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Dez 29 2011

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Tipps zum Flügelspiel im Fußball

In der Vergangenheit haben wir einige Artikel über den Spielaufbau im Fußball verfasst. Es wurde gezeigt, wie man das Spiel durch das Zentrum aufbaut und es wurde gezeigt, wie man das Spiel über den Außenverteidiger aufbaut. In diesem Artikel geht es über die Folgeaktionen eines Spielaufbaus über den Flügel. Es werden Spielzüge gezeigt, mit denen sich Torchance erspielen lassen.

Um die Angriffsvariabilität zu erhöhen, sollten gezielte Angriffe über die Flügel zum festen Repertoire jeder ambitionierten Mannschaft gehören. Über Außen ist das Erspielen von Torchancen zwar komplexer als durch das Zentrum, doch gerade gegen Mannschaften die modern Verteidigen kann dies der Schlüssel zum Erfolg sein. Heutzutage stehen nämlich gut geschulte Teams zentral sehr kompakt, so dass freie Räume überwiegend auf den Außenbahnen zu finden sind.

Bei den hier vorgestellten Passkombinationen gehen wir immer von einem Ballbesitz des Außenverteidigers aus. Mit einer zügigen Spielverlagerung kann dieser immer gut freigespielt werden. Der ballnahe Mittelfeldaußen sollte zunächst immer in Abseitsposition stehen. Sobald der Außenverteidiger das Spiel vor sich hat und einen Pass spielen kann, kommt ihm der Mittelfeldaussen nach einer Auftaktbewegung entgegen. Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten der Spielfortsetzung.

Passt der Außenverteidiger zum Mittelfeldaußen und dieser steht trotz Auftaktbewegung unter massivem Gegnerdruck, so sollte er den Ball zurück klatschen lassen. Der Außenverteidiger darf in dieser Situation nicht sofort seinem Ball folgen, sondern soll zunächst tief bleiben. Im Falle eines Rückpasses würde er so unnötig den Raum verkleinern und damit einen erneuten Spielaufbau erschweren.

Links: Flugball über den unter Druck gesetzten Mittelfeldaußen. Rechts: Doppelpass am Flügel.

Jedoch kann der Mittelfeldaußen diese Situation auch auf anderer Art lösen. Wenn er merkt, dass er beim Anbieten vom gegnerischen Außenverteidiger unter Druck gesetzt wird, zeigt er mit dem Daumen nach oben. So wird dem eigenen Außenverteidiger signalisiert, einen Flugball entlang der Linie zu spielen. Der Mittelfeldaußen dreht sich abrupt und startet in die Tiefe zum Flugball.

Hängt der Mittelfeldaußen (MA) jedoch mit der Auftaktbwegung seinen Gegenspieler ab, so entstehen andere aussichtsreiche Möglichkeiten der Spielfortsetzung. Der MA dreht sich in diesem Fall nach dem Pass des Außenverteidigers (AV) in Spielrichtung auf und dribbelt den gegnerischen AV an. Jetzt löst sich der 10er mit einer Auftaktbewegung, startet dem MA entgegen und beide spielen nun den gegnerischen AV mit einem Doppelpass aus. Der MA befindet sich nun ohne Gegnerdruck am Flügel und kann den Ball in den Rücken der Abwehr flanken. Neben dem 10er, kann sich auch die Sturmspitze zu einem Doppelpass anbieten. Dieser sollte sich zunächst auch in Abseitsposition befinden und dann aus dem Rücken des gegnerischen Innenverteidigers kommen.

Links: Hinterlaufen am Flügel. Rechts: Vorlaufen.

Eine andere Variante der Spielfortsetzung am Flügel wäre das Hinterlaufen. Sieht der AV, dass der MA ohne Gegnerdruck ist, brauch er nicht in der Tiefe für einen Rückpass bleiben. Nach seinem Pass zum MA startet er sofort die Linie entlang, um ihn zu hinterlaufen. Sobald der AV nahe dem MA ist, signalisiert er ihm sein Hinterlaufen. Jetzt kann der MA den 6er oder 10er anspielen, die den Ball in die Tiefe zum hinterlaufenden AV passen. Sobald der MA vom AV hinterlaufen wird, wechseln beide ihre Positionen bis die Spielsituation beendet ist.

Um eine gewisse Angriffsvariabilität zu erreichen und mal den AV zu schonen, kann das Hinterlaufen durch das Vorlaufen ersetzt werden. Der MA befindet sich wieder mit Ball in Spielrichtung (nach einem Pass des AV) und dribbelt auf den gegnerischen AV zu. Sobald der 6er oder auch der 10er sehen, dass der eigene AV nicht hinterläuft, so startet einer von ihnen longline. Das bedeutet mit Tempo im Rücken des gegnerischen AV zur Außenlinie. Hier kann er nun angespielt werden und verfügt über Raum zur Spielfortsetzung. In diesem Fall rückt der ballnahe AV ins Mittelfeld vor, damit entstandene Lücken geschlossen werden.

Links: Spiel über den Dritten. Rechts: Einrücken des ballfernen Mittelfeldaußen.

Eine weitere Variante einen Angriff über den Flügel zu gestalten ist das Spiel über den Dritten. Ausgangsposition ist wie gehabt. Der AV konnte sich mit Ball in Spielrichtung aufdrehen und der MA kommt ihm für ein Anspiel entgegen. Doch gleichzeitig löst sich nun auch die Sturmspitze und bietet sich aus ihrer Abseitsposition dem AV zu einem Anspiel an. Jetzt passt der AV nicht zum MA, sondern zur Sturmspitze. Mit diesem Pass bricht der MA sofort seinen Lauf Richtung Außenverteidiger ab und startet longline in die Tiefe. Die angespielte Sturmspitze leitet den Ball zum MA weiter. Dieser kann nun wieder ungehindert den Ball in den Rücken der Abwehr flanken.

Sollte sich herausstellen, dass die Anspielstationen für das Erspielen von Torchancen am Flügel nicht ausreichen, besteht noch eine weitere Möglichkeit. Der ballferne MA wird nun angeleitet zur Ballseite zu laufen, um hier eine zusätzliche Anspielstation zu schaffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Überzahlsituation ist nun sehr hoch. Diese Konstellation wäre auch bei einem eventuellen Ballverlust von Vorteil, weil man durch die Überzahl ein effektives Gegenpressing starten kann.

Der Fußballverband Niederrhein empfiehlt bis zur C-Jugend eher nicht auf festgelegte Spielzüge zu setzen, sondern gruppentaktische Angriffsmittel zu vermitteln. Die Kreativität der Spieler soll auf diese Art gefördert werden. Durch das Erlernen gruppentaktischer Angriffsmittel werden den Spielern Lösungswege gezeigt, die sie nun entsprechend den Spielsituationen kreativ einsetzen können. Bei höheren Mannschaften sollten aber definitiv festgelegte Spielzüge einstudiert werden.

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