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Sep 04 2011

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Schneller Fußballspielen: Training der Ballan- und Ballmitnahme

Zur häufigsten Technik des modernen Fußballs gehört die Ballan- und Ballmitnahme. Heutzutage wird im Leistungsbereich massiv das Kombinations­spiel betrieben. Viele Abspiele führen folglich zu vielen Ballan- und Ballmitnahmen. Ein nicht unerheblicher Faktor der über Sieg und Niederlage entscheidet ist somit die Qualität der Mannschaft in diesem Technikbereich.

Aufgrund den modernen Balleroberungsstrategien wie Pressing, Doppeln, Räume eng machen usw. bleiben den Spielern keine Zeit mehr Pässe anzustoppen, den Kopf zu heben und dann zu entscheiden was man macht. Um keinen Ballverlust zu verursachen muss der moderne Fußballer in der Lage sein die Zuspiele, ohne Zeitverlust, direkt mit dem ersten Ballkontakt in den freien Raum mitzunehmen. Dies kann er weiter optimieren, indem er die Ballan- und Ballmitnahme mit einer Lauffinte (Fehlverhalten des Gegners provozieren) verbindet und nach dem Ballkontakt eine Temposteigerung absolviert (Raumgewinn).

Die Technik Ballan- und Ballmitnahme unterteilt sich in drei Hauptkategorien. Ballan- und Ballmitnahme nach Vorne, zur Seite und nach Hinten. Diese lassen sich wiederum jeweils in den Unterkategorien flache und hohe Zuspiele teilen.

Entscheidend für die Qualität der Ballan- und Ballmitnahme sind in erster Linie Technik, Wahrnehmung und wie man als Spieler zum Ball steht (Stellung). Bei der Technik ist es wichtig das Zuspiel bereits mit dem ersten Ballkontakt zu kontrollieren. Durch leichtes zurückziehen des entsprechenden „Körperteils“ (ansaugen) entschleunigt man den Pass so, dass der Ball direkt vor dem starken Fuß (oder unter Druck am gegnerfernen Fuß) liegt. Mit dem zweiten Ballkontakt beginnt dann direkt das Tempodribbling. Bei flachen Zuspielen darauf achten die Fußspitze leicht anzuheben, damit der Ball nicht über den Fuß rollt.

Was die Wahrnehmung betrifft, so ist es wichtig die Schärfe des Passes korrekt einzuschätzen und den Ball entsprechend stark anzusaugen. Bei hohen Pässen muss zusätzlich die Flugbahn genau beobachtet werden, um die Ballan- und Ballmitnahme mit dem richtigen Körperteil (Fuß, Brust oder Oberschenkel) zu absolvieren. Zu einer guten Wahrnehmung gehört auch das Erkennen von Räumen. Bereits vor dem Zuspiel sollte man wissen wohin man das Zuspiel mitnehmen kann. Bei einer Ballan- und Ballmitnahme nach Hinten (außerhalb der Wahrnehmung) ist ein coachen des Mitspielers notwendig („Dreh“).

Der letzte entscheidende Faktor der die Qualität der Ballan- und Ballmitnahme bestimmt ist die Stellung des Angespielten zum Ball und Spiel. Wird man angespielt und man steht mit dem Rücken zur gewünschten Dribbelrichtung, verliert man durch die in diesem Fall nötige Drehung wertvolle Zeit. Dies kann man mit einer angepassten Stellung verhindern.

Deswegen sollte der moderne Fußballer immer eine sogenannte offene, bzw. seitliche Stellung zum Ball und Spiel einnehmen. Außenspieler stehen z. B. immer mit dem Rücken zur Seitenlinie (hier können sie sowieso nicht hindribbeln). Werden sie so angespielt (im Idealfall in den äußeren Fuß) können sie direkt in Spielrichtung losdribbeln. Auch zentrale Spieler sollten in seitliche Stellung gehen (nach Innen hin), um ein Zuspiel ohne Zeitverlust in Spielrichtung mitnehmen zu können.

Das Abschlussspiel kann mit zwei Sonderregeln absolviert werden. Zwei Pflichtkontakte für jeden Spieler und 15 Passfolgen ergeben ein Tor. Nach 15 Passfolgen bleibt die Mannschaft in Ballbesitz und die Zählung beginnt von Neuem.

Ballan- und Ballmitnahme, Trainingseinheit 1

Erste Trainingseinheit:

Übung 1. Für je 4 Spieler vier Hütchen in einer Reihe Aufstellung. Die Distanz zu Hütchen A und B beträgt ca. 25 Meter. Dazwischen steht ein 2 – 3 Meter breites Hütchentor. Die Spieler teilen sich an Position A und B auf. Sie stehen so seitlich neben dem Hütchen, dass sie sich gegenüber befinden. Der vorderste Spieler B hat einen Ball. A startet B entgegen, B spielt einen Flachpass zu A, so dass er diesen im Lauf nach vorne durch das Hütchentor mitnehmen kann. Mit dem zweiten Ballkontakt von A erfolgt dann im Idealfall der Pass zum nächsten Spieler B. A stellt sich bei B an und B wechselt nach seinem Pass direkt zu A. Variation: Anstatt flache Pässe, Einwürfe von B. Zwecks Training Ballan- und Ballmitnahme hoher Bälle. Auf der anderen Seite der Hütchen postieren. Dann gleicher Ablauf von dort zwecks Training der Beidfüßigkeit. Tipp: Den Ball in den äußeren Fuß von A passen oder werfen.

Übung 2a. Vier Hütchen entsprechend der Zeichnung im und am Strafraum aufbauen. An den Positionen B – D stehen je zwei Spieler ohne Ball und die restlichen Spieler mit Ball am Starthütchen A. A spielt zu B, dieser mit dem zweiten Ballkontakt zu C, C mit dem zweiten Ballkontakt zu D und D kommt mit dem zweiten Ballkontakt zum Torabschluss. Die Spieler folgen ihren Pässen. Variation: Von A nach B wird ein Einwurf absolviert zwecks Training Ballan- und Ballmitnahme hoher Bälle. Tipp: Den Pässen entgegen starten. Auf eine hohe Passqualität achten!

Übung 2b. Ein Quadrat 15 x 15 Meter aufbauen. Durch dieses Quadrat geht ein Rechteck in der Größe 10 x 25 Meter. An jede Position gehen zwei Spieler. Die Spieler am Quadrat und am Rechteck passen jeweils unter sich. Der vorderste Spieler A hat einen Ball (Quadrat) und der vorderste Spieler E (Rechteck). Alle Spieler bleiben nach ihren Pässe auf ihren Positionen, stellen sich aber hinten an. Passkombination Quadrat: A passt zu B, B spielt mit dem zweiten Ballkontakt diagonal zu C, C mit dem zweiten Ballkontakt zu D und D wieder zu A. Passkombination Rechteck: E passt zu F, F spielt mit dem zweiten Ballkontakt diagonal zu G, G spielt mit dem zweiten Ballkontakt zu H und H mit dem zweiten Ballkontakt wieder zu E. Zweiter Durchgang: Im Quadrat wirft A den Ball zu B, zwecks Training Ballan- und Ballmitnahme hoher Bälle und der Rest wie zuvor. Im Rechteck beginnt F mit einem Pass zu E. Jetzt spielen immer E und G die diagonalen Pässe. Variation: Beide Spieler A haben einen Ball. Im Quadrat passt A zu B, B zu D, D zu C und C wieder zu A. Alle Pässe werden mit dem zweiten Ballkontakt gespielt. Sobald der Ball zu D gespielt wird, passt der nächste Spieler A seinen Ball zu B. Tipp: Beim Passen immer darauf achten, dass der Ball nicht mit dem Ball der anderen Gruppe kollidiert.

Ballan- und Ballmitnahme, Trainingseinheit 2

Zweite Trainingseinheit:

Übung 1. Für je 8 Spieler ein 15 – 20 Meter großes Quadrat aufbauen. An den Ecken befindet sich je ein drei Meter breites Hütchentor. Es postieren sich je zwei Spieler an einem Hütchentor. Die Spieler A haben je einen Ball. Die beiden vorderen Spieler A passen gleichzeitig zum vorderen Spieler B. Dieser nimmt den Ball in offener Stellung an und mit und dribbelt zum Hütchentor A. Sobald B losdribbelt können die nächsten Pässe gespielt werden. Welche Gruppe hat nach 4 Minuten die meisten Dribblings durchs Hütchentor Z absolviert? Variation: Spielrichtung ändern. Einwürfe oder Flugbälle von A nach B zwecks Training Ballan- und Ballmitnahme hoher Bälle. Tipp: Spieler B sollen nicht mittig im Hütchentor auf den Ball warten, sondern von außen in den Ball starten.

Übung 2a. Zwei Hütchendreiecke links und rechts am Strafraum entsprechend der Zeichnung aufbauen. Vor dem Tor zwei Schusslinien 1 (12 Meter) und 2 (18 Meter) markieren. Je einen Spieler ohne Ball auf die Positionen B und C. Die restlichen Spieler teilen sich mit Ball an den beiden Starthütchen A auf. Jetzt wird im Wechsel von links und rechts aufs Tor geschossen. Dazu passt A zu B, der in seitlicher Stellung steht und mit dem zweiten Ballkontakt zu C spielt, C befindet sich ebenfalls in offener Stellung und nimmt den Ball Richtung Schusslinien mit. Von Schusslinie 1 darf er nur mit seinem schwachen Fuß schießen und von Schusslinie 2 mit seinem Starken. Für jedes Tor gibt es einen Punkt. Nach dem Schuss stellen sich die Spieler auf der jeweils anderen Seite bei A an. A wechselt nach B und B nach C. Tipp: Die Pässe sollen so gespielt werden, dass der Passempfänger den Ball jeweils um sein Hütchen herum mitnehmen kann.

Spielform 2b. Eine 20 x 20 Meter große Mittelzone markieren. An jeder Seite eine 6 Meter tiefe Tabuzone und an dessen Grundlinie zwei Minitore, recht weit nach aussen, postieren. Es wird 4 gegen 4 mit zwei Pflichtkontakten gespielt. Ein Spieler der verteidigenden Mannschaft muss immer in die Tabuzone, um von dort Schüsse auf eines der beiden Minitore abzufangen. Erobert die verteidigende Mannschaft den Ball, kommt der Spieler der Tabuzone in die Mittelzone und von der anderen Mannschaft wechselt der am tiefsten postierte Spieler in die Tabuzone. In der mittleren Zone ist die ballbesitzende Mannschaft also immer in einer 4-3-Überzahl. Welches Team gewinnt nach 2 x 4 Minuten? Tipp: Die ballbesitzende Mannschaft staffelt sich in Breite und Tiefe um viele Anspielstationen zu besitzen. Positionswechsel vollziehen, Lauffinten einsetzen und Spielumgebung wahrnehmen.

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1 Kommentar

  1. Schmid Daniel

    Hi zusammen,

    klasse Trainingseinheit. Hab ich mit dem DFB Stützpunkt U12-U15 gemacht und mit meiner U17.

    Gibts die Einheiten auch als Download?
    Wär vielleicht mal zu überdenken!

    Gruss und Danke…weiter so

    Daniel Schmid

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