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Jan 18 2011

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Anforderungsprofil eines zentralen Angreifers

Ohne die zentralen Angreifer läuft im Fußball nicht viel. Sie sind es, die nach dem Spielaufbau und dem Herausspielen von Torchancen, die Tore erzielen sollen. Je nach Spielsystem wird heutzutage meist mit einem (4-2-3-1) oder zwei (4-4-2) zentralen Angreifern gespielt. Das Anforderungsprofil der Angreifer unterscheidet sich in diesem beiden Spielsystemen aber nicht.

Die Aufgaben eines zentralen Angreifers sind recht weit gefächert. Neben seiner Schnelligkeit, die jedoch im modernen Fußball auf allen Positionen gefragt ist, gehört vor allem die Fähigkeit beidfüssig harte Torschüsse aus unterschiedlichen Positionen abzugeben. Oft kommt er auch zu Torabschlüssen nach einer Hereingabe von aussen oder aus der Drehung, nachdem er sich um einen Gegenspieler in seinem Rücken herumgewickelt hat.

Gerade bei Pässen aus dem Mittelfeld sollte der Angreifer in der Lage sein sich vom Gegenspieler zu lösen, um sich z. B. mit dem Ball aufzudrehen. Bleibt der Abwehrspieler dagegen sehr eng im Rücken, dass kein Aufdrehen möglich ist, so sollte er in seitlicher Stellung den Ball mit der Schulter abschirmen und halten. Nun hat er die Möglichkeit den Ball entweder abzulegen, oder kurz in eine Richtung anzudribbeln, eine Finte (Körpertäuschung, Ausfallschritt, Rivelinho) auszuführen und sich dann in die Gegenrichtung um den Abwehrspieler herum zu drehen.

Weitere technische Fähigkeiten die ein moderner Angreifer im Schlaf können sollte, ist es flach und hoch zugespielte Bälle sicher an- und mitzunehmen. Es ist wichtig diese Pässe schnell am Boden zu kontrollieren und sich nach Möglichkeit in die Spielrichtung aufzudrehen. Der zentrale Angreifer soll Schussfinten beherrschen, überdurchschnittlich im Kopfballspiel sein und wissen frontale 1-gegen-1-Nahsituationen für sich zu entscheiden. Die zuletzt genannte Situation kann er sehr gut lösen, indem er leicht versetzt auf den Abwehrspieler zudribbelt (Abwehrspieler in Bewegung setzen), durch einen Ausfallschritt ein Fehlverhalten provozieren und mit einer Temposteigerung diagonal entgegengesetzt wegdribbeln.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt zur Verbesserung der zentralen Angreifer ist es Lösungen für das Zusammenspiel untereinander und für das Zusammenspiel mit Spielern auf benachbarten Spielpositionen zu finden. Man sieht z. B. recht häufig in einem Spiel, dass der zentrale Angreifer dem Mittelfeldaußen am Flügel entgegenkommt und sich ihm als Wandspieler zum Doppelpass anbietet. Aufgrund seiner tieferen Spielposition (Tiefenstaffelung) ist er in solchen Situationen prädestiniert für den Doppelpass.

Das Lösen vom Gegner ist ein ganz wichtiger Punkt bei der Schulung des zentralen Angreifers. Durch ein Lösen ist er in der Lage den Verteidiger auf Distanz zu bringen und sich so bei einem Anspiel Richtung Tor aufzudrehen. Entscheidend ist das Timing beim Lösen. Er soll Blickkontakt mit dem Ballführenden herstellen und sich dann in dem Augenblick freilaufen, in dem der Ball gespielt werden kann.

Die Anspieler aus dem zentralen Mittelfeld sollen beachten, dass sie bei mehreren Anspielmöglichkeiten den Angreifer anspielen, der sich mit dem Ball drehen kann. Könnte sich kein Angreifer mit Ball drehen, weil die Abwehrspieler sehr eng decken und sich auch nicht abschütteln lassen, so sollte man immer den tiefer postierteren Angreifer anspielen. Dieser befindet sich näher zum Tor und ein eventueller Ballverlust ist auf dieser Position nicht ganz so gefährlich.

Bei einem Spiel mit zwei zentralen Angreifern ist es wichtig, dass diese möglichst oft in einer Tiefenstaffelung agieren. Nur so können sie Aktionen wie Doppelpass, quer im Rücken der Abwehrspieler laufen, in die Gasse spielen usw. absolvieren. Ihre Tiefenstaffelung können sie auch prima dazu nutzen, um zu kreuzen und so den Abwehrspielern die Zuordnung zu erschweren. Sehr gefährlich können die beiden Angreifer werden, indem sie zunächst auf einer Höhe agieren und sich dann in einer Tiefenstaffelung lösen. Ein Übergeben und Übernehmen des Balls zwischen den beiden Angreifern ist auch denkbar, wird aber selten praktiziert.

Bei einem Anspiel von aussen haben die zwei zentralen Angreifer nun auch zahlreiche Möglichkeiten Torchancen zu erspielen. So kann der ballnahe Angreifer sehr gut als ein sogenannter Raumöffner fungieren. Er startet Richtung Ball, zieht so einen Abwehrspieler raus und der zweite Angreifer kann nun in den Rücken des herausgezogenen Abwehrspielers starten und erhält dort den Pass von aussen. Eine weitere Variante bei einem ballführenden Mitspieler am Flügel wäre das sogenannte Spiel über den Dritten. Der ballnahe Angreifer startet wie zuvor Richtung Ball. Der Ballführende passt jetzt aber nicht kurz zu dem Entgegenstartenden, sondern lang zum zweiten Angreifer. Der ballnahe Angreifer bricht jetzt seinen Lauf ab, wickelt sich um den Abwehrspieler herum, startet mit Tempo Richtung Tor und erhält ein direktes Zuspiel vom zweiten Angreifer.

Bei Flanken oder Rückpässen nahe der Torlinie ergeben sich folgende Zielräume für die beiden zentralen Angreifer (bei einem 4-2-3-1 wäre einer der offensiven Mittelfeldspieler der zweite Angreifer): Es gilt immer den kurzen und langen Pfosten zu besetzen. Bei Flanken den kurzen Pfosten im Abstand von ca. 6 – 10 Meter und den langen Pfosten im Abstand von ca. 8 – 12 Meter besetzen. Wichtig ist das richtige Timing beim Hereinlaufen. Man darf nicht eher als der Ball im Zielraum sein. Ansonsten ist man nicht in der Lage den Schwung des Anlaufes in den Ball zu übertragen.

Bei Rückpässen von der Torlinie aus, kann man nun wie von uns öfters empfohlen ein sogenanntes Angriffsdreieck bilden, oder der zweite Angreifer befindet sich noch weiter vom Tor entfernt als der ballnahe Angreifer. Beim Angriffsdreieck ist der ballnahe Angreifer ca. 8 – 11 Meter vom Tor entfernt und der zweiter Angreifer startet in die Gasse zwischen Torwart und dem ballnahen Angreifer. In der anderen Variante sind es ca. 5 – 7 Meter kurzer Pfosten und 10 – 13 Meter langer Pfosten.

Bei Flanken oder Rückpässen von der Torlinie wird ein Kreuzen nicht unbedingt empfohlen. Dadurch wird das Timing erschwert und die Zeit reicht dafür auch oft nicht aus. Generell gilt, dass der vordere Angreifer das Laufverhalten des hinteren Angreifers bestimmt. Nur der Hintere hat den Vorderen in Blick und kann so auf dessen Verhalten reagieren. Deswegen soll der Hintere z. B. bei einem Rückpass von der Torlinie in die gerade beschriebene Gasse laufen, wenn der ballnahe Angreifer weiter entfernt vom kurzen Pfosten agiert, oder hinter dem vorderen Angreifer bleiben, wenn dieser so nah zum Tor startet, dass sich keine Gasse ergibt.

Eine gute Spielform, um vier zentrale Angreifer gleichzeitig zu trainieren, wäre es einen doppelten Strafraum mit zwei Toren und Torhütern aufzubauen. Im Feld wird zwei gegen zwei gespielt. Soll ein zentrales Anspiel auf die Angreifer simuliert werden, so eröffnen jeweils die Torhüter das Spiel. Soll dagegen ein Anspiel von aussen simuliert werden, wird von jedem Team noch links und rechts außerhalb des Spielfelds ein Spieler postiert. Diese Flügelspieler sollen nun, nachdem sie den Ball vom Torwart erhalten haben, das Spiel eröffnen.

Das mannschaftstaktische Verhalten eines zentralen Angreifers sieht so aus, dass er beim Spielaufbau hoch schiebt, um den Raum in die Tiefe zu öffnen. Er soll als Anspielstation im Zentrum dienen und Pässe in die Tiefe fordern. Natürlich soll er auch in den Strafraum starten, um dort Hereingaben zu verwerten. Bei der gegnerischen Spieleröffnung ist es seine Aufgabe den Spielaufbau, entsprechend den Vorgaben des Trainers, zu lenken und wenn er überspielt wird nach hinten zu doppeln.

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