«

»

Mai 15 2012

Beitrag drucken

Perfekte Taktik für eine D-Jugend (9er-Team)

Entsprechend der Vorgaben des DFBs sollte in der D-Jugend kein spezielles Taktiktraining stattfinden. In dem Alter haben die Spieler dafür eine zu geringe Konzentrationsfähigkeit, zu wenig abstraktes Denken und zu wenig Interesse. Dafür sind sie aber enorm lernfähig was die Fußballtechniken betrifft. Deshalb sollte das Training der Fußballtechniken in diesem Alter die höchste Priorität haben. Trotzdem muss die Mannschaft eine gewisse taktische Ausrichtung besitzen, damit ihre fußballerischen Qualitäten zur Geltung kommen können.

Das Techniktraining lässt sich aber auch gut zum Vermitteln taktischer Inhalte nutzen. Um dies zu erreichen, erklärt man als Trainer seinen Spielern, zu welcher taktischen Handlung die gerade behandelte Technik gehört. Beispiel: Ballan- und Mitnahme flacher Bälle zur Seite. Wo im Spiel benötigt man diese Technik? Antwort: Spielverlagerung. Beherrschen wir diese Technik (Beidfüßig!), können wir schnell die Seite wechseln und haben auf der anderen Spielfeldseite freien Raum vor uns. Ist man schlecht in dieser Technik, dauert die Spielverlagerung länger, der Gegner hat mehr Zeit zum Verschieben und wir haben mit der Spielverlagerung keinen freien Raum geschaffen.

Die Spieler können also beim Techniktraining Ballan- und Mitnahme das taktische Verhalten Spielverlagerung lernen. Neben der Spielverlagerung kann man beim gleichen Technikschwerpunkt, auch weitere taktischen Inhalte vermitteln: Das Verhalten der Außenspieler bei eigenem Ballbesitz. Sie bieten sich in maximaler Breite an, gehen in seitliche Stellung und dann sollen sie nach Möglichkeit von den zentralen Spielern nach vorne in den Lauf angespielt werden. So erreichen sie einen Bewegungsvorsprung gegenüber ihren Gegenspielern.

Neben diesen taktischen Inhalten, die man mit den jungen Spielern indirekt erarbeitet, sollte man der Mannschaft aber auch konkrete taktische Anweisungen geben. Wie diese für ein 9er-Team aussehen kann, wird hier anhand von vier Themenblöcken gezeigt: Grundformation (positionsspezifische Aufgaben), Spielaufbau (eigener Ballbesitz), Pressing (gegnerischer Ballbesitz) und Eckbälle (ausführen und verteidigen).

Grundformation 4-3-1 mit möglichen Offensivaktionen

Ein 9er-Team lässt sich sehr gut in einer 4-3-1-Grundformation aufstellen. Dies ist ein sinnvoller methodischer Schritt hin zum 11er-Team. Ein 4-3-1 ist aufgrund der geringeren Spieleranzahl weniger komplex als z. B. ein 4-2-3-1. Die Viererkette im 4-3-1 agiert ballorientiert, aber mit der Vorgabe, dass der Innenverteidiger (IV) zum Außenverteidiger zum Doppeln komplett durchschiebt. Die anderen beiden Abwehrspieler sichern das Zentrum. Aufgrund des Durchschiebens der IVs, kann ein weniger kompaktes Mittelfeld (gegenüber einem 4-2-3-1 fehlen zwei Mittelfeldspieler) kompensiert werden. Alle anderen Verhaltensweisen der Viererkette orientieren sich am „großen Spiel“: Zur Ballseite schieben, Trichterförmig Zurückweichen, Abwehrdreieck bilden, eher tief als hoch stehen usw..

Die Mittelfeldspieler verbinden die Defensive mit der Offensive. Sie schalten sich konsequent in die Angriffe ein. Der zentrale Mittelfeldspieler (10er) agiert als Ballverteiler für drei Anspielpunkte in der Tiefe (Stürmer und die beiden Mittelfeldaußen). Der 10er besetzt während eines Angriffs primär den Rückraum. Bei Bällen die in den Rückraum verteidigt werden (Wahrscheinlichkeit ist hoch), kann die Mannschaft so in Ballbesitz bleiben. Und im Falle eines Gegenangriffs ist man durch den 10er zusätzlich gesichert.

Ist es den Mittelfeldspielern bei einem Ballverlust möglich nachzusetzen tun sie dies. Je mehr Laufleistung man erbringt, desto häufiger kann man doppeln und je häufiger man doppelt, desto mehr kontrollierte Balleroberungen erzielt man. Die Sturmspitze wird größtenteils von der Defensivarbeit befreit und „zockt“ immer auf maximaler Höhe auf einen Ballgewinn der Mitspieler.

Da man in der Abwehr mit vier Spielern relativ zahlreich vertreten ist, sollten die Außenverteidiger sehr offensiv ausgerichtet sein. Spielt der Gegner mit nur einer Spitze, so ist es sinnvoll, dass sich beide Außenverteidiger in den Angriff einschalten. Zumindest der ballnahe Außenverteidiger agiert dabei mindestens genauso offensiv wie der 10er. Besonders beim Ballbesitz des Mittelfeldaußen ist es wichtig, dass der ballnahe Außenverteidiger ihm eine Anspielstation bietet. Entweder für einen Rückpass oder nach einem Hinterlaufen.

Die Innenverteidiger haben die Aufgabe ihre Mannschaft nach einem Ballgewinn oder einem Pressingversuch vorzuschieben. Sie sichern die Mannschaft bei einem Angriff ab und bieten sich stets deutlich für einen Rückpass an. Sie sollen auch das Einschalten der Außenverteidiger in den Angriff koordinieren.

Damit sich alle Spieler gleichstark verbessern können, sollte das Kurzpassspiel angestrebt werden. Der Torwart spielt nach Möglichkeit alle Bälle kurz zu einem Abwehrspieler. Die Abwehrspieler gehen dazu weit auseinander. Sie versuchen nun im Zusammenspiel (Spielverlagerung) einen Mittelfeldspieler anzuspielen. Dazu bewegen sich die drei Mittelfeldspieler auf einer Linie und versuchen ständig auf Lücke zu gehen. Beim Ballbesitz eines Außenverteidigers geht der ballnahe Mittelfeldaußen auf maximale Breite, die anderen beiden Mittelfeldspieler rücken ein und der 10er bietet sich dabei deutlich im Zentrum an.

Die Sturmspitze bietet sich zusätzlich für einen weiten Flachpass in der Tiefe an. Er soll aber nur auf Lücke gehen und nicht entgegenkommen. Sobald ein Mittelfeldspieler angespielt wird, soll er vom Abwehrspieler mit „Klatsch“ oder „Dreh“ gecoacht werden. Bei „Klatsch“ (Gegner im Rücken) passt er direkt zum Passgeber oder einem dritten Spieler zurück. Bietet es sich für einen Spieler an auf einen freien Spieler nach außen zu klatschen, so sollte er dies tun.

Im Idealfall hat der angespielte Mittelfeldspieler keinen Gegner im Rücken und kann mit „Dreh“ gecoacht werden. Er dreht sich dann in Spielrichtung auf (Ballan- und Mitnahme nach hinten), dribbelt situativ nach vorne und kann das Spiel mit einem vertikalen Pass fortsetzen. Wichtig ist es bei dieser Art des Spielaufbaus solange geduldig miteinander zu kombinieren, bis sich ein Mittelfeldspieler mit Ball aufdrehen kann, bzw. den Ball nach außen klatschen lässt. Der Blick des Abwehrspielers geht immer zuerst nach vorne, bevor er das Spiel weiter verlagert.

Hat der gegnerische Torwart den Ball, zieht man sich ins sogenannte Mittelfeldpressing zurück. Die gesamte Mannschaft besetzt das mittlere Drittel des Spielfelds. So stehen die gegnerischen Abwehrspieler frei und werden in der Regel dann auch angespielt. Die Sturmspitze hat nun die Aufgabe das Passspiel der Abwehrspieler zu beobachten. Sobald hier ein schlechter Pass gespielt wird (zu ungenau, falsch dosierte Passstärke) startet er unmittelbar mit dem Zuspiel Richtung Ball.

Alle Mitspieler schieben dann sofort und massiv unter dem Kommando der Innenverteidiger (eventuell einen IV fest bestimmen) zur Sturmspitze hin. Die Mannschaft soll sich auf einer Fläche von ca. 20 x 20 Meter vor dem angespielten Gegner formieren. Die Sturmspitze setzt den Passempfänger enorm unter Druck. Ein zweiter Mitspieler, der am nächsten zum Ball steht, attackiert ebenfalls. Der Gegner kann nun gedoppelt werden und durch die restlichen Mitspieler sollen ihm alle Anspielstationen zugestellt werden. So entwickelt sich aus dem Mittelfeldpressing ein Angriffspressing.

Eckbälle können effektiv in der Raumdeckung verteidigt werden. In diesem Artikel wird eine Variante beschrieben, die man aber zuvor auf acht Feldspieler runterbrechen muss: Nur ein Spieler auf der Torlinie (kurzer Pfosten) und kein Spieler zentral vor den beiden Innenverteidigern. Bei eigenem Eckball kann die Variante aus selbigen Artikel ausgeführt werden, sie muss man aber auch auf acht Spieler runterbrechen: Nur ein Spieler besetzt den Rückraum und vor dem Torwart postieren sich drei, anstatt vier Spieler mit hoch gehaltenen Armen.

Zu den in diesem Artikel erwähnten Trainingsschwerpunkten finden sich in dem Buch Fußballtraining total von Martin Hasenpflug weitere Informationen mit je drei kompletten Trainingseinheiten. Auch die Themen Spielaufbau und Pressing werden dort mit je drei Trainingseinheiten ausführlich behandelt. Durch leichte Modifikationen lassen sich die Inhalte auf 9er-Teams runterbrechen und dem Leistungsstand der Mannschaft anpassen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/taktik-d-jugend/

6 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Jörg

    Hallo Martin,

    Wir hatten auch seit Beginn der Saison mit einer 4-3-1 Formation begonnen um ein langsames heranführen an die 4er Kette zu wählen. Wir haben aber mittlerweile auf eine 4-1-3 Formation umgestellt, das eröffnet u.a. auch viele Möglichkeiten. Natürlich müssen die Aussen entsprechend mitarbeiten aber mit schnellen Leuten klappt das wunderbar.

  2. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Jörg, ja wunderbar! Ich sehe auch keine großen Unterschiede zwischen diesen beiden Grundformation. Man legt im 4-1-3 den Schwerpunkt der Mittelfeldaußen einen Hauch mehr auf die Offensive. Hier kann man dann je nach spielstärke des Gegners variieren.

  3. Andreas

    gibt es gute Trainingsmöglichkeiten um das ballorientierte Spiel, bzw. die Formationen ( 4,1,3 o. 4,3,1) zu trainieren.
    Es soll aber ein Interessantes Training werden. In den meisten Büchern werden doch sehr schwere taktische Einheiten beschrieben, wobei die Laufbereitschaft und das Spiel mit dem Ball ( Passen, Tempoangriff, Doppeln) nicht enthalten sind. Hat jemand einen Tipp.

  4. Gerd

    Hallo Martin,

    wie ist es gemeint, mit dem durchschieben des Innenverteidigers zum Doppeln?
    Die Innenverteidiger schieben doch immer zur Ballseite ein und sichern den Aussenverteidiger.

    Kannst du mir dies erläutern?
    Wie weit fächern die drei Mittelfeldspieler bei eigenem Ballbesitz auf?
    Bei Ballverlusten ist das Zentrum anfällig .

    Herzliche Grüße
    Gerd

  5. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Gerd,

    im Leistungsfußball wird heute größtenteils darauf verzichtet, dass der ballnahe IV zur Ballseite durchschiebt und zusammen mit dem AV doppelt. Dieser fehlt dann nämlich im Zentrum und falls der Gegner mit zwei ST spielt, muss der ballferne AV (oft kleingewachsen) einen ST (oft großgewachsen) decken und eventl. zum Kopfballduell.

    Wenn Du große Probleme bei Ballverlusten durch ein weites auffächern hast, sollen Deine Spieler sich nicht ganz so Breit anbieten. Das führt aber zu dem Problem, dass die angespielten Außenspieler weniger Zeit haben bevor sie unter Gegnerdruck stehen.

    Viele Grüße!

  6. Klaus Rosen

    Hallo,ich spiele mit meiner Mannschaft 9er Feld, ein sehr erfolgreiches System 3-1-3-1 das hat zum Vorteil das man schnell die Defensive verstärken kann ebenso das <Mittelfeld und Sturm durch sehr schnelles Umschalten

    Sportliche Grüsse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>