Dem Schnee trotzen mit Taktik- und Lauftraining
Dieser Winter trifft alle Fußballer in unserem Land besonders hart. Der Ball soll rollen, kann er aber nicht. Schon seit mehreren Wochen sorgen Eis und Schnee dafür, dass die Sportanlagen fast ununterbrochen gesperrt sind und sich die Trainer Gedanken über alternative Trainingseinheiten machen müssen.
Die Alternative Nummer Eins im Winter war und ist der Hallenfußball. Doch was machen die Trainer deren Verein im Winter über keine Halle verfügen? Hallenturniere absolvieren ist die eine Möglichkeit, doch was soll man während der Woche machen? Kein Trainer möchte, dass seine Mannschaft aufgrund den Witterungsverhältnissen in seiner Entwicklung stagniert. Da ist guter Rat teuer.
In einem früheren Artikel haben wir gezeigt, wie man mittels eines Kraftzirkels eine alternative Trainingseinheit für den Winter schafft. Die Spieler verbessern sich dadurch in den Bereichen Schnellkraft, Ausdauer und Koordination. Gerade in unteren Klassen kommen diese Trainingsbereiche oft zu kurz, weil man einfach aufgrund von geringen Trainingszeiten andere Prioritäten setzt.
Im Fußball ist nicht nur Kraft und Motorik gefragt, sondern auch der Kopf. Um auch in diesem Bereich weiter zu kommen, bietet sich das Taktiktraining an der Tafel an. Die Theorieeinheit kann man gut damit beginnen, indem man zusammen mit den Spielern eine Liste von Pflichten und Aufgaben von Spielern und Trainern erarbeitet und die gesammelten Ergebnisse Stichpunktartig für alle erkenntlich an die Tafel schreibt. Diese Maßname soll die Sozialkompetenz der Spieler verbessern.
Pflichten und Aufgaben der Trainer: Vorbildfunktion, Kompetenz, Motivation, Spaß am Fußball vermitteln, Trainingsvorbereitung, abwechslungsreiches und altersspezifisches Training, Förderung eines leistungsorientierten Sportsgedanken, fußballerische Weiterentwicklung der Spieler, Respekt und Disziplin, offenes Ohr für Problemen der Spieler, Erkennen von Stimmungen innerhalb der Mannschaft, Bereitschaft für Fortbildungsmaßnahmen.
Pflichten und Aufgaben der Spieler: Selbstbewußtsein, Eigeninitiative, Einsatz, Leistungsbereitschaft, Wille und Leidenschaft, Lernbereitschaft, regelmäßige Trainingsbeteiligung, Teamgeist, Respekt und Disziplin, Ehrlichkeit, Fair Play.
Den Inhalt des Taktiktrainings unterteilt man am besten in zwei Bereiche: Viererkette und kreatives Offensivspiel. Für die Defensive bieten sich folgende Themenüberschriften an: Vorteile der Viererkette, Verhalten in der Defensive und Diverses.
Vorteile der Umstellung auf Viererkette: Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft, Agieren im Kollektiv, alle Spieler sind von der Defensivarbeit betroffen, Leumund der Mannschaft.
Verhalten: Stellungsspiel der Verteidiger, Stellungsspiel des Mannschaftsverbundes, Verschieben, Gegner vom Tor fernhalten, Gegenspieler übergeben.
Diverses: Pressing, Abstände, Doppeln, Aufgaben der einzelnen Positionen.
Für das Thema der Offensive kann man sich folgende Stichworte notieren: Bei Ballgewinn Ausschwärmen, Dreiecksbildung, gruppentaktische Angriffsmittel (Doppelpass, Direktspiel, Hinterlaufen, Pass in die Tiefe), Red Zone, Flügelspiel, Kreuzen, Passspiel, Eigenschaften eines Angreifers.
Wichtig ist, dass man alle Erklärungen auch visuell präsentiert und die Spieler durch Fragen, Abstimmungen, Vorschläge usw. mit einbindet. Dies erhöht die Aufnahmefähigkeit der Spieler.
Eine weitere Möglichkeit eine Trainingseinheit außerhalb der Sportanlage zu gestalten, wäre ein Ausdauerlauf kombiniert mit Kraftübungen. Die Streckenwahl sollte so gewählt werden, dass sie nach Möglichkeit gut beleuchtet ist und der Boden nicht zu glatt ist. Den Lauf unterbricht man zwei bis drei Mal und absolviert unten beschriebene Übungen. Die Übungen sind so gewählt, dass man ohne Trainingshilfen auskommt, sie im Stand absolvieren kann und sich nicht auf den winterlichen Boden legen muss.
Einzelübung:
- Im Stand Arme in der Hochhalte. Im Wechsel sich auf Fußspitzen und Ferse stellen. Jeweils kurz verharren.
- Ausfallschritt-Wechselsprünge mit Arme in der Seithalte.
- Hampelmann.
- Vierfüßler. Arme und Beine wechselseitig anheben und zurückführen.
- Standwaage. Arme in der Vorhalten. Ein Bein anheben und Wechselsprünge absolvieren.
- Kniebeugen.
- Kniehebelauf mit Boxbewegungen.
- Strecksprünge.
- Hopserlauf auf der Stelle.
- Grätschstand. Kniee leicht beugen. Arme in der Seithalte. Im Wechsel Gewichtsverlagerung nach Links/Rechts.
- Einbeinstand. Oberschenkel in die Horizontale und zur Seite wegdrehen.
- Einbeinstand. Freies Bein im Wechsel nach Vorne und Hinten schwingen. Jeweils 5 Sekunden halten.
- Standwaage. Kniebeugen und jeweils 5 Sekunden halten.
Partnerübung:
- Beide stehen sich im Ausfallschritt gegenüber. Die Handflächen gegeneinander pressen und kurz halten.
- Seitliche Schlusssprünge über hockenden Partner.
- Rücken an Rücken stellen. Arme zeigen nach unten. Gleichzeitig mit aufrechten Oberkörper Kniebeugen absolvieren.
- Wie zuvor, jedoch mit ineinander eingehakten Armen.
- Gerade gegenüber stehen. Im Abstand Hände überkreuz halten und gleichzeitig Kniebeugen absolvieren. Durch Zug aufrichten.
Diese Übungen verbessern allesamt die Krafteigenschaften des Körpers. Kraft ist für alle fußballerischen Aktionen notwendig. Ziel des Krafttrainings ist eine Körperstabilisation zu erreichen. Besonders wichtig ist hier die Rumpfmuskulatur. Eine Kräftigung der Muskulatur bedeutet gleichzeitig eine Verbesserung in den Bereichen Antritt, Dribbling, Tackling, Torschuss, Kopfball, Rempeln, Zweikampf und vermindert zusätzlich die Verletzungsanfälligkeit.
Kraftzirkel - Training (nicht nur) für die “Tage der gesperrten Plätze”
Es ist wieder Winter, es ist kalt, es liegt Schnee und die Plätze sind gesperrt. Kann man trotzdem irgendwas für die Fitness seiner Spieler machen? Eine gute Alternative für solche Tage sind sicherlich immer die Soccerhallen. Leider sind diese aber auch ziemlich teuer, für zwei Stunden ist man locker bei 100 Euro.
Zur weiteren Auswahl stünde dann noch Taktiktraining an der Tafel, eine gemeinsame Freizeitaktion zum Ausbau des Teamgeist oder ein Zirkeltraining zur Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Koordination. Ein Zirkel- oder Krafttraining hat dabei den großen Vorteil, dass man ihn auf engen Raum machen kann. Eine kleine Schulhalle oder ein kleines Stück Wiese reichen hier vollkommen aus.
Die Organisation eines Zirkeltrainings ist relativ einfach und bedarf nicht vieler Materialien. Es werden ca. 10 Stationen aufgebaut die nacheinander von den Spielern absolviert werden. Es bilden sich Paare und jeder Paar geht zu einer Station. Für die Dauer von 60 Sekunden (je nach Alter und Leistungsstand auch mehr oder weniger) wird nun an allen Stationen von beiden Spielern parallel die Übung ausgeführt. Im Anschluss folgt die gleiche Zeit zur Erholung. Danach rücken alle Spieler eine Station weiter und die nächste Aufgabe wird für 60 Sekunden absolviert.
Die Übungen bereits zu Beginn erklären und die Stationen so anordnen, dass nicht zweimal hintereinander die gleichen Muskelgruppen stark beansprucht werden. Folgende Übungen sind denkbar:
- Treppensteigen → abwechselnd linker/rechter Fuß auf den Ball oder einen Kasten
- Sit-ups mit Kopfball
- Schlusssprünge über ein Ball (alternativ über Mitspieler oder Hütchen)
- Rückenlage → Ball zwischen die Füße klemmen → Beine ausgestreckt und im Wechsel nach links/rechts drehen
- Stehen → Ball hochwerfen → auf Boden setzen → aufstehen und Ball fangen
- Bauchlage → Hände am Hinterkopf + Oberkörper und Ellenbogen heben → Hände ausstrecken und auf einen Ball legen → Hände wieder am Hinterkopf und Oberkörper senken
- Hampelmann (alternativ mit einer Hantelscheibe in jeder Hand)
- Rückenlage → mit ausgestreckten Armen Ball hinter dem Kopf legen → komplette Körperdrehung rechts/links im Wechsel
- Hindernishüpfer (über Minitor oder Mitspieler)
- Hüftkreisen mit Hula-Hoop-Reifen
- Kniehebelauf → Boxbewegung (alternativ mit einer Hantel in jeder Hand)
- Seilhüpfen
- Rückenlage → abwechselnd linkes/rechtes Bein senkrecht nach oben zu einem hochgehaltenen Ball strecken
- Ball nach oben halten → abwechselnd links/rechts in die Schrittstellung springen
- Seitliche Grätsche → Ball nach oben halten → Arme gestreckt lassen und abwechselnd links/rechts den Ball nach unten kreisen lassen
- Rückenlage → Ball zwischen die Füße klemmen → Beine ausstrecken und den Ball mit einer halben Rolle rückwärts hinter dem Kopf bringen und wieder vor
- Seitsprünge über ein Ball (alternativ über Mitspieler oder Hütchen)
- Bauchlage → Oberkörper heben + Ball fangen und zurückwerfen

