Doppeln - Der Schlüssel zum Erfolg
Die signifikantteste Änderung der letzten Jahre im Fußball betrifft das Spielsystem. Früher spielte man Gegnerorientiert und heutzutage Ballorientiert. Es gibt zwar immer noch Mannschaften im unteren Amateur- und Jugendbereich bei denen diese Wandlung noch nicht stattgefunden hat, doch mit der Erhöhung der Qualität der Trainer an der Basis, wird auch hier immer mehr das Ballorientierte Spiel vorangetrieben.
Eines der Hauptgründe wieso alle leistungsorientiere Mannschaften auf das Ballorientierte Spiel umgestiegen sind ist der, dass man in Ballnähe Überzahl schafft. So ist man in der Lage offensiv zu verteidigen. Man reagiert nicht auf Aktionen des Gegners, sondern ergreift selbst die Initiative den Ball schnellstmöglich zu erobern und dann einen Angriff einzuleiten. Der ballführende Gegenspieler wird dabei zu Zweit attackiert, was in der Fußballersprache Doppeln genannt wird. Gleichzeitig werden von weiteren Mitspielern in Ballnähe die Passwege zugestellt, so dass der Ballführende zu einem Alleingang provoziert wird. Dies erleichtert die Balleroberung und durch die Überzahl in Ballnähe verfügt man so über viele Anspielstationen das Spiel fortzusetzen.
Wie genau man Überzahl in Ballnähe schafft haben wir ja nun schon zur Genüge dargelegt. Grundsätzlich verschiebt sich die Mannschaft im Kollektiv bei Einhaltung von Seiten- und Tiefenabständen zum Ball. Doch was nützt einem die Überzahl in Ballnähe, wenn man nicht genau weiß wie man sich dann richtig zu verhalten hat? Handelt man falsch, setzt sich der Gegner trotz Unterzahl durch, man foult den Gegner oder schlägt den Ball ins Seitenaus. Aus diesem Grund werden wir in diesem Artikel genau erklären, wie man korrekt doppelt um den Ball nicht zu klären, sondern zu erobern.
Je nach Spielsituation ist ein anderes Handeln notwendig. Man muss unterscheiden, ob man bereits zusammen mit seinem Mitspieler vor dem ballführenden Gegner positioniert ist, der Mitspieler erst von der Seite heranrücken muss, der Mitspieler von hinten heranrücken muss und hier nochmal ob er aus dem Zentrum oder dem Flügel kommt. Grundsätzlich gilt aber auch hier eine absolute Notwendigkeit der Kommunikation. Klare Kommandos wer attackiert (Vor!) oder (Ich!), dass man dabei ist heranzurücken (Warte!) und das man in Position ist (Bin da!).
Es gilt immer eine leichte Tiefenstaffelung beim Doppeln zu schaffen. Ein Spieler rückt entschlossen Richtung Ball vor und versucht mittels seitlicher Stellung ein Dribbling des Gegners nach innen zum Mitspieler zu provozieren. Sobald dieser erkennt, dass der Ball einen Augenblick frei ist, attackiert er.
Auch die Verzögerung des Angriffs ist ein wichtiger Bestandteil des Doppelns. Das Verzögern des Angriffs erreicht man dadurch, dass man erst dem Gegner entgegenstartet, dann dass Tempo des Gegenspielers aufnimmt und ohne ihn zu attackieren ca. zwei Meter Distanz hält. So gewinnt man Zeit für heranrückende Mitspieler und gelangt zur notwendigen Überzahl.

Frontales Doppeln im Zentrum: Der Verteidiger auf der Seite des Dribbelfußes des Angreifers rückt vor und bietet in seitlicher Stellung dem Angreifer seine schwache Seite zum Durchbruch an! Der absichernde Verteidiger attackiert den Ball, sobald dieser vom Angreifer in seiner Richtung vorgelegt wird! Aus diesem Grund darf er sich nicht zu weit vom vorderen Verteidiger entfernt positionieren!

Frontales Doppeln am Flügel: Befinden sich zwei Verteidiger am Flügel (C und A) wird die Außenbahn verschlossen, um den Angreifer zum inneren Verteidiger zu steuern! Befindet sich B noch nicht am Flügel, so verzögert A den Angriff indem er Distanz zum Angreifer hält. B nimmt nun die Position von A ein und A verschließt die Außenbahn! B signalisiert A sein Kommen mit einem Kommando! Mit "Bin da!" beginnt C den Angreifer nach innen zu steuern.

Nach hinten doppeln am Flügel: Der Verteidiger geht in seitlicher Stellung, um dem Angreifer die Außenbahn zum Durchbruch anzubieten! Der Mittelfeldspieler läuft außen zum Angreifer um seinen Körper zwischen Ball und Angreifer zu bringen! Erkennt der Mittelfeldspieler einen Durchbruch nach innen, so läuft er innen zum Angreifer!

Nach hinten doppeln im Zentrum: Der Verteidiger A versucht zuerst den Pass zum Angreifer abzufangen! Gelingt dies nicht, setzt er sich wieder leicht nach hinten ab und schließt den direkten Weg zum Tor! Der Mittelfeldspieler B rückt auf Position C zurück und geht in seitlicher Stellung, um den Angreifer zum Verteidiger A zu steuern!
Die ganze Anleitung gibt es auch wieder als PDF-Dokument zum Ausdrucken für seine Spieler. Viel Spaß und Erfolg damit!
Ideales Spielsystem bei Umstellung auf Viererkette
Die Frage mit welchem Abwehrsystem man spielen sollte ergibt sich für die Leser unserer Seite zum Glück nicht mehr. Es wird ballorientiert innerhalb einer Viererkette verteidigt und das Spielsystem ist dahin ausgerichtet, dass bei gegnerischem Ballbesitz der Gedanke der Balleroberung im Mittelpunkt steht.
Die Zahl der hinteren Spieler steht mit vier also fest. Im modernen Fußball zieht man bewusst den Begriff hinterer Spieler dem Abwehrspieler vor, da man so vermitteln möchte, dass bei eigenem Ballbesitz der Offensivgedanke im Vordergrund steht. So bleibt nur noch die Frage zu klären, ob man mit drei oder vier Mittelfeldspielern agiert? Vom Spiel mit fünf Mittelfeldspielern raten wir ab, da man in diesem Fall nur noch über eine nominelle Spitze verfügt. So wären zum Einen die kreativen Möglichkeiten des Offensivspiels sehr einschränkt und zum Anderen wäre man nur noch sehr schwer in der Lage das gegnerische Aufbauspiel zu steuern (dieses Thema werden wir später aufgreifen).
Aus unserer Sicht fällt es einem Mittelfeld mit drei Spielern sehr schwer auf der kompletten Breite des Spielfelds präsent zu sein. So wäre es zwingend notwendig, dass die beiden Außenstürmer sich bei gegnerischem Ballbesitz zurückfallen ließen, bzw. die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz aufrückten. Dieses für Anfänger recht umfangreiches rouchieren könnte gerade in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel einige Spieler überfordern. So bleibt am Ende das klassische 4-4-2.
Nun kann man dieses 4-4-2 nochmals in zwei unterschiedliche Varianten unterteilen, die sich in der Formation des Mittelfelds bemerkbar macht. Die Mittelfeldspieler können entweder als Raute oder als Flache Vier aufgestellt sein. Bei der Flachen Vier agieren vier Mittelfeldspieler ebenfalls als Viererkette. Wir haben bisher kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir zumindest für den Beginn der Umstellung auf die Viererkette die Flache Vier favorisieren. So ist es leichter die Spieler für das Training der Viererkette zu begeistern, da im Grunde alle Positionen unmittelbar oder indirekt davon betroffen sind. Obendrein kann man sich eine gesonderte Schulung des Mittelfelds sparen, da dieses bei gegnerischem Ballbesitz fast identisch wie die hinteren Spieler handelt. So wird das Taktiktraining minimiert und man kann so mehr Zeit in die Entwicklung der technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler investieren.
Ein weiterer Vorteil der Flachen Vier ist der, dass man auf den Außen recht präsent ist. Man benötigt deswegen auf den Außenverteidiger-Positionen keine Maradonnas und Peles. Die Außenverteidiger kann man also behutsam auf die offensiven Aspekte ihrer Position vorbereiten. Dagegen muss man aber sagen, dass das Spiel mit der Raute einen ganz wichtigen Vorteil gegenüber der Flachen Vier bietet. Im eigenen Spiel verfügt man über viel mehr Möglichkeiten der Dreiecksbildung. Das bedeutet, dass Spieler im Ballbesitz sich in einem Dreieck mit Mitspielern befinden und so stets über Anspielstationen in Breite und Tiefe verfügen.
Zuletzt sollte man noch bedenken, dass man durch das Spiel mit zwei Viererketten und zwei Spitzen auf dem kompletten Feld symmetrisch verteilt ist. Dies sichert einen kompakten Mannschaftsverbund, geringe Laufwege zum Schaffen von Überzahlsituationen und bei Balleroberung ein effektives Umschalten auf Angriff.
Stellt man nun die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme gegenüber und berücksichtigt man die eigenen Erfahrungen als Trainer, kann man zu dem Schluss kommen, dass das klassische 4-4-2 mit einer Flachen Vier zumindest in der Phase der Umstellung auf das Ballorientierte Spiel unbedingt zu empfehlen ist.
Kein Platz für Individualisten im modernen Fußball
Das Gesicht des Fußballs hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. So waren es bis in die 70er oder sogar 80er-Jahren Individualisten die ein Spiel lenkten und auch entschieden. Der Spielmacher als technisch visierter Mann sollte mit Auge das Spiel an sich nehmen und mit klugen Pässen die Angreifer in Szene setzen. Doch durch das Ausschalten des Spielmachers konnte man recht einfach das Spiel des Gegners zerstören. Folglich wurde der Spielmacher oft in Manndeckung genommen und wiederum ein anderer Mitspieler sollte den Spielmacher von seiner Sonderbewachung lösen, der sogenannte Wasserträger.
Hinter den Manndeckern agierte dann der freie Mann (Libero) ohne Deckungsaufgaben. Er sollte Fehler seiner Vorderleute ausbügeln, in der kompletten Breite des Spielfelds Überzahl schaffen und sich dann auch noch mit ins Angriffsspiel einschalten. Durch seine Position hinter der Abwehr schuf er gefährliche Räume für den Gegner, die diese oft mit Steilpässen für sich zu nutzen wussten. Bei einem Vorstoß des Liberos und einem eventuellen Ballverlust und Konter des Gegners, hatten es die Manndecker und der Vorstopper (ein weiterer Fußball-Dinosaurier) dann sehr schwer in Gleichzahl oder gar Unterzahl zu verteidigen. In diesen Situationen funktioniert die Manndeckung nämlich nicht und man musste blitzschnell von Manndeckung auf Raumdeckung umschalten. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Sache ein großes Fehlerpotenzial in sich barg.
Aber u.a. ist es auch diesem Umstand zu verdanken, dass immer mehr Mannschaften anfingen konsequent in Raumdeckung zu verteidigen. So waren die Abwehrspieler nicht mehr gezwungen während des Spiels zwischen zwei ganz gegenläufigen Prinzipien umzudenken. Auch das Überzahlspiel in Ballnähe konnte man nun viel schneller gestalten, da die größere Entfernung von der Position des Liberos durch die geringere Entfernung des Mitspielers an seiner Seite ersetzt wurde. Man schaffte nun auch keine unnötige Räume mehr, durch den tief agierenden Libero. Die Individualisten Libero, Vorstopper, Manndecker entfielen zugunsten der Viererkette. Die Abwehrspieler agierten von nun an gleichberechtigt im Kollektiv.
Die Idee des Kollektivs im Mannschaftssport ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt, denn das Individualisten-Dasein der Spieler führt zu keinem starken gemeinsamen Nenner. Die jahrzehntelange Förderung von Individualisten führte oft zu egoistischen Charakteren. Man stellte mehr seine eigenen Interessen in den Vordergrund, anstatt die der Mannschaft. Aus diesem Grund steht im modernen Fußball die Förderung des Teamgedankens im Vordergrund. Dies ist nicht nur aus spielerische Sicht ein Fortschritt, sondern auch aus sozialer.
Im modernen Fußball bildet aber nicht nur die Viererkette eine Einheit, sondern die komplette Mannschaft. Die einzelnen Mannschaftsteile interagieren im großen Maße und verschmelzen sogar miteinander. Folglich fallen auch die Individualisten in den anderen Mannschaftsteilen weg. Das leicht auszumachende Spiel mit Spielmacher weicht ebenfalls dem Kollektiv. Hier ist es aber auch der verbesserten Talentförderung weltweit zu verdanken, dass heutige Trainer über technisch besser ausgebildete Spieler verfügen und Fähigkeiten mitbringen ein Spiel zu gestalten.
Aus diesem Kollektivgedanken ergeben sich aber auch einige Nachteile. Diese sind aber dem modernen Fußballtrainern bereits bekannt und die Talentförderung des DFBs arbeitet auch in diese Richtung. So lassen sich viele Spieler so sehr ins Kollektiv drängen, dass sich ihre Persönlichkeit nicht genügend entwickelt. Der Fußball benötigt aber starke Spieler die ihre Mannschaft auf dem Platz antreibt oder auch kreative Köpfe, die mit unerwarteten Dinge die gegnerische Mannschaft überrascht. Solche Spieler besitzen allesamt eine ausgeprägte Persönlichkeit die es von der Jugend an zu fördern gilt. Es sollte also das Ziel des modernen Fußballtrainers sein, starke Persönlichkeiten in ein gut funktionierendes Kollektiv zu integrieren.
Neue Trainingseinheit zum Ballorientiertem Verteidigen
In dieser Trainingseinheit zum Ballorientierten Verteidigen geht es darum sich in Unterzahl korrekt zu verhalten (Übung 3), den ballführenden Angreifer korrekt zu doppeln und dann bei Ballgewinn schnell umzuschalten (Übung 2) und zuletzt in einer 2-gegen-2-Situation Druck auf den Ball auszuüben und dabei gleichzeitig den Passweg zuzustellen (Übung 1).
Die drei Ǜbungen werden parallel abgehalten und nach einer bestimmten Zeit wechseln die Spieler einen Parcours weiter, bis jeder Spieler jede Übung absolviert hat. Die Spieleranzahl in der Zeichnung ist mit 18 Feldspielern plus 1 Torwart angegeben. Sollte man über eine andere Spieleranzahl verfügen, könnte man z.B. die Übung 1 und 2 auch mit je 4 Spielern absolvieren.

5. Trainingseinheit der Initiative abwehrkette.de zum Ballorientiertem Verteidigen
Übung 1: Es werden zwei Mannschaft zu je drei Spielern gebildet. Im Feld wird 2-gegen-2 auf je einem Dribbeltor gespielt. Es befindet sich immer ein Spieler je Mannschaft außerhalb des Feldes. Die abwehrende Mannschaft muss in ihrer Hälfte bleiben und der Angriff ist beendet, wenn das gegnerische Stangentor überdribbelt wurde oder der eroberte Ball zum dritten Verteidiger außerhalb des Feldes gepasst wurde. Danach Aufgaben- und Spielerwechsel.
Übung 2: Die Spieler in drei 2er-Mannschaften aufteilen. Die Mannschaft C ist außerhalb des Feldes, die Mannschaft B verteidigt das Dribbeltor und die Mannschaft A verteidigt das Großtor. Ein Spieler A dribbelt nun Richtung Dribbeltor und versucht sich gegen die beiden Spieler B durchzusetzen. Der zweite Spieler A darf in dieser Aktion nicht eingreifen und befindet sich auf der Strafraumlinie. Mannschaft B doppelt nun Spieler A und kontert nach Ballgewinn auf das Großtor. Hierzu muss der zweite Spieler von A ausgespielt werden. Nach dem Konter wechseln die Mannschaften die Positionen: A geht nach B, B nach C und C nach A. Der Trainer achtet auf Abseits und dem korrekten Doppeln: Der vordere Verteidiger muss durch seitliche Stellung den Angreifenden zum tiefer postierten Verteidiger lenken.
Übung 3: Zwei 3er-Mannschaften bilden. Die angreifende Mannschaft spielt in Überzahl gegen zwei Verteidiger und versucht über das Stangentor zu dribbeln. Die Verteidiger dürfen ihre Hälfte nicht verlassen und versuchen durch geschicktes Verschieben den Ball zu erobern und dann zu dem Verteidiger außerhalb des Feldes zu passen. Ist dies geschehen wechselt das Angriffsrecht und ein Spieler der anderen Mannschaft verlässt das Feld. Der Spieler mit Ball dribbelt nun ins Zentrum und eröffnet dort das Spiel mit einem Pass zum linken oder rechten Spieler. Der Trainer achtet auf das korrekte Verschieben: Wenn der zentrale Angreifer in Ballbesitz ist, befinden sich die beiden Verteidiger in ganz leichter Tiefenstaffelung, ca. 4-5 Meter nebeneinander zentral vor dem Ballführenden. So besteht die Möglichkeit einen Pass nach außen abzufangen und bei einem Alleingang des Ballführenden ihn zu doppeln. Dribbelt der Ballführende Richtung Tor, bewegen sich die Verteidiger rückwärts. Im Spiel gewinnt man so wertvolle Zeit für nachrückende Mitspieler. Befindet sich der Ball bei einem Außenspieler, verschieben sich die beiden Verteidiger zum Ball und halten dabei die leichte Tiefenstaffelung (der ballferne Spieler steht tiefer) und den Abstand zueinander. So nimmt man dem Außenspieler die Möglichkeit in die Tiefe zu passen und ein direkter Seitenwechsel kann eventuell abgefangen werden.
Anschließend sollte die Mannschaft noch mit einem Abschlussspiel belohnt werden. Merkt man, dass es eine anstrengende Trainingseinheit für die Spieler war, sollte man keine taktischen Sonderreglungen vorgeben. Jedoch sollte man die Mannschaften so aufstellen, dass diese ballorientiert in allen Mannschaftsteilen agieren können, z.B. im 3-3-2-System.
Die geheimen Strategien zum sicheren Torerfolg
Durch das Spielen mit Viererkette praktiziert man ein ständiges Verschieben, Pressen und Absichern. Dies sind die Charakteristiken einer möglichst häufig stattfindenden Balleroberung. Im Fußball fallen ca. 80 Prozent der Tore direkt nach einem Ballverlust des Gegners.
Aufgrund des ballorientierten Verschiebens schafft man permanent Überzahl in Ballnähe. Das heißt, dass man bei einer Balleroberung viele Anspielstationen in Ballnähe besitzt. Hat man nun den Ball erobert sind schnelle Pässe nach Vorne gefragt. Denn es ist davon auszugehen, dass die gegnerische Mannschaft bei einem Ballverlust recht weit aufgerückt ist. Dadurch hat man eine sehr gute Möglichkeit durch Überzahl vor dem gegnerischen Tor sich eine sehr gute Torchance zu erspielen.
Bei einer Balleroberung ist es nicht ratsam 1-gegen-1-Situationen zu suchen, einmal verliert man dadurch Zeit, so dass die gegnerische Verteidigung sich wieder organisieren kann und zum anderen nimmt man sich den Vorteil, dass man aufgrund des ballorientierten Verschiebens viele Anspielstationen besitzt. 1-gegen-1-Situationen sind in der Regel nur vor dem gegnerischen Tor sinnvoll, wenn man hier einen Gegenspieler ausspielt, ein anderer Verteidiger für ihn in den Bresche springt und somit die Deckung eines Mitspielers aufgeben muss. Dieser Mitspieler eignet sich nun hervorragend zum Anspielen.
Doch wie spielt man nun nach der Balleroberung den Ball am besten nach vorne? Dazu sollte man sich genau im Klaren sein, weshalb überhaupt Pässe im Fußball gespielt werden. Nämlich um Raum zu gewinnen. Es nützt selten was, wenn man einen Mitspieler der unter gegnerischen Druck steht den Ball zuspielt. Das Risiko ist viel zu groß, dass er den Ball verliert und der Gegner nun in der aussichtsreichen Situationen ist, die man ja gerade noch selbst besessen hat.
Wichtig ist nun, dass die Mitspieler Anspielstationen schaffen und zwar wie folgt:
- In Breite und Tiefe
- Den Deckungsschatten des Gegners verlassen
- Rückraum besetzen
In erster Linie sollte für den Ballbesitzenden das Ziel sein den Ball nach vorne zu spielen, um möglichst schnell möglichst viele gegnerische Spieler hinter dem Ball zu lassen. Sollte kein sicheres Passspiel nach vorne möglich sein, so sollte der Ball quer gespielt werden, sollte dies auch zu risikoreich sein, wird der Ball nach hinten gepasst um das Spiel auf die andere Spielfeldseite zu verlagern.
Da die gegnerische Mannschaft, gerade im Jugendbereich, sehr viel Zeit zum ballorientierten Verschieben benötigt, wird man auf der anderen Seite nun genügend freie Räume besitzen um den Ball schnell und sicher nach vorne spielen zu können.
Die Angreifer versuchen sich nun vor dem Ball zu schieben und auf einen Pass in die Schnittstelle der Abwehr zu lauern. Im Idealfall kreuzen die Angreifer noch vor ihren Aktionen, um den Verteidigern die korrekte Zuordnung ihrer Deckungsaufgaben zu erschweren. Der Pass in die Tiefe sollte druckvoll, flach und mit einem Blickkontakt erfolgen. Die sich daraus ergebende Torchance sollte ohne Zögern zielstrebig genutzt werden.
© Martin Hasenpflug
Abwehrverhalten für semiprofessionelle Abwehrketten
In unseren vier Trainingseinheiten haben wir uns darauf beschränkt das Verhalten der Abwehrkette bei den üblichsten Angriffssituationen aufzuzeigen. Wie bereits erörtert hat dies den einfachen Grund, dass man die Mannschaft nicht mit zuviel Informationen überfordert und das ballorientierte Verteidigen dann garnicht funktioniert. Deshalb sind folgende Tipps auch nur für Mannschaften gedacht, die bereits die Lerninhalte der ersten vier Trainingseinheiten vollkommen verinnerlicht haben. Im Jugendbereich oder unteren Amateurbereich ist es auch nicht unbedingt notwendig sich mit allen Finessen der Viererkette auszukennen, da die Gegner selten so stark sind, dass sie über die komplette Bandbreite der gruppentaktischen Angriffsmittel verfügen. Nun die versprochenen Tipps:
- Ein gegnerischer Spieler dribbelt auf einer Nahtstelle der eigenen Abwehrkette zu und zwei Spitzen setzen sich nach außen ab um angespielt zu werden. Die beiden Abwehrspieler der Nahtstelle rücken nun zusammen und lassen sich, wie die anderen Spieler der Abwehrkette auch, in die Tiefe auf einen sicheren Abstand von 23 Meter fallen. Je näher der Dribbler Richtung Tor kommt, desto energischer muss er attackiert werden.
- Nicht auf das Provozieren von passivem Abseits des Gegners hereinfallen und in diesen Situationen nie auf Abseits spielen.
- Die Tiefe absichern hat Vorrang gegenüber aggressiver Balleroberung.
- Mittelfeldspieler verfolgen in die Spitze dribbelnde Gegenspieler um sie gegebenenfalls direkt an einen Torchuß oder Pass zu hindern, bzw. einem Abwehrspieler behilflich sein den Ball zu erobern.
- Bei Überzahlsituation des Gegners nicht den ballbesitzenden Angreifer attackieren, sondern Passwege zustellen und versuchen die Spielsituation solange zu verzögern bis Mitspieler sich zum Ball verschoben haben.
Das war es wieder für heute. Sobald wir neue mitteilungswürdige Sachen haben, werden wir sie Euch mitteilen.
Einen schönen Trainingstag wünscht die Initiative abwehrkette.de!

