Spielbericht: C-Jugend mit Viererkette
An dieser Stelle ein Spielbericht zum Meisterschaftsspiel der Leistungsklasse in der C-Jugend. Es spielte der Tabellenführer (zweitstärkst ambitionierter Verein Düsseldorfs) gegen den Tabellenvierten. Der Verein des Tabellenvierten ist ein kleiner Dorfverein, der es aber geschafft hat alle Mannschaften in der Leistungsklasse unterzubringen. Es soll mit diesem Bericht gezeigt werden, dass man auch unter diesen Umständen mit der richtigen Arbeit mit großen Vereinen ein wenig mithalten kann.
Der Tabellenvierte hat zu Saisonbeginn auf Viererkette und dem ballorientierten Spiel umgestellt. Er favorisiert das Kurzpassspiel zum Kreieren von Torchancen. Es werden lediglich zwei Trainingseinheiten / Woche absolviert und es müssen auch die üblichen Handicaps eines kleinen Vereins wegsteckt werden. Also Trainer nicht auf optimale Bedingungen für eine Umstellung auf Viererkette warten, denn diese treten womöglich nie ein und funktionieren kann es mit der richtigen Vorgehensweise auch so.
Nun der Bericht:
U15: 0:3-Niederlage gegen übermächtige Düsseldorfer
Am gestrigen Mittwoch fand das vorgezogene Meisterschaftsspiel gegen Turu 80 Düsseldorf statt. Bis auf ein Spieler waren wir komplett. Wir hatten aber trotzdem ein Spieler der C2 auf der Bank, da unser Kader mit 16 Spielern recht dünn ist.
Für uns sprach vor dem Spiel, dass wir dem Gegner im Hinspiel drei seiner sieben Gegentore bescherten und, dass wir seit dem Hinspiel gerademal ein Gegentor hinnehmen mussten. Für den Tabellenersten Turu 80 sprach einfach die Qualität der Mannschaft. Seit fast einem halben Jahr jedes Spiel gewonnen, eine fast dreimal bessere Tordifferenz als der zweite der Tabelle und 12 Punkte Vorsprung. Der 25 Spieler-Kader mit fast ausschließlich 95er-Jahrgang trainiert dreimal in der Woche, in der Vorbereitung sogar jeden Tag und dementsprechend wundert es auch nicht, dass sie selbst ein Testspiel gegen Junioren-Bundesliga gewonnen haben.
Wir gingen zwar als krasser Außenseiter ins Spiel, sahen uns aber nicht chancenlos. Wir wussten, dass wir eine Minimalchance besitzen, falls wir am heutigen Tag über uns hinaus wachsen. An unserer Taktik änderten wir nichts, sondern nahmen uns lediglich vor, bei gegnerischen Ballbesitz noch kompakter zu stehen, noch mehr nach hinten zu doppeln und noch disziplinierter zu spielen.
Die ersten 3 bis 4 Minuten wollten wir den Gegner mittels Pressing unter Druck setzen, um damit unsere Ambitionen für einen Punktgewinn zu unterstreichen. Mittels kompromisslosen Einsatz, individuell guten Aktionen und schönem Kurzpassspiel nach vorne konnten wir die ersten Halbzeit absolut gleichwertig gestalten. Wir erspielten uns einige Torchancen und vergaben auch zweimal freistehend vor dem gegnerischen Tor. Turu versuchte durch lange Pässe auf ihre schnellen und starken Angreifer Torchancen zu bekommen. Zwei Minuten vor der Pause war es dann auch genau so ein Ball den ein Turu-Angreifer aus spitzem Winkel ins obere kurze Eck schoss.
Der Gegentreffer kurz vor der Halbzeit war bitter, aber wir sahen, dass wir gegen Turu mithalten konnten und ein Tor Rückstand kann schnell aufgeholt werden. Deswegen versuchten wir auch in der zweiten Halbzeit mit Pressing zu starten. Die Spielanteile lagen bei uns, wir kamen auch oft vors gegnerische Tor, doch richtig gute Torchancen konnten wir leider nicht mehr gegen die beste Abwehr der Liga kreieren. So waren es dann auch wieder zwei dieser langen Bälle, auf die schnellen Angreifer, die für die Gegentore zwei und drei sorgten. Bis zum Schluss hat unsere Mannschaft aber vorbildlich gespielt und gekämpft und selbst beim 3:0-Rückstand nicht aufgegeben und weiter nach vorne gespielt. Turu verhielt sich wie eine Spitzenmannschaft, spielte schnörkellos und effektiv und machte aufgrund der Stärke ihrer Einzelspieler auch kaum individuelle Fehler.
Nach dem Spiel gab es für unsere Mannschaft Lob von allen Seiten. Man sprach sogar von unserer besten Saisonleistung und selbst der gegnerische Trainer attestierte uns, dass wir den schöneren, aber halt nicht den effektiveren Fußball gespielt haben. Nach dem Spiel wurden zwei Spieler für ein Testspiel der Kreisauswahl Düsseldorf (am 8.3. gegen Kreisauswahl Krefeld) eingeladen. Auch dies werten wir als Erfolg für unsere Arbeit.
Ansonsten ist noch zu erwähnen, dass das Spiel von beiden Seiten, trotz der Intensität, sehr fair verlief. Der Schiedsrichter hatte keine Probleme das Spiel zu leiten und auch die Trainer/Betreuer der Gäste aus Düsseldorf erwiesen sich als sehr faire Sportskameraden.
Erfolgreich in der C-Jugend auf Viererkette umgestellt
Theorie ist immer gut und schön, aber funktioniert dies auch in der Praxis? Diese Frage wird sich der eine oder andere Leser unserer Seite schon gestellt haben. Gerade dann, wenn man sich nicht sicher ist ob etwas funktioniert, können einem Erfahrungsberichte enorm weiterhelfen. Einen solchen Erfahrungsbericht möchten wir mit diesem Artikel liefern.
Ausgangslage beim Umstellen auf Viererkette in der C-Jugend war eine durchschnittliche Mannschaft in der noch kein Spieler mit der Viererkette spielte und auch kein Spieler Vorwissen in diesem Bereich besaß. Es war auch nur wenig Vorwissen im Bereich 1-gegen-1 in der Defensive vorhanden.
Mit einer dreiwöchigen Vorbereitung begann man mit der Einführung der Viererkette, wie sie in Spielend zur Viererkette beschrieben ist. Während der Saison wird zweimal trainiert auf Kunstrasen und Asche. In dieser Zeit wurde nach dem Konzept von Fußballtraining mit Kids trainiert. Es wurde also nach der Vorbereitung nur noch relativ wenig Viererkette trainiert. Es beschränkte sich meist darauf, dass man ab und zu 4-gegen-4 spielte, bzw. im Abschlussspiel wert auf eine ballorientierte Verteidigung legte.
Vom ersten Spiel an wurde konsequent mit Viererkette gespielt und im Laufe der Saison nur zweimal kurz vor Schluß auf Dreierkette, zugunsten eines dritten Stürmers, umgestellt. Damit hatte man dann jeweils einen Rückstand aufgeholt.
Die Viererkette war somit vom ersten Saisonspiel an wettkampftauglich. Im Laufe der Saison verbesserte sie sich kontinuierlich und es wurden immer mal “neue” Spieler in die Viererkette integriert, so dass nach 2/3 der Saison viele Konstellationen für den Trainer möglich sind.
Tabellarisch hat man sich in der Spitzengruppe der Leistungsklasse mit den zweitmeisten geschossenen Toren festgesetzt. Zusätzlich hat man, wenn man ein einziges Spiel streicht, auch die wenigsten Gegentreffer der Liga bekommen. Zwischen dem Hinspiel und dem Rückspiel des nächsten Gegners kassierte man inkl. Freundschaftsspiele nur einen Gegentreffer. Das sind ca. vier Monate.
Man mag vielleicht einwenden, dass man auf besonders komfortable Arbeitsbedingungen stieß. Aber auch als Trainer dieser Mannschaft ist man mit diversen Problemen konfrontiert, wie sie oft im Jugendbereich vorzufinden sind.
Nach ca. sechs Monaten Viererkette kann man sagen, dass diese Spielweise in der Mannschaft kein großes Thema mehr ist und einfach ohne groß drüber nachzudenken umgesetzt wird. Probleme würde man nur bekommen, wenn man jetzt von den Spielern erwarten würde, dass sie wieder Gegnerorientiert spielen sollten. Die Viererkette ist zu einer solchen Selbstverständlichkeit gewachsen, dass die Spieler garnicht mehr genau wüssten wie sie ihr altes Spiel umsetzen sollten.
Die souveräne Spielweise der Viererkette ist schon DFB-Stützpunkttrainern aufgefallen. Die von sich aus mit diesem Thema an den Trainer herantraten. Durch das moderne Spiel wird man für den DFB interessant und es steigen die Chancen der Spieler für die Kreisauswahl nominiert zu werden.
Neulich wurde die Initiative abwehrkette.de gefragt, auf welche typische Anfängerfehler man bei der Umstellung achten sollte. Deshalb werden wir hier zum Schluss noch kurz erwähnen, dass das Stellungsspiel, wie auch das Verschieben und doppeln sehr schnell gelernt wird.
Größere Aufmerksamkeit sollte man dagegen seinen Innenverteidigern widmen. Die müssen auf jedenfall lernen, dass sie bei einem Flugball des Gegners in die Spitze, sich sofort in die Tiefe fallen lassen, damit sie mit Tempo in den Ball gehen können. Erfahrungsgemäß dauert es etwas länger bis die Abwehr begreift, dass sie nur knapp 10 Meter hinter dem Mittelfeld postiert sein soll. Die Außenverteidiger sollen sich immer ins Angriffsspiel einschalten oder zumindest den freien Raum zwischen Innenverteidigung und dem Angriffsschwall besetzen. Auch alle Spieler (besonders aber die Innenverteidiger) immer wieder auffordern den in den Zweikampf gehenden Mitspieler abzusichern. Angreifer oder Mittelfeldspieler die ausgespielt oder überspielt werden, setzen nach und versuchen nach hinten zu doppeln. Der ballnahe Innenverteidiger rückt zum ballführenden Gegner vor und bildet zusammen mit seinen Mitspielern ein Abwehrdreieck.
Wer ähnliche Erfolge verbuchen möchte, wird in Spielend zur Viererkette einen guten Ratgeber finden!
Reformen im Jugendfußball durch den DFB
Matthias Sammer ist der jüngste Trainer der je in der Bundesliga-Geschichte Deutscher Meister wurde, heißester Nachfolgekandidat von Jogi Löw und aktuell Sportdirektor des DFBs. Nun hat er sich bei der Jugendfachtagung in Hannover für eine Reform der Spielfeldgröße und Spielerzahl im D-Jugendbereich ausgesprochen.
Die großen Spielfelder und hohe Spielerzahlen in diesem Altersbereich führen zu weniger Ballkontakte, weniger 1-gegen-1-Situationen und die Handlungschnelligkeit der Spieler wird nicht optimal gefördert. Körperlich robuste Spieler haben hier einen großen Vorteil gegenüber schmächtigere, aber dafür technisch besseren Spielern. Aus diesem Grund hören viele talantierte Spieler früh mit dem Fußball auf.
Der neue Vorschlag von Sammer sieht nun zwei verschiedene Modelle für die D-Jugend vor. Zum einen ein Spiel 7-gegen-7 auf einer Platzhälfte und zum anderen ein Spiel 9-gegen-9 von Strafraum zu Strafraum.
Durch die erhöhte Anzahl von Ballkontakten werden die fußballerischen Fertigkeiten besser gelernt und die Motivation Fußball zu spielen steigt dadurch auch, weil man einfach an mehr Spielsituationen direkt beteiligt ist.
Hinzu kommt die erhöhte Anzahl von 1-gegen-1-Situationen. Auch hier kann das Kind sich natürlich stärker verbessern, wenn es sich mehr in solchen Situationen auszeichnen kann. Gerade diesem Bereich sollte man als Trainer große Aufmerksamkeit schenken, weil die 1-gegen-1-Situation nicht umsonst als Keimzelle des Fußballs bezeichnet wird.
Auch die Koordination und Beweglichkeit wird auf kleinerem Raum besser geschult. Der DFB setzt sich seit Sammer vermehrt für Ball- und Bewegungsspiele aller Art in Kindergärten ein. Die WM 2026 wird bereits mit Spielern bestritten die heute Kindergärten besuchen. Außerdem setzt sich Sammer für einen täglichen Schulsport ein. Ganz nach dem Motto: Mens sana in corpore sano. (In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.)
Erfahrungsbericht Viererkette in der C-Jugend
Wir freuen uns immer wieder zu lesen, wenn außenstehende Trainer von unserer Webseite inspiriert werden und das Wagnis eingehen auf Viererkette umzustellen. Entgegen landläufiger Unwissenheit - wo wir schon zur Genüge darauf hingewiesen haben - benötigt man zum Spielen der Viererkette keine Bundesligaprofis, sondern lediglich einen Trainer der in der Lage ist das System zu vermitteln.
Dass mit der Viererkette untrennbare Ballorientierte Spiel ist sogar das natürliche Verhalten jeden Spielers. Man muss sich nur mal Spiele der Bambinis oder der F-Jugenden ansehen. Hier wird man feststellen, dass alle Spieler sich zum Ball hinbewegen und irgendwie auch immer mitmischen wollen. Im Ballbesitz denken alle Spieler offensiv und bei gegnerischen Ballbesitz wollen alle Spieler den Ball schnellstmöglich wieder zurück. Erst die falschen Anweisungen der Trainer führt dazu, dass die Spieler sich mehr an den Gegenspieler, anstatt an den Standort des Balls orientieren und stur ihre Position halten, anstatt sich dynamisch und kreativ in jeder Spielsituation mit einzubringen. Durch diese Spielweise unterdrücken die Spieler ihren natürlichen Instinkt in jeder Spielsituation für die Mannschaft aktiv zu sein. Dies hat zur Folge, dass die Spieler eine Art von Passivität entwickeln die absolut abträglich ihrer fußballerischen Entwicklung ist.
Vor ein paar Tagen bekamen wir einen Bericht per E-Mail von einem Trainer der mit seiner C-Jugend erfolgreich mit Viererkette in einer unteren Liga spielt. Ohne Niederlage und mit nur sieben Gegentoren in fünf Spielen ist er Punktgleich mit dem Tabellenführer. Er hat uns einen Spielbericht zu seinem letzten Spiel zugesandt, welches er 1:0 gegen den bisherigen Tabellenführer gewonnen hat. Diesen möchten wir an dieser Stellen wiedergeben:
Die Aufstellung wurde nur auf zwei Position verändert. Tobias K. wurde im linken Mittelfeld aufgestellt, da er mit Tobias S., dem linken Außenverteidiger ein besseres Duo bildete. Allerdings hatte Tobias K. im Training sehr große Unsicherheiten in der Ballannahme und beim Passen gezeigt. Er war allerdings ein Kämpfer und des sollte er auch unter Beweiss stellen. Im Sturm spielte Philip für Alexander, der leider das Abschlusstraining am Freitag unentschuldigt verpasst hatte. Kurze Denkpause für Ihn.
1. Hz: Aufgeregtes Hin-und-Her-Gebolze ohne dass unsere Mannschaft so richtig ins Spiel gefunden hat. Wir haben sehr viele Bälle im Mittelfeld durch dummes nach vorne schiessen verloren und unsere gesamte Angriffsseite war blass. Unsere 14, war bis dato ein Totalausfall, obwohl er immer zu einem der besten im rechten Mittelfeld gehörte. Unsere 6 hat endlich gezeigt, warum er Captain ist. Er hat in den Zweikämpfen gezeigt, warum er seinen Stammplatz bekommen hat. Endlich ging er in die Zweikämpfe. Unsere rechte Angriffsseite war praktisch nicht vorhanden, unsere besten 8 und 10 waren absolut unauffällig. Es dauerte bis zur 25. Spielminute, dass wir den ersten Torschuss auf das gegnerische Tor landen konnten. Wobei der Torwart hier zeigte, dass er das Fangen nicht wirklich beherrschte. Unser Abwehrspieler 3, hat in Sachen kontrollierter Ballannahme und Passen wahrscheinlich immer gefehlt. Bolzen war seine Devise. Sichere Bälle zu den Mitspieler in der Viererkette waren so gut wie nicht vorhanden. Er wurde bei einer Aktion verletzt und konnte nicht mehr Laufen. Halbzeitstand: 0:0
In der Halbzeitpause habe ich den Jungs nochmal klar gemacht, dass sie definitiv alles drauf haben. Aber den Gewinner unterscheidet vom Verlierer, dass er das gelernte zum richtigen Zeit abrufen kann.
2. Hz: Direkt nach der Halbzeit erzielten wir das 1:0 (Abstaubertor) durch unsere 7, der danach wie geplant ausgewechselt wurde. Durch die verletzte Nummer 3 mussten wir unseren 8-er auf die Position des rechten Außenverteidigers stellen und den anderen Außenverteidiger auf die Innenverteidiger-Position. 13 - 11 - 5 - 8 war die neue Abwehrkette. Nach dem Tor und der Umstellung, der Bolzer war raus. Wurde endlich so ein Fussball gespielt, wie wir es trainiert hatten. Es spielte fortan nur noch eine Mannschaft - Wir! Kurze, direkte Pässe die auch ankamen und schöne Spielzüge ermöglichten. Wir hatten in zehn Minuten mehr Torchancen als in der gesamten ersten Halbzeit zuvor.
Schlusspfiff und wir haben gewonnen. Ungeschlagen sind wir bisher, leider aber auch nur Tabellenzweiter - schlechteres Torverhältnis. Wahrscheinlich bis zum 18.10. dann treffen unsere Verfolger aufeinander.
Trainertagebuch: Einführung der Vierer-Abwehrkette
Hier auf der Seite findet man mittlerweile viele Informationen zum Umstellen von Manndeckung auf das Ballorientierte Spiel. Doch funktioniert das wirklich wie beschrieben? Theorie und Praxis liegen ja oft weit auseinander.
Deshalb gibt es heute ein Bericht aus der Praxis, wie ich bei einer C-Jugend die 4er-Kette nach dem hier dargestellten Schema eingeführt habe. Außerdem erwähne ich hier im Trainertagebuch wie ich weiteren Schwerpunkte nach dem Buch Fußballtraining mit Kids ergänzend zum neuen System trainieren ließ und welche Früchte die Sache in den darauffolgenden Spielen trug.
Ausgangspunkt war eine Mannschaft mit 18 Spielern. Sie setzt sich wie folgt zusammen:
- Zwei Spieler haben in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang in der Leistungsklasse (zweitniedrigste Liga) gespielt
- Zwei gute Spieler wechselten von fremden Vereinen
- Vier Spieler des jüngeren Jahrgangs wurde hochgezogen, die in der Vorsaison in der D-Jugend-Leistungsklasse spielten
- Der Kern der Mannschaft landete in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang auf dem vorletzten Platz in der Kreisklasse (niedrigste Liga)
Keiner der 18 Spieler war zuvor mit der Viererkette oder dem Ballorientiertem Spiel vertraut. Fast genau vier Wochen vor dem ersten Meisterschaftsspiel habe ich zum ersten Mal mit der mir unbekannten Mannschaft auf dem Trainingsplatz gestanden.
Woche 1: In der ersten Woche (Sommerferien) trainierte ich von Montags bis Donnerstags und Freitag hatten wir ein Testspiel. In den ersten drei Trainingseinheiten wurden 1-gegen-1-Situationen trainiert und am vierten Tag haben wir den 1-Tag-Crashkurs Viererkette gemacht. Freitags im Testspiel gegen eine gute Leistungsklasse-Mannschaft kassierten wir ein Gegentor, wobei die Abwehr doch noch sehr wacklig war.
Woche 2: Die drei Trainingseinheiten die wir in der zweiten Woche absolvierten galten der Ballan- & Ballmitnahme. In dieser Woche erhielt jeder Spieler ein Merkblatt wie er sich im Ballorientiertem Spiel zu verhalten hat. Das am Wochenende gespielte Turnier mit vier Mannschaften aus der Leistungsklasse und vier Mannschaften aus der Kreisklasse konnten wir ohne Gegentor gewinnen.
Woche 3: Man absolvierte nun 2,5 Trainingseinheiten mit dem Schwerpunkte Flugball. 0,5 Trainingseinheiten weil man am dritten Trainingstag nur mit einem Teil der Mannschaft und dann auch nur eine Stunde ein kleines Spielchen machen konnte. Am Wochenende hatte man wieder gegen eine gute Mannschaft aus der Leistungsklasse ein Testspiel, wo man wieder nur ein Gegentreffer hinnehmen musste.
Woche 4: Der Schwerpunkte bei den nun anstehenden 2,5 Trainingseinheiten war das Doppelpass-Spiel. Dadurch wollte ich mehr offensive Aspekte ins Spiel bringen. Es folgte das erste Meisterschaftsspiel in der Leistungsklasse ohne Gegentor.
Woche 5: Man hatte in dieser Woche zwei Trainingseinheiten zur Verfügung, die man nutzte um den Schwerpunkt Doppelpass der Vorwoche fortzusetzen. Das zweite Meisterschaftsspiel war gegen den Jungjahrgang eines Zweitligisten, die ihr erstes Meisterschaftsspiel 7:0 gewannen. In diesem Spiel gab es für die neue Viererkette wieder nur ein Gegentreffer.
Zusammengefasst kann man sagen, dass man lediglich mit dem 1-Tag-Crashkurs Viererkette, der Merkblatt-Aktion und dass man in jedem Abschlussspiel das Ballorientierte Spiel gefördert und gefordert hat eine stabile 4er-Abwehrkette in der C-Jugend geschaffen hat. Man spielte jedes Spiel im 4-4-2 (flache Vier), so dass das Mittelfeld ebenfalls als 4er-Kette agieren konnte.
Besonders im letzten Spiel gegen eine spielstarke Mannschaft, die mit vielen Pässen im Rücken der Abwehr arbeitete, hat sich das Ballorientierte Verteidigen ausgezahlt. Nur mit dem Ballorientiertem Spiel schafft man so enge Räume zentral vor dem Tor, nur so kann der in den Zweikampf gehende Spieler stets abgesichert werden und auch nur so kann der ballführende Gegner mit minimalem Aufwand gedoppelt werden.
Mein Appell an alle Trainer die noch auf die Manndeckung setzen: Spielt modernen Fußball! Wenn man sich etwas mit der Materie auseinandersetzt (diese Webseite reicht vorerst) ist es viel leichter auf das neue System umzustellen als man denkt.
Merkblatt: Wie spiele ich in der Viererkette?
Folgendes Merkblatt dient dem Trainer als Unterstützung die 4er-Abwehrkette zu unterrichten. Es kann als PDF-Datei heruntergeladen werden, ausgedruckt und den Spielern ausgehändigt werden.
23 Meter: Die Viererkette lässt sich nicht weiter als 23 Meter zum eigenen Tor drängen. In die Tiefe startende Angreifer werden nicht verfolgt. Die beiden Außenverteidiger schalten sich gelegentlich ins Angriffsspiel mit ein.

Abstände: Die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm sollten nie größer als jeweils 15 Meter sein. Die Abstände zwischen den Mitspielern links und rechts von einem, sollten gleich sein und nie weiter als 10 Meter.

Ball zentral: Befindet sich der Ball beim Gegner auf zentraler Position vor dem eigenen Tor. Rückt der ballnahe Innenverteidiger vor dem Ball. Die beiden benachbarten Abwehrspieler sichern links und rechts von ihm ab und der vierte Abwehrspieler rückt ein.

Ball außen: Befindet sich der Ball beim Gegner am Spielfeldrand. Rückt der ballnahe Außenverteidiger vor dem Ball. Der benachbarte Innenverteidiger sichert ab und die beiden anderen Abwehrspieler rücken ein. Gegenspieler auf der ballfernen Seite werden ignoriert.

Nicht Kreuzen: Die Spieler in der Viererkette kreuzen nicht, sondern übergeben ihre Gegenspieler. So bleiben alle Abwehrspieler stets auf ihren Seiten.

Mittelfeld: Das Mittelfeld verschiebt geschlossen Richtung Ball mit dem Ziel Überzahl in Ballnähe zu schaffen. Der Gegenspieler wird von zwei Spielern attackiert.

© Martin Hasenpflug
1-Tag-Crashkurs Viererkette
Nicht immer ist die Ausgangsposition eines Trainers so ideal, dass er zeitig seine Trainingsinhalte an die Spieler bringen kann. Vielleicht ist der Trainer in der Situation, dass er nur noch wenige Trainingseinheiten und Testspiele vor dem ersten Pflichtspiel zur Verfügung hat und trotzdem ein neues System einführen will oder muss.
Das primär behandelte System unserer Initiative ist die Viererkette. Ist es vielleicht möglich in einer Art Crashkurs die Grundlagen der Viererkette seiner Mannschaft zu vermitteln? So, dass diese direkt im nächsten Spiel praktiziert werden kann? Die Not macht erfinderisch und so werden auch Mittel und Wege gefunden.
Ein Weg wäre der Sondertrainingstag. Man beordert seine Spieler für eine Theorie- und zwei Praxiseinheiten zum Viererketten-Training zum Sportplatz. Man sollte insgesamt ca. mit drei Stunden inkl. Pausen rechnen. Eine ideale Teilnehmerzahl wäre 7-11 Spieler plus Torwart. Es sollten aber alle Spieler mit dem Spiel der Viererkette vertraut gemacht werden. Also ist es nahe liegend diese ganze Geschichte mit den restlichen Spielern zu wiederholen. Hier könnten dann z.B. noch die favorisierten Spieler für die Abwehrkette mitmachen, die schon bei der ersten Sondertrainingseinheit mit von der Partie waren.
Wichtig für den Trainer ist es, dass er in der Lage ist die Viererkette und das Ballorientierte Verteidigen korrekt zu vermitteln. Entgegen landläufiger Meinung muss man dazu nicht die richtigen Spieler haben und einen Linienrichter braucht man auch nicht um die Viererkette erfolgreich zu spielen! Also sollte sich der Trainer auf unserer Webseite vorab ausführlich über die Viererkette informieren. Er sollte sich die Abläufe aller Trainingseinheiten zu Gemüte führen, wie auch die verschiedenen Artikel. So ist man dann für alle Eventualitäten (z.B. Fragen der Spieler) gewappnet. Im Folgenden geben wir Stichpunktartig die Themen an, die unbedingt in der Theorieeinheit behandelt werden sollten:
Einleitung:
- Spiel mit der Viererkette betrifft die ganze Mannschaft
- Zukünftig konkurrenzfähig sein und sich auch gegen starke Mannschaften behaupten
- Respekt Dritter vor dem eingeübten Spielsystem
- Größere Aufmerksamkeit der Spieler für das ganze Spielgeschehen
Ballorientiertes Verteidigen:
- Verschieben → Überzahl in Ballnähe → einfachere Balleroberung durch doppeln → bei Ballgewinn Überzahl in Ballnähe
- Keine Manndeckung, sondern Raumdeckung → den Gegner zu Querpässen zwingen
- Gegenspieler werden übergeben. In der Abwehr nicht kreuzen!
Hauptvorteile:
- Durch den sicheren Abstand Gegner vom Tor fernhalten
- Überzahl in Ballnähe
- Passwege in der Tiefe sind zu
Weitere Themen:
- Stellungsspiel der Viererkette je nach Ballposition
- Abstände der Mannschaftsteile
- Pressingzone erklären, siehe Info 4er-Abwehrkette
- Mittelfeldpressing
- Aufgabe der Außenverteidiger → Offensivaufgaben → rouchieren
- Aufgabe des Torwarts
Ende der Theorie! Pause und dann geht es auf dem Platz wo idealerweise schon die Parcours für die ersten vier Übungen aufgebaut sind.
Übung 1:
Aus der ersten Trainingseinheit die Übungen 1 (Passweg zu) und 2 (Doppeln) erklären und ausführen lassen. Die beiden Flügelzonen des Grundparcours können so entfallen. Bei der ersten Aufgabe kann man auch anstatt den beiden Hütchentoren zur besseren Motivation zwei Minitore aufstellen. Zwei oder drei dieser Parcours aufbauen, damit alle Spieler parallel beschäftigt werden können. Dauer ca. 20 min.
Kurze Pause
Übung 2:
Man geht an den Parcours der bei der 2. Trainingseinheit zur Viererkette zu finden ist. Hierzu wurde ein Spielfeld vor dem Großtor aufgebaut. Der Strafraum wurde verlängert und der sichere Abstand markiert gleichzeitig die Mittellinie. Es sind Hütchen in vier verschiedenen Farben (oder durchnummerieren) auf der Mittellinie (sicherer Abstand) in gleichen Abständen postiert. Zwei Viererketten stehen jetzt jeweils ca. 5-7 Meter tiefer als die vier Hütchen. Der Trainer ruft eine Farbe (Nummer) auf und die beiden Viererketten postieren sich so, als wäre der Ball dort. Dies wiederholt man einige Male. Dauer ca. 10 min.
Übung 3:
Man bleibt in dem Parcours, aber es kommt jetzt der Ball mit ins Spiel. Ziel der angreifenden Mannschaft soll es zuerst sein mittels schnellem Kombinationsspiel eine Lücke in die Viererkette zu reißen und dort dann einen Pass in Tiefe zu spielen. Vor diesem Pass müssen die Mannschaften in ihrer Hälfte bleiben. Ist der Pass gemacht ist freies Spiel. Bei Ballverlust startet die angreifende Mannschaft von Neuem aus ihrer Hälfte. Jede Mannschaft soll ca. 5-7 Angriffsaktionen haben, dann wird gewechselt. Bei der zweiten Aufgabe ist die Vorgabe, dass das freie Spiel erst beginnt, wenn man den druckausübenden Abwehrspieler 1-gegen-1 ausgespielt hat. Welche Mannschaft erzielt mehr Tore? Dauer ca. 20 min.
Lange Pause
Übung 4:
Nun folgt die dritte Übung der 4. Trainingseinheit. Die nötigen Hütchen in vier verschiedenen Farben sind idealerweise bereits auf der anderen Hälfte des Platzes aufgebaut. Nun lernen die Spieler sich korrekt zu Stellen, wenn sie die komplette Platzbreite verteidigen müssen. Auch hier ruft der Trainer eine Farbe die dann die Position des Balls darstellen soll. Dauer ca. 10 min.
Übung 5:
Vor dieser Übung müssen entweder alle Parcours abgebaut werden oder man hat einen freien zweiten Platz zur Verfügung den man benutzen kann. Bei dieser Übung lernen die Spieler beim Verschieben die seitlichen Abstände einzuhalten. Die Mannschaft postiert sich in der 4-4-2-Ausgangsformation und der Trainer stellt sich an der Spitze der Mannschaft und läuft nun wahlweise in verschiedenen Richtungen (auch diagonal). Die gesamte Mannschaft macht die Laufwege des Trainers synchron mit. Dauer ca. 10 min.
Kurze Pause
Übung 6:
Im Abschluss-Spiel lässt man die Viererkette, idealerweise zusammen mit zwei 6er gegen den Rest der Mannschaft spielen. Die Viererkette kontert auf zwei Stangentore an der Mittellinie. Das Spiel wird immer vom Trainer an der Mittellinie eröffnet. Darauf achten, dass die beiden 6er verschieben und Druck auf den Ball ausüben, so dass die Viererkette nicht zu früh aufrücken muss. Dauer ca. 15 min.
Die 15 Geheimnisse eines guten Fußballtrainings
Die folgende Aufzählung soll dazu dienen die wichtigsten Punkte für ein erfolgreiches Fußballtraining möglichst kompakt zusammen zufassen.
- Verhaltensregeln aufstellen!
- Lernziele aufzeigen!
- Trainingsschwerpunkte und Schwerpunktperioden setzen!
- Techniktraining vor Mannschaftstaktik!
- Training vom Einfachen zum Schweren gestalten!
- Attraktive Übungen variantenreich trainieren!
- Übungparcours vor Trainingsbeginn aufbauen!
- In möglichst kleinen Gruppen trainieren!
- Übungen korrekt demonstrieren und die Spieler unterstützen diese fehlerfrei auszuführen!
- Viele Ballkontakte und möglichst keine Wartezeit!
- Beidfüssigkeit trainieren!
- Viel loben!
- Nicht Personen, sondern die Sache kritisieren!
- Mit jedem Spieler persönlich auseinandersetzen!
- Viele Erfolgserlebnisse vermitteln!
(16.) Starker Rückhalt der Mannschaft sein!
(17.) Freude am Fußball vermitteln!

