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Aug 07 2013

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Der Mechanismus zum Tore erspielen im Fußball

Sehr viele Amateurteams spielen auch heute noch Kick and Rush. Torchancen basieren da großteils auf dem Zufallsprinzip. Im Kombinationsfußball versucht man den Faktor „Zufall“ zu minimieren. Durch ein schnelles und gezieltes Passspiel nimmt man die Kontrolle über das Spiel an sich und kann sich so jederzeit Torchancen erspielen. Die Mannschaft muss befähigt werden aus engen Spielsituationen herauszuspielen, das Spiel zu verlagern, geduldig auf Lücken zu warten und diese dann konsequent nutzen.

Ziel des Kombinationsfußballs muss das Spiel in die Tiefe sein. Jedoch mit geringem Risiko, um hohe Ballbesitzzeiten zu erreichen. Mit dem Pass in die Tiefe überspielt man einen gegnerischen Mannschaftsteil. Mitspieler müssen sich dazu ständig hinter entstehenden Lücken freilaufen. Hinter der Abwehr kann sich aufgrund der Abseitsregel niemand freilaufen. Hier muss der Mitspieler aus der Tiefe starten, um einen durch die Lücke gespielten Pass regelkonform zu erhalten. Passkombinationen die zum Ballbesitz hinter der Abwehr führen, werden als „Erspielen einer Torchance“ bezeichnet.

Wichtig für dieses Gelingen ist ein durchdachtes Verhalten der Spieler. Die Spieler die hinter der Abwehr angespielt werden wollen, müssen sich maximal tief bei den Verteidigern bewegen und sich immer wieder am Kombinationsspiel beteiligen. Sie versuchen mögliche Zielräume hinter der Abwehr zu erkennen, stellen Blickkontakt mit dem Ballführenden her und sind stets bereit in den Zielraum zu starten. Der „Angreifer“ kann sich einen Bewegungsvorsprung gegenüber dem Verteidiger verschaffen, indem er sich vor dem Start in die Tiefe mit einer Körpertäuschung löst. Dazu täuscht er eine Bewegung vom Zielraum weg an, und startet dann entgegengesetzt Richtung Ball. Macht der Verteidiger die erste Bewegung mit, so hat er sich einen uneinholbaren Vorsprung geschaffen.

Durch die folgenden Trainingsformen kann sich eine Mannschaft im Erspielen von Torchancen verbessern. Um alle sechs Übungen zu absolvieren, muss man ca. zwei Stunden für die Trainingseinheit einkalkulieren. Verstehen die Spieler schnell oder sind die Übungen bekannt, so werden auch 90 Minuten ausreichen.

Die erste der folgenden Trainingsformen absolviert man mit der kompletten Mannschaft. Dann wird sich in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe spielt am Tor 4 gegen 4 plus 2 und die andere Gruppe spielt auf Ballhalten in dem Feld mit Eckzonen. Nach ca. 10 Minuten Aufgabenwechsel. Danach bleibt man in zwei Gruppen. Eine Gruppe spielt 5 gegen 3 auf Konter und die Andere absolviert neben dem Feld eine Technikübung mit dem Schwerpunkt Pass in die Tiefe. Zuletzt erfolgt ein Abschlussspiel 6 gegen 6 auf ein Tor. Übrige Spieler laufen um das Feld und werden eingewechselt.

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Technikübung: Pass in die Tiefe

Organisation & Ablauf

Drei Positionen (A, B und C) im Abstand von 15 Metern in einer Reihe stellen. 10 Meter seitlich von C jeweils eine weitere Position markieren.

Zwei Spieler mit Bällen zum Starthütchen A. Die Positionen B und C einfach besetzen.

Spieler B löst sich von seiner Position und startet A entgegen. A passt in den linken Fuß von B und B lässt den Ball klatschen. B startet im Bogenlauf (immer offen zum Ball bewegen) um die linke seitliche Position und erhält von A einen Pass in die Tiefe. B passt direkt zu C weiter. Jetzt gleicher Ablauf von C.

Die Spieler wechseln eine Position weiter.

Spieleranzahl: 4-6 Spieler. Zusätzliche Spieler mit Bällen zu A stellen.

Wettbewerb: Welche Gruppe spielt in 4 Minuten häufiger in die Tiefe zu B?

Variation: Gleicher Ablauf um das andere seitliche Hütchen.

Tipp: B lässt immer leicht in den Raum Richtung Spielfortsetzung klatschen. Den Pass in die Tiefe entsprechend der Abseitsregel optimal timen. Nicht zu steil spielen.

Trainingsform mit Neutralen

Trainingsform mit Neutralen

Organisation & Ablauf

Vor dem besetzen Großtor ein Spielfeld (40 x 20 Meter) markieren.

Zwei 4er-Teams und zwei Neutrale bestimmen. Die Teams gehen ins Feld und die Neutralen hinter der Grundlinie.

Es wird wird 4 gegen 4 auf das Großtor gespielt. Die Neutralen agieren im Direktspiel mit der ballbesitzenden Mannschaft. Nur das Team im Angriffsrecht darf ein Tor erzielen. Sie startet jeweils von der Grundlinie aus gegen einen als Viererkette agierenden Gegner. Erobern die Verteidiger den Ball, starten die Neutralen ins Feld und es wird zusammen mit dem Torwart auf Ballhalten (7 gegen 4) gespielt. Bei 10 Passfolgen wechselt das Angriffsrecht. Abseits beachten.

Spieleranzahl: 7-11 Spieler plus Torwart. 3er-Teams bilden. Die Anzahl der Neutralen variieren.

Variation 1: Das Angriffsrecht wechselt auch nach fünf Ausbällen.

Variation 2: In einem doppelten Strafraum auf zwei Tore spielen. Die Neutralen agieren als 6er im Feld mit den Ballbesitzern. Somit wird immer 4-2-0 gegen 4-0-0 gespielt. Treffer nach einem Spiel über den Dritten zählen doppelt.

Tipp: Möglichst die Außenspieler in die Tiefe anspielen.

Ballhalten mit Eckzonen

Ballhalten mit Eckzonen

Organisation & Ablauf

Ein Feld (30 x 40 Meter) mit vier Eckzonen (5 x 5 Meter) markieren.

Zwei 3er-Teams bilden. Einen neutralen Spieler bestimmen.

Im kompletten Feld wird 3 gegen 3 auf Ballhalten gespielt. Der Neutrale agiert immer mit dem ballbesitzenden Team.

Spieleranzahl: 6-10 Spieler. 0 bis 2 Neutrale bestimmen. 4er-Teams bilden. Spielfeld dann auf 40 x 40 Meter vergrößern.

Wettbewerb: Wird der Pass eines Mitspielers in einer Eckzone angenommen gibt es einen Punkt.

Variation: Mit Eishockey-Abseits spielen. Der Ball muss vor dem Spieler die Eckzone erreichen haben.

Tipp: Spielfeldumgebung wahrnehmen. Blickkontakt herstellen. Viele Seitenwechsel spielen.

Schnelles Umschalten trainieren

Schnelles Umschalten trainieren

Organisation & Ablauf

Ein Spielfeld von Strafraumbreite bis zur Mittellinie aufbauen. Jeweils außen auf der Grundlinie ein Minitor und zentral ein Dribbeltor (Breite: 10 Meter) stellen.

Fünf Angreifer und drei Verteidiger bestimmen. Die Verteidiger agieren im 2-1-0 und die Angreifer im 0-2-3-System.

Der 6er des Verteidiger-Teams hat den Ball und versucht an die beiden 6er der Angreifer vorbei zu dribbeln. Die beiden Angreifer-6er doppeln und kontern bei Ballgewinn auf das Großtor. Der Verteidiger-6er setzt nach. Abseits beachten.

Bei jeder Spielunterbrechung Neubeginn der Übung.

Spieleranzahl: 8-12 Spieler plus Torwart. Je nach Leistungsstand einen zusätzlichen Verteidiger bestimmen. Weitere Angreifer-6er stehen am Dribbeltor.

Wettbewerb: Die Angreifer erhalten für ein Tor einen Punkt. Die Verteidiger punkten indem sie durch das Dribbeltor dribbeln oder in eines der beiden Minitore passen.

Tipp: Beim Doppeln startet der ballnahe 6er in seitliche Stellung vor und steuert den Dribbler auf den tiefer stehenden 6er. Nach der Balleroberung schnell kontern und versuchen einen Außenspieler in der Tiefe anzuspielen.

Technikübung: Pass in die Tiefe

Technikübung: Pass in die Tiefe

Organisation & Ablauf

Vier Markierungen im Abstand von 15 Meter zueinander in einer Reihe stellen.

An jeder Markierung einen Spieler stellen. Der erste Spieler hat einen Ball.

Der Ball wird jetzt immer eine Position höher gespielt. Die Passempfänger lösen sich seitlich immer so, dass der Pass diagonal gespielt werden kann. Erhält der letzte Spieler den Ball, erfolgt der gleiche Ablauf von der anderen Seite.

Nach 4 Minuten wechseln die beiden äußeren Spieler Position und Aufgabe mit den inneren Spielern.

Spieleranzahl: 3-5 Spieler. Entsprechend der Spieleranzahl eine Markierung entfernen oder hinzufügen.

Wettbewerb: Welche Gruppe passt am häufigsten zum ersten Spieler zurück?

Variation: Der erste und dritte, wie der zweite und vierte Spieler stehen sich jeweils auf der anderen Hütchenseite gegenüber (rechte Abbildung). Der erste Spieler passt zum dritten Spieler, dieser lässt auf den zweiter Spieler klatschen und dieser passt zum vierten Spieler.

Tipp: Auftaktbewegung und im Bogenlauf in die Tiefe starten. Abseits beachten.

Trainingsform um in den Rücken der Abwehr zu gelangen

Trainingsform um in den Rücken der Abwehr zu gelangen

Organisation & Ablauf

Vor dem besetzen Tor ein Spielfeld von 40 x 40 Metern aufbauen.

Zwei 6er-Teams (Grundformation 3-3) Angreifer und Verteidiger bilden und zwei Torhüter bestimmen. Ein Torwart ist im Tor und der zweite Torwart agiert im Strafraum als Feldspieler.

Es wird 6 gegen 6 gespielt. Bei jeder Spielunterbrechung Spielbeginn bei dem Defensiv-Zentralen der Angreifer. Das Verteidiger-Team darf nicht den Strafraum betreten. Es gilt die Abseitsregel.

Die Torhüter wechseln nach jeder Aktion Position und Aufgabe.

Spieleranzahl: 12 Spieler plus 2 Torhüter. Steht nur ein Torwart zur Verfügung übernimmt ein Feldspieler die Aufgabe des zweiten Torwarts.

Wettbewerb: Das Verteidiger-Team erhält einen Punkt indem sie über die Grundlinie dribbeln und das Angreifer-Team indem sie ein Tor erzielt.

Variation:

Tipp: Zielstrebig und mit vielen Spielverlagerungen spielen. Einen Pass in die Tiefe zu einem Außenspieler anstreben.

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1 Kommentar

  1. Richard

    Hallo,
    welchen Sinn hat der zweite TW, wenn er im Strafraum als Feldspieler agiert? Ist er da ein zusätzlicher Verteidiger und hindert den Stürmer am Flanken?

    Grüße
    Richard

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