«

»

Dez 25 2011

Beitrag drucken

Tipps zum Spielaufbau im Fußball

In unserem letzten Artikel haben wir die Erste von zwei Taktikfilmen der Jungs von DVDFussballtrainer.de vorgestellt. Es ging um den Defensivfußball. An dieser Stellen gehen wir auf die zweite DVD „Taktik Offensiv“ ein. Im speziellen werden wir einige genannte Tipps zum Spielaufbau hier wiedergeben und etwas ergänzen.

Die Jungs von DVDFussballtrainer.de empfehlen, dass bei jeder Variante des Spielaufbaus die Sturmspitze und auch die Mittelfeldaussen sich ins Abseits positionieren sollten. Auf dieser Art soll eine tiefe Positionierung der gegnerischen Abwehrreihe provoziert werden. Dieses Verhalten lockert den gegnerischen Mannschaftsverbund auf und gerade zwischen Abwehrreihe und Mittelfeld können so große Räume entstehen. Dieser Bereich soll genutzt werden, um den eigenen 10er anzuspielen. Viel Raum bedeutet für ihn, dass er sich in Spielrichtung aufdrehen kann und viele Optionen zur Spielfortsetzung besitzt. Die Offensivspieler verlassen rechtzeitig ihre Abseitspositionen.

Spielaufbau auf einer Seite antäuschen

Spielaufbau auf einer Seite antäuschen

Um einen gezielten Spielaufbau zu unterbinden, versucht der Gegner durch seitliches Verschieben den Raum nach vorne möglichst klein zu halten. Bei geringen Abstände der gegnerischen Spieler zueinander, sind dann auch nur wenig günstige Anspielstationen vorhanden. Daher empfiehlt es sich den Spielaufbau auf einer Seite anzutäuschen und dann blitzschnell auf der anderen Seite umzusetzen. Sobald also der erste Außenverteidiger angespielt wird, dribbelt er kurz entlang der Linie nach vorne, kappt nach hinten ab und passt zum nahen Innenverteidiger zurück. Der Innenverteidiger nimmt den Ball in offener Stellung nach Innen an und mit und verlagert das Spiel, entgegen der Schieberichtung des Gegners, zum anderen Außenverteidiger.

Die Außenverteidiger befinden sich beim Spielaufbau immer auf einer hohen Position. Sie bilden zusammen mit den Innenverteidigern eine Sichel. Um nun den Spielaufbau mit Spielverlagerung erfolgreich abzuschließen, muss der Ball innerhalb kürzester Zeit die Seite wechseln. Dauert die Spielverlagerung zu lange, schafft es der Gegner sich wieder kompakt hinter dem Ball zu positionieren. Damit man befähigt ist den Ball schnell auf die andere Seite zu spielen, müssen die Abwehrspieler über eine gut ausgebildete Technik verfügen.

Der Außenverteidiger muss den Ball blitzartig um 180 Grad abkappen können. Der Innenverteidiger über eine zügige Ballan- und -mitnahme verfügen und dann noch einen präzisen Flugball, oder besser Spannball, zum anderen Außenverteidiger spielen können. Da die Spielverlagerung möglichst schnell vonstattengehen muss, darf die Flugkurve des Balls nicht zu hoch sein, aber auch nicht so niedrig, dass ein Gegner ihn abfangen kann. Ein Spannball wird immer dann gespielt, wenn der Passweg zum Außenverteidiger frei ist. Zuletzt muss der Außenverteidiger noch in der Lage sein, den Pass zu ihm möglichst direkt in Spielrichtung mitzunehmen. Nach der Ballannahme eines Flugballs ist es zu empfehlen, den Ball per Drop-Kick mitzunehmen.

Sollte der Gegner versuchen den Spielaufbau tief in der eigenen Hälfte zu stören, spricht man vom Angriffspressing. Hier gibt es aber verschiedene Gegenmittel. Louis van Gaal ließ in diesem Fall bei Bayern München die Innenverteidiger jeweils neben den Strafraum positionieren. Die Außenverteidiger und das defensive Mittelfeld schoben hoch. Wenn der Gegner jetzt die Innenverteidiger zustellte, um den Spielaufbau zu stören, so entstanden für den Torwart Passwege zu beiden Außenverteidigern. Im Idealfall konnten diese nun in offener Stellung angespielt werden. Problematisch wird diese Variante des Spielaufbaus bei einem Ballverlust. Da die Innenverteidiger sehr breit gestaffelt sind, ist das Zentrum fast ungesichert.

Mit einer anderen Spielvariante kann dieses Risiko umgangen werden. Die Innenverteidiger schieben weiter vor und gehen auf Strafraumbreite. Jetzt lassen sich aber die beiden Außenverteidiger sehr tief fallen, dass sie fast an der Eckfahne stehen. Der Gegner spielt also Angriffspressing. Für den Spielaufbau bieten sich nun die Außenverteidiger dem Torwart an. Sollten diese nun vom Gegner zugestellt werden, so bietet sich ein Pass zu einem der beiden Innenverteidiger an. Diese sollten in diesem Fall über genügend Raum nach vorne verfügen. Ein eventueller Ballverlust wiegt hier weniger schwer, da die Innenverteidiger recht weit innen stehen. Sollte kein Pass zu einem Innenverteidiger möglich sein, wird ein Außenverteidiger angespielt. Dies wäre aber nicht die ideale Lösung, da er an der Linie gepresst werden kann. Kommt der ballnahe Mittelfeldaussen ihn entgegen, könnte er mit einem Longline-Pass die Situation lösen.

Wenn der Gegner nun ganz massiv den Spielaufbau stört und weder ein Innenverteidiger noch ein Außenverteidiger angespielt werden kann, so absolviert der Torwart einen weiten Abschlag. Vorab signalisiert er dies mit einer Handbewegung seinen Mitspielern. Diese schieben nun vor und rücken nach innen ein. Der Ball sollte nun zentral in den eigenen Mannschaftsverbund landen. Durch die enge Staffelung schafft man Überzahl am Ball. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gelangt die Mannschaft in Ballbesitz, die den zweiten Ball erobert. Da die Räume, um den Ball durch das Einrücken gut besetzt sind, hat man gut Chancen auf einen Ballgewinn. Jeder Spieler hat kurze Wege zum Ball. Wichtig ist, dass die Spieler die Situation genau beobachten. Sie sollen versuchen eine mögliche Spielfortsetzung zu antizipieren. Der Stürmer spekuliert z. B. auf eine Kopfballverlängerung eines Mittelfeldspielers und setzt sich blitzartig in die Tiefe ab. Der Torwart sollte nach einem Abschlag sofort nach vorne schieben, um in der Lage zu sein, einen zurückkommenden Ball abzufangen.

So kann ein Spielaufbau über einen 6er aussehen

So kann ein Spielaufbau über einen 6er aussehen

Sollte der Gegner tiefer stehen, also im Mittelfeldpressing oder sogar im Abwehrpressing spielen, agiert man natürlich etwas anders. Die Innenverteidiger haben in diesem Fall Raum und Zeit sich den Ball ungestört zuzuspielen. Die 6er schieben hoch. Man hat nun die Möglichkeit einen Spielaufbau über den dritten Spieler zu absolvieren. Der dritte Spieler wäre in diesem Fall der ballnahe 6er. Folgender Ablauf: Ein Innenverteidiger passt zu einem Außenverteidiger, dieser spielt nach einer Ballannahme den Ball wieder zurück. Wird der Innenverteidiger nun von einer Sturmspitze unter Druck gesetzt, absolviert der ballnahe 6er mit dem Pass des Außenverteidigers zum Innenverteidiger eine Auftaktbewegung, kommt dem Innenverteidiger entgegen, bietet sich in offener Stellung zum Anspiel an und lässt das Zuspiel direkt auf den Außenverteidiger klatschen.

Wird der Außenverteidiger aber zugestellt, so sollte dieser natürlich nicht vom 6er angespielt werden. In diesem Fall sollte ein Dreiecksspiel mit dem zweiten Innenverteidiger absolviert werden. Anstatt auf den Außenverteidiger, lässt der 6er den Ball nun auf den zweiten Innenverteidiger klatschen. Hier sollte der 6er natürlich seine offene Stellung anpassen. Diese muss jetzt genau zur anderen Seite zeigen. Der Torwart bietet sich, wie bei jeder Variante des Spielaufbaus, immer auf der Ballseite zum Anspiel an. So kann dieser in großen Drucksituationen angespielt werden.

Der Rückpass zum Torwart ist aber nur das letzte Mittel. Damit der Innenverteidiger immer gut anspielbereit ist, sollte er sich nach seinem Pass zum Außenverteidiger wieder neu anbieten. Dazu lässt es sich in offener Stellung nach hinten fallen und geht dabei leicht nach aussen. Durch seine tiefere Position hat er bei einem Rückpass des Außenverteidigers mehr Zeit das Spiel fortzusetzen. Dadurch, dass er zusätzlich etwas in die Breite geht, öffnet er für den Außenverteidiger den Passweg zum Torwart.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.abwehrkette.de/tipps-spielaufbau/

6 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Arber

    Hallo abwehrkette!

    Schön, dass ihr auf die Taktikdvds eingeht! Habe Sie mir auch gekauft und finde Sie echt klasse!

    Eine Frage zum „situativen Verteidigen“: Einschieben beim Spielaufbau – Vorbereiten der Defensive.

    Auf der Dvd wird geraten, dass wenn der Mittelfeldaussen mit Ball in Richtung Tor dribbelt/passt die bleiernen Spieler (AV/MA) einrücken sollen um die Defensive vorzubereiten und so die Gefahr eines Knotens zu minimieren.

    Das der ballferne AV einschiebt, ist für mich plausibel, aber verliert man, wenn der ballferne MA auch ins Zentrum einrückt nicht an Breite im Spiel und an Torgefahr?

    Zuletzt, wie sieht das Vorbereiten der Defensive aus, wenn man durchs Zentrum und nicht über den Flügel angreift?

    Danke für ihre Meinung.

    Arber Uruglica

  2. florian

    Mit welchem Programm erstellt ihr die Zeichnungen?

  3. Initiative abwehrkette.de

    „Fußball-Trainer der Zwischenablage“ auf dem iPad.

  4. Initiative abwehrkette.de

    Hallo Arber, wieviele Spieler sich im Angriff einschalten, sollte man vom Gegnerverhalten abhängig machen. Der ballferne MA muss auf alle Fälle mitmachen um Anspielstationen zu schaffen, Spieler zu binden usw.. Der ballferne AV macht nach Möglichkeit auch mit. Wenn man nicht gerade kurz vor Schluß noch einen Treffer erzielen muss, sollte man aber vermeiden, dass die IV Mann gegen Mann ohne Absicherung spielen.
    Es muss natürlich eine Staffelung im Angriff vorhanden sein. Die sogenannte Rückverteidigung. Also nicht alle eigenen Spieler auf einer Linie in vorderster Front und somit die Räume dahinter dem Gegner schenken. Gruß Initiative abwehrkette.de!

  5. Arber Uruglica

    vielen Dank für die Antwort!

    wie sollte sich der ballferne Mittelfeldaussen den in den Angriff einschalten? Soll er so wie auf der Dvd ins Zentrum einrücken oder soll er so lange wie möglich breit bleiben?

  6. kevin

    hallo viererkette
    könntet ihr eventuell auch mal einen kontrollierten spielaufbau aus der abwehr über aussen dastellen
    vielen dank im vorraus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>