Reformen im Jugendfußball durch den DFB
Matthias Sammer ist der jüngste Trainer der je in der Bundesliga-Geschichte Deutscher Meister wurde, heißester Nachfolgekandidat von Jogi Löw und aktuell Sportdirektor des DFBs. Nun hat er sich bei der Jugendfachtagung in Hannover für eine Reform der Spielfeldgröße und Spielerzahl im D-Jugendbereich ausgesprochen.
Die großen Spielfelder und hohe Spielerzahlen in diesem Altersbereich führen zu weniger Ballkontakte, weniger 1-gegen-1-Situationen und die Handlungschnelligkeit der Spieler wird nicht optimal gefördert. Körperlich robuste Spieler haben hier einen großen Vorteil gegenüber schmächtigere, aber dafür technisch besseren Spielern. Aus diesem Grund hören viele talantierte Spieler früh mit dem Fußball auf.
Der neue Vorschlag von Sammer sieht nun zwei verschiedene Modelle für die D-Jugend vor. Zum einen ein Spiel 7-gegen-7 auf einer Platzhälfte und zum anderen ein Spiel 9-gegen-9 von Strafraum zu Strafraum.
Durch die erhöhte Anzahl von Ballkontakten werden die fußballerischen Fertigkeiten besser gelernt und die Motivation Fußball zu spielen steigt dadurch auch, weil man einfach an mehr Spielsituationen direkt beteiligt ist.
Hinzu kommt die erhöhte Anzahl von 1-gegen-1-Situationen. Auch hier kann das Kind sich natürlich stärker verbessern, wenn es sich mehr in solchen Situationen auszeichnen kann. Gerade diesem Bereich sollte man als Trainer große Aufmerksamkeit schenken, weil die 1-gegen-1-Situation nicht umsonst als Keimzelle des Fußballs bezeichnet wird.
Auch die Koordination und Beweglichkeit wird auf kleinerem Raum besser geschult. Der DFB setzt sich seit Sammer vermehrt für Ball- und Bewegungsspiele aller Art in Kindergärten ein. Die WM 2026 wird bereits mit Spielern bestritten die heute Kindergärten besuchen. Außerdem setzt sich Sammer für einen täglichen Schulsport ein. Ganz nach dem Motto: Mens sana in corpore sano. (In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.)
Viererkette in der Kreisliga A
In der Tageszeitung Neue Westpfälische war neulich ein Artikel über den FC Pr. Espelkamp II und seinem Trainer Axel Krüger zu lesen. Anlass des Artikels ist der anhaltende Erfolg der Mannschaft. Als Aufsteiger hatte man den Klassenerhalt als Zielsetzung und rangiert nun auf Platz Zwei der Tabelle.
Der Trainer sieht die taktische Grundausrichtung seiner Mannschaft als einen wichtigen Faktor des Erfolgs. Vor Saisonbeginn gab es im Verein eine Trainersitzung in der man beschloss, dass die beiden Senioren Mannschaften, wie auch die A- und B- Jugend in Zukunft im 4-4-2 mit Viererkette spielt. Im Mittelfeld soll allerdings mit Raute gespielt werden und nicht mit der Flachen Vier, wie es von uns für die Jugend empfohlen wird. Dieses einheitliche System hat den Vorteil, dass man nicht zu jeder Saison bei Null anfangen muss, sondern aufbauend auf das Gelernte nun auch auf Details - die so oft im Fußball den entscheidenden Ausschlag geben - eingehen kann.
Axel Krüger erklärte, dass es zu Beginn einige Anlaufschwierigkeiten gab, aber dank der Lernwilligkeit der Spieler die Ballorientierte Verteidigung immer besser funktionierte. Im Moment hat die Mannschaft vier Spiele in Folge ohne Gegentor absolviert. Das Thema Viererkette wurde von den Spielern sehr positiv aufgenommen, so dass gerade in der Saisonvorbereitung die Trainingsbeteiligung sehr groß war.
Der Trainer sieht in dem neuen System vor allem den Vorteil, dass er nun nicht mehr persönliche Aufgaben verteilen muss, sondern nur noch Positionspezifische. Dadurch müsse er niemanden mehr groß Anweisungen geben. Außerdem sieht er einen weiteren Vorteil, dass man durch die neue Spielweise sehr viel besser Druck auf den Gegner ausüben kann und so schneller den Ball erobert.
Der Trainer erklärt, dass ihm die Umstellung sehr viel Spaß macht und er sich immer wieder über die Fortschritte freut. Diese Freude seien ihm zusätzliche Motivation und eine Rückkehr zur altbackenden Manndeckung sei für ihn und seine Spieler undenkbar.
Beim Stöbern im Netz sind wir auch auf den Blog Kabinenpredigt gestossen. Dieser wird vom Torwart einer Kreisliga-B-Mannschaft betrieben. Seine Mannschaft der Holzpfosten Schwerte (2005 gegründet) ist zur Zeit mit 12 Punkten und ohne Gegentor nach vier Spielen Tabellenführer. Natürlich mit Viererkette!
1-Tag-Crashkurs Viererkette
Nicht immer ist die Ausgangsposition eines Trainers so ideal, dass er zeitig seine Trainingsinhalte an die Spieler bringen kann. Vielleicht ist der Trainer in der Situation, dass er nur noch wenige Trainingseinheiten und Testspiele vor dem ersten Pflichtspiel zur Verfügung hat und trotzdem ein neues System einführen will oder muss.
Das primär behandelte System unserer Initiative ist die Viererkette. Ist es vielleicht möglich in einer Art Crashkurs die Grundlagen der Viererkette seiner Mannschaft zu vermitteln? So, dass diese direkt im nächsten Spiel praktiziert werden kann? Die Not macht erfinderisch und so werden auch Mittel und Wege gefunden.
Ein Weg wäre der Sondertrainingstag. Man beordert seine Spieler für eine Theorie- und zwei Praxiseinheiten zum Viererketten-Training zum Sportplatz. Man sollte insgesamt ca. mit drei Stunden inkl. Pausen rechnen. Eine ideale Teilnehmerzahl wäre 7-11 Spieler plus Torwart. Es sollten aber alle Spieler mit dem Spiel der Viererkette vertraut gemacht werden. Also ist es nahe liegend diese ganze Geschichte mit den restlichen Spielern zu wiederholen. Hier könnten dann z.B. noch die favorisierten Spieler für die Abwehrkette mitmachen, die schon bei der ersten Sondertrainingseinheit mit von der Partie waren.
Wichtig für den Trainer ist es, dass er in der Lage ist die Viererkette und das Ballorientierte Verteidigen korrekt zu vermitteln. Entgegen landläufiger Meinung muss man dazu nicht die richtigen Spieler haben und einen Linienrichter braucht man auch nicht um die Viererkette erfolgreich zu spielen! Also sollte sich der Trainer auf unserer Webseite vorab ausführlich über die Viererkette informieren. Er sollte sich die Abläufe aller Trainingseinheiten zu Gemüte führen, wie auch die verschiedenen Artikel. So ist man dann für alle Eventualitäten (z.B. Fragen der Spieler) gewappnet. Im Folgenden geben wir Stichpunktartig die Themen an, die unbedingt in der Theorieeinheit behandelt werden sollten:
Einleitung:
- Spiel mit der Viererkette betrifft die ganze Mannschaft
- Zukünftig konkurrenzfähig sein und sich auch gegen starke Mannschaften behaupten
- Respekt Dritter vor dem eingeübten Spielsystem
- Größere Aufmerksamkeit der Spieler für das ganze Spielgeschehen
Ballorientiertes Verteidigen:
- Verschieben → Überzahl in Ballnähe → einfachere Balleroberung durch doppeln → bei Ballgewinn Überzahl in Ballnähe
- Keine Manndeckung, sondern Raumdeckung → den Gegner zu Querpässen zwingen
- Gegenspieler werden übergeben. In der Abwehr nicht kreuzen!
Hauptvorteile:
- Durch den sicheren Abstand Gegner vom Tor fernhalten
- Überzahl in Ballnähe
- Passwege in der Tiefe sind zu
Weitere Themen:
- Stellungsspiel der Viererkette je nach Ballposition
- Abstände der Mannschaftsteile
- Pressingzone erklären, siehe Info 4er-Abwehrkette
- Mittelfeldpressing
- Aufgabe der Außenverteidiger → Offensivaufgaben → rouchieren
- Aufgabe des Torwarts
Ende der Theorie! Pause und dann geht es auf dem Platz wo idealerweise schon die Parcours für die ersten vier Übungen aufgebaut sind.
Übung 1:
Aus der ersten Trainingseinheit die Übungen 1 (Passweg zu) und 2 (Doppeln) erklären und ausführen lassen. Die beiden Flügelzonen des Grundparcours können so entfallen. Bei der ersten Aufgabe kann man auch anstatt den beiden Hütchentoren zur besseren Motivation zwei Minitore aufstellen. Zwei oder drei dieser Parcours aufbauen, damit alle Spieler parallel beschäftigt werden können. Dauer ca. 20 min.
Kurze Pause
Übung 2:
Man geht an den Parcours der bei der 2. Trainingseinheit zur Viererkette zu finden ist. Hierzu wurde ein Spielfeld vor dem Großtor aufgebaut. Der Strafraum wurde verlängert und der sichere Abstand markiert gleichzeitig die Mittellinie. Es sind Hütchen in vier verschiedenen Farben (oder durchnummerieren) auf der Mittellinie (sicherer Abstand) in gleichen Abständen postiert. Zwei Viererketten stehen jetzt jeweils ca. 5-7 Meter tiefer als die vier Hütchen. Der Trainer ruft eine Farbe (Nummer) auf und die beiden Viererketten postieren sich so, als wäre der Ball dort. Dies wiederholt man einige Male. Dauer ca. 10 min.
Übung 3:
Man bleibt in dem Parcours, aber es kommt jetzt der Ball mit ins Spiel. Ziel der angreifenden Mannschaft soll es zuerst sein mittels schnellem Kombinationsspiel eine Lücke in die Viererkette zu reißen und dort dann einen Pass in Tiefe zu spielen. Vor diesem Pass müssen die Mannschaften in ihrer Hälfte bleiben. Ist der Pass gemacht ist freies Spiel. Bei Ballverlust startet die angreifende Mannschaft von Neuem aus ihrer Hälfte. Jede Mannschaft soll ca. 5-7 Angriffsaktionen haben, dann wird gewechselt. Bei der zweiten Aufgabe ist die Vorgabe, dass das freie Spiel erst beginnt, wenn man den druckausübenden Abwehrspieler 1-gegen-1 ausgespielt hat. Welche Mannschaft erzielt mehr Tore? Dauer ca. 20 min.
Lange Pause
Übung 4:
Nun folgt die dritte Übung der 4. Trainingseinheit. Die nötigen Hütchen in vier verschiedenen Farben sind idealerweise bereits auf der anderen Hälfte des Platzes aufgebaut. Nun lernen die Spieler sich korrekt zu Stellen, wenn sie die komplette Platzbreite verteidigen müssen. Auch hier ruft der Trainer eine Farbe die dann die Position des Balls darstellen soll. Dauer ca. 10 min.
Übung 5:
Vor dieser Übung müssen entweder alle Parcours abgebaut werden oder man hat einen freien zweiten Platz zur Verfügung den man benutzen kann. Bei dieser Übung lernen die Spieler beim Verschieben die seitlichen Abstände einzuhalten. Die Mannschaft postiert sich in der 4-4-2-Ausgangsformation und der Trainer stellt sich an der Spitze der Mannschaft und läuft nun wahlweise in verschiedenen Richtungen (auch diagonal). Die gesamte Mannschaft macht die Laufwege des Trainers synchron mit. Dauer ca. 10 min.
Kurze Pause
Übung 6:
Im Abschluss-Spiel lässt man die Viererkette, idealerweise zusammen mit zwei 6er gegen den Rest der Mannschaft spielen. Die Viererkette kontert auf zwei Stangentore an der Mittellinie. Das Spiel wird immer vom Trainer an der Mittellinie eröffnet. Darauf achten, dass die beiden 6er verschieben und Druck auf den Ball ausüben, so dass die Viererkette nicht zu früh aufrücken muss. Dauer ca. 15 min.
Der Weg des DFB zur Weltspitze der Talentförderung
Mit dem Sieg der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden 2009 hat es zum ersten mal in der Fußballgeschichte ein Land geschafft mit drei Nachwuchsmannschaften innerhalb eines Jahres Europameister zu werden. Neben der U21, gewann auch die U19 und die U17 den Europameistertitel. Der letzte größere Erfolg der U21 lag schon 27 Jahre zurück. Damals unterlag man im Finale England mit einem Gesamtergebnis von 5:4.
Die neuerlichen Erfolge sind aber keine Zufälle, sondern die Ergebnisse großer Umstrukturierungen der Talentförderung des DFB. Seit 2002 wurden viele Bereiche der Jugendarbeit massiv überarbeiten. Dies war nötig, da bis dato viele Talente unentdeckt blieben, bzw. die entdeckten Talente nicht immer gezielt gefördert wurden.
Mit der Saison 2002/03 wurden in Deutschland 387 DFB-Stützpunkte eröffnet. In diesen Einrichtungen werden jedes Jahr ca. 16.000 Jugendliche von ca. 1.200 Honorartrainern, zusätzlich zum Vereinstraining, ausgebildet. Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich jährlich auf ca. 10 Millionen Euros. Ebenfalls seit 2002 sind alle Erst- und Zweitligisten dazu verpflichtet Leistungszentren zu unterhalten. Diese Kosten belaufen sich jährlich für die Vereine auf etwa 70 Millionen Euros.
Neben diesen beiden Projekten sind 2006 noch die Eliteschulen des Fußballs dazugekommen. Hier soll den potentiellen Profispielern die Doppelbelastung von Schule und Leistungssport genommen werden. Es findet eine parallele Ausbildung statt. Bereits im Rahmen des Vormittagsunterrichts sind Trainingseinheiten enthalten. Zusätzlich wird eine Reihe an verschiedenen Service, wie Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung und flexible Klausurtermine angeboten. Somit können die Eliteschulen optimal mit den Leistungszentren der Profivereine zusammenarbeiten. Die Eliteschulen werden von variablen Fördergeldern des DFB finanziell unterstützt.
Neben diesen drei Einrichtungen setzt der DFB auf eine verbesserte und intensiverer Trainerausbildung. So wird es z.B. keine Sonderbehandlung mehr für verdiente Ex-Profis geben. Um eine Profimannschaft zu trainieren ist eine 10-monatige Ausbildung zum Fußballlehrer nötig. Um eine Oberligamannschaft zu trainieren die DFB-A-Lizenz, um Stützpunkttrainer zu werden die B-Lizenz und um Trainer im U14-Nachwuchs-Cup zu werden die C-Lizenz.
Auch das gesamten Umfeld der U-Mannschaften ist professioneller geworden. So wird eine Datenbank mit dem Ziel unterhalten die verschiedenen Jugendnationalspieler gezielter fördern zu können. Es werden darin alle Informationen von sportmedizinischen Untersuchungen, Leistungstests, Spiel- und Spielerbeobachtungen eingepflegt. Auch der Trainerstab wurde bei allen U-Mannschaften stark erweitert. So gehören nun zu jeder Mannschaft, neben den Haupttrainern, drei Physiotherapeuten, jeweils ein Arzt, Psychologe, Fitnesstrainer, Torwarttrainer und Videoanalyst. Das ist ein vergleichbarer Umfang wie bei einem Bundesligisten.
Ein weiterer Grundpfeiler der DFB-Talentförderung ist der psychologische Aspekt. Man will starke Spieler mit einer starken Persönlichkeit und Siegermentalität ausbilden. Dazu werden die Spieler in Entscheidungen mit einbezogen, erhalten Medientraining und werden in ihrer Ausbildung weder unter- noch überfordert.
Des weiteren wird ein Schwerpunkt auf Individualtraining und der Förderung von Kreativität gelegt. Laut DFB fördert Individualtraining das Niveau einer ganzen Mannschaft. So werden regelmäßig bei Lehrgängen Techniktrainer heranzogen die dann 3-4 Spieler aus der Mannschaft herausnehmen und mit diesen ein spezielles Training absolvieren. Es werden dann z.B. Grundtechniken oder positionsspezifische Erfordernisse trainiert.
Auch hat der DFB eine einheitliche Spielphilosophie für alle Nationalmannschaften schriftlich vorgegeben. So sollen alle Mannschaften die Viererkette in einem 4-4-2-System spielen. Aus einer kompakten und disziplinierten Deckung heraus soll mit einer dynamischen Spielweise offensiv agiert werden. Das Mittelfeld soll in der Lage sein sich sehr schnell den verschiedenen Spielsituationen anzupassen, variantenreich und attraktiv Fußball zu spielen. Auch ein sicherer Spielaufbau mit überraschend schnell gestalteten Angriffsaktionen sind angesagt. Die Abwehrspieler sollen offensiv agieren und alle Spieler stets zweikampfstark - aber fair - agieren.
Die ersten Erfolge mit den neuen Strukturen sind also erzielt. Der DFB in Form von Matthias Sammer kündigte aber an, dass dies erst der Beginn der Entwicklung sei. Das neue Konzept sei mittel- und langfristig angelegt und deshalb sei von deutschen Nachwuchsmannschaften noch viel zu erwarten.
DFB-Chefscout und die Zukunft des Fußballs
Im Zuge der Weltmeisterschaft 2006 haben die beiden deutschen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Joachim Löw die Arbeitsstelle des DFB-Spielebeobachters geschaffen. Diese wurde an den Schweizer Urs Siegenthaler mit dem Ziel vergeben, eine Datenbank über die künftigen Gegner der deutschen Nationalmannschaft zu erstellen: Wie ist ihre Taktik? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wie sind sie zu schlagen?
Urs Siegenthaler erklärte nun in einem Interview mit dem Onlinemagazin Spox.com, dass er die Entwicklung im Fußball lange noch nicht als beendet sieht. In den letzten 20 Jahren hat man unheimlich große Verbesserungen in sämtlichen Bereichen erreicht. Es sei aber durchaus noch Potential zu weiteren Optimierungen. Wie schnell neue Trends durch einen erfolgreichen Vorreiter geschaffen werden kann, zeige das Beispiel der drei Stürmer von FC Barcelona. “Und plötzlich ruft die ganze Welt nach drei Stürmern”, sagt Siegenthaler. Doch ein einfaches kopieren bestehender Konzepte führe zu keinen Innovationen. Man sollte einfach über den eigenen Tellerrand schauen und an seinen individuellen Bedürfnissen angepasst was Neues schaffen. Vielleicht wird es eines Tages das Nonplusultra sein mit vier Stürmern zu spielen, meint Siegenthaler. Neue Ideen ließen sich am besten im Jugendfußball umsetzen, da die Spieler dort noch keine festen Schablonen im Kopf haben, wie man Fußballspielen zu hat.
Eines der wichtigsten Themen momentan im Fußball sei die Kreativität im Spiel der Mannschaften. Deren Umfang ist ein ausschlaggebender Punkt der heute über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Siegenthaler sieht im Schaffen von Kreativität einen neuen Schwerpunkt bei der Ausbildung von Fußballspielern. Um jedoch Kreativität zu schaffen ist eine feste Ordnung nötig. Nur auf dem Fundament von festen Regeln, Disziplin, Aufgabenzuordnung und eingeschliffenen Automatismen kann der Spieler kreativ werden. Kreativität im Fußball kann nicht entstehen, wenn der Spieler sich noch mit grundsätzlichen Fragen bewusst auseinander setzen muss.
Urs Siegenthaler war von 1987 bis 1990 beim FC Basel als Trainer aktiv. Im Anschluss wurde er Trainerausbilder des Schweizerischen Fussballverbandes. Bereits Anfang der 90er-Jahre verfügte die Schweiz über ein Ausbildungskonzept, welches eine einheitliche Spielphilosophie in den Jugendmannschaften und eine verbesserte Ausbildung der Jugendtrainer vorsah. Als die deutsche Nationalmannschaft noch mit dem gealterten Lothar Matthäus als Libero bei der WM 1994 in der USA antrat und gegen Bulgarien ausschied, gab man den Schweizer Jugendtrainern bereits das Spielen mit Raumdeckung und Viererkette vor.
Der Trainer vom VFL Bochum Marcel Koller erklärt die innovativen Ausbildungsmethoden der Schweiz so, dass man immer ein Ausbildungsland gewesen sei. Man konnte und kann sich keine teuren Spieler aus dem Ausland leisten und deshalb setzte man schon früh einen großen Augenmerk auf die Ausbildung eigener Talente. Joachim Löw der selbst in der Schweiz spielte und trainierte war von den Ideen Urs Siegenthalers so angetan, dass er ihn später zum DFB holte.
© Martin Hasenpflug
Tipps für die Umstellung auf 4er-Abwehrkette
Heute haben wir ein paar grundsätzliche Tipps zum erfolgreichen Umstellen auf die Viererkette. Eine der ersten damit verbunden Fragen ist immer der Zeitpunkt der Umstellung. Die Saisonvorbereitung bietet sich natürlich in erster Linie dafür an. In der Regel hat man dann mehr Trainingszeiten und genügend Testspiele vor der Brust um das Ballorientierte Verteidigen wettbewerbsmäßig einzustudieren.
Doch nicht nur die Saisonvorbereitung ist dafür ein guter Zeitpunkt. Auch das Ende der Saison, wenn weder Aufstieg noch Abstieg eine Rolle spielen und man mit einem neuen System neue Impulse setzen will ist für die Umstellung gut geeignet. Man darf keine Wunderdinge nach einer Woche erwarten. Man muss sogar damit rechnen, dass die ersten Spiele mit der Viererkette ergebnismäßig nicht so der Hammer werden. Wenn man aber den Luxus besitzt auch mal paar Spiele verlieren zu können, sollte man sofort umstellen. Nach 3-4 Wochen wird man dann umso stärker sein und zusätzlich wird die Mannschaft durch das neue System einen Motivationsschub erhalten.
Wichtig ist es als Trainer schon vor der ersten Trainingseinheit zur Viererkette sich mit dem ganzen System vertraut zu machen. Also alle Informationen und den Ablauf aller Trainingseinheiten hier auf der Seite genau durchlesen. So hat man von Beginn der Umstellung eine klare Vorstellung über das Lernziel und ist gewappnet auf Fragen der Spieler, die über die erste Trainingseinheit hinaus gehen.
Auch über die speziellen Trainingseinheiten zur Umstellung auf die 4er-Abwehrkette hinweg, sollte man in den Abschluss-Spielen immer das Ballorientierte Verteidigen berücksichtigen und dann auch von den Spielern fordern. Also immer mit mindestens drei Abwehrspielern spielen, bei größeren Mannschaften dann natürlich mit richtiger Viererkette. Die Spieler vor der Abwehr müssen sich natürlich entsprechend verhalten.
Also liebe Trainer weiter fleißig umstellen…
Jugendkonzept für Vereine
Immer wieder werden wir nach einem geeigneten Jugendkonzept für Vereine gefragt. Aus diesem Grund haben wir jetzt mal einige wichtige Punkte für unsere Besucher zusammengefasst:
Allgemein:
- Mitarbeiter mobilisieren, um die anfallenden Arbeiten auf mehrere Schultern zu verteilen. Frust entsteht oft durch Überarbeitung und Überforderung.
- Respektvoller Umgang untereinander. Immer im Sinne des Vereins handeln.
- Wissen was in den Vereinen in der Nachbarschaft vor sich geht.
- Auf wenige Kernelemente konzentrieren. Z.B. nicht mehr Mannschaft anmelden, als man in der Lage ist vernünftig zu betreuen.
- Guten Informationsfluss untereinander anstreben. Die Trainer z.B. über für sie relevante Vorgänge im Verein rechtzeitig informieren.
Reputation:
- Alle Mannschaften mit Trainingsanzügen, Aufwärmpullis, Taschen usw. ausstatten.
- Eine klare Linie verfolgen, wo dann auch mal das Bedürfnis des Einzelnen zurückstecken muß. Z.B. Falls mehrere Mannschaften pro Jahrgang vorhanden sind, keine wilde Rumwechselei der Spieler zwischen den Teams.
- Gut organisierte Turniere mit Mannschaften aus der Nachbarschaft und eventuell namhaften Vereinen organisieren. Gutes Verhältnis zum Kreisverband, Schiedsrichter und anderen Vereinen pflegen.
- Charakterliche und fußballerische Entwicklung der Spieler ist wichtiger als Punkte zu sammeln.
- Eine moderne und aktuelle Internetseite.
Training:
- Trainer zu Fortbildungen animieren. Zielsetzung sollte hier sein, dass alle Trainer über Trainerlizenzen verfügen.
- Für ausreichend und qualitativ hochwertige Trainingsmaterialien sorgen.
- Trainer mit Lehrmaterialien ausstatten (z.B. Fußballtraining mit Kids - In 12 Wochen zum Spitzenteam).
- Kind- und Jugendgerechtes Training. Tabellenstand ist nicht immer gleich Entwicklungsstand.
- Einen modernen Fußball spielen. Ab der C-Jugend sollte z.B. mit 4er-Abwehrkette gespielt werden.
- Torwarttraining ab der D-Jugend anbieten.
Sponsoren:
- Sponsoren für den Verein mobilisieren. Man bedenke, dass gute Mitarbeiten oft nicht für umsonst kommen.
- Ideen entwickeln die Geld einbringen. Turniere nach Sponsoren bezeichnen, Fanartikel verkaufen, Fußballschule, Vereinsfeste usw.

