Abwehrpressing: So siegen Außenseiter!

Was kann man als Trainer tun, wenn man gegen einen klar überlegenden Gegner spielt? Den Kopf in den Sand stecken oder anfangen zu beten? Bei beidem stehen die Aussichten was Zählbares aus der Partie mitzunehmen ziemlich gering. So kann dem Trainer in diesem Fall nur geraten werden etwas in die Trickkiste zu wühlen und zu einem taktischen Paukenschlag auszuholen.

Doch wie kann man etwas bewirken, wenn man auf einen individuell stärker besetzten Gegner stößt? Klar, man muss als Mannschaft stärker sein. Man muss eine Taktik wählen in der das Kollektiv im Mittelpunkt steht und nicht der Einzelspieler. Nur im ballorientierten Spiel kann hier Maximales erreicht werden. Denn nur dort, wo man sich stärker an die Position des eigenen Mitspielers orientiert, als an die Position des Gegenspielers, ist man in der Lage den ballführenden Gegner mit einem ganzen Mannschaftsverbund zu bekämpfen. Nur so erreicht man mit minimalem Kraftaufwand Überzahl in Ballnähe und damit die bestmögliche Ausgangsposition den Ball kontrolliert zu erobern und einen schnellen Gegenangriff einzuleiten.

Der schnelle Konter ist hier also das Zauberwort, wenn es gegen einen favorisierten Gegner geht. So kann man auch mit reduzierten technischen und kreativen Möglichkeiten zum Torerfolg kommen, da man gegen eine aufgerückte und in der Regel ungeordnete Abwehr angreift.

Um jedoch erst in der Lage zu kommen, den Ball für einen Konter zu gewinnen, müssen die Räume für den Gegner möglichst klein gehalten werden. Passspiele des Gegners können so bestmöglich abgefangen werden. Der Gegner muss gedoppelt werden, damit man die Zweikämpfe für sich entscheiden kann.

Es gilt also darum ein effektives Angriffsspiel des Gegners zu unterbinden. Für die eigene Mannschaft ungefährliche Pässe (Querpässe und Rückpässe) werden erlaubt, jedoch gefährliche Pässe Richtung eigenem Torzentrum massiv bekämpft. Dies führt von der Menge her zu mehr Ballbesitz für den Gegner, ist aber letztendlich nicht besonders effektiv. Dies erklärt auch den statistischen Wert, dass in der Regel die Mannschaft mit weniger Ballbesitz ein Spiel gewinnt.

Die benötigte Kompaktheit bei gegnerischen Angriffsversuchen erreicht man nur, wenn alle Spieler Defensiv handeln und konsequent verschieben. Schafft man es zwei Viererketten hinter den Ball zu bekommen und den ballführenden Gegner durch einen Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, können die beiden Angreifer nach hinten doppeln. So hat man die besten Chancen auf ein kontrollierten Ballgewinn und einem effektivem Gegenangriff steht nun nichts mehr im Wege.

Wichtig ist, dass der Gegner nicht zu früh attackiert wird. Wird dies gemacht, kann er mittels wenigen und einfachen Pässen eine ganze Reihe Spieler vor der Ballposition setzen, so dass diese keine Möglichkeit mehr für defensive Handlungen haben. So kann es dann sehr schnell gehen, dass alleine die Viererabwehrkette sich gegen den kompletten Angriffsverbund zur Wehr setzen muss.

Wartet man jedoch das Aufbauspiel des Gegners ab und bleibt tief stehen und reagiert auf Querpässe und Rückpässe alleine mit seitlichem Verschieben, so erreicht man maximale Kompaktheit. Wird nun die Linie der einzelnen Mannschaftsteile überspielt, wird Druck auf den Ball gemacht und nachgesetzt zum Doppeln. Wichtig für die Kompaktheit der Mannschaft ist es, dass die Mannschaftsteile eng zusammenstehen, ebenso die Spieler auf den benachbarten Spielpositionen (jeweils 8 bis 10 Meter).

Diese Spieltaktik bezeichnet man im Fußball als Abwehrpressing. Das Abwehrpressing kann man noch in zwei Varianten unterteilen. Bei der ersten Variante wird das gegnerische Angriffsspiel auf den Flügel gelenkt und bei der zweiten Variante ins Zentrum. Entscheidet man sich für Variante Zwei, so verschieben die beiden Angreifer, kurz nach der Mittellinie, auf gleicher Höhe mit vergrößertem Abstand zueinander ballorientiert.  Der Passweg ins Zentrum ist frei. Der dort postierte Gegenspieler darf nicht zu eng gedeckt werden, da man den Anschein erwecken will, dass dieser ungestört angespielt werden kann. Wird dies nun getan, wird dieser von allen Seiten attackierten. Die Angreifer setzen nach und ein zentraler Mittelfeldspieler übt Druck auf den Angespielten aus. Der zweite zentrale Mittelfeldspieler sichert ab. Im Fall, dass die beiden Angreifer nicht nachsetzen können, wird dem ballführende Gegner mittels Doppeln der Durchbruch Richtung des zweiten Mittelfeldspielers angeboten.

Variante Eins besagt, dass man das Angriffsspiel des Gegners nach Außen lenkt. Hier agieren die beiden Angreifer mit verringertem Abstand zueinander und in einer leichten Tiefenstaffellung. Die beiden Mittelfeldaußen stehen etwas tiefer, damit der Flügel unbesetzt wirkt. Erst wenn der Ball vom Gegner über die Mittellinie zu einem äußeren Spieler gepasst wird, beginnt die eigene Balleroberung. Der ballnahe Mittelfeldaußen rückt zum Ballführenden vor, verstellt die Außenbahn um ihn nach Innen zu einem zentralen Mittelfeldspieler zu lenken. Der ballnahe Angreifer setzt zum Doppeln nach Hinten nach. Der zweite Angreifer stellt das Zentrum zu und die beiden Viererketten bilden eine Abwehrsichel. Erkennt der zweite Angreifer einen Rückpass des Gegners, so rückt er vor um diesen abzufangen.

Variante Zwei ist deutlich einfacher umzusetzen, da es weniger Anspruch an einem korrekten Doppeln stellt. Für Anfänger ist also diese Variante zu empfehlen. Sollte der Gegner dabei nicht den Pass ins Zentrum suchen, so sollte generell auf Variante Eins umgestellt werden. Versucht nun der Gegner in die Lücke zwischen den beiden Angreifern zu dribbeln, sollte temporär auf Variante Eins umgestellt werden.

Wird nun der Ball erobert, rücken bis auf die beiden Innenverteidiger alle Spieler vor dem Ball um Anspielstationen in der Tiefe zu schaffen. Den ersten Pass nach Möglichkeit schnell in die Spitze spielen, um die kurzzeitige Unordnung des Gegners auszunutzen. Es ist auf eine ständige Dreiecksbildung zu achten, so dass der Ballführende stets Anspielstationen in Breite und Tiefe besitzt. Schafft man es einen Mitspieler in der “Red-Zone” (zentraler Bereich zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners) anzuspielen, so starten im Idealfall zwei Mitspieler links und rechts mit Temposteigerung in die Gasse, so dass der Ballführende zwei Passoptionen besitzt. Kreuzende Angreifer oder quer laufende Spitzen ist für jede Abwehr schwer in den Griff zu bekommen.

Sollte kein Anspiel in der Red-Zone möglich sein, so versucht man den Ball über den Flügel in den Strafraum zu flanken oder zu passen. Im Idealfall starten drei Spieler gestaffelt in den Ball und ein vierter besetzt den Rückraum. Gestaffelt bedeutet hier, je ballnaher sie sich befinden, desto geringer ist der Abstand zum gegnerischen Tor. Wichtig ist es immer mit Tempo in den Ball zu starten, um seine ganze Kraft in die Aktion zu bringen.

Also immer den Ball zielstrebig in die Tiefe spielen. Anspiele im Idealfall direkt weiterleiten oder zumindest mit dem ersten Kontakt in den freien Raum mitnehmen und dann mit den üblichen gruppentaktischen Angriffsmitteln (Doppelpass, Hinterlaufen, Pass in die Tiefe) agieren. In gegnerischer Tornähe 1-gegen-1-Situationen suchen und Mut zum Risiko zeigen. Vor dem Torschuss nochmal Kopf heben um die freie Ecke zielgenau anzuvisieren.

Spiel mit der Viererkette in drei Minuten erklärt

Dem Spiel mit der Viererkette eilt der Ruf voraus, sehr kompliziert zu sein und unheimlich versierte Spielertypen zu benötigen. Hier eine gute Nachricht für alle Trainer im Jugendbereich: Dies ist unwahr! Konzentriert man sich auf das Vermitteln der wesentlichen Elemente im Spiel mit der Viererkette, so benötigt man nicht länger als drei Minuten um diese der Mannschaft zu erklären.

Zugegeben, das Erklärte muss von jedem Spieler verinnerlicht werden. Denn im Spiel muss sehr schnell die richtige Entscheidung in Abhängigkeit der Position von Ball, Mitspieler und Gegenspieler getroffen werden. In dieser Reihenfolge! Auch zugegeben, dass das Spiel mit der Viererkette nicht gut funktioniert, wenn nur ein einziger Spieler sich nicht an die taktischen Vorgaben hält. Es muss also Ziel des Trainers sein diese beiden schwierigen Aspekte in den Griff zu bekommen.

Die Anweisungen an die Mannschaft sollten immer an einer Taktiktafel vorgenommen werden, damit man die entsprechenden Spielsituationen mit Magneten nachstellen kann. Es ist erwiesen, dass eine Kombination aus Wort und Bild den Spielern am stärksten im Gedächtnis haften bleibt.

Die folgende Erklärung sollte regelmäßig wiederholt werden und vereinzelnd durch Details erweitern. Da die Initiative abwehrkette.de für Mannschaften, die neu auf das Spiel mit der Viererkette umgestellt haben, das 4-4-2 mit flacher Vier empfehlen, wird sich folgende 3-Minuten-Erklärung auch danach ausrichten:

  1. Alle Spieler haben defensive und offensive Aufgaben!
  2. Befindet sich der Gegner in der eigenen Hälfte im Ballbesitz, so bilden die beiden Angreifer die erste Verteidigungslinie!
  3. Im Abstand von ca. 10-15 Meter verschieben sie sich ballorientiert auf einer Höhe!
  4. Die restlichen Spieler verschieben sich ebenfalls ballorientiert auf einer Höhe. Die Abstände zu den einzelnen Mannschaftsteilen beträgt ca. 10 Meter und die Abstände innerhalb der Mannschaftsteile ebenfalls 10 Meter.
  5. Wird die Verteidigungslinie der Angreifer überspielt, setzt der ballnahe Angreifer nach und doppelt nach hinten.
  6. Der ballnahe Mittelfeldspieler rückt vor und die anderen drei Mittelfeldspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
  7. Die 4er-Abwehrkette bildet nun hinter den Mittelfeldspielern eine Linie. Die Außenverteidiger rücken leicht vor, um eventuelle Pässe nach außen abfangen zu können.
  8. Wird das Mittelfeld überspielt, setzt ein ballnaher Mittelfeldspieler nach und doppelt nach hinten.
  9. Ein ballnaher Abwehrspieler rückt jetzt vor und die anderen drei Abwehrspieler rücken ein. Entweder bilden sie ein Abwehrdreieck oder eine Sichel, je nachdem ob sich der ballführende Gegner zentral oder außen befindet.
  10. Alle Mittelfeldspieler versuchen sich tiefer als die Ballposition zu postieren.
  11. Die beiden Angreifer brauchen, wenn das Mittelfeld überspielt wurde, keine Defensivaufgaben mehr zu erfüllen.
  12. Immer Kompakt und Zweikampfstark!

Das war nun unser Beitrag zur Fußballtaktik. Jetzt sind die Befürworter des gegnerorientierten Spiels gefragt, uns ihr Spiel in drei Minuten zu erklären…

Perfektes Zusammenspiel zwischen Viererkette und Mittelfeld

Die eifrigen Leser unserer Seite wissen bereits, dass das Spiel mit der Viererkette die ganze Mannschaft betrifft. Das Mittelfeld und der Angriff hat genauso wie die Viererkette, bei gegnerischen Ballbesitz Defensivarbeit zu leisten. Nur wenn die ganze Mannschaft aufeinander abgestimmt agiert, kann das Spiel mit der Viererkette seine volle Stärke entfalten.

Volle Stärke bedeutet kontrollierter Ballgewinn und direkte Einleitung des Offensivspiels. In den folgenden Bildern werden wir zeigen, wie das Mittelfeld in den verschiedenen Spielsituationen zu handeln hat. Wir gehen davon aus, dass die Mannschaft in einem 4-4-2 agiert. Das Spiel mit der Viererkette kann nach dem Studieren der Bilder noch besser verstanden werden und mit diesem Wissen wird man in der Lage sein, eigene Lösungswege für mögliche Spielsituationen zu finden.

Das Ganze können wir wieder als PDF-Datei anbieten, damit die Trainer die Möglichkeit haben es ihren Spielern auszudrucken.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball außen): Der druckausübende Außenverteidiger geht so in die seitliche Stellung, dass er den Ballführenden nach innen zum Mittelfeldspieler steuert. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde das Zentrum absichern.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball außen): Der druckausübende Außenverteidiger geht so in die seitliche Stellung, dass er den Ballführenden nach innen zum Mittelfeldspieler steuert. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde das Zentrum absichern.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball zentral): Der Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ballführenden aus. Die Außenverteidiger rücken etwas vor, um Querpässe abfangen zu können. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde helfen, den Ballführenden zu doppeln.

Unterstützung eines Mittelfeldspielers (Ball zentral): Der Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ballführenden aus. Die Außenverteidiger rücken etwas vor, um Querpässe abfangen zu können. Ein zweiter Mittelfeldspieler würde helfen, den Ballführenden zu doppeln.

Pass in die Tiefe: Bietet sich eine Sturmspitze als Anspielstation an, bildet die Viererkette ein Abwehrdreieck. Der Ballführende wird vom Mittelfeld gestellt oder gedoppelt. Erfolgt ein Pass zur Sturmspitze, doppeln möglichst zwei Mittelfeldspieler nach hinten.

Pass in die Tiefe: Bietet sich eine Sturmspitze als Anspielstation an, bildet die Viererkette ein Abwehrdreieck. Der Ballführende wird vom Mittelfeld gestellt oder gedoppelt. Erfolgt ein Pass zur Sturmspitze, doppeln möglichst zwei Mittelfeldspieler nach hinten.

Ball zentral: Das Mittelfeld erzeugt ein Abwehrdreieck und die Viererkette bleibt in Ausgangsposition mit leicht aufgerückten Außenverteidigern.

Ball zentral: Das Mittelfeld erzeugt ein Abwehrdreieck und die Viererkette bleibt in Ausgangsposition mit leicht aufgerückten Außenverteidigern.

Ball außen: Das Mittelfeld und die Viererkette erzeugen je eine Sichel. Der Mittelfeldaußen doppelt zusammen mit einem zentralen Mittelfeldspieler den ballführenden Gegner.

Ball außen: Das Mittelfeld und die Viererkette erzeugen je eine Sichel. Der Mittelfeldaußen doppelt zusammen mit einem zentralen Mittelfeldspieler den ballführenden Gegner.

Flugball: Sobald der Gegner zum Flugball in die Sturmspitze ansetzt, lassen sich die Spieler der Viererkette nach hinten fallen. Somit können sie mit Tempo in den Ball starten. Nach dem Flugball doppeln zwei ballnahe Mittelfeldspieler nach hinten.

Flugball: Sobald der Gegner zum Flugball in die Sturmspitze ansetzt, lassen sich die Spieler der Viererkette nach hinten fallen. Somit können sie mit Tempo in den Ball starten. Nach dem Flugball doppeln zwei ballnahe Mittelfeldspieler nach hinten.

Einfach und Erfolgreich spielen mit der Viererkette

Bayer Leverkusen ist in der Bundesliga eine der Überraschungsmannschaften der Saison. Nach dem 16. Spieltag befinden sich die Heynckes-Elf ohne Niederlage an der Tabellenspitze. Als zu Saisonbeginn der neue Trainer Jupp Heynckes kam, gab es einige Änderungen im System von Bayer. Bisher agierte man ständig im Pressing und spielte im Mittelfeld mit einer Raute. Das ständige Pressing wurde reduziert und auch von der Raute im Mittelfeld hat man sich verabschiedet. Man spielt nun mit einer Viererkette vor der Abwehrkette und es wird nun nur noch gezielt gepresst. Bei gegnerischen Ballbesitz im Mittelfeld verschieben sich zwei kompakte Viererketten hinter dem Ball und ein Angreifer übt Druck auf den ballführenden Gegner aus.

Die ballfernen Seiten werden bei Bayer komplett vernachlässigt. Das oberste Ziel lautet, Überzahl in Ballnähe zu schaffen und dabei die Räume so eng wie möglich für den Gegner zu gestalten. Dieses System unterscheidet sich relativ stark vom niederländischen System, welches Bayern München unter Louis van Gaal spielt. Hier ist das Spielfeld in Zonen unterteilt, welches das Ziel verfolgt, in jeder Spielsituation Zugriff auf alle gegnerische Anspielstationen zu haben.

Dieses klassische System der Heynckes-Elf ist im Grunde so einfach wie wirkungsvoll. Die Mannschaft hat schnell die Spielphilosophie ihres neuen Trainers verinnerlicht und stellt nun nach 16 Spieltagen die beste Defensive der Liga. Das sehr ausgeprägte ballorientierte Spiel von Bayer ist sogar so simpel, dass man es bereits in den Grundzügen in mittleren Jugendmannschaften recht schnell einführen kann. Die taktischen Vorgaben halten sich in Grenzen, was wiederum Raum für die kreative Entfaltung der Spieler zulässt.

Auffallend bei der Viererkette von Bayer ist, dass diese sehr stark und kompakt auf einer Linie agiert. Befindet sich der Ball beim Gegner im Mittelfeld, so versucht sie keine Tiefenstaffelung herzustellen. Es befinden sich so kaum Schnittstellen in der Viererkette für den finalen Pass. Dies führt dazu, dass die gegnerischen Spitzen dem Ballführenden oft entgegenstarten müssen. Das nutzt die Abwehrkette um aufzurücken und so den Raum für den Gegner noch mehr zu verengen.

Die Linie in der Abwehrkette wird aber unter gewissen Bedingungen aufgehoben. Befindet sich der ballführende Gegner im Mittelfeld nicht unter genügend druck, so lassen sich die beiden Innenverteidiger etwas in der Tiefe fallen. Auch lässt sich ein Innenverteidiger fallen, wenn der andere Innenverteidiger in den Zweikampf geht. Dies ermöglicht ihm im Falle eines verlorenen Zweikampfs seines Mitspielers noch rettend einzugreifen.

Die Seitenabstände der Viererketten bleiben beim Verschieben gleich. Jedoch werden die Seitenabstände in der Abwehrkette in dem Verhältnis geringer, wie sich der Gegner dem eigenen Tor nähert. Teilweise betragen die Abstände zueinander nur 2-3 Meter. Durch diese Kompaktheit in dem gefährlichen Bereich zentral vor dem Tor, versucht Bayer den Gegner nach außen zu drängen. Man vertritt hier ganz klar die Ansicht, dass der Flügel ungefährlicher für das eigene Tor ist als das Zentrum. Bei Bayer wird also immer von innen nach außen verteidigt, bzw. ihr Balleroberungs-System angewandt.

Nach der Balleroberung agiert Bayer sehr flexibel und zielstrebig nach vorne. Spätestens nach 3-4 Querpässen erfolgt der Pass nach vorne. Die Innenverteidiger schrecken auch nicht vor einem langen Pass in die Sturmspitze zurück. Hier versucht Bayer durch aggressives Pressing den zweiten Ball zu erobern und so gleich in einer aussichtsreichen Situation vor dem gegnerischen Tor zu kommen. Die Innenverteidiger schlagen auch lange Diagonalpässe zu den Mittelfeldaußen. Ihm rücken dann bewusst keine Mitspieler entgegen, die wiederum Defensivspieler des Gegners nach sich ziehen würden. So ermöglicht man dem Mittelfeldaußen eine 1-gegen-1-Situation am Flügel und, bei einem erfolgreichen Durchbruch, der Zug zum Tor. Oft rücken auch bei der Spieleröffnung der Innenverteidiger, die Mittelfeldaußen ins Zentrum als Anspielstationen und schaffen so Platz für vorrückenden Außenverteidiger.

Das Spiel Bayer Leverkusens ist auch dadurch gekennzeichnet, dass immer einer der beiden Angreifer sehr viel Defensivarbeit leistet. Er schließt u.a. Löcher im Mittelfeld und arbeitet am Flügel, um der anderen Spitze das Angriffszentrum zu überlassen. Erkennen die beiden Angreifer, dass Mitspieler den Ball erobert haben, versuch sie mit Tempo in die Spitze zu kommen. Dabei starten sie oft von einem Punkt und kreuzen sehr oft ihre Laufwege. Bietet sich einem Angreifer nicht der direkte Weg zum Tor, so behauptet er den Ball für nachrückende Mitspieler. Oft schieben auch beide Angreifer bewusst nach außen in einer Richtung, um so Räume für Spieler aus der zweiten Reihe zu schaffen.

Bei der Spieleröffnung des Gegners tief in deren Hälfte wird der Ballführende oft von den beiden Angreifern seitlich angelaufen, um so einen Pass ins Zentrum zu provozieren. Im Zentrum lauern dann Mitspieler die bei einem solchen Pass den Gegner sofort aggressiv attackieren. Die ganze Mannschaft schiebt dabei nach Vorne Richtung Ball. Diese Art des Forecheckings kostet zwar Kraft, doch gezielt im Verlaufe des Spiels angewandt, ergeben sich daraus oft sehr gute Torchancen und man vermittelt dem Gegner das Gefühl unter ständigem Druck zu stehen.

Moderner Fußball aus Sicht der Initiative abwehrkette.de

Von dem lokalen Fußball-Magazin Final-Kick wurden wir für einen Artikel zum Thema Viererkette befragt. Man wollte näheres über unsere Ansicht zum modernen Fußball wissen. Der Bitte kamen wir gerne nach und gaben folgende Antwort:

Wir machen auf unserer Webseite die klare Aussage, dass die Manndeckung in allen Klassen und Jugendmannschaften ad acta gelegt werden sollte und das möglichst schnell! Das Gegenteil der Manndeckung, das Ballorientierte Spiel kann mit den Vorteilen Punkten, dass Überzahl in Ballnähe mit wenig Kraftaufwand hergestellt werden kann. Es bleibt so Kraft für Pressingaktionen. Das Pressing an sich kann einfacher vermittelt werden, da die Mannschaft als Kollektiv agiert. Wer als Kollektiv agiert, weiß wiederum von den Vorteilen der Teamfähigkeit und ist in der Lage diese auch außerhalb des Fußballplatzes erfolgreich umzusetzen.

Das Ballorientierte Spiel wird teilweise auch als Ballgewinnspiel bezeichnet. Die Balleroberung ist der zentrale Gedanke aller Spieler beim Gegnerischen Ballbesitz. Deswegen wird im modernen Fußball von jedem Spieler erwartet innerhalb des Mannschaftsverbundes Initiative zu ergreifen und Kreativität zu zeigen. Spielpositionen die hauptsächlich von einer Sache geprägt sind oder gar nur das Reagieren auf Aktionen von Gegenspielern zum Inhalt haben sind unattraktiv und hemmen die fußballerische Entwicklung des Spielers.

Den Mannschaften wird im modernen Fußball also das Erobern des Balls erleichtert und wenn dies geschehen ist, haben sie aufgrund ihrer Spielweise viele geordnete Anspielstationen in Ballnähe. Dies erleichtert die Einleitung eines erfolgreichen Angriffs.

Ob das Ballorientierte Spiel jetzt mit Dreierkette oder Viererkette und davor mit Raute, flache Vier, drei Stürmern usw. praktiziert wird, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Teams ab. Wer jedoch die Meinung vertritt, dass das Ballorientierte Spiel mit einer Viererkette oder Dreierkette nur funktioniert, wenn man die richtigen Spieler hat oder Linienrichter oder Otto Rehhagel mit Libero ja auch Europameister wurde, der hat sich mit dem modernen Fußball nicht richtig auseinandergesetzt, bzw. nicht verstanden.

Die einzige offene Frage ob man mit Viererkette (Dreierkette) spielen kann oder nicht ist die, ob man als Trainer in der Lage ist diese zu vermitteln. Es gibt ehrenamtliche Trainer die in der C-Jugend-Kreisklasse erfolgreich mit Viererkette spielen. Da sollten bezahlte Trainer der Kreis- oder Bezirksliga erst recht in der Lage sein diese zu lehren. Ab Landesliga geht sowieso kein Weg mehr am modernen Fußball vorbei um mithalten zu können.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es Sinn macht bei der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel direkt auf die Vierkette zu setzen. Die Grundlagen der Viererkette sind nur unwesentlich umfangreicher als die der Dreierkette. Außerdem hat man die Möglichkeit im Mittelfeld ebenfalls mit Viererkette zu spielen. So kann man relativ schnell seine komplette Mannschaft auf das Ballorientierte Spiel umstellen.

Mit der Viererkette ist man unserer Meinung nach flexibler als mit der Dreierkette. So können sich die Außenverteidiger mit ins Angriffsspiel einschalten oder besetzen freie Räume zwischen Innenverteidigung und angreifendem Mannschafsverbund. Mit der Viererkette kann man auch offensiver spielen, da immer nur zwei (anstatt drei wie bei der Dreierkette) Spieler beim Angriff hinter dem Ballführenden bleiben. Mit einer Dreierkette ist es nicht einfach über die komplette Breite des Spielfeldes präsent zu sein, da ist ein geschicktes agieren der Mittelfeldspieler gefragt, was den einen oder anderen Spieler überfordern könnte.

Dagegen hat sich bei den Abschlussspielen im Training die Dreierkette bewährt. Wobei sich die Außenverteidiger bei einem Angriff immer mit einschalten und sich vor dem Ball schieben. So kann man ab fünf Spieler pro Mannschaft sehr gut das Ballorientierte Spiel wettkampfmäßig trainieren, ohne dabei das Offensivspiel vernachlässigen zu müssen.

Viererkette in der Kreisliga A

In der Tageszeitung Neue Westpfälische war neulich ein Artikel über den FC Pr. Espelkamp II und seinem Trainer Axel Krüger zu lesen. Anlass des Artikels ist der anhaltende Erfolg der Mannschaft. Als Aufsteiger hatte man den Klassenerhalt als Zielsetzung und rangiert nun auf Platz Zwei der Tabelle.

Der Trainer sieht die taktische Grundausrichtung seiner Mannschaft als einen wichtigen Faktor des Erfolgs. Vor Saisonbeginn gab es im Verein eine Trainersitzung in der man beschloss, dass die beiden Senioren Mannschaften, wie auch die A- und B- Jugend in Zukunft im 4-4-2 mit Viererkette spielt. Im Mittelfeld soll allerdings mit Raute gespielt werden und nicht mit der Flachen Vier, wie es von uns für die Jugend empfohlen wird. Dieses einheitliche System hat den Vorteil, dass man nicht zu jeder Saison bei Null anfangen muss, sondern aufbauend auf das Gelernte nun auch auf Details - die so oft im Fußball den entscheidenden Ausschlag geben - eingehen kann.

Axel Krüger erklärte, dass es zu Beginn einige Anlaufschwierigkeiten gab, aber dank der Lernwilligkeit der Spieler die Ballorientierte Verteidigung immer besser funktionierte. Im Moment hat die Mannschaft vier Spiele in Folge ohne Gegentor absolviert. Das Thema Viererkette wurde von den Spielern sehr positiv aufgenommen, so dass gerade in der Saisonvorbereitung die Trainingsbeteiligung sehr groß war.

Der Trainer sieht in dem neuen System vor allem den Vorteil, dass er nun nicht mehr persönliche Aufgaben verteilen muss, sondern nur noch Positionspezifische. Dadurch müsse er niemanden mehr groß Anweisungen geben. Außerdem sieht er einen weiteren Vorteil, dass man durch die neue Spielweise sehr viel besser Druck auf den Gegner ausüben kann und so schneller den Ball erobert.

Der Trainer erklärt, dass ihm die Umstellung sehr viel Spaß macht und er sich immer wieder über die Fortschritte freut. Diese Freude seien ihm zusätzliche Motivation und eine Rückkehr zur altbackenden Manndeckung sei für ihn und seine Spieler undenkbar.

Beim Stöbern im Netz sind wir auch auf den Blog Kabinenpredigt gestossen. Dieser wird vom Torwart einer Kreisliga-B-Mannschaft betrieben. Seine Mannschaft der Holzpfosten Schwerte (2005 gegründet) ist zur Zeit mit 12 Punkten und ohne Gegentor nach vier Spielen Tabellenführer. Natürlich mit Viererkette! :-)