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Jun 04 2011

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Taktisches Grundwissen für ein erfolgreiches Offensivspiel

Ohne einsatzfreudige, mannschaftsdienliche und technisch versierte Fußballer lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Verfügt man jedoch über talentierte Fußballer ist ein gewisses taktisches Grundwissen nötig, um das volle Potential der Mannschaft auszuschöpfen. Da lange Belehrungen und ausführliche taktische Instruierungen erfahrungsgemäß zu keinem tiefgreifendem Verständnis für das Spiel führen, empfehlen wir hier andere Wege zu gehen.

Für die Verbesserung in einem speziellen taktischen Element, haben sich besonders Spielformen bewährt, die durch Provokationsregeln die gewünschte Spielweise belohnt. Der Fußballpädagoge Horst Wein spricht in diesem Zusammenhang von „stimulieren anstatt instruieren“. Besonders lehrreich für den Spieler ist es demnach, wenn er selbst durch eigene Erfahrung und Ausprobieren die Vorteile eines taktischen Elements erkennt. Diesen Lernprozess kann der Trainer nochmal durch das Stellen von Fragen verstärken. Während den Aufgaben oder auch danach, zeigt er verschiedene Spielsituationen auf und führt seine Spieler durch aneinanderkettung verschiedener Fragen zur optimalen Lösung einer Spielsituation. In der Pädagogik wird dies als sokratisches Prinzip bezeichnet.

Über welches taktische Grundwissen sollten nun die Spieler verfügen, wenn sie selbst im Ballbesitz sind? Eines der wichtigsten taktischen Elemente im Fußball ist das Andribbeln. Es wird auch als „Gegner binden“ oder „Blank spielen“ bezeichnet. Der Ball soll demnach nicht abgespielt werden, wenn man noch Raum vor sich hat. Stattdessen soll man aktiv auf einen Gegner zudribbeln und dann rechtzeitig zu einem mitlaufenden Mitspieler passen. Dies ist das leichteste Mittel, um eine Überzahl aus der eigenen Hälfte bis hin zum gegnerischen Tor zu transportieren. Vor dem gegnerischen Tor lässt sich dieses taktische Element auch dazu einsetzen, nicht zum mitlaufenden Spieler zu passen, sondern selbst an ihm vorbeizudribbeln. Gerade dann, wenn dieser auf ein Abspiel spekuliert und den Weg zum Tor öffnet.

Ein immer wieder beobachtetes Fehlverhalten bei Fußballern ist es, dass diese durch Entgegenstarten zum ballführenden Mitspieler ihm den Raum zulaufen. So ist dieser nicht in der Lage mittels einem Pass, ein Raumgewinn zu erzeugen. Stattdessen sind sie gezwungen auf engstem Raum zu kombinieren, was in den meisten Fällen zum sofortigen Ballverlust führt. Es gilt zu lernen, dass man dem Ballführenden nur entgegenstartet, wenn dieser ein Zuspiel in die Tiefe verpasst hat und man sich wieder aus dem zugestellten Raum entfernen muss.

Die Spieler sollten sich auch angewöhnen, ihre Aktionen in den Räumen entsprechend ihrer Position auszuführen. Mittelfeldspieler sollten z. B. nicht in die eigene Abwehr laufen und sich dort den Ball abholen. Er sollte sich also im Mittelfeld in einem relativ freien Raum anbieten, wo er von einem Verteidiger angespielt werden kann. Gleiches gilt für den Angreifer. Er bewegt sich in den Räumen vor dem Mittelfeld und versucht dort anspielbereit zu sein. Würde er z. B. ins Mittelfeld zum ballführenden Mitspieler laufen, würde er ihm zum einen den Raum zulaufen und zum anderen als Anspielstation in der Spitze fehlen.

Bei einem Angriff ist eine Mannschaft immer darauf bedacht möglichst viele Anspielstationen vor dem gegnerischen Tor zu schaffen. Dies kann sich aber ins Negative auswirken, wenn von ein bis zwei Spielern nicht der Raum zwischen diesen offensiven Anspielstationen und den zurückgebliebenen Verteidigern besetzt wird. Überlässt man diesen Raum dem Gegner, so ist dieser nach einem abgewehrten Ball sofort in der Lage einen Gegenangriff zu starten. Ist dieser Raum dagegen ausreichend besetzt, so bleibt man selbst bei einer Ballabwehr im Ballbesitz und kann den Angriff fortführen.

Eine gute Kommunikation untereinander erleichtert enorm das Zusammenspiel. Wichtige Kommandos sind Dreh und Klatsch. Ein angespielter Mannschaftskollege kann in vielen Fällen nicht wissen, ob sich ein Gegenspieler in seinem Rücken befindet und wenn ja, wie weit er entfernt ist und ob dieser attackiert. Deswegen ist es von überaus großer Bedeutung, dass man mit dem Pass zu ihm das Kommando „Dreh“ oder „Klatsch“ verbindet. Befindet sich kein Gegner im Rücken des Mitspielers, soll man ihm mit dem Kommando „Dreh“ auffordern, sich in Spielrichtung aufzudrehen und Richtung gegnerisches Tor zu dribbeln. Steht der Mitspieler jedoch unter Druck, soll er mit dem Kommando „Klatsch“ aufgefordert werden zurückzuspielen und man kann nun relativ drucklos zum nächsten Mitspieler passen.

Wichtig im Fußball ist auch immer die optimale Ausnutzung des Raums. Mehr Raum bedeutet immer mehr Zeit und weniger Druck. Den Raum kann man optimal nutzen, indem man die komplette Spielfeldbreite nutzt und die Angreifer die tiefst mögliche Position im Spiel einnehmen. Oft beobachtet man Außenspieler die sich 5 – 10 Meter entfernt von der Seitenlinie als Anspielstation anbieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pass dorthin abgefangen wird ist unnötig groß. Je weiter er innen im Feld steht, desto näher ist er in der Regel dem Deckungsschatten eines Gegners. Also sollten die Außenspieler sich direkt an der Seitenlinie postieren, so ist der Zuspielwinkel größer und sie verfügen auch über mehr Zeit zur Spielfortsetzung.

Unabdingbar für günstige Anspielstationen vor dem gegnerischen Tor ist eine ständige Bewegung der Offensivspieler. In der Regel ist immer dort ein günstiger Raum für einen Pass zum Mitspieler, wo gerade ein anderer Mitspieler raus gelaufen ist, ein Gegenspieler ihn verfolgt und ein weiterer Mitspieler hineinstartet. So hat ein Mitspieler den Raum für einen anderen geöffnet. Im Fußball spricht man hier von einer Raumöffnung.

Außerdem kann man sogenannte Positionswechsel (Rochaden) anwenden, um kompakte Defensivverbunde aufzulockern. Denn durch Rochaden verkompliziert man für den Gegner die Zuordnungen an den Gegenspielern. Man unterscheidet in vertikale und horizontale Rochaden. Eine vertikale Rochade ist z. B., wenn der Mittelfeldaußen einen hinterlaufenden Außenverteidiger absichert. Eine horizontale Rochade, wenn z. B. zwei Sturmspitzen bei einer Flanke ihre Laufwege kreuzen.

Ein letztes taktisches Mittel für das Offensivspiel ist die Spielverlagerung. Diese wird immer dann angewendet, wenn man auf einer Spielfeldseite vor einem Problem steht freie Räume zu schaffen. So spielt man den Ball möglichst schnell zur anderen Spielfeldseite und nutzt dort die Zeit, die der Gegner zum Verschieben benötigt, um den Ball in freie Räume Richtung gegnerisches Tor zu spielen.

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5 Kommentare

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  1. Lars Stapper

    Super interessanter Artikel!!

  2. Lars Stapper

    Passende Spielformen wären Klasse 😉

  3. Simon

    Hallo Martin

    Gibt’s den gleichen Artikel auch für ein erfolgreiches Defensivspiel?

    Simon

  4. Initiative abwehrkette.de

    Ja Simon, sobald ich Zeit habe. solange schau Dir das an: http://www.abwehrkette.de/goldene-regeln-der-viererkette/

  5. Frank

    Echt ein super Artikel!!!

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