Mit der Angriffsstrategie “3 plus 2″ Torchancen kreieren
Zur Genüge haben wir hier aufgezeigt, wie man gegen übermächtige Gegner mit der richtigen Taktik defensiv sehr effektiv spielen kann. Kompaktheit, Abwehrpressing, Abwehrdreieck, Abwehrsichel, Zweikampfstärke, Kommunikation, Kollektiv und Doppeln lauten die Stichworte einer zeitgemäßen Verteidigung.
In dem heutigen Artikel widmen wir uns daher nicht der Defensive, sondern dem Offensivspiel. Ist es auch in der Offensive mit der richtigen Taktik möglich sich gegen überstarke Mannschaften durchzusetzen? Ja es geht und an dieser Stellen möchten wir die passende Vorgehensweise beschreiben. Grundvoraussetzung für eine Umsetzung wird natürlich das Ballorientierte Spiel sein. Wir empfehlen schon seit langem das Spiel mit zwei Viererketten.
Die grundlegenste Möglichkeit eine Torchance zu kreieren ist der Spielaufbau. Dieser findet immer dann statt, wenn der eigene Torwart im Ballbesitz ist, wenn der Gegner ins Toraus geschossen hat und wenn die Abwehr den Ball erobert hat. Also eine Situation die man unzählige Male in einem Spiel hat und jedesmal eine Chance zum Erspielen einer Tormöglichkeit bietet.
Beim Spielaufbau gilt es sich in Breite und Tiefe zu staffeln, um möglichst viele Dreiecksbildungen zu schaffen. Je mehr Dreiecksbildungen, desto mehr Anspielstationen. Beim Spielaufbau machen die Außenverteidiger das Spiel breit und rücken dabei leicht nach Vorne. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler staffeln sich in die Tiefe. Die beiden Mittelfeldaußen besetzen die Halbpositionen. Die beiden Angreifer staffeln sich in Breite und Tiefe, um auch miteinander kombinieren zu können. Die Innenverteidiger bleiben hinter dem Ball im Rückraum, um zusätzliche Anspielstationen zum Seitenwechsel zu bieten.
Ziel sollte es nun sein den Ball kontrolliert in die gegnerische Hälfte zu befördern. Dies kann z.B. mittels Doppelpass und Direktspiel geschehen. Wichtig ist es darauf zu achten, dass man offene Passwege schafft, indem man sich aus dem Deckungsschatten des Gegners bewegt. Man achtet auf eine offene Spielstellung, so dass man den zugespielten Pass schon mit dem ersten Kontakt in den offenen Raum mitnehmen kann. Jeweils drei komplette Trainingseinheiten zu den Themen Doppelpass, Passwege öffnen und Ballan- und Ballmitnahme findet man in dem Trainingsbuch von Martin Hasenpflug Fußballtraining mit Kids.
Die weitere Vorgehensweise entscheiden wir nach der Ballposition. Ist der Ball am Flügel, wird immer der ballführende Mitspieler hinterlaufen! Dieser dribbelt währenddessen nach Innen. Nun hat er die Möglichkeit den Ball nach außen zu dem Hinterlaufenden zu passen oder weiter zu dribbeln. Spielt er nach außen, so kann der Mitspieler einen diagonalen Flugball in den gegnerischen Strafraum flanken.
Spielt derjenige der hinterlaufen wird jedoch nicht nach außen, sondern dribbelt er weiter nach Innen, ergeben sich durch die Ballposition im Zentrum neue Möglichkeiten zur Spielfortsetzung: Die beiden vordersten Mitspieler im Dreieck mit ihm, wechseln ihre Position (kreuzen) und spekulieren dabei auf einen Pass in die Tiefe. Ein Dritter Spieler startet dem Ballführenden entgegen und ein vierter Spieler kreuzt mit dem Dritten und startet in die Tiefe.

Die beiden Mitspieler im Dreieck mit dem Ballführenden kreuzen und zwei weitere Spieler kreuzen ebenfalls.
Diese Vorgehensweise absolviert man nicht nur nach einem Dribbling ins Zentrum, sondern auch wenn der Ball ins Zentrum gepasst wird. Es wird ständig Blickkontakt gehalten und die kreuzenden Laufwege werden mit einer Temposteigerung absolviert.
Für die Mannschaft gilt es schon frühzeitig die Situation zu erkennen, so dass die Laufwege direkt mit dem ersten Ballkontakt des Mitspielers (oder sogar noch früher) absolviert werden. Ziel muss es sein den Ballführenden ohne Gegnerdruck anzuspielen. So hat er die wertvollen 3-4 Sekunden um seine Mitspieler kreuzen zu lassen und die dadurch entstehenden Lücken im gegnerischen Abwehrverbund zu erkennen und den Pass in die Tiefe zu spielen. Drei komplette Trainingseinheiten zum Thema “Pass in die Tiefe” finden sich ebenfalls im genannten Buch.
Schafft man es den Ball auf den Flügel hinter der Abwehr zu bekommen. So kann der Ball entweder flach in den Rückraum zu einem Mitspieler abgelegt oder auf den zweiten Pfosten geflankt werden. Beim Hereinstarten in den Strafraum müssen die Spieler auf eine Staffelung achten. Je näher die Mitspieler zum Flankengeben stehen, desto näher befinden sie sich am Tor. Wichtig ist es auch, dass die Spieler mit höchsten Tempo und erst zum Zeitpunkt der Hereingabe zum Ball starten.
Die Viererkette von Manchester United
In diesem Artikel werden wir kurz das Abwehrverhalten von Manchester United erläutern. Der schottische Trainer Alex Ferguson hat 2008 mit einer Doppel-Viererkette die Champions League gewonnen und 2009 scheiterte er erst im Finale gegen Barcelona.
Die Grundidee seiner Abwehrarbeit ist grundsätzlich sehr simpel. Sobald die gegnerische Mannschaft in Ballbesitz kommt, schieben sich fast alle United-Spieler hinter den Ball. Nur eine Spitze ist von allen Defensivaufgaben befreit.
Die Abstände zwischen den vier Spielern innerhalb der beiden Viererketten sind identisch, sie verschieben sich ballorientiert und ein Spieler übt druck auf den Ball aus. Das Verschieben erfolgt so geschickt, dass man entweder gegnerische Spieler in den toten Raum stellt (Stichwort: Deckungsschatten) oder direkten Zugriff auf sie hat, also ein eigener Mann nur wenige Meter vom angespielten Spieler entfernt positioniert ist.
Die Viererkette im Mittelfeld verschiebt sich ausschließlich seitlich. Sie lässt sich nicht herauslocken. So entstehen keine gefährlichen Lücken zentral vor dem eigenen Tor. Der Gegner ist somit zu ungefährlichen Querpässen gezwungen, die einmal wertvolle Zeit kosten und zum anderen abgefangen werden können. Aus diesen Balleroberungen ergeben sich sehr gute Kontermöglichkeiten. Fast 80 Prozent der Tore im Fußball fallen auf diese Art.
Bei Manchester United legt man also besonderen Wert darauf zentral sehr kompakt zu stehen. Pässe in die Schnittstelle der Abwehr erweisen sich so als äußerst schwierig. Ebenso erfolglos bleibt, aufgrund der Enge des Raums, ein kultiviertes Kombinationsspiel. Versucht der Gegner mittels 1-gegen-1-Situationen zum Spielvorteil zu kommen, so haben sich die United-Spieler bereits so verschoben, dass der Ballführende direkt von mindestens zwei Spielern attackiert werden kann.
Dafür ist man dann aber auf den Außenbahnen relativ offen. Der Gegner sieht so seine Möglichkeiten über außen zu Torchancen zu kommen. Doch dies ist nur trügerisch. Sobald der Ball nach außen gespielt wird, rückt sofort ein Mittelfeldspieler als fünfter Mann in die Abwehrkette. Diese steht nun noch kompakter als zuvor. Das Mittelfeld verschiebt sich gleichzeitig so, dass man auf alle Gegenspieler in Ballnähe Zugriff hat. So muss der Gegner den Ball nun wieder quer spielen.
Der größte Unterschied des Defensivverhaltens von Manchester United und dem auf dieser Seite gelehrten ist wohl der, dass der Gegner recht spät attackiert wird. Man versucht nicht den Gegner möglichst weit vom Tor fernzuhalten, sondern lässt ihn kommen und mit jedem Stück den der Ballführende näher zum eigenen Tor kommt, desto enger rücken die Spieler in den jeweiligen Viererketten zusammen. Man versucht so lediglich den finalen Pass zu unterbinden und dann nach der Balleroberung blitzartig zu einer Kontermöglichkeit zu kommen. Es ist aber eine sehr gut geschulte Abwehrkette nötig, damit der entscheidende Pass rechtzeitig erkannt und abgefangen werden kann.
Die Innenverteidiger stehen grundsätzlich wesentlich tiefer als hier auf der Seite vorgestellt. Sie wollen dadurch dem Gegner die Tiefe in ihrem Spiel nehmen. Sobald zentral ein Pass in die Tiefe gespielt wird, kann dieser von einem der beiden Innenverteidigern abgefangen werden und so einen Gegenangriff initiieren. Auch Flanken von den Außenpositionen versprechen, aufgrund der tiefen Staffelung der Abwehrreihe, keinen besonderen Erfolg. Man wird den Ball kaum in den Rücken der Abwehr spielen können.
Kommt es bei den gegnerischen Spitzen zu starken Bewegungen (z.B. Kreuzen), so lässt sich die Abwehrkette sofort ein paar Meter nach hinten fallen. Auch der Absicherungsgedanke ist stets gegenwärtig. Fährt man selber einen Konter ein und die beiden Viererketten sind noch nicht in Position, wird die angespielte Sturmspitze sofort von einem Innenverteidiger attackiert. Der andere Innenverteidiger versucht sich nun so schnell wie möglich ca. 5 Meter dahinter zu verschieben, um bei einem eventuell verlorenen Zweikampf des Mitspielers die Situation noch klären zu können.
Eine besondere Rolle kommt den beiden 6er-Positionen im United-Spiel zu. Ihre Aufgabe besteht darin eine erste Verteidigungslinie vor dem Tor aufzubauen, sobald der Gegner in die eigene Hälfte kommt. Die beiden 6er verschieben sich lediglich seitlich und befinden sich dann immer 5 – 10 Meter vor den beiden Innenverteidigern. Zusammen mit den beiden Innenverteidigern ergeben die beiden 6er einen derart starken 4er-Abwehrblock in der gefährlichen Zone zentral vor dem eigenen Tor, dass der Gegner lediglich zu einer Torchance kommt, indem er aus der zweiten Reihe schießt. Ist der Gegner dagegen auf Höhe der Mittellinie oder noch in seiner Hälfte, rückt ein 6er zum Attackieren heraus und die restlichen Spieler unterstützen ihn, indem sie ballorientiert verschieben. Der andere 6er bleibt dabei immer in der Zentrale vor den Innenverteidigern. Wird der attackierende 6er ausgespielt, rückt er sofort wieder auf seine ursprüngliche Position zurück und die Defensive kann sich so wieder aufs Neue formieren.



