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Jul 20 2009

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Mit „Fußball Total“ aus dem Niemandsland zur Weltspitze

Die Niederlande ist ein Land mit 16 Millionen Einwohnern und damit nicht größer als Nordrhein-Westfalen. Wenn man allein die Größe des Landes betrachtet, kann man sich schwer vorstellen, dass dieses Land eine große Rolle in einer Sportart spielt, die in fast allen Ländern Volkssport Nr. 1 ist. Zuerst schlug sich die Niederländische Nationalmannschaft auch so wie es die großen Fußballnationen erwarteten. Zwischen 1949 und 1955 z.B. schaffte das Oranje-Team lediglich zwei Siege in 27 Spielen.

Doch Mitte der 60er Jahre kam die große Wende im Niederländischen Fußball! Mit Johan Cruyff als spielgestaltender Mttelstürmer und Rinus Michel als sein Trainer gewann Ajax Amsterdam von 1971 bis 1973 dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Die Nationalmannschaft schaffte es 1974 bei der Weltmeisterschaft bis ins Finale und unterlag dort unerwartet mit 2:1 gegen Deutschland. Zuvor hatte man in der Zwischenrunde Argentinien und Brasilien mit 4:0 und 2:0 besiegt. Im Jahr 1988 haben die Niederländer dann doch noch einen Titel geholt. Wieder unter Rinus Michel als Trainer gewann man in Deutschland die Europameisterschaft.

Der Grund für den Sprung vom Fußball-Niemandsland zur Weltspitze war die niederländische Spielphilosophie Voetbal total. Diese verlangte von den Spielern einen technisch versierten Angriffsfußball. Ganz nach dem Motto; wer angreift und im Ballbesitz ist, der kann auch keine Gegentore kassieren. Das war zu der Zeit eine Abkehr vom üblichen Defensivspiel vieler Fußballmannschaften. Selbst die Außenverteidiger schalteten sich mit ins Angriffsspiel ein und auf deren Seite positionierte Mitspieler sicherten für sie ab. Dieses sogenannte Rouchieren wird bis heute weltweit praktiziert. Man war der Meinung, dass jeder Spieler in der Lage sein sollte jede Position zu spielen. Man spielte damals zum ersten mal aus der Grundformation 4-3-3 heraus. Dieses System hat sich bis heute bewährt.

Ein weiteres besondere Merkmal von Fußball-Total war das Pressingspiel. Damals war es ohne weiteres möglich 50-60 Meter über das Feld zu dribbeln ohne angegriffen zu werden: Jeder deckte seinen Spieler und so standen nicht genügend freie Spieler zur Verfügung, um den Dribbelnden zu attackieren. Doch mit Fußball-Total wurde diese Zeit des Spazierengehens im Mittelfeld beendet. Von nun an wurde der Raum gedeckt, die Abwehrreihen rückten auf und die Spieler schoben sich bei Ballbesitz des Gegners eng zusammen. So wurde versucht den Gegner überall auf dem Platz unter Druck zu setzen . Ihm sollte so die Zeit zum Überlegen genommen werden. Er sollte nicht mehr in der Lage sein einen gefährlichen Pass in die Tiefe zu spielen.

Zusätzlich erhöhte sich durch das Pressing die Fehlerquote der gegnerischen Mannschaft. Man eroberte jetzt viel häufiger den Ball. Sobald man in Ballbesitz war, schoben sich die Mitspieler auseinander und man versuchte über möglichst wenig Stationen den Ball nach Vorne zu spielen. Das Zusammenrücken bei eigenem Ballbesitz und das auseinander rücken bei gegnerischen Ballbesitz wird im Fußball als Ziehharmonikaprinzip bezeichnet und wird auch noch bis heute von den Profimannschaften praktiziert. Das neue Spielsystem der Raumdeckung war nicht mehr ganz so einfach zu spielen. Die Spieler mussten sich jetzt nicht mehr nur auf einen Spieler konzentrieren, sondern auf das ganze Spielgeschehen. Doch sobald dies gelang, konnte man auch mit schlechteren Einzelspieler favorisierte Mannschaften besiegen.

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