstimmungen mit einzubinden. Z.B.: Wann wurde zum ersten mal mit Viererkette gespielt? Erstaunlich wenn darauf dann die recht gute Antwort 1989 von Spielern kommt, die erst 1997 geboren sind…
Der dritte Paukenschlag war dann der Hinweis, dass im modernen Fußball die Mannschaft als Kollektiv agiert: “Ein Spieler der die Mannschaft stark macht, ist besser als ein starker Spieler.” Das Hauptziel des einzelnen Spielers ist es seine individuellen Fähigkeiten losgelöst von eigenen Interessen in das Team einzubringen. Nur als Einheit kann der maximale Erfolg erreicht werden und Erfolge die man im Zusammenwirken mit anderen Menschen erreicht, bereiten auch die größten Freuden. Die Idee des Kollektivs wurde mit dem Hinweis von Louis van Gaal unterstrichen, der folgende Prioritätenliste für einen Verein vorsieht: 1. Mannschaft, 2. Spieler, 3. Trainer.
Jetzt geht es zur Taktiktafel, wo erstmal nur die Magnete für den eigenen Torwart, die Viererabwehrkette und einem ballführenden Gegner hängen. Jetzt wird das Stellungsspiel der Viererkette bei den verschiedenen Ballpositionen erklärt: Ball außen und Ball zentral. Abwehrsichel und Abwehrdreieck. Die Gründe für dieses Stellungsspiel wird kurz erklärt: Absicherung, Pässe in die Tiefe zustellen, Flugbälle im Rücken der Abwehr verhindern usw..
Es werden nun zwei Magnete für den Gegner dazu genommen. Ein Gegner befindet sich an jeder Außenseite und ein Gegner zentral vor der Viererabwehrkette. Je nach Ballposition schaltet die Viererabwehrkette zwischen Abwehrsichel und Abwehrdreieck um, ohne dass die Abwehrspieler dabei kreuzen (Stichwort: Ordnung und kürzer Laufwege). Mit einem Stift markiert man den Gegner mit Ball und zeigt das nötige Stellungsspiel der Abwehr. Jetzt sollen die Spieler selbst für unterschiedliche Ballpositionen das Stellungsspiel der Abwehr an der Taktiktafel zeigen. Durch diese Mitarbeit werden sie sich die Sache besser merken.
Jetzt wird die eigene Mannschaft durch die restlichen Magnete an der Taktiktafel komplettiert. Der Gegner besteht weiterhin aus drei Magneten. Jeweils eines außen und eines Zentral. Nun erklärt man den Spielern das Verschieben. Je nach Ballposition verschiebt sich der komplette Mannschaftsverbund als Block Richtung Ball. Wichtig ist, dass beim Verschieben die seitlichen Abstände und die Abstände zu den Mannschaftsteilen gleich bleiben. Die empfohlenen Abstände liegen zwischen 6 - 10 Metern. Pässe durch Schnittstellen müssen abgefangen werden können und man muss schnellen Zugriff auf angespielte Gegner zwischen den Mannschaftsteilen haben. So setzt man die idealen Voraussetzungen für einen kontrollierten Ballgewinn.
Nun wird den Spieler an der Tafel dass 4 - 4 - 2 gezeigt. Es wird erklärt, dass auch das Mittelfeld als Viererkette agiert und deren Aufgabe im Vergleich zur Viererabwehrkette vom Prinzip her fast identisch sind. Es wird ein Gegenspieler zwischen Mittelfeld und Angriff gestellt und in der Runde gefragt, wie sich das Mittelfeld nun zu verhalten habe? Diese Frage wurde erstaunlicherweise sofort korrekt von den Spielern gelöst. Es wird dann noch erklärt, dass bei einer Ballposition außen, beide Viererketten als Sichel agieren. Zuletzt wird erklärt, dass die überspielten Mannschaftsteile nachsetzen müssen und versuchen hinter dem Ball zu kommen, um den ballführenden Gegner aktiv bekämpfen zu können.
Der letzte Punkt der Theorieeinheit war die Erklärung der Position des Außenverteidigers. Es wurde in der Runde die Frage an die bisherigen Manndecker gestellt, wie oft diese bisher in einem Spiel flankten oder auf das Tor schossen? Die Antwort Nie hat nicht besonders überrascht. Nach dem Stichwort Philipp Lahm war ihnen dann klar, dass sich das mit dem neuen System massiv ändern wird. Außenverteidiger rücken bei Ballbesitz vor den Ball, hinterlaufen die Mittelfeldaußen, flanken vors Tor oder ziehen zum Torabschluss nach Innen.
Pause!
Übung A: Ca. 30 Meter vor dem Großtor werden vier verschieden farbige Hütchen gleichmäßig auf einer strafraumbreiten Linie aufgestellt. Jeweils vier Spieler positionieren sich ca. 7 - 8 Meter vor und hinter den Hütchen. Der Trainer ruft nun eine Farbe und die acht Spieler positionieren sich so, als wäre am entsprechenden Hütchen der ballführende Gegner. Also entweder Abwehrdreieck oder Abwehrsichel bilden. Nach korrekter Aktion kehren die acht Spieler wieder auf ihre Ausgangsposition zurück. Die wartenden Spieler versuchen Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Nach ein paar Minuten gehen die nächsten acht Spieler in die Übung. Besonders ist darauf zu achten, dass während des Verschiebens die Abstände gleich bleiben. Die Tiefenstaffelung deutlich genug ist und die Abstände korrekt sind.
Übung B: Gleicher Ablauf, jedoch ohne die farbigen Hütchen in der Mitte. Eine Vierer-Mannschaft passt sich wahllos auf einer Linie stehend einen Ball zu. Der Ball muss jeweils fünf Sekunden gehalten werden, bevor er weitergespielt werden darf. Die anderen vier Spieler reagieren entsprechend einer Viererkette auf die wechselnden Spielsituationen. Die Mannschaften werden regelmäßig gewechselt, damit jeder mal aktiv innerhalb einer Viererkette agieren kann.
Übung C: Ein 20 x 15 Meter großes Rechteck aufbauen. An den Grundlinien befinden sich jeweils zwei Minitore. Es wird nun 4 gegen 4 gespielt. Die verteidigende Mannschaft agiert als Viererkette. Regeln: Abseits beachten. Nach der Balleroberung muss mindestens ein weiterer Mitspieler ein Ballkontakt gehabt haben, damit ein Treffer zählt. Besonders ist darauf zu achten, dass untereinander klar kommuniziert wird. Es dürfen keine Missverständnisse aufkommen, wer zum ballführenden Gegenspieler aufrückt.
Übung D: Elf Spieler postieren sich im 4 - 4 - 2 auf dem Platz. Der Trainer steht vor den beiden Spitzen und absolviert verschiedene Laufrichtungen (auch diagonal). Alle Spieler absolvieren ebenfalls diese Laufwege synchron. Beim Verschieben ist besonders darauf zu achten, dass die seitlichen und vertikalen Abstände immer gleich bleiben.
Ende der Praxis!
Als Abschluss könnte man für die gute Stimmung noch ein lockeres Spiel ohne Sonderregeln absolvieren. Hier muss der Trainer seine Mannschaft einschätzen können was sinnvoll ist. Für zuhause erhält jeder Spieler ein Informationsblatt aus dem Buch Spielend zur Viererkette (Seite 36 + 37). Hier können sie sich das Gelernte anhand von einfachen Zeichnungen und Erklärungen nochmal in Ruhe ansehen und verinnerlichen. Schon beim nächsten Spiel schmeißt man die Spieler ins kalte Wasser und lässt sie ballorientiert mit zwei Viererketten spielen.
Beim Abschlussspiel im Training immer darauf achten, dass man mit einer Dreierkette in der Abwehr und Mittelfeld spielt. Die Prinzipien der Viererkette (Abwehrdreieck und Abwehrsichel) sind bei dem Spiel mit Dreierkette identisch. Für das Trainingsspiel sind zwei Mannschaft mit jeweils einer Viererabwehrkette schwer zu realisieren. Man wird in der Regel nicht über genügend (Defensiv-) Spieler und Platz verfügen. Auf einer Platzhälfte macht es keinen Sinn zwei Mannschaften mit einer Viererabwehrkette gegeneinander spielen zu lassen.
Abwehrpressing: So siegen Außenseiter!
Was kann man als Trainer tun, wenn man gegen einen klar überlegenden Gegner spielt? Den Kopf in den Sand stecken oder anfangen zu beten? Bei beidem stehen die Aussichten was Zählbares aus der Partie mitzunehmen ziemlich gering. So kann dem Trainer in diesem Fall nur geraten werden etwas in die Trickkiste zu wühlen und zu einem taktischen Paukenschlag auszuholen.
Doch wie kann man etwas bewirken, wenn man auf einen individuell stärker besetzten Gegner stößt? Klar, man muss als Mannschaft stärker sein. Man muss eine Taktik wählen in der das Kollektiv im Mittelpunkt steht und nicht der Einzelspieler. Nur im ballorientierten Spiel kann hier Maximales erreicht werden. Denn nur dort, wo man sich stärker an die Position des eigenen Mitspielers orientiert, als an die Position des Gegenspielers, ist man in der Lage den ballführenden Gegner mit einem ganzen Mannschaftsverbund zu bekämpfen. Nur so erreicht man mit minimalem Kraftaufwand Überzahl in Ballnähe und damit die bestmögliche Ausgangsposition den Ball kontrolliert zu erobern und einen schnellen Gegenangriff einzuleiten.
Der schnelle Konter ist hier also das Zauberwort, wenn es gegen einen favorisierten Gegner geht. So kann man auch mit reduzierten technischen und kreativen Möglichkeiten zum Torerfolg kommen, da man gegen eine aufgerückte und in der Regel ungeordnete Abwehr angreift.
Um jedoch erst in der Lage zu kommen, den Ball für einen Konter zu gewinnen, müssen die Räume für den Gegner möglichst klein gehalten werden. Passspiele des Gegners können so bestmöglich abgefangen werden. Der Gegner muss gedoppelt werden, damit man die Zweikämpfe für sich entscheiden kann.
Es gilt also darum ein effektives Angriffsspiel des Gegners zu unterbinden. Für die eigene Mannschaft ungefährliche Pässe (Querpässe und Rückpässe) werden erlaubt, jedoch gefährliche Pässe Richtung eigenem Torzentrum massiv bekämpft. Dies führt von der Menge her zu mehr Ballbesitz für den Gegner, ist aber letztendlich nicht besonders effektiv. Dies erklärt auch den statistischen Wert, dass in der Regel die Mannschaft mit weniger Ballbesitz ein Spiel gewinnt.
Die benötigte Kompaktheit bei gegnerischen Angriffsversuchen erreicht man nur, wenn alle Spieler Defensiv handeln und konsequent verschieben. Schafft man es zwei Viererketten hinter den Ball zu bekommen und den ballführenden Gegner durch einen Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, können die beiden Angreifer nach hinten doppeln. So hat man die besten Chancen auf ein kontrollierten Ballgewinn und einem effektivem Gegenangriff steht nun nichts mehr im Wege.
Wichtig ist, dass der Gegner nicht zu früh attackiert wird. Wird dies gemacht, kann er mittels wenigen und einfachen Pässen eine ganze Reihe Spieler vor der Ballposition setzen, so dass diese keine Möglichkeit mehr für defensive Handlungen haben. So kann es dann sehr schnell gehen, dass alleine die Viererabwehrkette sich gegen den kompletten Angriffsverbund zur Wehr setzen muss.
Wartet man jedoch das Aufbauspiel des Gegners ab und bleibt tief stehen und reagiert auf Querpässe und Rückpässe alleine mit seitlichem Verschieben, so erreicht man maximale Kompaktheit. Wird nun die Linie der einzelnen Mannschaftsteile überspielt, wird Druck auf den Ball gemacht und nachgesetzt zum Doppeln. Wichtig für die Kompaktheit der Mannschaft ist es, dass die Mannschaftsteile eng zusammenstehen, ebenso die Spieler auf den benachbarten Spielpositionen (jeweils 8 bis 10 Meter).
Diese Spieltaktik bezeichnet man im Fußball als Abwehrpressing. Das Abwehrpressing kann man noch in zwei Varianten unterteilen. Bei der ersten Variante wird das gegnerische Angriffsspiel auf den Flügel gelenkt und bei der zweiten Variante ins Zentrum. Entscheidet man sich für Variante Zwei, so verschieben die beiden Angreifer, kurz nach der Mittellinie, auf gleicher Höhe mit vergrößertem Abstand zueinander ballorientiert. Der Passweg ins Zentrum ist frei. Der dort postierte Gegenspieler darf nicht zu eng gedeckt werden, da man den Anschein erwecken will, dass dieser ungestört angespielt werden kann. Wird dies nun getan, wird dieser von allen Seiten attackierten. Die Angreifer setzen nach und ein zentraler Mittelfeldspieler übt Druck auf den Angespielten aus. Der zweite zentrale Mittelfeldspieler sichert ab. Im Fall, dass die beiden Angreifer nicht nachsetzen können, wird dem ballführende Gegner mittels Doppeln der Durchbruch Richtung des zweiten Mittelfeldspielers angeboten.
Variante Eins besagt, dass man das Angriffsspiel des Gegners nach Außen lenkt. Hier agieren die beiden Angreifer mit verringertem Abstand zueinander und in einer leichten Tiefenstaffellung. Die beiden Mittelfeldaußen stehen etwas tiefer, damit der Flügel unbesetzt wirkt. Erst wenn der Ball vom Gegner über die Mittellinie zu einem äußeren Spieler gepasst wird, beginnt die eigene Balleroberung. Der ballnahe Mittelfeldaußen rückt zum Ballführenden vor, verstellt die Außenbahn um ihn nach Innen zu einem zentralen Mittelfeldspieler zu lenken. Der ballnahe Angreifer setzt zum Doppeln nach Hinten nach. Der zweite Angreifer stellt das Zentrum zu und die beiden Viererketten bilden eine Abwehrsichel. Erkennt der zweite Angreifer einen Rückpass des Gegners, so rückt er vor um diesen abzufangen.
Variante Zwei ist deutlich einfacher umzusetzen, da es weniger Anspruch an einem korrekten Doppeln stellt. Für Anfänger ist also diese Variante zu empfehlen. Sollte der Gegner dabei nicht den Pass ins Zentrum suchen, so sollte generell auf Variante Eins umgestellt werden. Versucht nun der Gegner in die Lücke zwischen den beiden Angreifern zu dribbeln, sollte temporär auf Variante Eins umgestellt werden.
Wird nun der Ball erobert, rücken bis auf die beiden Innenverteidiger alle Spieler vor dem Ball um Anspielstationen in der Tiefe zu schaffen. Den ersten Pass nach Möglichkeit schnell in die Spitze spielen, um die kurzzeitige Unordnung des Gegners auszunutzen. Es ist auf eine ständige Dreiecksbildung zu achten, so dass der Ballführende stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Schafft man es einen Mitspieler in der “Red-Zone” (zentraler Bereich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners) anzuspielen, so starten im Idealfall zwei Mitspieler links und rechts mit Temposteigerung in die Gasse, so dass der Ballführende zwei Passoptionen besitzt. Kreuzende Angreifer oder quer laufende Spitzen ist für jede Abwehr schwer in den Griff zu bekommen.
Sollte kein Anspiel in der Red-Zone möglich sein, so versucht man den Ball über den Flügel in den Strafraum zu flanken oder zu passen. Im Idealfall starten drei Spieler gestaffelt in den Ball und ein vierter besetzt den Rückraum. Gestaffelt bedeutet hier, je ballnaher sie sich befinden, desto geringer ist der Abstand zum gegnerischen Tor. Wichtig ist es immer mit Tempo in den Ball zu starten, um seine ganze Kraft in die Aktion zu bringen.
Also immer den Ball zielstrebig in die Tiefe spielen. Anspiele im Idealfall direkt weiterleiten oder zumindest mit dem ersten Kontakt in den freien Raum mitnehmen und dann mit den üblichen gruppentaktischen Angriffsmitteln (Doppelpass, Hinterlaufen, Pass in die Tiefe) agieren. In gegnerischer Tornähe 1-gegen-1-Situationen suchen und Mut zum Risiko zeigen. Vor dem Torschuss nochmal Kopf heben um die freie Ecke zielgenau anzuvisieren.
Unterschiedliche Methoden zur perfekten Raumdeckung
Bekanntlich führen alle, oder zumindest mehrere Wege nach Rom. Diese alte Denke lässt sich auch auf das Spiel mit der Raumdeckung, bzw. des ballorientierten Verteidigens anwenden.
Vorab möchten wir unseren Lesern nochmal kurz erklären in welchem Zusammenhang die ballorientierte Verteidigung mit der Raumdeckung steht. Und Viererkette? Was hat das mit Raumdeckung zu tun?
Ganz einfach! Die Raumdeckung besagt, dass die Mannschaft sich dort postieren soll, wo der Gegner bei genügend Raum Torchancen kreieren könnte. Das heißt in der Praxis, dass man sich an der Position des Balls orientiert und den torgefährlichen Raum zustellt. Wenn sich z.B. ein gegnerischer Spieler an der ballfernen Seitenlinie befindet, so brauch er dort nicht in Manndeckung genommen werden. Es besteht durch ihn keine direkte Torgefahr. Man selbst muss jedoch einen kompakten Mannschaftsverbund bilden, die sich in einer Art Block immer dorthin verschiebt, wo es aufgrund der Ballposition torgefährlich werden könnte.
Dem Gegner entzieht man so die Möglichkeit durch viel Zeit und Raum ein Kombinationsspiel aufzuziehen. Stattdessen nötigt man ihn zu überhasteten Aktionen, die sich dann zu einem kontrollierten Ballgewinn für die eigene Mannschaft entwickeln könnte.
Dass die Raumdeckung die effektivste Art im Fußball ist, den Ball kontrolliert zu erobern und einen Gegenangriff einzuleiten ist ohne Frage. Über einige Details gibt es aber durchaus unterschiedliche Ansichten. Das Für und Wider dieser Meinungen muss jeder für sich selbst abwägen, um die optimale Lösung für seine Mannschaft zu finden. Hier einige Beispiele:
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, soll er ihn zusammen mit dem ballnahen Innenverteidiger doppeln. Dafür spricht: Auch ohne Zuhilfenahme eines Mittelfeldspielers steigt die Chance den Ball kontrolliert zu erobern. Dagegen spricht: Die 4er-Abwehrkette wird kurzzeitig zur 3er-Abwehrkette und somit verkleinert sich der zugestellte Raum. Fazit: Anfänger sollten den ballführenden Gegner am Flügel immer nur zusammen mit einem Mittelfeldspieler doppeln. Ansonsten den Gegner nach außen lenken.
- Sobald ein Innenverteidiger zu einem ballführenden Gegner im Zentrum aufrückt, soll er ihn zum Außenverteidiger steuern (Stichwort: Seitliche Stellung). Dafür spricht: Der Gegner wird aus dem torgefährlichen zentralen Bereich nach außen gelenkt. Dagegen spricht: Sollte man durch die Steuerung des Angriffs nach außen, dem ballführenden Gegenspieler den Ball auf seinen starken Fuß bringen, so kann er sich mit einem feinen Torschuss oder Flanke dafür “bedanken”. Fazit: Im Jugendbereich die Mannschaft schnellstmöglich dahinbringen, dass sie den Ballführenden so steuern kann, dass dieser den Ball auf den schwachen Fuß bekommt. So wird er auch im torgefährlichen Zentrum nicht für viel Gefahr sorgen.
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, bildet die Abwehrkette eine “Sichel”. Der ballferne Außenverteidiger rückt leicht vor. Dafür spricht: Querpässe könnte dieser nun leichter abfangen. Dagegen spricht: Diagonale Flugbälle könnte er in den Rücken bekommen. Fazit: Auf Nummer sicher gehen und auf einer Höhe mit dem absichernden Innenverteidiger bleiben. Den Außenverteidigern aber “Spielraum” lassen, da sie lernen sollen das Spiel zu antizipieren.
- Sobald ein Außenverteidiger zu einem ballführenden Gegner am Flügel aufrückt, schiebt sich der ballferne Mittelfeldaußen in die Abwehrkette. Dafür spricht: Die gefährlichen Räume werden für den Gegner enger. Dagegen spricht: Viel Laufarbeit für die Mittelfeldaußen und den Angreifern, die dann bei gegnerischem Ballbesitz ins Mittelfeld rücken müssen. Fazit: Gegen offensiv sehr starke Mannschaften sicherlich ein adäquates Mittel.
Die Angreifer im Spiel mit der Viererkette
Der Laie mag auf den ersten Blick beim Titel dieses Artikel sich fragen, was denn die Angreifer mit dem Abwehrsystem einer Mannschaft zu tun haben? Doch das Spiel mit der Viererkette bringt nur maximale Effektivität, wenn alle Mannschaftsteile sich daran beteiligen.
Wir werden hier mal kurz und knapp die Aufgaben der Angreifer in einem 4-4-2-System erläutern. Wie sie sich zu verhalten haben, wenn die eigene Mannschaft in Ballbesitz ist und was zu tun ist, wenn der Gegner den Ball hat.
Bei eigenem Ballbesitz agieren die beiden Angreifer in einer Tiefenstaffelung, dass heißt ein Angreifer befindet sich deutlich näher Richtung eigenem Tor als der Andere. Sie beobachten das Stellungsspiel des Gegners. Besonders der tiefer agierende Angreifer versucht beim Spielaufbau der eigenen Mannschaft Lücken im gegnerischen Mannschaftsverbund auszumachen und ein Zuspiel in diese zu fordern. Er läuft jedoch erst in diese “Schnittstelle”, sobald seine Mannschaft auch in der Lage ist diesen Pass zu spielen. Läuft er zu früh in die Lücke, wird sie vom Gegner erkannt und geschlossen.
Gerade das Spiel mit zwei Angreifern (gegenüber drei Angreifern) bietet sich immer das schnelle Spiel durchs Zentrum an, da man auf dem Flügel nicht ganz so präsent ist. Das oberste Ziel der Angreifer muss es sein, im zentralen Bereich des gegnerischen Tors, eine Anspielstation zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners zu schaffen. Gelingt ihnen dass und ein Angreifer ist in diesem Bereich im Ballbesitz, so versuchen zwei Mitspieler links und rechts von ihm in die Tiefe zu einem Pass zu starten. Der besagte Bereich wird in der Fußballersprache als “Red Zone” bezeichnet.
Darüber hinaus sollen die Angreifer darauf achten, dass der ballführende Mitspieler stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Gerade der tiefer agierende Angreifer muss sich öfters mal vom Gegner lösen, um dem Ballführende eine Anspielstation zu bieten. Steht der gegnerische Mannschaftsverbund im Zentrum sehr kompakt, können die Angreifer mittels kreuzen erreichen, dass dem Gegner die Zuordnung in der Defensive verloren geht.
Die Angreifer sollten nach Möglichkeit immer flach und druckvoll angespielt werden. So wird ihnen die Ballannahme erleichtert und dem Gegner gleichzeitig das Abfangen des Passes erschwert. Sollte sich für den Angreifer keine aussichtsreiche Anspielstation anbieten, weil sich die Mitspieler noch auf dem Weg zu ihm befinden, so behauptet er solange den Ball, bis er den nachrückenden Mitspielern den Ball zuspielen kann.
Hat die Mannschaft es nun geschafft eine Torchance für den Angreifer zu erspielen. So soll diese zielstrebig genutzt werden. Angreifer sollen Mut zum Risiko zeigen und auch keiner aussichtsreichen 1-gegen-1-Situation aus dem Weg gehen! Die Angreifer beobachten stets das Spielgeschehen und versuchen mögliche Spielsituationen vorauszuahnen, um dann im richtigen Augenblick eher als der Gegenspieler am Ball zu sein.
Befindet sich nun der Gegner in Ballbesitz und versucht das Spiel aus der eigenen Hälfte aufzubauen, sind die beiden Angreifer die vorderste Spitze des Defensivbundes. Ist die eigene Mannschaft im Zentrum sehr gut besetzt, weil sie z.B. mit zwei 6er spielt, dann agieren die beiden Angreifer in größerer Distanz zueinander und laufen den ballführenden Gegner links und rechts von der Seite an, um ein Pass ins Zentrum zu provozieren.
Ein Angreifer setzt den Pass nach und versucht zusammen mit den zentralen Mittelfeldspielern den Ballführenden zu doppeln. Der zweite Angreifer bleibt vor dem Ball und versucht, indem er sich ballorientiert verschiebt, einen Rückpass des Gegners zu verhindern. Durch diese Aktion wird Überzahl in Ballnähe geschaffen und durch das Doppeln eine kontrollierte Balleroberung ermöglicht.
Spielt man ein System, indem die Flügel stark besetzt sind (z.b. mit Außenstürmern), so sollte man versuchen den Spielaufbau des Gegners auf die Flügel zu lenken. Dies geschieht, indem ein Angreifer im Zentrum auf vorderster Front agiert und der zweite Angreifer verschiebt sich deutlich tiefer ballorientiert.
Der vordere Angreifer kann nun den Verteidiger dazu verleiten, dass dieser auf den Flügel spielt, indem er ihn seitlich anläuft. Sobald dann der Pass nach außen gespielt wird, setzt der tiefer agierende Angreifer zum Doppeln nach und die anderen Mitspieler verschieben sich deutlich zum Ball und stellen alle Anspielstationen des Ballführenden zu.
Erfolg durch Steuerung des gegnerischen Spielaufbaus
Diejenigen Trainer die sich näher mit 1-gegen-1-Situationen in der Defensive auseinander gesetzt haben, wissen welchen enormen Vorteil es für die Mannschaft sein kann, wenn man den Gegner bewusst in eine für ihn ungünstige Lage bringt. Im 1-gegen-1 am Flügel bietet man dem angreifenden Gegnner die Außenbahn zum Durchbruch an, indem man diese sehr offen lässt und die Innenbahn zum Tor deutlich schließt. So wird sich der Angreifer für einen Durchbruch auf der Außenbahn entscheiden. Dies ist erstmal für die verteidigende Mannschaft ungefährlich, da am Flügel keine direkte Torgefahr besteht.
Im Profibereich wird einem Angreifer am Flügel dagegen meist die Innenbahn zum Durchbruch angeboten, um ihn im zentralen Bereich vor dem Tor, zusammen mit dem ballnahen Innenverteidiger, doppeln zu können. In der Jugend oder unteren Amateurbereich wird davon jedoch abgeraten, da hier ein sehr gutes Zusammenspiel innerhalb der Viererkette gegeben sein muss.
Dribbelt dagegen ein gegnerischer Spieler auf zentraler Position Richtung Tor, so wird dieser auf seinen schwachen Fuß gelenkt (meistens womit er nicht dribbelt). Hier wird ihm also die Seite mit seinem schwachen Fuß zum Durchbruch angeboten. Nimmt er dieses Angebot an, so hat er den Ball bei einem erfolgreichen Durchbruch lediglich auf dem Fuß liegen womit er nicht so gut schießen kann. Würde der Abwehrspieler nicht nach diesem Prinzip vorgehen, so würde der Angreifer immer auf seiner starken Seite den Durchbruch versuchen und hätte bei einem Erfolg den Ball immer auf seinem starken Fuß liegen.
Diese kleine Exkursion Richtung 1-gegen-1-Situationen ist notwendig um zu zeigen, wie sehr man von der bewussten Steuerung des gegnerischen Angreifers profitieren kann. Im Fußball ist man jedoch nicht allein darauf begrenzt einen einzelnen Spieler zu lenken, sondern man kann die Aktionen einer ganzen Mannschaft bestimmen. Durch spezielle Laufwege der Angreifer und auch die der anderen Spieler ist man in der Lage, den gegnerischen Spielaufbau entweder ins Zentrum oder auf den Flügel zu bringen. Entscheidet man sich für den Flügel, hat man auch noch die Möglichkeit die Seite zu bestimmen.
Besonderen Sinn macht die Sache wenn man weiß, wo auf dem Feld man den Gegner am effektivsten bekämpfen kann. Hat man z.B. aufgrund des Spielsystems die Flügel stark besetzt, versucht man den gegnerischen Spielaufbau auf den Flügel zu lenken. Ist man dagegen im Zentrum stark präsent, würde einem natürlich ein versuchter Spielaufbau des Gegners an dieser Stelle zusagen. Erkennt man, dass der Gegner auf einer Flügelseite enorme Probleme hat den Ball zu halten, so würde man stets versuchen den Spielaufbau dorthin zu lenken.
Wie kann dies nun geschehen? Möchte man den Spielaufbau des Gegners auf die Flügel lenken, so agieren zwei Angreifer auf gleicher Höhe in keinem allzugroßen Abstand zueinander. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler rücken etwas Richtung Zentrum ein, um den Gegner nicht von einem Pass auf den Flügel abzubringen. Die beiden Angreifer (4-4-2-System) attackieren nicht die zentralen Abwehrspieler des Gegners, sondern agieren etwas tiefer. Sie warten solange ab bis ein gegnerischer Spieler am Flügel angespielt wird. In diesem Augenblick verschiebt sich der komplette Mannschaftsverbund Richtung Ball, wobei nun der ballnahe Angreifer und äußere Mittelfeldspieler den Ballführenden doppeln. Der ballferne Angreifer verschließt den Passweg in den Rückraum. Je nach Situation unterstützt auch der eigene Außenverteidiger oder ein ballnaher zentraler Mittelfeldspieler das Doppeln des Gegners.
Möchte man dagegen den Spielaufbau des Gegners ins Zentrum lenken ist es wichtig, dass die die Angreifer in größerer Entfernung zueinander agieren. Sie orientieren sich mehr Richtung Flügel, um den Gegner von einem Pass dorthin abzubringen. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Spieler des Gegners in der Zentrale markiert sind. Markiert bedeutet, dass der Gegner nicht zu eng gedeckt ist, sondern dass er bei einem Anspiel sofort attackiert werden kann. Generell gilt, sobald ein Pass in die gewünschte Richtung gespielt wird, dass im höchsten Tempo zum Angespielten verschoben wird um ihn bereits bei der Ballannahme zu stören.
Möchte man dagegen den Spielaufbau zu einer ganz bestimmten Seite lenken. So kann dies geschehen, indem ein Angreifer den ballführenden zentralen Abwehrspieler seitlich anläuft. Also die Seite zu der nicht gepasst werden soll. Gleichzeitig müssen die Mitspieler im Zentrum kompakt stehen und die Gegenspieler am Flügel, wohin der Spielaufbau gesteuert werden soll, dürfen nicht zu eng gedeckt sein.
Bereits vor dem Spiel sollte man seinen Spielern eine klare Vorgabe machen, wie sie den gegnerischen Spielaufbau steuern sollen. Viel Spaß nun zur Umsetzung eines weiteren Schrittes Richtung Selbstinitiative der Spieler. Die Zeiten des bloßen Reagierens sind vorbei. Mut, Selbstständigkeit, Kreativität, Entschlossenheit, Kollektiv usw., das sind die Stichworte des modernen Fußballs!
Aufgaben des Mittelfelds beim Spiel mit der Viererkette
Ein großer Irrtum der noch immer seine Kreise zieht ist der, dass man glaubt, dass das Spiel mit der Viererkette nur die Abwehr betrifft. Die Leser unserer Seite wissen natürlich, dass dies absolut falsch ist. Das Spiel mit der Viererkette betrifft die komplette Mannschaft! In diesem Artikel versuchen wir die Aufgaben der Mittelfeldspieler klar auf den Punkt zu bringen.
Unsere Initiative empfiehlt für Mannschaften die neu im Bereich der Viererkette vordringen, dass das Mittelfeld auch als Viererkette agiert. Dies bedeutet grundsätzlich, dass das Mittelfeld versucht bei gegnerischen Ballbesitz komplette hinter den Ball zu kommen, kompakt zu stehen und versuchen den Ball bereits vor der Abwehrkette zu erobern. Dabei bedient sich das Mittelfeld den gleichen taktischen Mitteln wie die Abwehr. Sollte der Gegner das Spiel verlagern, muss auch das Mittelfeld darauf achten, dass sie synchron verschiebt und keine gefährlichen Lücken dabei entstehen lässt.
Beim Angriff des Gegners über den Flügel, versucht der ballnahe Mittelfeldspieler den Angreifer zusammen mit dem Außenverteidiger zu doppeln. Die restlichen Mittelfeldspieler verschieben sich Richtung Ball. Im Idealfall verstellt der Außenverteidiger den Weg nach Außen für den Angreifer, um ihn nach Innen zum Mittelfeldspieler zu lenken.
Beim Angriff durch das Zentrum, wird der ballführende Gegner von den beiden ballnahen Mittelfeldspielern gedoppelt. Wird ein Mittelfeldspieler von einem Angreifer beim Doppeln unterstützt, oder schafft es nur ein Mittelfeldspieler druck auf den Gegner auszuüben, bildet dieser Mittelfeldspieler mit den beiden benachbarten Mittelfeldspielern ein Abwehrdreieck und der vierte Mittelfeldspieler rückt ein.
Wird nun vom Gegner ein Pass in die Tiefe zur Sturmspitze gespielt, jagen je nach Spielsituation ein bis zwei Mittelfeldspieler nach, um die Sturmspitze zusammen mit dem aufrückenden Abwehrspieler zu doppeln.
Sollten die zentralen Mittelfeldspieler erkennen, dass der Gegner Probleme mit der Ballannahme hat geben sie ein Kommando zum Pressing. Der ballführende Gegner wird nun von mindestens zwei Spielern attackiert und seine Anspielstationen aggressiv zugestellt. Alle Spieler schieben deutlicher Richtung Ball. Darauf achten, dass die Abwehrkette und der Angriff dabei nicht weiter als zehn Meter vom Mittelfeld entfernt ist.
Bei der Balleroberung strömen die Spieler in alle Richtungen aus um Anspielstation in Breite und Tiefe zu schaffen. Also verwirklichen sie so die Idee der Dreiecksbildung. Wird der Spielaufbau von einem Innenverteidiger initiiert, so bieten sich die beiden zentralen Mittelfeldspieler in deutlicher Tiefenstaffelung zum Zuspiel an. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler besetzten die Halbpositionen.
Übrigens bei der Balleroberung schalten sich die Außenverteidiger mit ins Angriffsspiel ein! Sie können z.B. den ballführenden Mitspieler auf ihrer Seite hinterlaufen oder Doppelpass mit den zentraler positionierten Mitspielern spielen. Lediglich die beiden Innenverteidiger bleiben hinter dem Ball. Sie bieten sich aber für Rückpässe an, um das Spiel verlagern zu können.
Neue Trainingseinheit zum Ballorientiertem Verteidigen
In dieser Trainingseinheit zum Ballorientierten Verteidigen geht es darum sich in Unterzahl korrekt zu verhalten (Übung 3), den ballführenden Angreifer korrekt zu doppeln und dann bei Ballgewinn schnell umzuschalten (Übung 2) und zuletzt in einer 2-gegen-2-Situation Druck auf den Ball auszuüben und dabei gleichzeitig den Passweg zuzustellen (Übung 1).
Die drei Ǜbungen werden parallel abgehalten und nach einer bestimmten Zeit wechseln die Spieler einen Parcours weiter, bis jeder Spieler jede Übung absolviert hat. Die Spieleranzahl in der Zeichnung ist mit 18 Feldspielern plus 1 Torwart angegeben. Sollte man über eine andere Spieleranzahl verfügen, könnte man z.B. die Übung 1 und 2 auch mit je 4 Spielern absolvieren.

5. Trainingseinheit der Initiative abwehrkette.de zum Ballorientiertem Verteidigen
Übung 1: Es werden zwei Mannschaft zu je drei Spielern gebildet. Im Feld wird 2-gegen-2 auf je einem Dribbeltor gespielt. Es befindet sich immer ein Spieler je Mannschaft außerhalb des Feldes. Die abwehrende Mannschaft muss in ihrer Hälfte bleiben und der Angriff ist beendet, wenn das gegnerische Stangentor überdribbelt wurde oder der eroberte Ball zum dritten Verteidiger außerhalb des Feldes gepasst wurde. Danach Aufgaben- und Spielerwechsel.
Übung 2: Die Spieler in drei 2er-Mannschaften aufteilen. Die Mannschaft C ist außerhalb des Feldes, die Mannschaft B verteidigt das Dribbeltor und die Mannschaft A verteidigt das Großtor. Ein Spieler A dribbelt nun Richtung Dribbeltor und versucht sich gegen die beiden Spieler B durchzusetzen. Der zweite Spieler A darf in dieser Aktion nicht eingreifen und befindet sich auf der Strafraumlinie. Mannschaft B doppelt nun Spieler A und kontert nach Ballgewinn auf das Großtor. Hierzu muss der zweite Spieler von A ausgespielt werden. Nach dem Konter wechseln die Mannschaften die Positionen: A geht nach B, B nach C und C nach A. Der Trainer achtet auf Abseits und dem korrekten Doppeln: Der vordere Verteidiger muss durch seitliche Stellung den Angreifenden zum tiefer postierten Verteidiger lenken.
Übung 3: Zwei 3er-Mannschaften bilden. Die angreifende Mannschaft spielt in Überzahl gegen zwei Verteidiger und versucht über das Stangentor zu dribbeln. Die Verteidiger dürfen ihre Hälfte nicht verlassen und versuchen durch geschicktes Verschieben den Ball zu erobern und dann zu dem Verteidiger außerhalb des Feldes zu passen. Ist dies geschehen wechselt das Angriffsrecht und ein Spieler der anderen Mannschaft verlässt das Feld. Der Spieler mit Ball dribbelt nun ins Zentrum und eröffnet dort das Spiel mit einem Pass zum linken oder rechten Spieler. Der Trainer achtet auf das korrekte Verschieben: Wenn der zentrale Angreifer in Ballbesitz ist, befinden sich die beiden Verteidiger in ganz leichter Tiefenstaffelung, ca. 4-5 Meter nebeneinander zentral vor dem Ballführenden. So besteht die Möglichkeit einen Pass nach außen abzufangen und bei einem Alleingang des Ballführenden ihn zu doppeln. Dribbelt der Ballführende Richtung Tor, bewegen sich die Verteidiger rückwärts. Im Spiel gewinnt man so wertvolle Zeit für nachrückende Mitspieler. Befindet sich der Ball bei einem Außenspieler, verschieben sich die beiden Verteidiger zum Ball und halten dabei die leichte Tiefenstaffelung (der ballferne Spieler steht tiefer) und den Abstand zueinander. So nimmt man dem Außenspieler die Möglichkeit in die Tiefe zu passen und ein direkter Seitenwechsel kann eventuell abgefangen werden.
Anschließend sollte die Mannschaft noch mit einem Abschlussspiel belohnt werden. Merkt man, dass es eine anstrengende Trainingseinheit für die Spieler war, sollte man keine taktischen Sonderreglungen vorgeben. Jedoch sollte man die Mannschaften so aufstellen, dass diese ballorientiert in allen Mannschaftsteilen agieren können, z.B. im 3-3-2-System.
Die Viererkette von Manchester United
In diesem Artikel werden wir kurz das Abwehrverhalten von Manchester United erläutern. Der schottische Trainer Alex Ferguson hat 2008 mit einer Doppel-Viererkette die Champions League gewonnen und 2009 scheiterte er erst im Finale gegen Barcelona.
Die Grundidee seiner Abwehrarbeit ist grundsätzlich sehr simpel. Sobald die gegnerische Mannschaft in Ballbesitz kommt, schieben sich fast alle United-Spieler hinter den Ball. Nur eine Spitze ist von allen Defensivaufgaben befreit.
Die Abstände zwischen den vier Spielern innerhalb der beiden Viererketten sind identisch, sie verschieben sich ballorientiert und ein Spieler übt druck auf den Ball aus. Das Verschieben erfolgt so geschickt, dass man entweder gegnerische Spieler in den toten Raum stellt (Stichwort: Deckungsschatten) oder direkten Zugriff auf sie hat, also ein eigener Mann nur wenige Meter vom angespielten Spieler entfernt positioniert ist.
Die Viererkette im Mittelfeld verschiebt sich ausschließlich seitlich. Sie lässt sich nicht herauslocken. So entstehen keine gefährlichen Lücken zentral vor dem eigenen Tor. Der Gegner ist somit zu ungefährlichen Querpässen gezwungen, die einmal wertvolle Zeit kosten und zum anderen abgefangen werden können. Aus diesen Balleroberungen ergeben sich sehr gute Kontermöglichkeiten. Fast 80 Prozent der Tore im Fußball fallen auf diese Art.
Bei Manchester United legt man also besonderen Wert darauf zentral sehr kompakt zu stehen. Pässe in die Schnittstelle der Abwehr erweisen sich so als äußerst schwierig. Ebenso erfolglos bleibt, aufgrund der Enge des Raums, ein kultiviertes Kombinationsspiel. Versucht der Gegner mittels 1-gegen-1-Situationen zum Spielvorteil zu kommen, so haben sich die United-Spieler bereits so verschoben, dass der Ballführende direkt von mindestens zwei Spielern attackiert werden kann.
Dafür ist man dann aber auf den Außenbahnen relativ offen. Der Gegner sieht so seine Möglichkeiten über außen zu Torchancen zu kommen. Doch dies ist nur trügerisch. Sobald der Ball nach außen gespielt wird, rückt sofort ein Mittelfeldspieler als fünfter Mann in die Abwehrkette. Diese steht nun noch kompakter als zuvor. Das Mittelfeld verschiebt sich gleichzeitig so, dass man auf alle Gegenspieler in Ballnähe Zugriff hat. So muss der Gegner den Ball nun wieder quer spielen.
Der größte Unterschied des Defensivverhaltens von Manchester United und dem auf dieser Seite gelehrten ist wohl der, dass der Gegner recht spät attackiert wird. Man versucht nicht den Gegner möglichst weit vom Tor fernzuhalten, sondern lässt ihn kommen und mit jedem Stück den der Ballführende näher zum eigenen Tor kommt, desto enger rücken die Spieler in den jeweiligen Viererketten zusammen. Man versucht so lediglich den finalen Pass zu unterbinden und dann nach der Balleroberung blitzartig zu einer Kontermöglichkeit zu kommen. Es ist aber eine sehr gut geschulte Abwehrkette nötig, damit der entscheidende Pass rechtzeitig erkannt und abgefangen werden kann.
Die Innenverteidiger stehen grundsätzlich wesentlich tiefer als hier auf der Seite vorgestellt. Sie wollen dadurch dem Gegner die Tiefe in ihrem Spiel nehmen. Sobald zentral ein Pass in die Tiefe gespielt wird, kann dieser von einem der beiden Innenverteidigern abgefangen werden und so einen Gegenangriff initiieren. Auch Flanken von den Außenpositionen versprechen, aufgrund der tiefen Staffelung der Abwehrreihe, keinen besonderen Erfolg. Man wird den Ball kaum in den Rücken der Abwehr spielen können.
Kommt es bei den gegnerischen Spitzen zu starken Bewegungen (z.B. Kreuzen), so lässt sich die Abwehrkette sofort ein paar Meter nach hinten fallen. Auch der Absicherungsgedanke ist stets gegenwärtig. Fährt man selber einen Konter ein und die beiden Viererketten sind noch nicht in Position, wird die angespielte Sturmspitze sofort von einem Innenverteidiger attackiert. Der andere Innenverteidiger versucht sich nun so schnell wie möglich ca. 5 Meter dahinter zu verschieben, um bei einem eventuell verlorenen Zweikampf des Mitspielers die Situation noch klären zu können.
Eine besondere Rolle kommt den beiden 6er-Positionen im United-Spiel zu. Ihre Aufgabe besteht darin eine erste Verteidigungslinie vor dem Tor aufzubauen, sobald der Gegner in die eigene Hälfte kommt. Die beiden 6er verschieben sich lediglich seitlich und befinden sich dann immer 5 – 10 Meter vor den beiden Innenverteidigern. Zusammen mit den beiden Innenverteidigern ergeben die beiden 6er einen derart starken 4er-Abwehrblock in der gefährlichen Zone zentral vor dem eigenen Tor, dass der Gegner lediglich zu einer Torchance kommt, indem er aus der zweiten Reihe schießt. Ist der Gegner dagegen auf Höhe der Mittellinie oder noch in seiner Hälfte, rückt ein 6er zum Attackieren heraus und die restlichen Spieler unterstützen ihn, indem sie ballorientiert verschieben. Der andere 6er bleibt dabei immer in der Zentrale vor den Innenverteidigern. Wird der attackierende 6er ausgespielt, rückt er sofort wieder auf seine ursprüngliche Position zurück und die Defensive kann sich so wieder aufs Neue formieren.
Die geheimen Strategien zum sicheren Torerfolg
Durch das Spielen mit Viererkette praktiziert man ein ständiges Verschieben, Pressen und Absichern. Dies sind die Charakteristiken einer möglichst häufig stattfindenden Balleroberung. Im Fußball fallen ca. 80 Prozent der Tore direkt nach einem Ballverlust des Gegners.
Aufgrund des ballorientierten Verschiebens schafft man permanent Überzahl in Ballnähe. Das heißt, dass man bei einer Balleroberung viele Anspielstationen in Ballnähe besitzt. Hat man nun den Ball erobert sind schnelle Pässe nach Vorne gefragt. Denn es ist davon auszugehen, dass die gegnerische Mannschaft bei einem Ballverlust recht weit aufgerückt ist. Dadurch hat man eine sehr gute Möglichkeit durch Überzahl vor dem gegnerischen Tor sich eine sehr gute Torchance zu erspielen.
Bei einer Balleroberung ist es nicht ratsam 1-gegen-1-Situationen zu suchen, einmal verliert man dadurch Zeit, so dass die gegnerische Verteidigung sich wieder organisieren kann und zum anderen nimmt man sich den Vorteil, dass man aufgrund des ballorientierten Verschiebens viele Anspielstationen besitzt. 1-gegen-1-Situationen sind in der Regel nur vor dem gegnerischen Tor sinnvoll, wenn man hier einen Gegenspieler ausspielt, ein anderer Verteidiger für ihn in den Bresche springt und somit die Deckung eines Mitspielers aufgeben muss. Dieser Mitspieler eignet sich nun hervorragend zum Anspielen.
Doch wie spielt man nun nach der Balleroberung den Ball am besten nach vorne? Dazu sollte man sich genau im Klaren sein, weshalb überhaupt Pässe im Fußball gespielt werden. Nämlich um Raum zu gewinnen. Es nützt selten was, wenn man einen Mitspieler der unter gegnerischen Druck steht den Ball zuspielt. Das Risiko ist viel zu groß, dass er den Ball verliert und der Gegner nun in der aussichtsreichen Situationen ist, die man ja gerade noch selbst besessen hat.
Wichtig ist nun, dass die Mitspieler Anspielstationen schaffen und zwar wie folgt:
- In Breite und Tiefe
- Den Deckungsschatten des Gegners verlassen
- Rückraum besetzen
In erster Linie sollte für den Ballbesitzenden das Ziel sein den Ball nach vorne zu spielen, um möglichst schnell möglichst viele gegnerische Spieler hinter dem Ball zu lassen. Sollte kein sicheres Passspiel nach vorne möglich sein, so sollte der Ball quer gespielt werden, sollte dies auch zu risikoreich sein, wird der Ball nach hinten gepasst um das Spiel auf die andere Spielfeldseite zu verlagern.
Da die gegnerische Mannschaft, gerade im Jugendbereich, sehr viel Zeit zum ballorientierten Verschieben benötigt, wird man auf der anderen Seite nun genügend freie Räume besitzen um den Ball schnell und sicher nach vorne spielen zu können.
Die Angreifer versuchen sich nun vor dem Ball zu schieben und auf einen Pass in die Schnittstelle der Abwehr zu lauern. Im Idealfall kreuzen die Angreifer noch vor ihren Aktionen, um den Verteidigern die korrekte Zuordnung ihrer Deckungsaufgaben zu erschweren. Der Pass in die Tiefe sollte druckvoll, flach und mit einem Blickkontakt erfolgen. Die sich daraus ergebende Torchance sollte ohne Zögern zielstrebig genutzt werden.
© Martin Hasenpflug

