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Dez 11 2012

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Turbo-Lernfußball im Vergleich zum DFB und U.S. Soccer

Einige der letzten Artikel haben wir dem Turbo-Lernfußball von Martin Hasenpflug gewidmet. Dort knüpfen wir mit unserem heutigen Artikel an. Zum einen möchten wir den Unterschied zu den Trainingsinhalten des DFBs und denen des U.S. Soccers aufzeigen und zum anderen den Unterschied anhand einer exemplarische Trainingseinheit des Turbo-Lernfußballs verdeutlichen.

Bei diesem Vergleich weisen wir aber ausdrücklich darauf hin, dass die Unterschiede nicht nur rein inhaltlich, sondern auch organisatorischer Natur sind. Der Turbo-Lernfußball wurde von Beginn an so konzipiert, dass seitens des Trainers ein minimaler Aufwand besteht. Das Training lässt sich extrem einfach der Spieleranzahl anpassen, ohne dass es zu weniger Aktionen für den Einzelnen kommt. Das Training lässt sich mit wenig Material schnell auf maximal einer Spielfeldhälfte aufbauen. Nach dem ersten Signal laufen die Trainingsformen von selbst und der Trainer kann sich aufs Coaching konzentrieren. Es ist auch kein zweiter Trainer notwendig. Trotz diesen organisatorischen Vereinfachungen, ist das Training höchst effektiv und für die Spieler motivierend.

Wie in allen Bereichen des Lebens schrecken Aufgaben mit zu komplexen Strukturen ab. Es liegt in der Natur des Menschen Sympathien für das Einfache zu hegen. Ist eine Sache durchsichtig und schnell zu verstehen, kann man von Beginn an kontrolliert mit ihr arbeiten. Der Turbo-Lernfußball erreicht diese Einfachheit, indem er das Fußballspiel auf wenige Teilbereiche reduziert. So kann der Trainer sich mit Details befassen und den Ablauf so steuern, dass er stets das Resultat in hohem Grade bestimmen kann.

Nach der Trainingsmethode des DFBs gilt es, je nach Altersstufe, weit über ein dutzend Schwerpunkte pro Saison zu behandeln. Diese sind stellenweise sogar noch in Unterbereiche unterteilt. Hier besteht unserer Meinung nach große Gefahr, den Kern des Fußballs aus den Augen zu verlieren. Der Kern des Fußballs ist gemäß dem Turbo-Lernfußball ein sicheres, zielgerichtetes und schwer zu verteidigendes Ballzirkulationsspiel.

Diagram über die Gewichtung der Inhalte des Turbo-Lernfußballs

Die folgenden Grafiken geben zwar keinen Aufschluss über den Umfang der Inhalte in den verschiedenen Trainingslehren, zeigen aber mit welcher Gewichtung jeweils gearbeitet wird. Beim Turbo-Lernfußball besteht das Training zu ca. 25 % aus Technik. Die Technik beinhaltet die zwei großen Schwerpunkte Klatsch & Dreh und Spiel über den Dritten. Wo andere Trainingslehren auf Kondition setzen, versucht der Turbo-Lernfußball diesen Aspekt durch geschickte Trainingsorganisation zu erreichen. Stattdessen wird großer Wert auf Schnelligkeit (ca. 15 %) gelegt. Hier insbesondere der Antrittsschnelligkeit / Beschleunigung. Besondere Merkmale der Schnelligkeitsübung im Turbo-Lernfußball sind der Ballbezug und das einmalige Startsignal.

Was isoliert im Techniktraining trainiert wurde, wird nun versucht mit dem Schwerpunkt Ballzirkulation (ca. 25 %) im Wettbewerb unter Gegnerdruck umzusetzen. Ziel ist dabei die Verbesserung des zielgerichteten Zusammenspiels. Bei den Trainingsformen zur Ballzirkulation handelt es sich um Spiele mit Provokationsregeln. An­statt Tore müssen Passfolgen erzielt werden. Das Taktiktraining unterscheidet sich beim Turbo-Lernfußball massiv von anderen Trainingslehren. Das komplette Taktiktraining (35 %) wird in freien Spielen vermittelt. Die speziell dafür entwickelten Spielformen zeichnen sich durch Spielnähe, kleine Teams und entsprechend kleinen Spielfeldern aus.

Links: Gewichtung der Trainingsinhalte in der Jugendausbildung des DFBs (U18). Rechts: Gewichtung der Trainingsinhalte in der Jugendausbildung des U.S. Soccers (U18).

Im Vergleich zum Turbo-Lernfußball sieht man bei anderen Trainingslehren eine geringere Gewichtung beim Techniktraining vor. Man räumt dem Konditionstraining einen eigenen Bereich ein und trennt die Taktik vom Fußballspiel. Weil der Turbo-Lernfußball sich absolute auf das Zusammenspiel untereinander fixiert, kommt dem Techniktraining ein relativ großer Umfang zuteil. Der dahinter stehende Gedanke ist der, dass das Zusammenspiel nicht durch mangelnde Technik eines Einzelnen behindert werden darf.

Folgende Trainingseinheit ist typisch für den Turbo-Lernfußball. Zum Aufwärmen wird eine Technikübung mit dem Schwerpunkt „Spiel über den Dritten“ in Endlosform, mit einem Wettbewerb, in möglichst kleinen Gruppen und möglichst vielen Bällen abgehalten. Es folgen Schnelligkeitsübungen in denen ebenfalls Gruppen im Wettbewerb gegeneinander antreten. Die Schnelligkeitsübungen haben wie erwähnt einen Ballbezug und müssen nicht durch ständige Startsignals seitens des Trainers gestartet werden.

Nach den Schnelligkeitsübungen folgt eine große Spielform zur Ballzirkulation mit dem Schwerpunkt „Pass über den Dritten“. Durch einfache Anpassung von Teamgröße und Spielfeldgröße ist man flexibel bezüglich der vorhandenen Spieleranzahl. Ebenfalls lässt sich, durch die Größe des Spielfeldes und der Anzahl der neutralen Spieler, die Trainingsform perfekt am Leistungsstand der Mannschaft anpassen. Jeder Trainer ist somit in der Lage dort seine Mannschaft „abzuholen“, wo sie leistungstechnisch steht.

Am Ende dieser exemplarischen Trainingseinheit steht ein Fußballspiel mit dem taktischen Schwerpunkt Pressing. Die Teams werden in ihrer freien Entfaltung kaum beschränkt, sondern erhalten lediglich eine taktische Ausrichtung. Selbst bei den taktischen Fußballspielen des Turbo-Lernfußballs lässt sich flexibel auf die Spieleranzahl reagieren. Bei einem praktizierten 4-2-3-1 und 14 Spielern, spielt man idealerweise in einem 3-3-1 (Dreierkette und ohne 6er) in einem verkleinerten Feld. Bei 12 Spielern in einem 3-3 (10er übernimmt Aufgaben des ST und ballferner MA übernimmt Aufgaben des 10ers). Bei anderen Spielerzahlen kann man auch mit 6ern und Viererkette spielen.

Trainingseinheit Turbo-Lernfußball:

Technikübung mit dem Schwerpunkt Spiel über den Dritten

Organisation & Ablauf (1. Technik)

  • Ein 12 Meter großes Quadrat aufbauen.
  • Drei Hütchen mit je einem Spieler besetzen und am vierten Hütchen zwei Spieler mit einem Ball stellen.
  • Der Ball wird im Direktspiel immer zu einem beliebigen Spieler gepasst. Es darf aber nie auf die Position zurückgespielt werden von die der Ball kam.
  • Die Spieler folgen ihren Pässen.
  • Spieleranzahl: 5 – 7 Spieler. Bei mehr als 5 Spieler die Positionen doppelt besetzen.
  • Wettbewerb: Welche Gruppe spielt in 3 Minuten die meisten Pässe?
  • Variation: Bei 6 oder 7 Spielern, anstatt ein Quadrat ein Fünf- und Sechseck aufbauen.
  • Tipp: Den Pässen entgegen starten. Bei zwei Ballkontakten oder einem „Rückpass“ wird der Pass nicht gezählt.

Schnelligkeitsübung mit Ballbezug und nur einem Startsignal

Organisation & Ablauf (2. Schnelligkeit)

  • Ein Hütchendreieck (6 × 3 Meter) mit einer 6 Meter entfernten Wendestange Z aufbauen.
  • Je ein Spieler zu A und C. A mit Ball. Die restlichen Spieler zu B.
  • Spieler A passt zu C, C lässt auf A klatschen und sprintet um die Wendestange zu seinem von A angestoppten Ball. Erreicht C den Ball am Hütchen A leitet er den nächsten Durchgang ein, indem er zu Spieler C passt.
  • Nach dem Rückpass von C wechselt A nach B und B nach C.
  • Wettbewerb: Welches Team schafft es in 4 Minuten die meisten Bälle klatschen zu lassen?
  • Variation: C lässt zu B klatschen und B spielt zu A.

Trainingsform zur Verbesserung des Zusammenspiels

Organisation & Ablauf (3. Ballzirkulation)

  • Ein Feld (40 × 20 Meter) mit Mittellinie aufbauen.
  • Zwei 7er-Teams bilden die gegeneinander auf Ballhalten spielen.
  • Je Spielfeldhälfte wird 7 gegen 5 gespielt. Zwei Spieler des „Verteidiger-Teams“ warten jeweils in der anderen Spielfeldhälfte auf die Balleroberung ihres Teams. Erobern die fünf Verteidiger den Ball, so passen sie zu einem ihrer Mitspieler in die andere Hälfte und folgen ihrem Pass. Fünf Angreifer folgen ebenfalls diesem Pass und zwei Angreifer bleiben zurück. Jetzt spielt das alte „Verteidiger-Team“ 7 gegen 5 auf Ballhalten.
  • Spieleranzahl: 8 – 18 Spieler. Es bleiben immer zwei Spieler zurück. Bei niedrigerem Leistungsstand können auch 3 oder 4 Spieler zurück bleiben. Spielfeldgröße anpassen. Bei 16 Spielern z. B. 50 × 25 Meter.
  • Wettbewerb: 5 Passfolgen ergeben einen Punkt. Welches Team erreicht nach fünf Minuten mehr Punkte?
  • Variation: Nur Direktspiel. Für einen Pass zum Dritten gibt es einen Punkt.
  • Tipp: Der Trainer stellt sich mit Ersatzbällen auf Höhe der Mittellinie.

Fußballspiel mit der taktischen Ausrichtung Mittelfeldpressing. Grundlage der Positionseinteilung ist das 4-2-3-1.

Organisation & Ablauf (4. Taktik)

  • Ein 48 Meter tiefes Spielfeld auf Strafraumbreite aufbauen. Zwei Tore mit Torhütern besetzen. Das mittlere Spielfelddrittel mit Hütchen markieren.
  • Es wird 7 gegen 7 in den Grundformationen 3-3-1 gespielt. Dies entspricht einem 4-2-3-1 ohne 6er und einer Dreierkette anstatt einer Viererkette.
  • Bei Spielunterbrechungen Spieleröffnung beim TW. Die verteidigende Mannschaft postiert sich immer kompakt ins mittlere Spielfelddrittel. Passwege ins Zentrum werden geschlossen, Passwege nach außen sind offen. Auf Spielverlagerungen des Gegners im eigenen Drittel reagiert das Team nur mit seitlichem Verschieben. Bei äußerer Ballposition in Teamnähe übt der ballnahe Außenspieler Druck aus. Der ST stellt einen Rückpass zu und der 10er schiebt in die Lücke zwischen ST und ballnahem Außenspieler um Passwegen ins Zentrum zu schließen. Der ballnahe AV schiebt zur Balleroberung ins Mittelfeld hoch und die beiden anderen Verteidiger schieben zur Ballseite und sichern ab.
  • Spieleranzahl: 14 Spieler.
  • Tipp I: Bei Rückpässen immer auf Ausgangsposition vorschieben. Enge Abstände der Mannschaftsteile zueinander. Doppeln und Nachsetzen. Bei eigenem Ballbesitz durch Spielverlagerungen Raum schaffen.
  • Tipp II: Der Trainer stellt sich mit Bällen am Spielfeldrand und bei jeder Spielunterbrechung passt er einen Ball zum TW der ballbesitzenden Mannschaft. Die Verteidigende Mannschaft muss dann sofort nach einem lauten Kommando vorschieben, um den Gegner unter Druck setzen zu können.

Die Trainingsmethode des Turbo-Lernfußballs ist komplett und mit vielen Übungen, kostenlos auf der Webseite von Martin Hasenpflug beschrieben. Dort findet man sie bereits seit einigen Wochen, doch wurde diese jetzt neu überarbeitet und weiter optimiert. Hier der Direktlink.

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