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Jul 10 2009

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Der Weg des DFB zur Weltspitze der Talentförderung

Mit dem Sieg der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden 2009 hat es zum ersten mal in der Fußballgeschichte ein Land geschafft mit drei Nachwuchsmannschaften innerhalb eines Jahres Europameister zu werden. Neben der U21, gewann auch die U19 und die U17 den Europameistertitel. Der letzte größere Erfolg der U21 lag schon 27 Jahre zurück. Damals unterlag man im Finale England mit einem Gesamtergebnis von 5:4.

Die neuerlichen Erfolge sind aber keine Zufälle, sondern die Ergebnisse großer Umstrukturierungen der Talentförderung des DFB. Seit 2002 wurden viele Bereiche der Jugendarbeit massiv überarbeiten. Dies war nötig, da bis dato viele Talente unentdeckt blieben, bzw. die entdeckten Talente nicht immer gezielt gefördert wurden.

Mit der Saison 2002/03 wurden in Deutschland 387 DFB-Stützpunkte eröffnet. In diesen Einrichtungen werden jedes Jahr ca. 16.000 Jugendliche von ca. 1.200 Honorartrainern, zusätzlich zum Vereinstraining, ausgebildet. Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich jährlich auf ca. 10 Millionen Euros. Ebenfalls seit 2002 sind alle Erst- und Zweitligisten dazu verpflichtet Leistungszentren zu unterhalten. Diese Kosten belaufen sich jährlich für die Vereine auf etwa 70 Millionen Euros.

Neben diesen beiden Projekten sind 2006 noch die Eliteschulen des Fußballs dazugekommen. Hier soll den potentiellen Profispielern die Doppelbelastung von Schule und Leistungssport genommen werden. Es findet eine parallele Ausbildung statt. Bereits im Rahmen des Vormittagsunterrichts sind Trainingseinheiten enthalten. Zusätzlich wird eine Reihe an verschiedenen Service, wie Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung und flexible Klausurtermine angeboten. Somit können die Eliteschulen optimal mit den Leistungszentren der Profivereine zusammenarbeiten. Die Eliteschulen werden von variablen Fördergeldern des DFB finanziell unterstützt.

Neben diesen drei Einrichtungen setzt der DFB auf eine verbesserte und intensiverer Trainerausbildung. So wird es z.B. keine Sonderbehandlung mehr für verdiente Ex-Profis geben. Um eine Profimannschaft zu trainieren ist eine 10-monatige Ausbildung zum Fußballlehrer nötig. Um eine Oberligamannschaft zu trainieren die DFB-A-Lizenz, um Stützpunkttrainer zu werden die B-Lizenz und um Trainer im U14-Nachwuchs-Cup zu werden die C-Lizenz.

Auch das gesamten Umfeld der U-Mannschaften ist professioneller geworden. So wird eine Datenbank mit dem Ziel unterhalten die verschiedenen Jugendnationalspieler gezielter fördern zu können. Es werden darin alle Informationen von sportmedizinischen Untersuchungen, Leistungstests, Spiel- und Spielerbeobachtungen eingepflegt. Auch der Trainerstab wurde bei allen U-Mannschaften stark erweitert. So gehören nun zu jeder Mannschaft, neben den Haupttrainern, drei Physiotherapeuten, jeweils ein Arzt, Psychologe, Fitnesstrainer, Torwarttrainer und Videoanalyst. Das ist ein vergleichbarer Umfang wie bei einem Bundesligisten.

Ein weiterer Grundpfeiler der DFB-Talentförderung ist der psychologische Aspekt. Man will starke Spieler mit einer starken Persönlichkeit und Siegermentalität ausbilden. Dazu werden die Spieler in Entscheidungen mit einbezogen, erhalten Medientraining und werden in ihrer Ausbildung weder unter- noch überfordert.

Des weiteren wird ein Schwerpunkt auf Individualtraining und der Förderung von Kreativität gelegt. Laut DFB fördert Individualtraining das Niveau einer ganzen Mannschaft. So werden regelmäßig bei Lehrgängen Techniktrainer heranzogen die dann 3-4 Spieler aus der Mannschaft herausnehmen und mit diesen ein spezielles Training absolvieren. Es werden dann z.B. Grundtechniken oder positionsspezifische Erfordernisse trainiert.

Auch hat der DFB eine einheitliche Spielphilosophie für alle Nationalmannschaften schriftlich vorgegeben. So sollen alle Mannschaften die Viererkette in einem 4-4-2-System spielen. Aus einer kompakten und disziplinierten Deckung heraus soll mit einer dynamischen Spielweise offensiv agiert werden. Das Mittelfeld soll in der Lage sein sich sehr schnell den verschiedenen Spielsituationen anzupassen, variantenreich und attraktiv Fußball zu spielen. Auch ein sicherer Spielaufbau mit überraschend schnell gestalteten Angriffsaktionen sind angesagt. Die Abwehrspieler sollen offensiv agieren und alle Spieler stets zweikampfstark – aber fair – agieren.

Die ersten Erfolge mit den neuen Strukturen sind also erzielt. Der DFB in Form von Matthias Sammer kündigte aber an, dass dies erst der Beginn der Entwicklung sei. Das neue Konzept sei mittel- und langfristig angelegt und deshalb sei von deutschen Nachwuchsmannschaften noch viel zu erwarten.

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1 Kommentar

  1. Gerd Nieswand

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