Erfolgreiches Fußballtraining organisieren

Man trainiert in erster Linie um sich fußballerisch zu verbessern und um als Team zur Einheit zu finden. Aus diesem Grund sollte diese beiden Bestrebungen bei der Planung des Trainings und dessen Umsetzung im absoluten Mittelpunkt stehen. Um erfolgreich zu spielen, sollte sich alles andere dem unterordnen. In diesem Artikel wird man einige grundsätzliche Gedanken finden, die einem bei der Verwirklichung dieses Ziel behilflich sein können.

Durch attraktive und abwechslungsreiche Übungsformen versucht man die Spieler immer so gut es geht zu motivieren. Dies kann u.a. durch kleine Wettkämpfe geschehen, wo zwei Gruppen gegeneinander mit dem Ziel antreten, um als erstes eine gewisse Punktzahl zu erreichen. Ein großer Motiviationskiller ist die Langeweile, die z.B. entsteht wenn die Wartezeit zwischen den Aktionen zu groß werden. Aus diesem Grund sollte der Trainer das Training so gestalten, dass alle Spieler stets in Bewegung sind.

Bei manchen Übungen ist dies aber nicht so einfach, deswegen empfiehlt es sich da in kleinen Gruppen zu trainieren. Wenn man also über einen Trainerkollegen verfügt, teilt man zumindest im Hauptteil des Trainings die Mannschaft auf und lässt sie bis zum Abschlussspiel separat trainieren. Kleine Gruppen ermöglichen eine bessere individuelle Betreuung und führt gleichzeitig zu mehr Ballkontakten der Spieler. Allgemein sagt man, dass es Ziel des Trainers sein sollte jeden Spieler im Training ca. 500 Ballkontakte zu ermöglichen.

Ob ein Spieler jetzt 300 oder 700 Ballkontakte hat ist erfahrungsgemäß nicht das Alleinentscheidende. Vielmehr zählt die Qualität der Übung, die Konzentration des Spielers, der Einsatzwille und wenn dann auch noch eine hohe Zahl an Ballkontakten zustande kommt, kann man von einem gelungenen Training sprechen.

Weitere wichtige Aspekte die der Trainer in seiner Arbeit berücksichtigen sollte, ist eine knappe und fachkundige Erklärung des Trainingsziels, wie dessen korrekte Demonstration. Der Trainer sollte nicht alle Fehler korrigieren die er sieht, sondern im Allgemeinen sich auf Wiederholungsfehler und den Sachen betreffend des Trainingsschwerpunktes konzentrieren. Ein gewisser Trainings- und Spielfluss sollte zur Förderung der Kreativität nicht unterbunden werden.

Spielerische, individuelle und mannschaftliche Fortschritte sollte der Trainer zur weiteren Motivation positiv ansprechen. Dies bestärkt eine Mannschaft und auch einen Spieler darin den eingeschlagenen Weg fortzuführen. Gute Trainingsleistungen und gute Aktionen im Training sollten unmittelbar und dezent gelobt werden. Begeisterungsstürme könnten von einigen Spielern schon als Erreichung des Gesamtziels fehlinterpretiert werden.

Vor und nach dem Training sollte eine kurze Besprechung erfolgen. Was bringt der Mannschaft die anstehende Trainingseinheit? Was erwartet der Trainer von mir? Wie kann ich dies erreichen? Nach dem Training: Was habe ich gut gemacht? Wo kann ich mich noch verbessern? Durch diese direkten Anweisungen und Rückmeldungen erleichtert man dem Spieler sich in die nötige Richtung zu entwickeln.

Was die Trainingsinhalte betrifft, so vertreten wir gewisse Vorstellungen die sich allesamt in der Praxis bewährt haben. Zum einen sollte man Schwerpunktmäßig mit vielen Wiederholungen trainieren. Somit erleichtert man dem Spieler sich auf eine Sache zu konzentrieren, was wiederum zu einer optimalen Entwicklung in diesem Bereich führen kann. Man sollte immer spielnah trainieren, das bedeutet spielnahe Abstände bei den Übungen, realistische Anordnung des Parcours im Spielfeld und Trainingsformen die häufige Spielsituationen simulieren.

Bei unserer Art zu Trainieren gibt es drei Komponenten die sich immer wiederholen. Da steht zu Beginn des Trainings, direkt nach der Besprechung, das Brasilianische Aufwärmen. Neben der körperlichen Vorbereitung auf die folgenden intensiven Aufgaben, wird der Spieler dadurch in einigen weitere Punkten verbessert. So wird aufgrund den parallel ausgeführten Aktionen der Teamgedanke und das Abstimmen auf gemeinsame Handlungen gefördert. Durch die Art der Bewegungen des Brasilianischen Aufwärmens wird zusätzlich noch die Koordination geschult.

Die zweite Komponenten die in jeder unserer Trainingseinheit zu finden ist, ist die Antrittsschnelligkeit. Durch gezielte kurze Sprints mit Richtungswechsel und Koordinationsaufgaben erreicht man das Ziel, im Wettkampf schneller am Ball zu sein als der Gegner. Außerdem wird durch dieses Training die Ausdauer der Spieler ohne spezielles Konditionstraining verbessert.

Das Trainieren der Antrittsschnelligkeit sollte nach dem Aufwärmen im ersten Drittel der Trainingseinheit gelegt werden. Wichtig ist, dass der Antritt in voller Intensität ausgeführt wird. Allgemein wird nach jeder Aktion eine Minute Pause empfohlen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass diese auch etwas darunter liegen kann. Durch das intensive Training der Antrittsschnelligkeit läuft man auch weniger Gefahr die Spieler im Training zu unterfordern. Es erhöht die Konzentration, weil kräftebedingt auf fußballfreie Gedanken verzichtet werden muss. Durch leicht dosierte Überforderungen im Training kann auch die Antizipationfähigkeit der Spieler gesteigert werden.

Die letzte gleichbleibende Komponente im Training betrifft das Abschlussspiel. Die von uns erläuterte Ansicht mag nicht auf alle Mannschaften zutreffen, doch im mittleren Jugendbereich nach der Umstellung auf die Viererkette hat sie sich bewährt. Es werden keine besonderen Sonderregeln vorgegeben, um gewisse Spielweisen zu provozieren, sondern allein aufgrund der Mannschaftsaufstellung und den taktischen Vorgaben des Trainers ein auf das Ballorientierte fokussiertes Abschlussspiel absolviert.

Erfahrungsbericht Viererkette in der C-Jugend

Wir freuen uns immer wieder zu lesen, wenn außenstehende Trainer von unserer Webseite inspiriert werden und das Wagnis eingehen auf Viererkette umzustellen. Entgegen landläufiger Unwissenheit - wo wir schon zur Genüge darauf hingewiesen haben - benötigt man zum Spielen der Viererkette keine Bundesligaprofis, sondern lediglich einen Trainer der in der Lage ist das System zu vermitteln.

Dass mit der Viererkette untrennbare Ballorientierte Spiel ist sogar das natürliche Verhalten jeden Spielers. Man muss sich nur mal Spiele der Bambinis oder der F-Jugenden ansehen. Hier wird man feststellen, dass alle Spieler sich zum Ball hinbewegen und irgendwie auch immer mitmischen wollen. Im Ballbesitz denken alle Spieler offensiv und bei gegnerischen Ballbesitz wollen alle Spieler den Ball schnellstmöglich wieder zurück. Erst die falschen Anweisungen der Trainer führt dazu, dass die Spieler sich mehr an den Gegenspieler, anstatt an den Standort des Balls orientieren und stur ihre Position halten, anstatt sich dynamisch und kreativ in jeder Spielsituation mit einzubringen. Durch diese Spielweise unterdrücken die Spieler ihren natürlichen Instinkt in jeder Spielsituation für die Mannschaft aktiv zu sein. Dies hat zur Folge, dass die Spieler eine Art von Passivität entwickeln die absolut abträglich ihrer fußballerischen Entwicklung ist.

Vor ein paar Tagen bekamen wir einen Bericht per E-Mail von einem Trainer der mit seiner C-Jugend erfolgreich mit Viererkette in einer unteren Liga spielt. Ohne Niederlage und mit nur sieben Gegentoren in fünf Spielen ist er Punktgleich mit dem Tabellenführer. Er hat uns einen Spielbericht zu seinem letzten Spiel zugesandt, welches er 1:0 gegen den bisherigen Tabellenführer gewonnen hat. Diesen möchten wir an dieser Stellen wiedergeben:

Die Aufstellung wurde nur auf zwei Position verändert. Tobias K. wurde im linken Mittelfeld aufgestellt, da er mit Tobias S., dem linken Außenverteidiger ein besseres Duo bildete. Allerdings hatte Tobias K. im Training sehr große Unsicherheiten in der Ballannahme und beim Passen gezeigt. Er war allerdings ein Kämpfer und des sollte er auch unter Beweiss stellen. Im Sturm spielte Philip für Alexander, der leider das Abschlusstraining am Freitag unentschuldigt verpasst hatte. Kurze Denkpause für Ihn.

1. Hz: Aufgeregtes Hin-und-Her-Gebolze ohne dass unsere Mannschaft so richtig ins Spiel gefunden hat. Wir haben sehr viele Bälle im Mittelfeld durch dummes nach vorne schiessen verloren und unsere gesamte Angriffsseite war blass. Unsere 14, war bis dato ein Totalausfall, obwohl er immer zu einem der besten im rechten Mittelfeld gehörte. Unsere 6 hat endlich gezeigt, warum er Captain ist. Er hat in den Zweikämpfen gezeigt, warum er seinen Stammplatz bekommen hat. Endlich ging er in die Zweikämpfe. Unsere rechte Angriffsseite war praktisch nicht vorhanden, unsere besten 8 und 10 waren absolut unauffällig. Es dauerte bis zur 25. Spielminute, dass wir den ersten Torschuss auf das gegnerische Tor landen konnten. Wobei der Torwart hier zeigte, dass er das Fangen nicht wirklich beherrschte. Unser Abwehrspieler 3, hat in Sachen kontrollierter Ballannahme und Passen wahrscheinlich immer gefehlt. Bolzen war seine Devise. Sichere Bälle zu den Mitspieler in der Viererkette waren so gut wie nicht vorhanden. Er wurde bei einer Aktion verletzt und konnte nicht mehr Laufen. Halbzeitstand: 0:0

In der Halbzeitpause habe ich den Jungs nochmal klar gemacht, dass sie definitiv alles drauf haben. Aber den Gewinner unterscheidet vom Verlierer, dass er das gelernte zum richtigen Zeit abrufen kann.

2. Hz: Direkt nach der Halbzeit erzielten wir das 1:0 (Abstaubertor) durch unsere 7, der danach wie geplant ausgewechselt wurde. Durch die verletzte Nummer 3 mussten wir unseren 8-er auf die Position des rechten Außenverteidigers stellen und den anderen Außenverteidiger auf die Innenverteidiger-Position. 13 - 11 - 5 - 8 war die neue Abwehrkette. Nach dem Tor und der Umstellung, der Bolzer war raus. Wurde endlich so ein Fussball gespielt, wie wir es trainiert hatten. Es spielte fortan nur noch eine Mannschaft - Wir! Kurze, direkte Pässe die auch ankamen und schöne Spielzüge ermöglichten. Wir hatten in zehn Minuten mehr Torchancen als in der gesamten ersten Halbzeit zuvor.

Schlusspfiff und wir haben gewonnen. Ungeschlagen sind wir bisher, leider aber auch nur Tabellenzweiter - schlechteres Torverhältnis. Wahrscheinlich bis zum 18.10. dann treffen unsere Verfolger aufeinander.

Trainertagebuch: Einführung der Vierer-Abwehrkette

Hier auf der Seite findet man mittlerweile viele Informationen zum Umstellen von Manndeckung auf das Ballorientierte Spiel. Doch funktioniert das wirklich wie beschrieben? Theorie und Praxis liegen ja oft weit auseinander.

Deshalb gibt es heute ein Bericht aus der Praxis, wie ich bei einer C-Jugend die 4er-Kette nach dem hier dargestellten Schema eingeführt habe. Außerdem erwähne ich hier im Trainertagebuch wie ich weiteren Schwerpunkte nach dem Buch Fußballtraining mit Kids ergänzend zum neuen System trainieren ließ und welche Früchte die Sache in den darauffolgenden Spielen trug.

Ausgangspunkt war eine Mannschaft mit 18 Spielern. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

  • Zwei Spieler haben in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang in der Leistungsklasse (zweitniedrigste Liga) gespielt
  • Zwei gute Spieler wechselten von fremden Vereinen
  • Vier Spieler des jüngeren Jahrgangs wurde hochgezogen, die in der Vorsaison in der D-Jugend-Leistungsklasse spielten
  • Der Kern der Mannschaft landete in der Vorsaison als jüngerer Jahrgang auf dem vorletzten Platz in der Kreisklasse (niedrigste Liga)

Keiner der 18 Spieler war zuvor mit der Viererkette oder dem Ballorientiertem Spiel vertraut. Fast genau vier Wochen vor dem ersten Meisterschaftsspiel habe ich zum ersten Mal mit der mir unbekannten Mannschaft auf dem Trainingsplatz gestanden.

Woche 1: In der ersten Woche (Sommerferien) trainierte ich von Montags bis Donnerstags und Freitag hatten wir ein Testspiel. In den ersten drei Trainingseinheiten wurden 1-gegen-1-Situationen trainiert und am vierten Tag haben wir den 1-Tag-Crashkurs Viererkette gemacht. Freitags im Testspiel gegen eine gute Leistungsklasse-Mannschaft kassierten wir ein Gegentor, wobei die Abwehr doch noch sehr wacklig war.

Woche 2: Die drei Trainingseinheiten die wir in der zweiten Woche absolvierten galten der Ballan- & Ballmitnahme. In dieser Woche erhielt jeder Spieler ein Merkblatt wie er sich im Ballorientiertem Spiel zu verhalten hat. Das am Wochenende gespielte Turnier mit vier Mannschaften aus der Leistungsklasse und vier Mannschaften aus der Kreisklasse konnten wir ohne Gegentor gewinnen.

Woche 3: Man absolvierte nun 2,5 Trainingseinheiten mit dem Schwerpunkte Flugball. 0,5 Trainingseinheiten weil man am dritten Trainingstag nur mit einem Teil der Mannschaft und dann auch nur eine Stunde ein kleines Spielchen machen konnte. Am Wochenende hatte man wieder gegen eine gute Mannschaft aus der Leistungsklasse ein Testspiel, wo man wieder nur ein Gegentreffer hinnehmen musste.

Woche 4: Der Schwerpunkte bei den nun anstehenden 2,5 Trainingseinheiten war das Doppelpass-Spiel. Dadurch wollte ich mehr offensive Aspekte ins Spiel bringen. Es folgte das erste Meisterschaftsspiel in der Leistungsklasse ohne Gegentor.

Woche 5: Man hatte in dieser Woche zwei Trainingseinheiten zur Verfügung, die man nutzte um den Schwerpunkt Doppelpass der Vorwoche fortzusetzen. Das zweite Meisterschaftsspiel war gegen den Jungjahrgang eines Zweitligisten, die ihr erstes Meisterschaftsspiel 7:0 gewannen. In diesem Spiel gab es für die neue Viererkette wieder nur ein Gegentreffer.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man lediglich mit dem 1-Tag-Crashkurs Viererkette, der Merkblatt-Aktion und dass man in jedem Abschlussspiel das Ballorientierte Spiel gefördert und gefordert hat eine stabile 4er-Abwehrkette in der C-Jugend geschaffen hat. Man spielte jedes Spiel im 4-4-2 (flache Vier), so dass das Mittelfeld ebenfalls als 4er-Kette agieren konnte.

Besonders im letzten Spiel gegen eine spielstarke Mannschaft, die mit vielen Pässen im Rücken der Abwehr arbeitete, hat sich das Ballorientierte Verteidigen ausgezahlt. Nur mit dem Ballorientiertem Spiel schafft man so enge Räume zentral vor dem Tor, nur so kann der in den Zweikampf gehende Spieler stets abgesichert werden und auch nur so kann der ballführende Gegner mit minimalem Aufwand gedoppelt werden.

Mein Appell an alle Trainer die noch auf die Manndeckung setzen: Spielt modernen Fußball! Wenn man sich etwas mit der Materie auseinandersetzt (diese Webseite reicht vorerst) ist es viel leichter auf das neue System umzustellen als man denkt.

Merkblatt: Wie spiele ich in der Viererkette?

Folgendes Merkblatt dient dem Trainer als Unterstützung die 4er-Abwehrkette zu unterrichten. Es kann als PDF-Datei heruntergeladen werden, ausgedruckt und den Spielern ausgehändigt werden.

23 Meter: Die Viererkette lässt sich nicht weiter als 23 Meter zum eigenen Tor drängen. In die Tiefe startende Angreifer werden nicht verfolgt. Die beiden Außenverteidiger schalten sich gelegentlich ins Angriffsspiel mit ein.
anstoss

Abstände: Die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm sollten nie größer als jeweils 15 Meter sein. Die Abstände zwischen den Mitspielern links und rechts von einem, sollten gleich sein und nie weiter als 10 Meter.
abstand

Ball zentral: Befindet sich der Ball beim Gegner auf zentraler Position vor dem eigenen Tor. Rückt der ballnahe Innenverteidiger vor dem Ball. Die beiden benachbarten Abwehrspieler sichern links und rechts von ihm ab und der vierte Abwehrspieler rückt ein.
ball_zentral

Ball außen: Befindet sich der Ball beim Gegner am Spielfeldrand. Rückt der ballnahe Außenverteidiger vor dem Ball. Der benachbarte Innenverteidiger sichert ab und die beiden anderen Abwehrspieler rücken ein. Gegenspieler auf der ballfernen Seite werden ignoriert.
ball_aussen

Nicht Kreuzen: Die Spieler in der Viererkette kreuzen nicht, sondern übergeben ihre Gegenspieler. So bleiben alle Abwehrspieler stets auf ihren Seiten.
kreuzen

Mittelfeld: Das Mittelfeld verschiebt geschlossen Richtung Ball mit dem Ziel Überzahl in Ballnähe zu schaffen. Der Gegenspieler wird von zwei Spielern attackiert.
mittelfeld

© Martin Hasenpflug

1-Tag-Crashkurs Viererkette

Nicht immer ist die Ausgangsposition eines Trainers so ideal, dass er zeitig seine Trainingsinhalte an die Spieler bringen kann. Vielleicht ist der Trainer in der Situation, dass er nur noch wenige Trainingseinheiten und Testspiele vor dem ersten Pflichtspiel zur Verfügung hat und trotzdem ein neues System einführen will oder muss.

Das primär behandelte System unserer Initiative ist die Viererkette. Ist es vielleicht möglich in einer Art Crashkurs die Grundlagen der Viererkette seiner Mannschaft zu vermitteln? So, dass diese direkt im nächsten Spiel praktiziert werden kann? Die Not macht erfinderisch und so werden auch Mittel und Wege gefunden.

Ein Weg wäre der Sondertrainingstag. Man beordert seine Spieler für eine Theorie- und zwei Praxiseinheiten zum Viererketten-Training zum Sportplatz. Man sollte insgesamt ca. mit drei Stunden inkl. Pausen rechnen. Eine ideale Teilnehmerzahl wäre 7-11 Spieler plus Torwart. Es sollten aber alle Spieler mit dem Spiel der Viererkette vertraut gemacht werden. Also ist es nahe liegend diese ganze Geschichte mit den restlichen Spielern zu wiederholen. Hier könnten dann z.B. noch die favorisierten Spieler für die Abwehrkette mitmachen, die schon bei der ersten Sondertrainingseinheit mit von der Partie waren.

Wichtig für den Trainer ist es, dass er in der Lage ist die Viererkette und das Ballorientierte Verteidigen korrekt zu vermitteln. Entgegen landläufiger Meinung muss man dazu nicht die richtigen Spieler haben und einen Linienrichter braucht man auch nicht um die Viererkette erfolgreich zu spielen! Also sollte sich der Trainer auf unserer Webseite vorab ausführlich über die Viererkette informieren. Er sollte sich die Abläufe aller Trainingseinheiten zu Gemüte führen, wie auch die verschiedenen Artikel. So ist man dann für alle Eventualitäten (z.B. Fragen der Spieler) gewappnet. Im Folgenden geben wir Stichpunktartig die Themen an, die unbedingt in der Theorieeinheit behandelt werden sollten:

Einleitung:

  • Spiel mit der Viererkette betrifft die ganze Mannschaft
  • Zukünftig konkurrenzfähig sein und sich auch gegen starke Mannschaften behaupten
  • Respekt Dritter vor dem eingeübten Spielsystem
  • Größere Aufmerksamkeit der Spieler für das ganze Spielgeschehen

Ballorientiertes Verteidigen:

  • Verschieben → Überzahl in Ballnähe → einfachere Balleroberung durch doppeln → bei Ballgewinn Überzahl in Ballnähe
  • Keine Manndeckung, sondern Raumdeckung → den Gegner zu Querpässen zwingen
  • Gegenspieler werden übergeben. In der Abwehr nicht kreuzen!

Hauptvorteile:

  • Durch den sicheren Abstand Gegner vom Tor fernhalten
  • Überzahl in Ballnähe
  • Passwege in der Tiefe sind zu

Weitere Themen:

  • Stellungsspiel der Viererkette je nach Ballposition
  • Abstände der Mannschaftsteile
  • Pressingzone erklären, siehe Info 4er-Abwehrkette
  • Mittelfeldpressing
  • Aufgabe der Außenverteidiger → Offensivaufgaben → rouchieren
  • Aufgabe des Torwarts

Ende der Theorie! Pause und dann geht es auf dem Platz wo idealerweise schon die Parcours für die ersten vier Übungen aufgebaut sind.

Übung 1:

Aus der ersten Trainingseinheit die Übungen 1 (Passweg zu) und 2 (Doppeln) erklären und ausführen lassen. Die beiden Flügelzonen des Grundparcours können so entfallen. Bei der ersten Aufgabe kann man auch anstatt den beiden Hütchentoren zur besseren Motivation zwei Minitore aufstellen. Zwei oder drei dieser Parcours aufbauen, damit alle Spieler parallel beschäftigt werden können. Dauer ca. 20 min.

Kurze Pause

Übung 2:

Man geht an den Parcours der bei der 2. Trainingseinheit zur Viererkette zu finden ist. Hierzu wurde ein Spielfeld vor dem Großtor aufgebaut. Der Strafraum wurde verlängert und der sichere Abstand markiert gleichzeitig die Mittellinie. Es sind Hütchen in vier verschiedenen Farben (oder durchnummerieren) auf der Mittellinie (sicherer Abstand) in gleichen Abständen postiert. Zwei Viererketten stehen jetzt jeweils ca. 5-7 Meter tiefer als die vier Hütchen. Der Trainer ruft eine Farbe (Nummer) auf und die beiden Viererketten postieren sich so, als wäre der Ball dort. Dies wiederholt man einige Male. Dauer ca. 10 min.

Übung 3:

Man bleibt in dem Parcours, aber es kommt jetzt der Ball mit ins Spiel. Ziel der angreifenden Mannschaft soll es zuerst sein mittels schnellem Kombinationsspiel eine Lücke in die Viererkette zu reißen und dort dann einen Pass in Tiefe zu spielen. Vor diesem Pass müssen die Mannschaften in ihrer Hälfte bleiben. Ist der Pass gemacht ist freies Spiel. Bei Ballverlust startet die angreifende Mannschaft von Neuem aus ihrer Hälfte. Jede Mannschaft soll ca. 5-7 Angriffsaktionen haben, dann wird gewechselt. Bei der zweiten Aufgabe ist die Vorgabe, dass das freie Spiel erst beginnt, wenn man den druckausübenden Abwehrspieler 1-gegen-1 ausgespielt hat. Welche Mannschaft erzielt mehr Tore? Dauer ca. 20 min.

Lange Pause

Übung 4:

Nun folgt die dritte Übung der 4. Trainingseinheit. Die nötigen Hütchen in vier verschiedenen Farben sind idealerweise bereits auf der anderen Hälfte des Platzes aufgebaut. Nun lernen die Spieler sich korrekt zu Stellen, wenn sie die komplette Platzbreite verteidigen müssen. Auch hier ruft der Trainer eine Farbe die dann die Position des Balls darstellen soll. Dauer ca. 10 min.

Übung 5:

Vor dieser Übung müssen entweder alle Parcours abgebaut werden oder man hat einen freien zweiten Platz zur Verfügung den man benutzen kann. Bei dieser Übung lernen die Spieler beim Verschieben die seitlichen Abstände einzuhalten. Die Mannschaft postiert sich in der 4-4-2-Ausgangsformation und der Trainer stellt sich an der Spitze der Mannschaft und läuft nun wahlweise in verschiedenen Richtungen (auch diagonal). Die gesamte Mannschaft macht die Laufwege des Trainers synchron mit. Dauer ca. 10 min.

Kurze Pause

Übung 6:

Im Abschluss-Spiel lässt man die Viererkette, idealerweise zusammen mit zwei 6er gegen den Rest der Mannschaft spielen. Die Viererkette kontert auf zwei Stangentore an der Mittellinie. Das Spiel wird immer vom Trainer an der Mittellinie eröffnet. Darauf achten, dass die beiden 6er verschieben und Druck auf den Ball ausüben, so dass die Viererkette nicht zu früh aufrücken muss. Dauer ca. 15 min.

Die 15 Geheimnisse eines guten Fußballtrainings

Die folgende Aufzählung soll dazu dienen die wichtigsten Punkte für ein erfolgreiches Fußballtraining möglichst kompakt zusammen zufassen.

  1. Verhaltensregeln aufstellen!
  2. Lernziele aufzeigen!
  3. Trainingsschwerpunkte und Schwerpunktperioden setzen!
  4. Techniktraining vor Mannschaftstaktik!
  5. Training vom Einfachen zum Schweren gestalten!
  6. Attraktive Übungen variantenreich trainieren!
  7. Übungparcours vor Trainingsbeginn aufbauen!
  8. In möglichst kleinen Gruppen trainieren!
  9. Übungen korrekt demonstrieren und die Spieler unterstützen diese fehlerfrei auszuführen!
  10. Viele Ballkontakte und möglichst keine Wartezeit!
  11. Beidfüssigkeit trainieren!
  12. Viel loben!
  13. Nicht Personen, sondern die Sache kritisieren!
  14. Mit jedem Spieler persönlich auseinandersetzen!
  15. Viele Erfolgserlebnisse vermitteln!

(16.) Starker Rückhalt der Mannschaft sein!

(17.) Freude am Fußball vermitteln!

Tipps für die Umstellung auf 4er-Abwehrkette

Heute haben wir ein paar grundsätzliche Tipps zum erfolgreichen Umstellen auf die Viererkette. Eine der ersten damit verbunden Fragen ist immer der Zeitpunkt der Umstellung. Die Saisonvorbereitung bietet sich natürlich in erster Linie dafür an. In der Regel hat man dann mehr Trainingszeiten und genügend Testspiele vor der Brust um das Ballorientierte Verteidigen wettbewerbsmäßig einzustudieren.

Doch nicht nur die Saisonvorbereitung ist dafür ein guter Zeitpunkt. Auch das Ende der Saison, wenn weder Aufstieg noch Abstieg eine Rolle spielen und man mit einem neuen System neue Impulse setzen will ist für die Umstellung gut geeignet. Man darf keine Wunderdinge nach einer Woche erwarten. Man muss sogar damit rechnen, dass die ersten Spiele mit der Viererkette ergebnismäßig nicht so der Hammer werden. Wenn man aber den Luxus besitzt auch mal paar Spiele verlieren zu können, sollte man sofort umstellen. Nach 3-4 Wochen wird man dann umso stärker sein und zusätzlich wird die Mannschaft durch das neue System einen Motivationsschub erhalten.

Wichtig ist es als Trainer schon vor der ersten Trainingseinheit zur Viererkette sich mit dem ganzen System vertraut zu machen. Also alle Informationen und den Ablauf aller Trainingseinheiten hier auf der Seite genau durchlesen. So hat man von Beginn der Umstellung eine klare Vorstellung über das Lernziel und ist gewappnet auf Fragen der Spieler, die über die erste Trainingseinheit hinaus gehen.

Auch über die speziellen Trainingseinheiten zur Umstellung auf die 4er-Abwehrkette hinweg, sollte man in den Abschluss-Spielen immer das Ballorientierte Verteidigen berücksichtigen und dann auch von den Spielern fordern. Also immer mit mindestens drei Abwehrspielern spielen, bei größeren Mannschaften dann natürlich mit richtiger Viererkette. Die Spieler vor der Abwehr müssen sich natürlich entsprechend verhalten.

Also liebe Trainer weiter fleißig umstellen… :-)