Schweizer C-Jugend stellt auf Viererkette um

Wir lieben Erfahrungsberichte von Trainern die auf 4er-Abwehrkette umstellen. Es ist interessant zu sehen wie es bei anderen Trainern läuft. Solche Berichte veröffentlichen wir immer sehr gerne, da sie zeigen, dass eine Umstellung bereits oder gerade in der Jugend Sinn macht und die Viererkette dann auch relativ schnell und effektiv gespielt werden kann. Außerdem geben solche Berichte auch denjenigen Mut, die zwar von der Vorteilen der Viererkette überzeugt sind, aber selbst unsicher sind, ob sie eine Umstellung in ihrer Mannschaft bewerkstelligen können.

Gerade der C-Jugend-Bereich eignet sich optimal für die Umstellung auf das neue System, weil die Jugendlichen noch nicht so sehr mit veralteten Spielweisen vorbelastet sind und aufgrund ihres Alters recht schnell lernen. Wir zeigten bereits in verschiedenen Beiträgen, dass das Spielen mit der Viererkette in diesem Alter schnell zu einer Selbstverständlichkeit wird und dass durch die gewonnen Spielvorteile,  eine enorme mannschaftliche Entwicklung möglich ist.

Folgender Erfahrungsbericht erreichte uns von einem Schweizer C-Jugend-Trainer:

Ausgangssituation:

  • In der Vorrunde knapp dem Abstieg entronnen (10 Sp. / 7 Pkt. / 15:32 Tore).
  • 24 Spieler, davon 3 Neueinsteiger, 6 Unzuverlässige, 1 Torwart, welcher aber noch viermal in der Woche Eishockey spielt und nur einmal bis gar nicht Fußball trainiert.
  • In der Vorrunde habe ich hauptsächlich Passspiel und Ballkontrolle trainiert (Grundkenntnisse sind also vorhanden).
  • Zeit für die Umstellung: 16 Trainingseinheiten und 3 Freundschaftsspiele bis zum 1. Meisterschaftsspiel.
  • Immer nur 1/4 des Platzes zum Training zur Verfügung.
  • Mich selbst in die Materie Viererkette erst über den Winter eingearbeitet mit Büchern, Videos, usw.. Jedoch noch nicht ganz Sattelfest.
  • Ganzer Verein spielt mit 3-5-2 (Ich selbst spiele in der 1. Mannschaft).

Verlauf:

Die ersten drei Wochen haben wir hauptsächlich das Augenmerk auf das Defensivverhalten 1:1, 2:1, 1:2, 2:2 gelegt. Leider war den meisten Jungs nicht viel von den vorgegangenen Stufen mitgegeben worden. Daher ging das Ganze nur langsam vonstatten.

Am Ende der 3. Trainingswoche gab ich den Spielern ein sehr reduziertes Merkblatt ab. Da ich die Jungs gut kenne, weiß ich, dass ich die Informationsflut gering halten muss! Bis Mittwoch der 4.Trainingswoche hatten sie Zeit sich alles anzuschauen. An diesem Tag führte ich einen kleinen Theorieblock durch, welcher meiner Meinung nach gut aufgenommen wurde. Eigentlich wollte ich anschließend einige der Übungen aus dem Viererkette-Crashkurs machen, jedoch war das Wetter so kalt und schlecht, dass ich es sein ließ und daher nur ein längeres Abschlussspiel machte. Apropos Abschlussspiel, die Trainingsspiele sind bedeutend besser und intensiver geworden, seit ich die Aufstellung vorgebe!

Am Tag vor dem ersten Freundschaftsspiel holte ich einen Spieler aus unserer zweiten Seniorenmannschaft als Trainingshilfe. Er spielte die letzten sechs Jahre in einer Juniorenauswahl und als Einziger des Vereins längere Zeit in einer Viererkette. Da bis jetzt alles nur auf Blätter, bzw. Tafeln aufgezeichnet wurde, wollte ich den Jungs auch noch das Ganze 1:1 auf dem Spielfeld vermitteln. Wir stellten 11 Hütchen so auf, wie ich mir dies vorstellte und schoben gute 15 Minuten hin und her. Meine Hilfe konnte den Jungs noch zusätzliche Tipps mit auf den Weg geben. Danach spielten wir 6 plus Torwart gegen 10 Angreifer. Die Angreifer schossen erst nach gemessenen 10,5 Minuten das erste Mal aufs Tor. Gute zwei Minuten später fiel auch das erste Tor.

Unser erstes Spiel mit der Viererkette am nächsten Tag verlief erstaunlich gut. Vor allem standen wir in der ersten Halbzeit defensiv sehr solide. Wir ließen praktisch keine Chance zu und alles brenzliche klärte unser Torwart. In der zweiten Halbzeit nahm ich 7 Wechsel vor. Es spielten nur der Torwart und die beiden zentralen Mittelfeldspieler weiter. Dennoch spielten wir defensiv zufriedenstellend weiter. Jedoch ab der 60. Minute, als ich die beiden zentralen Mittelfeldspieler auch wechselte, fiel das Ganze ein bisschen zusammen.

Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit der Mannschafsleistung und wurde positiv überrascht. Jedoch war unser Gegner auch bewusst aus einer tieferen Stufe gewählt. An den kommenden Wochenende spielen wir gegen Gegner die gleich, bzw. höher einzuschätzen sind als wir.

Einzelwertung:

Torwart: Spielte gut mit und lief die tiefgespielten Bälle ab.

Innenverteidiger: Waren noch ein bisschen zu leise, aber sicherten sich gegenseitig gut ab.

Außenverteidiger: Bei der ganzen Mannschaft hatte ich nur eine taktische offensive Vorgabe, nämlich diese, dass die beiden Außenverteidiger bei jeder Möglichkeit mit in den Angriff gehen sollten. Und dies machten sie zum Teil auch gut.

Zentrales Mittelfeld: Mit dem einem war ich sehr zufrieden, der andere spielte vorher im offensiven Mittelfeld und blieb daher gerne mal für einen Moment vorne stehen.

Mittelfeldaußen: Gutes Flügelspiel.

Sturm: Überraschenderweise arbeiteten beide defensiv mit, obwohl wir dies nur am Freitag kurz erwähnten.

Die Initiative abwehrkette.de bedankt sich für diesen tollen Bericht und wünscht den Trainern weiterhin viel Erfolg. Haltet uns auf dem Laufenden! Weitere Trainer können sich jederzeit gerne mit ihren Erfahrungsberichten bei uns melden!

Positionspezifische Aufgaben im 4-4-2

In diesem Artikel möchten wir einen kurzen Überblick über die positionspezifischen Aufgaben in einem 4-4-2-System geben. Der Trainer sollte seinen Spielern immer wieder vergegenwärtigen welche speziellen Aufgaben mit ihrer Spielposition verbunden sind und diese dann auch regelmäßig trainieren.

Torspieler: Dieser dirigiert die Deckungszuweisungen seiner Vorderleute. Er bietet sich beim Spielaufbau als zusätzliche Anspielstation im Rückraum an, um bei einem Zuspiel das Spiel verlagern zu können. Er agiert vor der Torlinie, je weiter der Ball von ihm entfernt ist, desto weiter rückt er vor. So ist er in der Lage Pässe im Rücken der Abwehr abzufangen. Trainingstipp: Den Torspieler immer wieder als Feldspieler im Mannschaftstraining mitwirken lassen.

Innenverteidiger: Sichern sich gegenseitig und ihre Außenverteidiger ab. Dirigieren die Viererkette, indem sie Kommandos zur Spielerübergabe, Attackieren, Aufrücken, Einrücken usw. geben. Durch sichere Pässe eröffnen sie den Spielaufbau. Situationsbedingt schalten sie sich ins Angriffsspiel ein, indem sie z.B. den Rückraum zur Spielverlagerung besetzen. Trainingstipp: 1-gegen-1-Situationen “Gegner im Rücken”.

Außenverteidiger: Sie üben Druck auf den Ballführenden Gegner auf ihrer Seite aus. Ist der Gegner mit Ball auf der Gegenseite, rücken sie ein. Stoßt ein Innenverteidiger zur Balleroberung nach vorne, rücken sie ein um die innere Linie zum Tor zu schließen. Beim Spielaufbau schalten sie sich mit in den Spielaufbau ein, indem sie Anspielstationen am Flügel schaffen, in den Strafraum flanken, mit diagonalen Flugbällen das Spiel verlagern und selbst nach Innen Richtung Tor ziehen und zum Torabschluss gelangen. Trainingstipp: 1-gegen-1-Situationen “Gegner am Flügel”, Doppelpass und Hinterlaufen.

Zentralen Mittelfeldspieler: Sie geben die Kommandos zum Verschieben. Dirigieren die Angreifer zum Stören des gegnerischen Spielaufbaus. Durch Pässe in den Nahtstellen der Abwehr ermöglichen sie den Angreifern Torchancen. Sie stoßen selbst als dritte Spitze nach Vorne, werden dann aber vom anderen zentralen Mittelfeldspieler abgesichert. Trainingstipp: Pass in die Tiefe und Ballan- & Ballmitnahme.

Linker/Rechter Mittelfeldspieler: Sie unterstützen die Außenverteidiger beim Doppeln. Sie setzen den Ballführenden Gegner auf ihrer Seite bereits im Mittelfeld unter Druck. Befindet sich der Gegner mit Ball auf der Gegenseite rücken sie bis ins Zentrum ein. Sie agieren über die komplette Spielfeldlänge und können je nach Spielsituation von Außenverteidiger bis Außenstürmer alles sein. Sie dribbeln bis zur Grundlinie um in den Strafraum zu flanken oder in den Rückraum zu passen. Durch diagonale Dribblings stoßen sie selbst Richtung Tor und suchen den Torabschluss. Trainingstipp: Flugbälle und Schnelligkeit.

Angreifer: Aufbauspiel des Gegner stören und es in einer vorab besprochenen Richtung lenken (Zentrum oder Außen). Ball behaupten für nachrückende Mitspieler. Rouchieren, Lücken in der Abwehr erkennen und Pässe durch diese fordern. Über einen Torriecher verfügen (Spielsituationen antizipieren). 1-gegen-1-Situationen suchen und zum Torabschluss gelangen. Trainingstipp: Kopfball und 1-gegen-1 in der Offensive.

Komplette Trainingseinheiten zu den genannten Trainingstipps findet man in Martin Hasenpflugs Lehrbuch: Fußballtraining mit Kids - In 12 Wochen zum Spitzenteam.