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Sep 22 2009

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Der Trainer-Newcomer der Bundesliga Thomas Tuchel

Als der 1973 geborene Thomas Tuchel am 3. August 2009 zum Cheftrainer beim FSV Mainz 05 für den entlassenen Jörn Andersen ernannt wurde, fragte sich ganz Fußballdeutschland wer dieser Tuchel ist? Wie kommt Mainz dazu einen so unbekannten Trainer die Führung seiner Bundesligamannschaft zu übergeben? Selbst als Spieler war Tuchel lediglich für acht Spiele Profi in der zweiten Liga bei den Stuttgartern Kickers.

Thomas Tuchel musste schon recht früh mit 24 Jahren seine Fußballkarriere aufgrund einer Verletzung beenden und studierte daraufhin BWL. Im Jahr 2000 kam er über seinen ehemaligen Trainer vom SSV Ulm Ralf Rangnick zum VFB Stuttgart, wo er dann bis 2004 die U14 und U15 trainierte. Die Saison darauf wurde er als Co-Trainer der Stuttgarter A-Jugend Deutscher Meister. Für drei Jahre wechselte er nun zum FC Augsburg wo er die U19 und U23 trainierte und 2007 beim DFB die Ausbildung zum Fußball-Lehrer absolvierte. 2008 kam er dann zu Mainz 05 wo er gleich im ersten Jahr als Trainer der A-Jugend Deutscher Meister wurde.

Nur fünf Tage vor dem ersten Bundesligaspiel übernahm er das Amt als Cheftrainer und jetzt nach sechs Spieltagen steht er mit Mainz auf dem fünften Tabellenplatz und ist punktgleich mit dem Tabellendrritten Bayern München. Gegen Bayern München gewannen die Mainzer am dritten Spieltag unter Tuchel sogar zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Das Fachmagazin Kicker sprach nach diesem Spiel von den taktisch genialen Schachzügen Tuchels. So setzte er den langzeitverletzten Bo Svensson zur Absicherung vor der Abwehr ein und spielte mit zwei defensiven Mittelfeldspielern die immer wieder auf die Zehnerpositionen vorrückten und die Bayern so unter Druck setzen.

Seinen Umgangsstil mit den Spielern bezeichnet Tuchel als kommunikativ. Er habe klare Vorstellungen vom Training und Spiel und würde diese pedantisch und konsequent durchsetzen. Tuchel sieht sein Vorbild in seinem ehemaligen Trainer Ralf Rangnick und ist gewillt die u.a. von Rangnick geprägte baden-württembergische Schule des Fußballs in Mainz weiter umzusetzen. Im Detail bedeutet dies, dass er von seinen Spielern viel Laufbereitschaft erwartet, dass sie aus einer hervorragenden Ordnung aggressiv nach Vorne verteidigen und bei Balleroberung schnell und flach in die Spitze spielen. Außerdem sei ihm das Umschalten in beide Richtungen sehr wichtig.

In einem Interview mit Spox.com sprach Tuchel über seine Bewunderung für den FC Barcelona. Die herausragende Leistung des FC Barcelonas sei nur durch eine Art Demut möglich. Die Spieler des FC Barcelonas treten als kollektiv auf. Bei Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ist sich kein Star zu schade direkt wieder aggressiv gegen den Ball zu verteidigen. Es sei nicht selbstverständlich, dass auf so hohem Niveau kein Spieler die harte Defensivarbeit scheut.

In der Bescheidenheit sieht Tuchel den Weg um im Fußball erfolgreich zu sein. Durch die Bescheidenheit entsteht ein gewisser Anspruch gegenüber sich selbst. Das Erkennen seines außergewöhnlichen Talents und die Bereitschaft alles für seine Entwicklung zu tun. Nur so könne man das Höchstmögliche erreichen.

Tuchel nennt den 2009 verstorbenen Hermann Badstuber als einen seiner größten Vorbilder in Sachen Fußball. Selten habe er jemanden gesehen der soviel Fachwissen in sich vereinte und dennoch soviel Querdenken zuließ. Er war fleißig, hat sich selbst hinterfragt und blieb dabei stets bescheiden. Hermann Badstuber ist Vater des Bayern-Verteidigers Holger Badstuber.

Neben Ralf Racknick, Peter Zeidler, Jogi Löw, Wolfgang Geiger, Helmut Groß ist nun mit Thomas Tuchel ein weiterer erfolgreicher Trainer aus der baden-württembergischen Schule hervorgegangen. In unserem Artikel 1981: Die Fußballrevolution in Deutschland ist nachzulesen wie aus der baden-württembergischen Schule das ballorientierte Verteidigen und die Viererkette hervorging.

© Martin Hasenpflug

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1 Kommentar

  1. eleonore

    Wow…das ist sehr interessant für mich!Super Seite,sehr informativ!Obwohl ich ein Mädchen bin,interessiere ich mich sehr für das Fußballspiel!Vielen Dank für den tollen Beitrag!Alles Gute!

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