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Aug 08 2010

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Perfektes Umschalten – Der Schlüssel zum Erfolg

Die häufigste im Spiel stattfindende Situation die ein vergrößertes Maß an taktischem Verhalten erfordert ist das sogenannte Umschalten. Also der Moment indem der Ball die Mannschaft wechselt. Das oberste Ziel jeder Mannschaft sollte es sein diese Momente für sich zu entscheiden. Denn letztendlich könnte man die These aufstellen, dass diejenige Mannschaft ein Spiel gewinnt, die das Umschalten effektiver praktiziert.

Alle Spieler müssen genau wissen, wie sie sich im Moment des Ballgewinns und in dem Moment des Ballverlustes zu verhalten haben. Kennen die Spieler ihre Aufgabe, verlieren sie keine wertvolle Zeit durch Überlegungen und wissen ihr Handeln im Einklang mit den Aktionen der Mitspieler zu bekommen. Also muss der Trainer hier seinen Spielern eine klare taktische Vorgabe geben.

Die Möglichkeit nach einem Ballgewinn einen aussichtsreichen Angriff einzuleiten oder der direkte Wiedergewinn des Balls bei einem Ballverlust, hängt im großen Maße an der Anzahl der eigenen Spieler in Ballnähe ab. Um dies zu erreichen müssen sich alle Spieler an Defensiv- und Offensivaktion beteiligen. So besitzt man im Fall des Ballgewinns viele Anspielstationen in Ballnähe, bzw. bei Ballverlust die Möglichkeit den Ballgewinner unter Druck zu setzen und seine Anspielstationen zuzustellen.

Überzahl in Ballnähe kann man effektiv nur mittels dem ballorientierten Spiel erreichen. Trifft man nun auf eine Mannschaft die ebenfalls gut Richtung Ball verschiebt, hängt das Gelingen des Umschaltens von weiteren Faktoren ab:

  • Wann wird die Situation erkannt?
  • Wieviel Informationen stehen zur Verfügung?
  • Wieviel Zeit vergeht vom Denkvorgang bis hin zum Handeln?

Möchte man nun die Umschaltphasen für sich entscheiden, so sind im Idealfall in allen drei Punkten gute Leistungen abzuliefern. Im Klartext bedeutet dies, dass man in den Bereichen Antizipation, peripheres Sehen und Handlungsschnelligkeit bestens geschult sein muss.

Antizipationsfähigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass der Spieler aufgrund seiner Spielintelligenz und der Intuition in der Lage ist zu erkennen, wie sich eine Spielaktion entwickeln wird. So kennt er die zukünftige Situation noch bevor sie tatsächlich eingetreten ist. Durch den damit verbunden Gedankenvorsprung erhält er die Möglichkeit seine Aktion bereits einzuleiten, noch bevor der Gegner diese überhaupt erkennt.

Die Antizipation kann im Training durch leicht dosierte Überforderungen verbessert werden. Wenn das bewusste Nachdenken überfordert ist, schaltet man automatisch auf intuitives Handeln um. Unterbrechungsfreie Spielformen z.B. mit vielen Spielern auf engem Raum erzwingen diesen Prozess.

Der nächste Punkt das periphere Sehen sorgt dafür, dass der Spieler jederzeit ein Überblick über die Positionen aller Mitspieler und Gegenspieler hat. Diese Informationen sorgen dafür, dass er z.B. beim Ballgewinn nicht erst schauen muss wo sich seine Mitspieler befinden, sondern er kann das Spiel zügig ohne Zeitverlust fortsetzen. Das periphere Sehen kann z.B. durch Einbringen eines zweiten Balls in Spielformen gut trainiert werden.

Der dritte Punkt die Handlungsschnelligkeit bezeichnet die Dauer von der Wahrnehmung einer Situation bis hin zur passenden motorischen Umsetzung. Zeichnet sich die motorische Umsetzung durch gute Antrittsschnelligkeit und seinen Leistungsfähigkeiten angepasstes Handeln aus, steht einer erfolgreichen Aktion kaum mehr was im Wege. Die Handlungsschnelligkeit wird in 1-gegen-1-Situationen, bei sich schnell wechselnden Spielbedingungen (z.B. Überzahl und Unterzahl), bei Spielen auf engem Raum usw. gut trainiert.

Einen weiteren Vorteil beim Umschalten erhält man, wenn man den Ballgewinn und Ballverlust schon im eigenen taktischen Agieren berücksichtigt. Bei einem Angriff sollte das Mittelfeld sich gestaffelt in die Offensive einschalten, um bei einem etwaigen Ballverlust über eine Absicherung zu verfügen. Außerdem ist man bei Ballbesitz in der Pflicht alles erdenkliche zu unternehmen, um auch in Ballbesitz zu bleiben. Das heißt z.B. Anspielstationen in Breite und Tiefe schaffen, permanentes Freilaufen, risikoreiche Aktionen vermeiden und ständiges Anbieten.

Bei einem gegnerischen Angriff ist es selten sinnvoll mit allen Spielern näher zum eigenen Tor zu stehen als der ballführende Gegner. Zumindest ein Angreifer bleibt für einen etwaigen Konter vor dem Ball. Damit der Angreifer sinnvoll angespielt werden kann ist es wichtig, dass dieser nicht den Kontakt zur restlichen Mannschaft verliert. Schon im Vorfeld eines Konters sind möglich freie Räume zu erkennen. Sobald der Ballgewinn des Mitspielers stattfindet wird Blickkontakt hergestellt, sich dann vom Gegner gelöst und im Augenblick des Passes in den freien Raum gestartet.

Wie bereits erwähnt ist es beim Umschalten unerlässlich, dass sich alle Spieler geistig und motorisch voll auf die neue Spielsituation einstellen und sich an den nun erforderlichen Handlungen beteiligen. Konkret bedeutet dies bei Ballverlust, dass der ballnahste Spieler sofort druck auf den Ball ausübt, um den Handlungsrahmen des Gegners klein zu halten. Mitspieler versuchen schnellstmöglich hinter den Ball zu kommen, Richtung Ball einzurücken und einen kompakten Block vor dem ballführenden Gegner zu bilden. Beim Zurücklaufen kreuzt man idealerweise mögliche Passwege des Gegners.

Erstrebenswert ist es, dass der druckausübende Mitspieler die Spitze eines Abwehrdreiecks ist. Somit unterbindet man gefährliche Pässe des Gegners in die Tiefe. Besonders ein im Rücken des Ballführenden befindlicher Mitspieler sollte sich bemühen nach hinten zu doppeln. Weitere aussichtsreiche Situationen zum Doppeln sollte man erkennen und provozieren.

Eine detaillierte Vorgehensweise bei eigenem Ballbesitz und gegnerischem Ballbesitz haben wir in dem letzten Artikel Goldene Regeln des Fußballspiels beschrieben. Mit dem letzten Artikel und den Hinweisen hier, sollte jeder Trainer in der Lage sein das Umschaltverhalten seiner Mannschaft zu verbessern und so das Potential seiner Mannschaft besser auszuschöpfen.

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