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Dez 29 2010

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Taktiktraining im Jugendfußball

Bevor wir uns damit beschäftigen, welches taktisches Basiswissen im Jugendfußball vermittelt werden sollte, muss erwähnt werden, dass Technikschwerpunkte immer vorrangig zu behandeln sind. Es bringt einen Jugendlichen fußballerisch nicht weiter, wenn er einen Doppelpass trainieren soll, aber keinen Innenseitstoß beherrscht. Er muss auch fintieren können, bevor es Sinn macht jegliche Offensivtaktik zu trainieren. Er muss die Ballannahme beherrschen, bevor das Positionsspiel trainiert werden kann usw..

Im Fußball unterscheidet man drei verschiedene Taktikbereiche und zwar: Einzeltaktik, Gruppentaktik und Mannschaftstaktik. Als Einzeltaktik bezeichnet man das Verhalten in 1-gegen-1-Situationen. Diese offensiv und defensiv Zweikämpfe werden nochmals in drei Bereiche unterschieden: Nah frontal, entfernt frontal und mit Gegner im Rücken.

Die Gruppentaktik unterscheidet man einmal in seinen defensiven Aufgaben: Abwehren zu zweit, zu dritt und zu viert. Zu den offensiven Bereichen der Gruppentaktik zählen: Spielaufbau (Positionsspiel), Doppelpass, Hinterlaufen, Gegner binden, Pass in die Tiefe, Spiel über den 3. Mann und Lösen vom Gegner. Bei der Mannschaftstaktik wird den Jugendspielern folgende Inhalte vermittelt: Ballnah eng decken, ballfern weit decken, zum Ball verteidigen, Staffelung in Breite und Tiefe.

Beim Taktiktraining zählen zum Teil gleiche methodische Grundsätze wie beim Techniktraining. Dies wären z. B. vom Leichten zum Schweren, Trainingsschwerpunkte und Schwerpunktperioden setzen und Wettbewerbe organisieren. Hinzu kommen die Punkte: Vom Einfachen zum Komplexen, spielnah trainieren (z. B. Torbezug), taktisch vielseitig ausbilden (z. B. verschiedene Finten), nach Grundformen Alternativen trainieren (z. B. Doppelpass antäuschen und vorbei dribbeln), Erleichtern und Erschweren einplanen, Einzel- und Gruppentaktik vor Mannschaftstaktik und in den Übungs- und Spielformen korrigieren (Spieler nach Fehlern fragen).

Wie kann man nun ein Taktiktraining im Jugendfußball aufbauen? Bei der Begrüßung wird die Anwesenheit geklärt und kurz das Trainingsprogramm umrissen. Dann beginnt das Aufwärmen. Es wird ein Technikschwerpunkt gewählt der zum folgenden Taktikschwerpunkt passt (z. B. Innenseitstoß, wenn Doppelpass folgt). Wichtig ist, dass alle Spieler viele Aktionen haben und ständig in Bewegung sind. Kleine Wettkämpfe zur Motivation organisieren. Nach dem Aufwärmen folgen Trainingsformen zum Thema Antrittsschnelligkeit (ideal mit Ball). Danach folgt der Taktik-Hauptteil. Die Mannschaft idealerweise in zwei Gruppen teilen und je einem Trainer zuweisen. Nach der Hälfte der Zeit wechseln die Gruppen ihre Aufgaben. Mit kleineren Gruppen ist es einfacher mehr Wiederholungen zu organisieren und gezielter zu korrigieren und zu loben. Immer auch das Tor mit einbeziehen, um für Spielnähe und Spaß zu sorgen. Zuletzt folgt das Abschlussspiel oder ein Turnier mit Vierermannschaften. Alle helfen beim Abbauen.

Wie sieht nun die methodische Reihe zum Vermitteln der Einzeltaktik aus? Fangen wir mit dem offensiven Zweikampf an. Durch das Fintieren ergeben sich drei Ausspielmöglichkeiten für den Angreifer: Einfach am Verteidiger vorbei dribbeln, entgegen der Laufrichtung des Verteidigers abkappen (durch schrägen Anlauf in Bewegung bringen) und entgegen der Laufrichtung antäuschen, dann aber gerade weiter dribbeln. Die Könnensstufen zum Fintieren sehen so aus, dass diese zunächst im freien Raum praktiziert wird. Dann soll sie in einer bestimmten Zone absolviert werden, danach Blick vom Ball lösen. Es folgt die Anwendung unter Zeitruck (Wettbewerb), dann gegen einen eingeschränkt agierenden Verteidiger und zuletzt gegen einen vollaktiven Verteidiger. Den defensiven Zweikampf erlernt man ebenfalls am besten vom Einfachen zum Schweren. Dies wäre: Gegner nah, Gegner im Rücken, Gegner entfernt und zunächst am Flügel, dann zentral. Das richtige Verhalten im defensiven Zweikampf haben wir an dieser Stelle erläutert.

Die Methodik der offensiven Gruppentaktik sieht vor, dass erst eine Hütchenreihe den zu überwindenden Gegner simuliert und diese später durch einen eingeschränkt agierenden Verteidiger und zuletzt gegen einen vollaktiven Verteidiger ersetzt wird. Die Aufgabe einen eingeschränkt agierenden Verteidiger auszuspielen ist ein Entscheidungstraining. Soll die schwerpunktmäßig behandelte Gruppentaktik angewandt werden oder eine alternative Handlung? Beim Doppelpass kommt noch eine methodische Reihe für den Wandspieler hinzu: Er agiert zunächst aus dem Stand, dann aus der Bewegung und zuletzt nach dem Lösen vom Gegner. Wie man sich als Angreifer vom Gegenspieler löst und der Mitspieler den korrekten Pass spielt, haben wir in diesem Artikel beschrieben.

Die Mannschaftstaktik sollte im Jugendfußball eine untergeordnete Rolle spielen. Es ist zu empfehlen, dass der erste Kontakt mit der Mannschaftstaktik in der D-Jugend beim ballorientierten Verteidigen erfolgt. Der FVN empfiehlt hier mit dem Verteidigen zu Zweit zu beginnen und dann über drei Spieler zur Viererabwehrkette zu kommen. Wir empfehlen eine umgekehrte Reihenfolge, siehe diesen Artikel. Später kann bei der Mannschaftstaktik noch das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Mittelfeld und das Pressing dazu kommen. Auf einstudierte Spielzüge für die Offensive sollte im Jugendfußball noch verzichtet werden.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/taktik-jugendfussball/

1 Kommentar

  1. Tim

    Hallo Abwehrkette!

    Könntet ihr auf das Thema Mannschaftstaktik mal in einem eurer nächsten Artikel detaliert eingehen?

    Mich als Trainer ohne Lizenz würd besonders folgendes interessieren: Bei der Mannschaftstaktik wird den Jugendspielern folgende Inhalte vermittelt: Ballnah eng decken, ballfern weit decken, zum Ball verteidigen, Staffelung in Breite und Tiefe.

    Liebe Grüße

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